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Und auf einmal schüttelt es Verstand und Hormone durch und alles sieht ganz anders aus. Bild:kafi freitag

Liebe Frau Freitag. Ich (31) überlege seit einer Weile, ob ich mich unterbinden lassen soll ...

17.08.15, 10:24 17.08.15, 10:43

Ich bin seit bald 10 Jahren in einer Beziehung und wir verstehen uns prächtig. Ich verhütete früher mit Pille, bin später auf die Hormonspirale umgestiegen und inzwischen beim Verhütungsstäbchen angekommen. Nun ist es so, dass mein Partner (29) und ich einer Meinung sind und weder heute, noch später Kinder wollen. Und ich habe die Hormone langsam satt. Deshalb überlege ich seit einiger Zeit, ob ich das Problem dauerhaft lösen, also meine Eileiter trennen lassen soll. Die Frage ist zum einen, ob ein Arzt dies in meinem Alter überhaupt schon durchführen würde. Zum anderen weiss ich nicht, was in 10 Jahren sein wird. Ich glaube zwar nicht, dass ich mich plötzlich so stark verändern würde, dass ich mir doch Kinder wünsche. Aber was, wenn doch? Wenn ich eines Tages aufwache und nichts sehnlicher will als ein Kind zu haben? Oder mein Partner merkt mit 40, dass er doch Kinder will? Rückgängig machen ist weder einfach, noch ist garantiert, dass es danach klappt. Sie werden sich vielleicht fragen, warum die Verhütung in unserer Beziehung scheinbar allein an mir hängt. Dies hat zum einen damit zu tun, dass die Möglichkeiten für Männer, aktiv zu verhüten, doch sehr beschränkt sind und mir Kondome allein einfach zu unsicher sind. Ich habe auch schon mit meinem Partner besprochen, ob er eine Vasektomie machen würde, aber das will er nicht. Ich glaube, weil er sich dann «unmännlich» fühlen würde. Schwachsinn, ich weiss, aber ich konnte ihn bisher auch mit allen medizinischen Fakten nicht umstimmen. Manuela, 31

Liebe Manuela 

Wenn Sie einen Arzt finden, der eine 31-jährige, kinderlose Frau unterbindet, dann gehört dieser weggesperrt. Ich habe selbst vor ein paar Jahren mit dem Gedanken gespielt, weil ich meine Familienplanung als abgeschlossen erachte und mein Frauenarzt hat sich damals strikte geweigert, es zu tun. Als ich dann vor 2 Jahren, also mit Ende 30, nochmals mit der Frage ankam, wäre er dazu bereit gewesen, aber da hatte ich es mir schlussendlich anders überlegt.

Auch ich weiss ganz genau, dass ich kein Kind mehr haben will. Aber dennoch fände ich es nicht richtig, wenn ich den Schritt gehen würde. Weil ich bei allem Wissen und sicher sein nämlich trotzdem keine Ahnung habe, was morgen oder übermorgen ist. Sie können das auch nicht wissen. Es kann noch so vieles passieren in ihrem Leben. Vielleicht begegnen Sie einem Menschen, der Ihre Eierstöcke dermassen zum Glühen bringt, dass Sie auf einmal nichts anderes mehr wollen. Vielleicht bleiben Sie bis zum Ende Ihrer Tage glücklich kinderlos. Es wäre sehr anmassend, dieser Entwicklung vorzugreifen. Und ich würde diesen Schritt auch niemals von einem kinderlosen Mann verlangen. Das dürfen Sie nicht! Auch in seinem Leben kann sich noch sehr vieles Neu ergeben. Wenn er bereits ein paar Kinder hätte, wäre es eine andere Sache. Aber so ist es unverantwortlich und unverzeihlich, jemanden zu dieser Entscheidung zu drängen.

Und dann kommt noch ein vollkommen anderer Gesichtspunkt dazu, den ich damals mit Mitte dreissig auch noch nicht erkannt habe, heute aber als sehr wichtig erachte. Eine Unterbindung ist zwar kein grosser oder gefährlicher Eingriff, aber dennoch ein sehr elementarer. Sie zerstören damit Ihre Fähigkeit, ein Kind zu zeugen und auszutragen. Dieser kleine Schnitt würde bedeuten, dass Sie sich einer wichtigen weiblichen Kraft berauben, die sie zwar unter Umständen niemals benötigen werden, welche aber dennoch ein Teil von Ihnen ist. Etwas Gesundes mutwillig zu zerstören ist meiner Meinung nach kein respektvoller Umgang mit sich und seinem Körper.

