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Schon Konfuzius wusste: Ist das Wartezimmer voll, fühlt sich der Arzt toll. Ist es leer, nicht mehr.  Bild: KEYSTONE

Der Enthüller

Sprechen Sie in diesen 5 Situationen mit Fremden, statt aufs Handy zu starren. Überraschungen garantiert

18.09.14, 10:22 22.09.14, 15:10

Satire – kein Wort ist wahr!

buzz orlger

Winterthur (den). Jetzt mal Hand auf die Hose: Wann haben Sie sich das letzte Mal mit einem Fremden unterhalten? Billetkontrolleur und McDonald's-Angestellte zählen nicht. Na? Jawohl, dürfte schon eine Weile her sein. Keine Angst, das ist nicht Ihre Schuld. Seit es Smartphones gibt, hat die Unterhaltung als Zeitvertreib ausgesorgt. 

Wir möchten jedoch Gegensteuer geben. In einer Zeit, in der nur noch Prostituierte sowie Mitarbeiter von Hilfswerken freiwillig Fremde ansprechen, muss etwas geschehen. Beteiligen Sie sich am Sozialexperiment des Enthüllers. Sprechen Sie in den folgenden fünf Alltagssituationen Fremde an und staunen Sie über die Macht der Konversation. Falls Sie etwas aus der Übung sind, kein Problem. Wir haben Ihnen hingeschrieben, was Sie sagen müssen. 

1. Im Wartezimmer beim Arzt

Hier wartet keiner gerne. Auf dem Tisch liegen Zeitschriften von 2009, links und rechts von Ihnen wird gehustet und Kleinkinder putzen sich mit Pixi-Büchern die Nase. Wollen Sie wirklich riskieren, dass eklige Bazillen auf Ihrem Handydisplay landen? Starten Sie stattdessen lieber eine Konversation. Erzählen Sie, warum Sie heute hier sind. «Dieser eitrige Abszess an der Hüfte ist echt hartnäckig. Schon zwei Mal abgesaugt und trotzdem ist das Ding wieder prall wie eine Orange. Wollen Sie mal sehen?»
Erkundigen Sie sich auch, was die Gebrechen der anderen Patienten sind und empfehlen Sie prinzipiell Kamillenbäder und Vitamin C. Ihre Anteilnahme wird geschätzt werden. ​

2. Bei der Post 

Der Autor des Texts wollte im Juni dieses Jahres einen eingeschriebenen Brief abschicken. Als seine Nummer aufgerufen wurde, war Deutschland bereits Weltmeister. Mit anderen Worten: Bei der Post können Sie warten, bis Sie schwarz werden. Zeit, eine kleine Plauderei zu starten. Halten Sie Ihr Couvert dem Vordermann ans Ohr gefolgt von einem «Ich wollte diesen Brief an meinen Chef schicken. Finden Sie, der tickt zu laut?» – Die Lacher sind Ihnen auf sicher. 

Falls der Vordermann humorlos und verängstigt reagiert, beruhigen Sie die Situation mit einem: «Keine Angst, ich mach doch nur Scherze. Anthrax tickt ja gar nicht.» Mit diesem Witz erheitern Sie selbst Gesellen, die zum Lachen normalerweise in den Keller gehen. Möglicherweise lässt man Sie sogar vor.  

Der Friedhof der Zalando-Pakete: Schweizer Post. Bild: KEYSTONE

3. An der Kasse im Ikea-Restaurant

«Na, auch zu geizig für richtiges Essen? Diese Köttbullar sind halt schon extrem lecker. Ich frag mich, womit die das Pferdefleisch würzen?» Zack, schon haben Sie eine lustige Konversation gestartet, bei der jeder mitmachen kann. Gut funktionieren auch die fehlende Schraube beim Billy-Regal, Gratiskaffee mit der Family-Karte oder Ihr letzter Schwedenurlaub. 

Falls Sie noch nie in Schweden waren, macht nix. Labern Sie einfach irgendwas von wegen Mücken und wie teuer das alles war. Dass Sie auf Schwedentorte abfahren, können Sie an dieser Stelle verschweigen. Schwedinnen fassen diese Info als billigen Anmachspruch auf. 

So sieht gesunde Ernährung aus. Petersilie enthält die Vitamine A, C und E. Bild: ikea.com

4. An der Kasse bei Migros 

Falls Sie männlich sind und sich eine attraktive Frau vor Ihnen befindet, starten Sie folgenden Monolog: «So eine Scheisse. Die XL-Kondome sind schon wieder ausverkauft. Da will man sich einmal was Gutes tun und fünf Zentimeter mehr gönnen und dann so was. Darf ich Sie mit den acht Franken, die ich jetzt übrig habe, auf einen Kaffee einladen?» 

Bei Bradley Cooper funktioniert dieser Spruch neun von zehn Mal. Sollte er bei Ihnen aus irgendeinem Grund nicht wirken, rächen Sie sich an der prüden Tusse vor Ihnen. Sobald die Dame nach ihrer Cumulus-Karte gefragt wird, legen Sie Ihre eigene hin gefolgt von einem: «Das geht auf mich.» 

5. Im Aufzug

Bevor die Lifttüre schliesst, stellen Sie sich mit Namen vor. Dann lassen Sie diese Sätze folgen: «Ich würde mich freuen, Sie heute während der Fahrt kennenzulernen. Damit uns genug Zeit für eine Vorstellungsrunde bleibt, wähle ich mal vorsichtshalber sämtliche Stockwerke an.» Sie werden sehen, dass Ihr kreativer Input nicht folgenlos bleibt. In der Regel lernen Sie pro Fahrt zwei neue Freunde kennen. Sollten Sie das Pech haben, in einem Lift mit asozialen Stummfischen gelandet zu sein, verzagen Sie nicht. 

Wenn sich niemand vorstellt, fragen Sie laut in die Runde, ob jemand «Speed» mit Keanu Reeves gesehen habe. «Dieser Fahrstuhlabsturz am Anfang ist ziemlich übel.  Da saust das Teil aus der obersten Etage ungebremst in den den Keller. Schon krass, wenn man so eingesperrt ist und nichts machen kann.» Dann summen Sie leise die Titelmelodie von «Speed» und tun so, als ob Sie in Ihrer Faust eine Fernsteuerung halten.  

Der Enthüller

Hart recherchierte Fakten, fundierte Kritik und realistische Analysen? Die gibt es anderswo. Chefredaktor Buzz Orgler und sein Praktikant Pavel Kulicka decken auf, was keiner wissen will. Ob Berichte über Telefonzellen mit Pissoirs oder mit Zwiebeln verunreinigte Kebabs, die beiden gescheiterten Journalisten sind sich für keine satirische Schlagzeile zu schade. Und schneller als die Wahrheit sind sie noch dazu. 

www.der-enthüller.ch
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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
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