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My home is MY castle. Baby. Bild: Kafi Freitag

FRAGFRAUFREITAG

Liebe Frau Kafi. Meine Frau und ich haben uns mit einem Paar angefreundet. Es war von Anfang an amüsant, aber ... 

01.04.15, 10:25 02.04.15, 09:17

... der Herr der Runde bekennt sich immer mehr zu seiner politischen Haltung, die mir nicht zusagt. Anstatt mich mit ihm auseinander zu setzen, möchte ich die zwei lieber wieder «abstossen» – obwohl von unserer Seite noch eine Gegeneinladung ansteht. Wie kann ich mich aus der Affaire ziehen (wir wohnen im gleichen Dorf) ? Rudi, 58

Lieber Rudi 

Es ist ein sehr erstaunliches Phänomen, dass Menschen Ü50 früher oder später auf Politik zu sprechen kommen. Immer. Ausnahmslos. Tatsache. Leider. Ich kann auch nicht sagen, woran das liegt, aber es wird mit jedem Jahr nur noch augenfälliger. Politik. Politik. Politik. Die Ausweitung der Stammtischkampfzone kennt auf einmal keine Grenzen mehr. Politik. Und wehe, man ist sich nicht einig! Und wann ist man das schon? Politik.

Sie können künftig solche unangenehmen Situationen vermeiden, in dem Sie im ersten Gespräch und ohne Umschweife darauf zu sprechen kommen. Mich wundert sowieso, wie es sein kann, dass man innerhalb eines Dorfs nicht von jedem die genaue politische Gesinnung kennt! Ja wofür lebt man dann eigentlich auf dem Dorf?

Was die aktuelle Situation anbelangt, müssen Sie abwägen. Ist der gute Herr ein verhinderter Nazi, mit dem sie keine 5 Minuten am gleichen Tisch sitzen können, oder denkt er für Ihre Verhältnisse etwas gar liberal? Ist er ein Linksautonomer oder fürchtet er sich aufgrund fehlender Erfahrungen vor fremden Menschen? Man muss das Heu nicht auf der exakt gleichen politischen Bühne haben, um einen Abend miteinander zu verbringen. Nicht selten sind Gespräche mit Andersdenkenden spannender und inspirierender, als mit solchen, wo man eh schon genau weiss, was sie denken und sagen werden. Aber mit einem fremdenfeindlichen Menschen oder einem Mussolini-Fan könnte auch ich nicht im gleichen Fondue stochern.

Diese Frage müssen Sie für sich selber beantworten. Sie sind zu keiner Gegeneinladung verpflichtet. Wenn der Mensch und seine Gesinnung Ihnen zu sehr zuwiderläuft, dann vergessen Sie die Gegeneinladung einfach. Oder Sie zeigen eine extra Portion Courage und sagen ihm ins Gesicht, dass Sie mit dieser Einstellung und Haltung nichts anfangen können und darum von einem weiteren Treffen absehen.

Wenn man vor einer solchen diffizilen Entscheidung steht, dann lohnt es sich, wenn man sich mal bewusst macht, wessen Werte man eigentlich lieber verletzt. Die eigenen oder die des Anderen? Wer steht einem näher? Wem ist man eigentlich verpflichtet und warum? Ich hoffe sehr, dass Sie sich wichtiger sind, als irgendein Aussenstehender, den Sie kaum kennen.

Das Leben ist zu kurz, um es mit Arschlöchern zu verbringen. Es ist überhaupt viel zu kurz, um all zu oft solche menschlichen Kompromisse einzugehen. Ich habe mich schon vor Jahren von Menschen getrennt, mit deren Haltung ich nicht leben kann und will. Und da spielt es keine Rolle, ob es um die politische Haltung geht, oder sonst eine. Und ich kann Ihnen nur so viel sagen: Eine Entschlackung dieser Art ist wohltuend und heilend.