Ich verstehe Ihre Hormonmüdigkeit sehr gut. Aber mit dem Verhütungsring ist die hormonelle Belastung sehr gering, sie findet vermutlich eher im Kopf statt. Natürlich wäre eine Unterbindung eine saubere Sache und sie müssten nie mehr darüber nachdenken. Aber ein Gefühl sagt mir ganz laut, dass dafür wirklich nicht der richtige Zeitpunkt ist. Viele Frauen kommen kurz vor den Wechseljahren nochmals in einen hormonellen Umschwung und haben erst dann das grosse Bedürfnis, ein Kind zu haben. Diese Phase müssen Sie hinter sich haben, damit Sie sich wirklich sicher sein können.

Berauben Sie sich nicht einem Teil Ihrer weiblichen Vitalität und einem Stück eventueller Zukunft. Ihr Leben und ihr gesunder Körper verdienen es, dass Sie umsichtiger und sorgfältiger mit ihnen umgehen.

Mit herzlichem Gruss. Ihre Kafi.

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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit Ihrem 11 jährigen Sohn in Zürich.

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Bild: Kafi Freitag

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • rägetröpfli 19.08.2015 22:52
    Highlight habe ich mir auch überlegt. Aber mir der Option Eizellen einzufrieren. Mein Arzt hat mich direkt und ohne zu zögern an eine Klinik in Österreich verwiesen...
    Ich hab's dann doch sein lassen.
    1 0 Melden
  • 1337pavian 18.08.2015 06:24
    Highlight Wenn man keine Kinder will, kann man sicherlich sexuelle Praktiken ausfeilen, bei denen das nicht passieren kann. Der Rest ist heteronormativer Kafi.

    Aber den ideologisch überfrachteten Müll hier kann man sich schenken.
    Ebenso wie das Hormonzeugs; wer will, nur damit Frau als Vaginal-Sex-Puppe funktionieren kann, die Körperchemie (und nicht nur die eigene) durcheinanderbringen?

    Und die Männer wollen Tag ein Tag aus nur immer in's selbe Horn stossen?

    Gott sei Dank bin ich nicht in diesem schrägen Wachkoma gefangen.
    Man sieht allerdings nur von aussen wie schrecklich es ist.
    Echte Unfreiheit.
    6 18 Melden
  • kafi 17.08.2015 20:11
    Highlight Liebe alle.
    Nochmals mit etwas Nachdruck:
    Ich finde es vollkommen ok, wenn man keine Kinder haben möchte. Das ist absolut legitim und Privatsache und überhaupt. Darum geht es in meiner Antwort in keiner Weise.
    Es geht einzig und allein darum, dass es eine Entscheidung ist, die dann doch etwas weitreichendere Folgen hat, als ein unliebsame Tatoo auf dem Arsch.

    Darum rate ich sehr zur Überbrückung mit Verhütungsmitteln und zum Eingriff zu einem späteren Zeitpunkt. Amen.

    Herzlich, Kafi.
    24 1 Melden
  • olga 17.08.2015 17:42
    Highlight Wieso stört sich niemand daran, dass Manuelas Freund keine Vasektomie machen will? Er will ja schliesslich auch keine Kinder! Dann soll er gefälligst auch seinen Teil dazu beitragen oder eben, es zumindest in Betracht ziehen. Es ist eine Frechheit, wie so oft automatisch von Frauen verlangt wird, dass sich die Frauen unterbinden. Vielleicht fühlen sie sich dann auch nicht mehr weiblich... tzzz.
    25 33 Melden
    • Miicha 17.08.2015 19:23
      Highlight Mir würde es mehr darum gehen, dass es beim Mann ein relativ einfacher und schneller Eingriff ist, im Vergleich zur Unterbindung bei der Frau.
      22 2 Melden
    • Yelina 17.08.2015 19:30
      Highlight Irgenwie ein Selbstläufer... wer hat denn die Kinder "am Hals", wenn im schlimmsten Fall ungewollt und spontan Kinder gezeugt werden? Tendenziell die Mutter, weshalb sie um die Verhütung besorgt ist. Während der Vater später als "Zahlvater" hinhalten muss, ob in die Verhütung einbezogen oder nicht... nicht wirklich fair, für keine Seite. Ich meine primär Fälle wie "er schaut nicht zu seinem Nachwuchs" vs. "sie hat mir Kinder angehängt"...
      5 2 Melden
    • 1337pavian 18.08.2015 06:27
      Highlight fikipedia meint: "Die Konsistenz des Ejakulats ist nach einer Vasektomie wässriger und nicht mehr geleeartig."

