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Ich gestalte meine Welt in meinen Farben.   Bild:kafi freitag



Hallo Frau Freitag. Nun haben wir den Rechtsrutsch und ich weiss nicht mehr weiter. Bereits bei der Ausschaffungs-Initiative habe ich gesagt, wenn das so weitergeht, dann wandere ich aus. 

19.10.15, 16:19

Und nun ist es noch schlimmer. Ich schäme mich für dieses Land und frage mich ernsthaft, wie ich mit diesem Resultat klarkommen soll. Was soll ich noch hier? Auswandern? Wohin? Und wenn ja, kommen Sie mit? Ihr Niklas, 32

Lieber Niklas

Wenn ich in meine Agenda schaue, dann sieht es fürs Auswandern leider ein bisschen schwarz aus. Heute Abend fahre ich meinen Sohn ins Klettern, morgen habe ich diverse Coachings und am Donnerstag moderiere ich einen Grossanlass für ein Reiseunternehmen. Wenn, dann vielleicht am Mittwoch, aber ich müsste spätestens am Donnerstag Vormittag wieder zu Hause sein. Das reicht für einen Sprung in den Schwarzwald in ein nettes Wellnesshotel, aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob es das ist, was Sie meinen.

Ich weiss ob dem Frust, den Sie im Moment erleben. Auch ich musste heute Morgen etwas länger durch meine Küche tanzen, um ihn zu bodigen. Aber dann war auch wieder gut. Wir können jetzt die Köpfe hängen lassen und uns voll reingeben, in die Misere. Oder wir machen das genaue Gegenteil und erheben unsere Köpfe und gehen noch etwas aufrechter durchs Leben. Die letzten Wochen hat ein Angstregime die Menschen in diese feige Entscheidung getroffen. Abhauen wäre keinen Deut besser, nämlich mindestens so feige.

Ich bin dafür, dass wir zwei hierbleiben und Präsenz markieren, Eier beweisen. Dass wir mit einer Menschlichkeit durch unser Leben gehen, die der dumpfen Angst keinen Platz lässt. Dass wir einander die Hand reichen und uns in die Augen sehen. Und auch nicht wegschauen, wenn wir mit Traurigkeit oder Verlassensein konfrontiert sind.

Die Menschen, die den Weg zur Urne geschafft haben, haben eine Entscheidung getroffen. Diese hat mit meiner eigenen nichts gemein. Ich entscheide Tag für Tag, wie ich mein Leben gestalten will. Ob ich der Welt und ihren Menschen mit Mut und Offenheit begegne, oder mich lieber im Frust suhle. Diese Entscheidung steht mir offen und sie beginnt damit, wie ich mit meinen Mitmenschen umgehe. Schaue ich den Menschen, die um mich herum sind in die Augen, oder schaue ich lieber weg. Suche ich das Gespräch, oder verweigere ich die Auskunft, wenn man mich nach dem Weg fragt. Helfe ich der jungen Mutter mit dem Kinderwagen ins Tram, oder steige ich lieber eine Tür weiter ein.

Die politische Zukunft der Schweiz konnte ich gestern leider nicht in die Bahnen lenken, in der ich sie gerne gesehen hätte. Aber ich kann diese Welt im Kleinen zu einer besseren machen. Im Wissen darum, dass innovative Unternehmungen einen bottom-up Führungsstil pflegen und dass ich jegliche Veränderung und Verbesserung ganz allein bei mir selber einleiten kann. Und ja, mag sein, dass das alles recht cheesy klingt. Aber wahr ist es halt dennoch.

Ganz herzlich, Ihre Kafi.

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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 11-jährigen Sohn in Zürich.

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Bild: Kafi Freitag

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • per scientam 14.11.2015 18:37
    Highlight Was sind das für Themen:
    Als Maschinenfreund wird man von den Linken grundsätzlich schikaniert, ohne wenn und aber.
    Als Motorradfahrer sowieso, mit der ViaSicura ist man heute ein Potentieller Schwerverbrecher. (ViaSicura ist juristisch gesehen exakt gleich formuliert wie Ausschaffungsinitiative)...
    Als Ingenieur wird man als Lobbyist beschimpft, weil es aus fachlicher Sicht keinen Sinn macht, die ganze Erde für seltene Erden umzugraben, Silizium mit Chlor aufschliessen um Solarzellen zu bauen um letztendlich Wasser zu kochen...
    (Energiewende=Probleme umbilanzieren anstelle von Fortschritt)
    1 0 Melden
  • Bloody Mary 20.10.2015 17:32
    Highlight Auswandern bringt sowieso nicht viel oder kennen Sie ein Land mit überwiegend linken Politikern das keine Probleme hat?
    9 4 Melden
    • per scientam 14.11.2015 18:54
      Highlight Ich war ein wenig in Europa unterwegs, mit dem Motorrad.

      Die Länder ohne dem Euro entwickeln sich...
      Aber die Euro Zone ist eine Katastrophe...
      Europa wird zum dritt-Welt Land...
      effektiv wenn man die Reallöhne vergleicht. Für gleiche Arbeit verdient man in Chile/Ar mehr als in den meisten EU-Ländern. (von Kaufkraft muss man gar nicht erst reden...)

      Spannend war auch:
      In Spanien und Osteuropa baut die EU überall neue Strassen.
      Aber es hat keinen Verkehr, alles leer... Viele Fabriken und Kleinbetriebe haben den Betrieb eingestellt.
      ... Wie war das noch mal? Strassen erzeugen Verkehr?!