Ihr Esstisch ist Ihr Heim, ist Ihre Komfortzone. Sie und Ihre Frau sind Chef darüber und das ist auch richtig so. Ich habe in der Vergangenheit immer mal wieder Leute bei mir am Tisch sitzen gehabt, die ich heute nicht mehr einladen würde. Das hat mit dem Schutz der eigenen Integrität zu tun. Und die ist mir persönlich beinahe schon unbezahlbar. Das ist eine Frage der eigenen Werte. Finden Sie heraus, was Ihre sind. Und handeln Sie konsequent danach. Dann wird Ihr Leben um ein vielfaches reicher und kostbarer. Das verspreche ich Ihnen!

 Mit herzlichem Gruss. Ihre Kafi.

Fragen an Frau Freitag? ​ 

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Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.ch.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.FreitagCoaching.ch) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie ist verheiratet und Mutter eines zehnjährigen Sohnes.

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Bild: Kafi Freitag

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • tabernac 01.04.2015 21:00
    Highlight Liebe Kafi
    Wieso ist so sicher das der neue Bekannte so falsch liegt? Vielleicht ist ja auch der Rudi 58 mit seinem Gedankengut das Arschloch und es würde ihm gut tun manchmal seinen politischen Horizont mit neuen Bekanntschaften zu erweitern. :0)
    34 2 Melden
  • dieterloose 01.04.2015 15:25
    Highlight Ich koennte es nicht besser ausdruecken
    7 5 Melden
  • Bruno Wüthrich 01.04.2015 13:43
    Highlight So erstaunlich ist das «Phänomen» mit den über Politik diskutierenden Ü50 nicht. Irgendwann wird halt klar, dass eigentlich sämtliche Bereiche des Lebens irgendwie politisch sind. Selbst die Sexualität ist verpolitisiert. Als Städterin hat Frau Freitag wohl eine etwas falsche Vorstellung vom Dorf. Wieso bitteschön soll da jeder von jedem die politische Einstellung kennen? Das mag vielleich in einem Weiler so sein (mit ca. 30 Einwohnern). Ein Dorf kann jedoch mehrere tausend Einwohner haben. Damit, dass Diskussionen mit plitisch anders Denkenden interessanter sind, hat Frau Freitag aber recht.
    24 3 Melden
  • el_chef 01.04.2015 11:57
    Highlight die politische einstellung eines ganzen dorfes kennen, jaja merken sie sich mal 2000 menschen und ihre meinung...
    ich finde es übrigens ganz ok ab und zu mal die meinung anders gesinnter zu hören, die eigene meinung ist ja nicht in stein gemeisselt, so kann man mal über den eigenen tellerrand schauen und "radikalisiert" nicht!
    18 1 Melden
  • dave1771 01.04.2015 11:55
    Highlight Muss man politisch die gleiche Meinung haben um befreundet zu sein? Komisch!
    21 2 Melden
    • kafi 01.04.2015 14:51
      Highlight Ein 1. April Scherz in meiner Kommentarspalte! I like!
      7 19 Melden
    • poga 02.04.2015 12:17
      Highlight Kann den Aprilscherz nirgends finden. Ich habe null Probleme mit Leuten an meinem Tisch die politisch anderer Meinung sind wie ich. Im Gegenteil es kann eher sein dass sich andere an mir stören. Denn je extremer die Meinung anderer umso stärker falken meine Argumente aus. Habe bis jetzt aber noch mit jeder/m aus dem gleichen Topf essen können.
      17 1 Melden

Hallo, Kafi. Stimmt es, dass man(n) der Partnerin zeigen soll, dass man sie will, ohne ihr zu zeigen, dass man sie zu fest will? 

Lieber RöbiWie Sie vielleicht wissen, bin ich ein Mensch, der es gerne einfach und unkompliziert hat. «Simplify the life» ist so eins meiner liebsten Mottos, schliesslich ist alles schon kompliziert genug. Dementsprechend würde ich jetzt schampar gerne schreiben: Lieber Röbi, genau richtig, das stimmt! Liebe Grüsse, Deine Kafi.Aber ich weiss genau, dass dann ein Aufschrei durch die Reihen meiner LeserInnen gehen würde. Im Sinne von: «Jetzt wirft sie wieder alle in einen Topf, dass kann …

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