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Wenn Kinder und Jugendliche vor Problemen stehen, ist die Telefonummer 147 oder www.147.ch die richtige Anlaufstelle.  Bild:internet

Liebe Frau Freitag. Ich bin 15 und schwanger. 

13.09.15, 14:30

Möchte mein Baby nicht abtreiben und weiss nicht, wie ich das meinen Eltern sagen soll und meinem Freund. Ich wäre ihnen sehr dankbar, wenn sie mir helfen könnten. Liebe Grüsse. Julia, 15

Liebe Julia

Es gibt Dinge, bei denen es sich lohnt, sie besonders hübsch verpackt zu überreichen. Das können Nachrichten sein oder auch Geschenke. Und dann gibt es Sachen, bei denen spielt es wirklich keine Rolle, in welche Form man sie bringt. Eine Schwangerschaft in Ihrem Alter gehört in die zweite Kategorie.

Zerbrechen Sie sich nicht den Kopf, WIE Sie es sagen. Wichtig ist, DASS Sie es sagen. Und zwar sehr schnell. Die Nachricht wird Ihre Eltern und Ihren Freund erschrecken, aber darauf dürfen Sie jetzt keine Rücksicht nehmen. Es geht jetzt nicht darum, wie diese Menschen die Botschaft aufnehmen, es geht jetzt einzig und allein um Sie, liebe Julia. Sie müssen darüber reden. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn eine enge Freundin oder eine andere Bezugsperson dabei ist? Manchmal fällt es auch leichter, wenn man zuerst mit einer anderen Bezugsperson, als den Eltern, darüber redet. Das kann die Gotte sein, eine Tante oder der Lehrer. Wem auch immer Sie vertrauen, dürfen Sie ins Vertrauen ziehen. Dafür sind wir Erwachsenen da.

Aber Sie sollten auf jeden Fall noch heute Kontakt mit einer Person aufnehmen, mit der Sie darüber reden können.

Das ist nicht einfach, das verstehe ich sehr gut. Und vielleicht haben Sie auch gar keine solche Bezugsperson. Dann sollten Sie sich an eine aussenstehende Stelle wenden. Da ich leider nicht weiss, aus welchem Kanton Sie mir schreiben, kann ich Ihnen keine örtliche Beratungsstelle angeben.

Bei der Beratungshelpline 147 werden Sie diese erhalten. Bitte rufen Sie dort an, damit man Sie in dieser schwierigen Zeit begleiten kann. Tun Sie das am besten noch heute, liebe Julia. Es kann eine Weile dauern, bis Ihr Anruf durchkommt (bei mir hat es eben 3 Minuten gedauert, ich habe es ausprobiert), aber etwas Geduld lohnt sich, weil Sie dann mit jemandem reden können, der auf Ihre Thematik spezialisiert ist. Holen Sie sich diese Unterstützung, das wird Ihnen mit Sicherheit helfen.

Ich wünsche Ihnen ganz viel Kraft und Mut. Und umarme Sie gedanklich. Ihre Kafi.

P.S. Falls Ihnen die Nummer 147 wider Erwarten nicht weiterhelfen sollte, dann melden Sie sich bitte umgehend nochmals bei mir.

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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit Ihrem 11 jährigen Sohn in Zürich.

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Bild: Kafi Freitag

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Bruno Wüthrich 14.09.2015 10:18
    Highlight @ Koks: Der Gedanke, dass eine Frau ein Kind abtreibt, obwohl der Erzeuger dagegen ist, ist für mich beinahe unerträglich. Denn sobald ein Elternteil dafür ist, ist das Kind gewollt! Damit, dass Julias Freund bei der Entscheidung für das Kind nichts zu sagen hat, habe ich jedoch überhaupt keine Schwierigkeiten. Dies mag etwas komisch und vor allem unlogisch klingen, und ist wohl eher meiner Gefühlswelt geschuldet und deswegen nicht wirklich begründbar. Julias Entscheidung finde ich super, und ich wünsche ihr, dass sie dabei bleibt, auch wenn andere ihr etwas anderes einreden wollen.
    11 16 Melden
  • Madison Pierce 14.09.2015 09:46
    Highlight Mutige und reife Entscheidung Julia! Es wird nicht immer einfach sein, aber Du wirst Deinen Weg gehen. Ich wünsche Dir, dass Dich Deine Eltern und Dein Freund unterstützen. Alles Gute!
    14 3 Melden
  • Angelika 13.09.2015 21:17
    Highlight Alles Gute, Julia!
    24 5 Melden
  • koks 13.09.2015 16:58
    Highlight immerhin ein guter und zielorientierter rat. aber...
    der arme freund. hat dazu nichts zu sagen, die entscheidung muss er trotzdem ein leben lang mittragen.
    13 64 Melden
    • Miicha 13.09.2015 18:14
      Highlight Der arme Freund hat genauso gut oder schlecht verhütet wie sie.
      90 7 Melden
    • stadtzuercher 13.09.2015 22:28
      Highlight Miicha, beide haben schlecht verhütet. Aber über die Abtreibung hat alleine die Frau zu befinden. Finde schon auch, dass diese Asymmetrie: Frau ist zu bemitleiden - Mann ist selbst schuld und hat sich der Entscheidung der Frau zu fügen - eine schlechte Basis ist für das Aufwachsen des Kindes. Erzieherisch, finanziell, genderrechtlich. Naja, wir Steuerzahler dürfen dann ein Einelternkind mehr bezahlen...
      27 15 Melden
    • Miicha 13.09.2015 23:21
      Highlight An ihr bleibt auch die Erziehung vom Kind "hängen" wenn er sich aus dem Staub macht. Darum ist das nur fair, daß es ihre Entscheidung ist.
      32 9 Melden
    • koks 14.09.2015 08:39
      Highlight heutzutage erziehen frau und mann das kind gemeinsam, wenn es denn das neue sorgerecht endlich zulässt, micha.
      12 1 Melden
    • who cares? 14.09.2015 16:01
      Highlight @koks Naja eine Schwangerschaft ist auch nicht das, was man dem eigenen 15jährigen Körper zumuten will, Lehrstelle suchen mir sichtbaren Babybauch ist auch etwas, das der Freund nicht muss, geschweige denn, einige Zeit deswegen auszufallen, Schwangerschaftsstreifen, schwache Blase, Postnatale Depression, soll ich weiter machen?
      17 6 Melden
  • Miicha 13.09.2015 15:26
    Highlight Merci Kafi für diese Antwort. Und dir Julia wünsche ich alles Gute.
    48 5 Melden

FRAGFRAUFREITAG

Hallo, wie erklärt man Kindern das Wort Liebe (nicht Sex) im Sinne von geliebt werden? Danke :-) Marisa, 34

Liebe Marisa  Vielen Dank für Ihre Frage, die mich einigermassen erstaunt hat. Weil ich es persönlich so viel einfacher finde, einem Kind die zwischenmenschliche Liebe zu erklären, als das schnöde Bedürfnis, dem anderen etwas reinzustecken, resp. sich etwas reinstecken zu lassen, das bisweilen mit der Liebe einhergeht. Liebe erkennt das Kind, wenn es ihr begegnet. Ein Kind, das in einem halbwegs gesunden Umfeld (gesund im Sinne von unversehrt) aufwächst, erfährt Liebe und wird diese …

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