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Ein SEHR altes, SEHR schlechtes Bild von Kätzli und Kafi. Es gibt leider kein besseres. Weil, wie soll ich es erklären ... Kätzchen und Stadtwohnungen sind eine schlechte Idee. Besonders, wenn die Wohnung im 4. Stock ist.  Bild: Kafi Freitag

FRAGFRAUFREITAG

Ich habe einen wenige Monate alten Sohn. Er war ein Wunschkind und wir haben uns so auf ihn gefreut!!! Jetzt ist er da und ich habe keinerlei positive Gefühle.

Ich mach mir grosse Vorwürfe und laufe den ganzen Tag mit einem schlechten Gewissen herum. Bitte geben Sie mir einen Rat. Danke! Steffi, 42

25.06.14, 16:04

Liebe Steffi 

Ich gratuliere Ihnen von Herzen zu Ihrem Wunschkind und zum Mut, mir diese Frage zu stellen. Bereits an anderer Stelle habe ich gesagt, wie schwierig es ist, ehrliche Mütter für solche Gespräche zu finden und darum fühlt man sich dann auch so furchtbar allein damit.

Jetzt haben Sie sich wahrscheinlich einige Jahre auf dieses Kindli gefreut und nun ist es da und Sie warten auf die ganz grossen Gefühle. Das kann ich gut verstehen, ist doch ein Kind in erster Linie mal ein riesiger Schock und da kann es noch so geplant und erwünscht sein. Die erste Zeit mit einem Kind ist die reinste Überforderung und es gilt, diese zu überstehen. In dieser Zeit müssen Sie ganz vieles. Sie müssen Ihr Kind regelmässig füttern, wickeln und dafür schauen, dass es seinen Schlaf bekommt. Und Sie den Ihren auch. Aber was Sie NICHT müssen, ist Ihr Kind lieben. Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber es ist so. Niemand kann von Ihnen erwarten, dass Sie diesem Bündel Mensch auf Kommando Gefühle entgegenbringen, das wäre ja noch schöner! Sie müssen so vieles in dieser Zeit und es gibt vieles, was Sie nicht dürfen. Sie dürfen Ihr Kind nicht irgendwo vergessen, dürfen den Kinderwagen nicht absichtlich im Tram stehen lassen, Sie dürfen es niemals schütteln und sollten es nicht an die Wand kleben. Das gilt auch für Ihren Mann. Bis aufs Schütteln, weil das hat sich nach meiner Erfahrung bei Männern immer gut bewährt. Wenn Sie diese Regeln einhalten und sich selber gut schauen, dann wird sich die Liebe irgendwann anschleichen. Sie werden es gar nicht merken, aber eines Tages wird sie einfach da sein. Liebe lässt sich nicht zwingen und versteckt sich, wenn man sie herbeordert. Darum lassen Sie es besser bleiben und konzentrieren Sie sich auf Ihr eigenes Seelenwohl.

Ich hatte vor nicht allzu langer Zeit mal ein Kätzchen. Ich hatte es für meinen Sohn gekauft, in einer Zeit, als es viele Veränderungen in unserem Leben gab. Das Kätzchen lebte plötzlich mit und bei uns, ich konnte ihm nicht viel abgewinnen. Es ärgerte mich, weil es mir den ganzen Tag nachlief und es weckte mich nachts immer, weil es spielen wollte. Ich hatte viel Aufwand mit ihm weil ein Kätzchen in einer Stadtwohnung eine ­mässig gute Idee ist. Aber mein Sohn liebte es heiss und innig. Das wollte ich auch, aber es passierte nicht. Doch das Kätzchen liebte mich. Vollkommen unbeeindruckt, was ich dafür empfand. Ich war der Mensch, der das Tierchen fütterte und dafür sorgte, dass das Katzenklo immer sauber war. Dafür liebte es mich. Und irgendwann, ich kann selber nicht sagen, wie es geschah, da freute ich mich, wenn ich nach Hause kam und es an der Tür auf mich wartete. Ich genoss es, wenn es mir auf den Beinen sass und schnurrte und ich vermisste es, wenn es nachts woanders schlief. Ich liebte es. Auf einmal und vollkommen unerwartet. Weil es immer da war und weil es mich liebte.

Und wenn der Vergleich mit einem Kätzchen vielleicht auch etwas hinkt, so ist er eben doch stimmig. Auch Ihr Kind liebt Sie, egal was Sie tun. Es ist abhängig von Ihnen und darum müssen Sie gut dafür sorgen. Lassen Sie sich Zeit. Setzen Sie sich nicht selber unter Druck, das tun die andern schon genug. Seien Sie lieb zu sich selber. Und schlucken Sie viel Omega 3, das hilft. Ich kann mich zwar nicht mehr erinnern, was genau es macht, aber es bringt das verstörte Hirn von Müttern wieder in Ordnung. Der Rest ergibt sich von selber, glauben Sie mir.

Ihnen und Ihrer Familie wünsche ich alles Liebe! Ihre Kafi.

Fragen an Frau Freitag? ​ 

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Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.FreitagCoaching.ch) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie ist verheiratet und Mutter eines neunjährigen Sohnes.

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Sälber tschuld! 

Bild: Kafi Freitag



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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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Kafi, braucht ein Kind Gotti und Götti?

Ich finde es natürlich richtig, dass ein Kind eine Beziehung aufbauen kann ausserhalb der Familie. Ich finde aber, dass es in die unreflektierte «weil es sich gehört»-Schublade gehört und Zwangsersatz dafür ist, dass solche Beziehungen hierzulande oft nicht natürlich entstehen. Von mir wird erwartet, dem Neffen (dem Gottekind) Geschenke zu machen und mich ihm zuzuwenden, nicht aber seinem Bruder. Das Gotti quasi als exklusive Berechtigung zum Beziehung-Aufbauen. Regula, 37

Liebe RegulaSpannende Frage. Früher hatte das Götti-Gotte-Konzept ja den tieferen Sinn, dass man das Kind zu sich nehmen würde, sollte den Eltern etwas geschehen. Heute hat es diesen Sinn vollkommen verloren, obwohl ich mir diese Frage bei beiden meinen Gottekindern gestellt habe. Würde ich in so einem Fall das Kind bei mir aufnehmen? Ich konnte es bei beiden mit vollem Herzen bejahen. Ob es mich als Gotte braucht, kann ich nicht beurteilen, ob ich eine brauchbare bin, schon eher; nein (dem …

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