      Das kann ja auch nicht angehen. Ohne geleeartige Konsistenz spritzt das Zeug bis an die Decke. Vielleicht vermittelt der behandelnde Arzt ja Raumpflegeunternehmen. Wer weiss.
      14 6 Melden
  • Ikarus 17.08.2015 15:30
    Highlight Zitat: Viele Frauen kommen kurz vor den Wechseljahren nochmals in einen hormonellen Umschwung und haben erst dann das grosse Bedürfnis, ein Kind zu haben.

    Genau die kinder die es nicht mehr braucht. Sorry aber da hab ich lieber frauen/männer die sich mit 30 komplett dagegen entscheiden als frauen/männer die aus hormonellen gründen mit 50 nochmal kinder produzieren.
    30 21 Melden
    • rasca 19.08.2015 18:12
      Highlight Also entscheidest du wer wann Kinder haben darf und wer nicht?
      5 1 Melden
    • Ikarus 19.08.2015 22:51
      Highlight Nö nur meine ehrliche meinung dazu. Wenn sich ne frau mit 30 dazu entscheidet hat sie sich was dabei überlegt, nur wegen paar hormonen alles über den tisch zu werfen find ich nicht schlau. Vorallem erzählt sie in diesem bericht davon das es ein eingriff in die natur ist, die natur wollte genauso wenig das mit 50 noch kinder gezeugt werden...
      0 1 Melden
    • rasca 20.08.2015 09:37
      Highlight Das unsere Gesellschaft sich längst nichtmehr dem Willen der Natur beugt muss ich dir jetzt aber nicht erklären oder?
      1 0 Melden
  • Zeit_Genosse 17.08.2015 12:01
    Highlight Eine engagierte, mutige und einfühlsame Meinung von Frau Freitag. Eine Empfehlung von Frau zu Frau und für viele Frauen, die weit herum gehört werden sollte. Entscheiden muss dann jede und jeder für sich.
    32 8 Melden
  • Gelöschter Benutzer 17.08.2015 11:41
    Highlight Ich bin eine kinderlose, gesunde Frau und habe mich mit 32 unterbinden lassen. Meine beratende Ärztin und mein ausführender Arzt sind beide noch auf freiem Fuss und das finde ich auch richtig so.
    Ich kann natürlich nicht beurteilen, wie ernst es Manuela ist, aber ich würde mir mehr Verständnis wünschen für alle, die sich bewusst entscheiden - egal wofür. Mit Mitte/Ende 40 noch Kinder machen, nur weil einem die Hormone stupfen, finde ich unverantwortlich - die Risiken steigen nämlich massiv und damit muss dann vor allem das "Wunschkind" leben.
    Sich um Kinder kümmern kann man auch ohne eigene!
    82 9 Melden
    • insomniac 17.08.2015 13:23
      Highlight Ich könnte nicht mehr zustimmen. Wenn man in relativ jungem Alter sicher ist, keine Kinder zu wollen, wird man direkt als verrückt abgestempelt oder nicht ernst genommen. Das finde ich etwas unfair und bevormundend und ich würde mir wünschen, dass die Entscheidung gegen Kinder endlich auch gesellschaftlich anerkannt wird und nicht immer der Spruch 'Wart mal ab bis du älter bist." kommt.
      46 7 Melden
    • Nick Name 17.08.2015 13:38
      Highlight Wegsperren find ich ja auch grad ein bisschen zugespitzt geformuliert. Aber: zwischen 31 und 40 befinden sich doch noch einige Jährchen, in denen Kinderkriegen wahrlich nicht "unverantwortlich" ist.
      Und, da hat Frau Freitag durchaus sehr recht: Wer weiss, was das Leben bringt. Selbst tiefste Überzeugungen können sich wandeln. Relativ schnell. Davon bin ich überzeugt. ;-)
      31 3 Melden
    • insomniac 17.08.2015 14:50
      Highlight Nick, trotzdem ist es die Entscheidung der einzelnen Person. Wenn ich mich mit 30 entscheide dass ich keine Kinder will und den Eingriff vornehmen lasse, ist es auch mein Problem wenn ich mich umentscheide. Sonst müssten Tattoos ja auch verboten werden, es kann ja sein dass man es mal nicht mehr schön findet.
      Und da ist sie wieder, diese Bevormundung! Warum muss eine Frau automatisch Kinder wollen? Warum wird jedem, der Kinder bekommen KANN, automatisch diktiert dass sie es auch wollen muss. Ich kenne einige, mich selbst inkl., die das nicht wollen und sich auch nicht umentscheiden werden. Warum wird uns das nicht zugetraut?
      27 5 Melden
    • Nick Name 17.08.2015 15:19
      Highlight Sabine Staerker: Ja, klar. Jede/r entscheidet selbst. Hab ich nie was dagegen gehabt und werde nie was haben.
      Hab einzig (zu Abgründighärzig) festgehalten – nun, das steht ja schon oben.
      Und die Fragerin hat gefragt, Frau Freitag hat geantwortet.
      Niemand schreibt hier: Jede Frau muss Kinder kriegen. Verschiedene Lebensgeschichten haben mir bloss so viel gezeigt, dass ich es niemandem zu 100% abnehme, die oder der sagt: "Ich werde (nie) im Leben ... !"

