Blogs
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Construction workers have a break on the construction site of the Prime Tower in Zurich, Switzerland, pictured on November 19, 2009. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Bauarbeiter pausieren am 19. November 2009 auf der Baustelle des Prime Towers in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Bauarbeiter wollen lieber arbeiten als pfeifen. Bild: KEYSTONE

Der Enthüller

Bauarbeiter wehren sich gegen Pfeifzwang bei vorbeigehenden Frauen

Claudio Gagliardi
Claudio Gagliardi

Zürich (den). Schweizer Bauarbeiter haben genug. Seit Jahren pfeifen sie vorbeigehenden Frauen hinterher. Doch was viele nicht wissen: Die Maurer, Strassenarbeiter und Zimmermänner tun dies nicht aus niederen, machistischen Gründen. Nein, sie sind dazu verpflichtet. «Im nationalen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der Baubranche gibt es einen Abschnitt, der uns vorschreibt, den Frauen hinterher zu pfeifen oder wenigstens ein ‹Hey baby, lächle mal. Das ist das Zweitbeste, das du mit deinen Lippen machen kannst› hinterher zu rufen. Das müssen wir nun schon seit 25 Jahren machen», so Gewerkschaftssprecher Marco Gafner. Für viele Bauarbeiter sei die Situation unerträglich, so Gafner.

So auch für Christoph Märki. «Ich arbeite während den Semesterferien oft auf dem Bau», sagt der Ethnologiestudent. Dem 24-Jährigen fällt es schwer, der Pfeifverpflichtung nachzukommen. «Ich bin in einer glücklichen Beziehung mit einem anderen Mann. Trotzdem muss ich jedem Rock hinterherpfeifen. Das ist für mich sehr unangenehm.» Doch auch seine heterosexuellen Kollegen leiden oft unter den anzüglichen Sprüchen, so genannten «Catcalls». «An meinem Arbeitsort arbeiten Familienväter mit Töchtern im Alter von 16 aufwärts. Und diese Väter sind dann verpflichtet, 17-jährigen Chicks im Minirock anzügliche Bemerkungen nachzuwerfen!»

Frauen profitieren stark von den «Catcalls»

Doch wer hat die Klausel vor 25 Jahren in den Gesamtarbeitsvertrag gepackt? Psychologe und Frauenspezialist Michael Fischer klärt auf. «Anfang der 80er Jahre haben die Arbeiter tatsächlich noch aus einem chauvinistischen Antrieb den Frauen nachgepfiffen. Nach und nach hat sich dieses Verhalten auf Baustellen als normal ‹eingebürgert›. Eine Studie aus dem Jahr 1987 hat dann jedoch aufgezeigt, dass Frauen das Pfeifen und die Sprüche als Bestätigung für ihr Wesen empfanden und gar wütend wurden, wenn einmal ein Pfeifen ausblieb.»

A bystander shouts outside the Valdemorro town hall during an anti-corruption raid on politicians, construction executives and municipal workers suspected of money laundering, forgery, bribery and embezzlement in Valdemorro, outside Madrid October 27, 2014. Francisco Granados, a former high ranking member of the regional Madrid People's Party is among the 50 individuals detained so far in the operation in Madrid, Murcia, Leon and Valencia according to authorities. REUTERS/Andrea Comas (SPAIN - Tags: POLITICS CRIME LAW)

Kein Pfiff. Diese Frau reagiert wütend. Bild: ANDREA COMAS/REUTERS

Image

Der Frauenanteil im Nationalrat ist seit 1987 gestiegen. Parlament.ch

Der Bundesrat nahm diesen positiven Effekt auf die Psyche der Frau zum Anlass und erliess 1989 den Zusatz für den GAV. Dass sich die «Catcalls» positiv auf die weibliche Bevölkerung auswirken, zeigt die Statistik. «Bei den Wahlen 1987 wurden knapp 30 Frauen in den Nationalrat gewählt. Nach dem Gesetz ging diese Zahl massiv herauf. Nun sind bereits knapp 60 Frauen im Nationalrat», so Psychologe Fischer. «Diese Politikerinnen stehen stellvertretend für all die hunderttausenden von selbstbewussten Schweizer Frauen, denen ein Pfiff bei einer Baustelle einen unglaublichen Moralschub gibt. Mit erhobenem Haupt gehen sie durchs Leben und holen sich so den Erfolg, der ihnen zusteht. Dieser Effekt lässt sich nicht mit Gold aufwerten.»

Der Enthüller

Hart recherchierte Fakten, fundierte Kritik und realistische Analysen? Die gibt es anderswo. Chefredaktor Buzz Orgler und sein Praktikant Pavel Kulicka decken auf, was keiner wissen will. Ob Berichte über Schwulenhasser, die in Russland Asyl beantragen oder tote Eskimos wegen der Ice Bucket Challenge, die beiden gescheiterten Journalisten sind sich für keine satirische Schlagzeile zu schade. Und schneller als die Wahrheit sind sie noch dazu.

www.der-enthüller.ch
Der Enthüller auf Facebook
Der Enthüller auf Twitter 



Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Der Enthüller

#Nacktselfie: Fake-Account für den Jugendschutz

Bern - (den). Während die halbe Twitter-Gemeinde nach dem Profil der Nackt-Sekretärin aus dem Bundeshaus fahndet, hat der Enthüller die Dame, oder besser den besagten Account, ausfindig gemacht. Dabei handelt es sich nicht, wie zuerst von vielen angenommen, um eine Mitarbeiterin der Bundesverwaltung, die an einer ausgeprägten Form von Langweilitis gepaart mit einem krassen Fall von Exibitionismus leidet. Nein, der Account gehört der Jugendschutzstelle Pro Jugitute. Die Organisation will …

Artikel lesen
Link to Article