      1 2 Melden
  • Tobias K. 20.10.2015 11:30
    Highlight Mich würde es interessieren, wer die 16'000 Ex-SP-Wähler waren, die nun zur SVP überleifen und was deren Beweggründe waren.
    11 1 Melden
    • atomschlaf 20.10.2015 14:12
      Highlight Meine Vermutung: Diese Leute haben die Nase voll davon, dass sich die SP sich gegen eine Begrenzung der Zuwanderung stellt. Dadurch macht sich die SP zur Komplizin der Lohndrücker und Immobilienspekulanten und handelt entgegen dem Interesse der einheimischen Arbeitnehmer.
      11 4 Melden
    • Amboss 20.10.2015 15:58
      Highlight @atomschlaf: Alles auf die Zuwanderung zu schieben, ist zu einfach. Es ist aber so, dass das die fetten Jahre bei uns vorbei sind. Das Leben wird rauer, anonymer, teurer, enger.
      Gerade Familien und tiefe Einkommen merken dies am meisten.
      Und die Antworten, welche die Linke hat, enden letztendlich immer darin, dass die Probleme nicht gelöst, sondern mit Steuergeld überdeckt werden - die höheren Steuern merken aber wieder Familien und tiefe Einkommen zuerst.

      Deshalb flüchtet man zu den Parteien, welche die Probleme zumindest ansprechen.

      5 6 Melden
    • atomschlaf 20.10.2015 18:51
      Highlight @Amboss: Ich schiebe auch nicht alles auf die Zuwanderung. Die Explosion der Immobilienpreise hat beispielsweise auch mit den lächerlich tiefen Zinsen zu tun.
      Aber ich störe mich sehr daran, dass die SP in diesem wichtigen Punkt die Ideologie über die Interessen der einheimischen Arbeitnehmer stellt und in meinem Umfeld sehen viele Leute dies genau so. Ich bin überzeugt, dass die SP durch die Unterstützung einer restriktiveren Einwanderungspolitik einige Prozentpunkte von der SVP zurück holen könnte.
      4 2 Melden
  • Fabe 20.10.2015 07:36
    Highlight Das Abstimmungsergebnis nur auf Angst zurückzuführen ist etwas billig. Fakt ist doch, dass sich die Linke seit Jahren nur noch als Antipol zur SVP versteht und kaum mehr eigene Ideen entwickelt. Besonders attraktiv ist das nicht. Und es zeugt von Angst - nicht jener vor Flüchtlingen, sondern jener vor der eigenen Bedeutungslosigeit.
    27 11 Melden
  • E7#9 19.10.2015 21:55
    Highlight https://www.facebook.com/srfnews/videos/832651913516458/
    3 0 Melden
  • stadtzuercher 19.10.2015 20:07
    Highlight easy, wir haben noch immer die direkte demokratie, um uns ungeliebte entscheide der politiker zu korrigieren.
    24 5 Melden
    • per scientam 14.11.2015 19:03
      Highlight Nicht mehr so ganz.

      Ein Markenzeichen der letzten 10 Jahre war, dass das Parlament (Legislative) alle Macht an sich gerissen hat.
      Die Rechten mit dem "Volkswillen", die Linken mit dem ignorieren des "Volkswillen".

      Es gibt als primäre Staatsorgane, die Exekutive, Judikative und Legislative.
      In einer Demokratie dürfte eigentlich der Bürger unter der Gewissens/Handlungsfreiheit die Gesetze selbst interpretieren. Und dies darf man vor der Polizei (Exekutive), dem Gericht (Judikative) oder per Gesetz (Legislative) geltend machen.
      Es wurde ein Gesetzeskomplex verfasst der dies nicht mehr zulässt.
      0 1 Melden
  • Bruno Wüthrich 19.10.2015 19:26
    Highlight Ob die Rechte diese Wahlen tatsächlich gewonnen hat, wissen wir erst später. Denn jetzt ist fertig mit Oppositionspolitik. Genau diese war aber das «Wahlgeheimnis» der SVP, oder anders ausgedrückt, das Zugpferd Nr. 1. Jetzt ist Realpolitik gefragt. An dieser ist seinerzeit zwar SVP-Übervter Christoph Blocher nicht gescheitert, aber er hat auch nicht besser ausgesehen als all jene, die er vorher verhöhnte. Wie die Wählerschaft den neuen, notwendigen Pragmatismus der rechten Politik goutiert, und wie die Wahlen 2019 ausgehen werden, wird extrem spannend. Meine Wahlprognose für 2019: SVP 23 %!
    30 8 Melden

Liebe Kafi. Bald heirate ich den besten Menschen, dem ich je begegnet bin. 

Liebe JuliaIch bin ja bekanntlich der Typ «das eine tun, das andere nicht lassen» und frei nach diesem Motto habe ich bei einer Heirat den Namen angenommen, bei der anderen nicht. Mein neuer Freund würde bei einer Eheschliessung jederzeit meinen Namen annehmen, aber seien wir mal ehrlich, wer würde schon nicht gern Freitag heissen?Sie sind noch wahnsinnig jung und wissen vermutlich wenig über das Frauenrecht in der Schweiz. Bis ins Jahr 1976 brauchten wir Frauen noch die Zustimmung des …

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