      Im Übrigen: Zutrauen tu zumindest ich (wie es mit "man" ist, kann ich nicht sagen) Ihnen weder alles noch nichts zu; ich kenne Sie ja nicht.
      14 1 Melden
    • Nordurljos 17.08.2015 15:47
      Highlight Also ganz so sicher kann es der Fragestellerin ja nicht sein, sonst hätte sie ja nicht das Bedürfnis verspürt an Frau Freitag zu schreiben :)
      18 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 17.08.2015 16:46
      Highlight @ Nick Name: "zwischen 31 und 40 befinden sich doch noch einige Jährchen, in denen Kinderkriegen wahrlich nicht "unverantwortlich" ist." - Das finde ich natürlich auch nicht - erst mit Mitte/Ende 40 wie gesagt, wenn die Chancen einer Risikoschwangerschaft massiv höher sind. Wer Kinder möchte, sollte sich meiner Meinung nach nicht erst kurz vor den Wechseljahren dazu entscheiden. Gleichermassen sollte es aber in unserer Gesellschaft auch akzeptiert werden, wenn sich eine Frau oder ein Mann schon mit 30 gegen Kinder entscheidet. Was nicht der Fall ist - glaub mir!

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    • Gelöschter Benutzer 17.08.2015 19:38
      Highlight Danke @ abgrundtiefherzig und sabine, für mich ist es schwer mit anderen über solch ein thema zu reden, da eben solche sprüche kommen wie, wart nur ab.. Ich wusste schon im jungen Alter das ich keine Kinder möchte und hab diese Meinung verstärkter auch im jetzigen Alter. Danke dass ich jetzt weiss das ich nicht ganz so alleine mit dieser Meinung/Einstellung bin.
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Liebe Kafi. Wie würden Sie Leuten kontern, die einem anschauen und sagen, das arme, arme Einzelkind braucht ein Geschwisterchen? Manuela, 37

Liebe ManuelaGar nicht. Warum sollten Sie darauf auch kontern? Sind Sie Rechenschaft schuldig darüber, wie viele Kinder Sie zeugen? Na also!Wir Menschen definieren uns gerne über unsere Defizite. Wir betonen das, was wir nicht haben. Nicht können. Was uns fehlt. In Ihrem Fall ein weiteres Kind. Im Falle eines Singles ein Partner, eine Partnerin. Immer sehen wir das, was da sein könnte. Und vergessen darob das, was bereits ist.Ich habe es noch nie verstanden, dass man erst eine «richtige» …

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