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Das Leben, es ist berauschend genug.
kafi freitag

Liebe Kafi. Ich führe seit 15 Jahren eine Beziehung mit einem suchtkranken Mann (Alkohol/Kokain). 

Trotz Therapie, Klinikaufenthalten oder sonstigen Interventionen erleidet er in mehr oder weniger regelmässigen Abständen Rückfälle. Ich möchte mein Leben mit ihm verbringen, bin aber am Ende meiner Kräfte angekommen. Glauben Sie, dass man mit einem suchtkranken Menschen eine stabile und glückliche Beziehung führen kann? Mein Umfeld – und mittlerweile auch ich selber – zweifeln sehr daran. Cornelia, 35

17.06.16, 10:10 17.06.16, 11:31


Liebe Cornelia

Sie und ich, wir beide kennen die Antwort ganz genau. Die letzten 15 Jahre sprechen eine klare Sprache, auch wenn es weh tut, auf diese zu hören. Ich verstehe sehr gut, dass Sie an diesem Menschen hängen. Manchmal ist es noch schwieriger jemanden loszulassen, der einem nicht gut tut, weil er nicht ganz sich selber ist, als wenn es einfach so nicht geht. Man redet sich dann ein, dass der andere ja keine Schuld an seiner Unzulänglichkeit trägt. Und hofft darauf, dass es sich ändert. Irgendwann. 

Menschen, die einer Sucht verfallen sind, gehören aber nicht mehr sich selbst. Und wer sich nicht selber gehört, kann sich und anderen nicht gut tun. Lassen Sie los, liebe Cornelia. Sie haben 15 wahnsinnig wertvolle Jahre Ihres Lebens mit einem Menschen geteilt, der leider nicht zu einer Beziehung fähig ist, wie Sie sie sich vorstellen und auch verdient haben. Sie sind 35. Vielleicht möchten Sie gerne Kinder haben? Was auch immer Ihre persönlichen Ziele sind, verfolgen Sie diese besser ohne diesen Mann.

Menschen, die einer Sucht verfallen sind, gehören nicht mehr sich selber.

Und nein, das ist nicht egoistisch. Im Gegenteil. Sie sind für das Glück in Ihrem Leben verantwortlich. Sie ganz allein. Da gehören manchmal Entscheidungen dazu, die anderen weh tun. Das gehört zum Erwachsensein dazu, auch wenn es schmerzhaft ist. Es wäre nichts als traurig, wenn Sie mit 45 aufwachen und merken, dass es noch immer genau so ist und Sie die Hälfte Ihres Lebens hinter sich haben. Und so wird es sein, wenn Sie jetzt nicht gehen. Und nicht, weil er Sie nicht liebt, denn davon bin ich überzeugt. Sondern, weil er seine Seele dem Teufel Drogen verkauft hat und der sie – einmal in seinen Klauen – nicht wieder hergibt.

Mit herzlichem Gruss. Ihre Kafi.

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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 11-jährigen Sohn in Zürich.

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18
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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Jannabis420 25.06.2016 19:06
    Highlight Sucht ist eine Krankheit, viele vergessen das. Man "entscheidet" sich nicht dafür. Deshalb sind auch Aussagen wie man muss einfach nur einen starken Willen haben nicht hilfreich für Betroffene. Gewisse Menschen sind genetisch dazu veranlagt eher zu Suchtverhalten zu tendieren. Ich kann verstehen, dass die Frau verzweifelt ist nach 15 Jahren und nicht mehr weiter kann... Jedoch muss ich Kafi's Antwort in zwei Punkten stark kritisieren. Sie schreibt das es quasi unmöglich ist von einer Sucht wegzukommen und verurteilt den Mann pauschal wegen seiner Sucht, ohne seine Lebensgeschichte zu kennen...
    1 4 Melden
  • drdukan 19.06.2016 13:41
    Highlight Als Tochter einer Alkohol und Tablettenkranken Mutter
    kann ich einfach nur sagen renn so schnell du kannst weg, 15 Jahre sind genug, dieser Mann muss da selber rauskommen. Du bist schon total Co Abhängig und musst
    nun für dich schauen
    Ich wünsche dir viel Kraft
    21 0 Melden
  • pamayer 18.06.2016 17:34
    Highlight 15 jahre sind zu lange, um noch an einen ausstieg zu glauben.


    ich weiss auch nur zu gut, dass die hoffnung zuletzt stirbt. und aufgeben nicht als edel gilt. trotzdem...

    viel glück!
    13 0 Melden
  • oldman 18.06.2016 09:30
    Highlight Liebe Cornelia, ja - lass los. Der von einem Leser gesandte Videoclip, der sicherlich einen wesentliche Keraussage unsere Gesellschaft betreffend enthält, im Übrigen aber "nicht der Weisheit letzter Schluss" ist, legitimiert Dich auch dazu. Denn Du hast ja 15 Jahre Zuwendung Deinem unter der Sucht leidenden Partner gegeben, ohne dass ein Erfolg eingetreten ist. Er muss den Weg gehen! Geh Du nun den Deinen. Frag Dich vielleicht, ob Du an einem - etwas vereinfachend gesagt - "Helfersyndrom" leidest. Falls ja, dann brich es auf. Alles Gute.
    15 1 Melden
  • wipix 18.06.2016 08:10
    Highlight kafis antwort ist korrekt in bezug auf beide "parteien" .nach 15 jahren kampf gegen die sucht ist nämlich auch sie zu einem problem geworden,die sucht abzulegen.ein süchtiger kämpft nicht nur gegen den inneren schweinehund,die sucht selber zu bekämpfen,sondern auch gegen ein "auffangsystem"(beziehung), dass ihn immer wieder rettet vor dem kompletten absinken ins nichts.die aufgabe aller,wirklich aller auch noch so liebgewonnenen angewohnheiten und beziehungsgeflechten steht nämlich am anfang der meisten erfolgreichen abstinenzen,da zusammenhänge oft nicht erkennbar für den süchtigen.
    10 1 Melden
  • Pupsi 18.06.2016 02:19
    Highlight Ich wúnsche cornelia viel kraft, damit sie ihren weg gehen kann.
    10 1 Melden
  • rYtastiscH 17.06.2016 17:54
    Highlight An all die Suchtexperten hier in den Comments:
    10 1 Melden
    • remeto 17.06.2016 18:48
      Highlight Wenn man dann den Wiki Artikel ganz liest und isch die Studien rein zieht sieht das ganze wieder etwas anders aus...
      https://en.wikipedia.org/wiki/Rat_Park
      2 4 Melden
    • rYtastiscH 17.06.2016 21:51
      Highlight Seh ich nicht so. Das Fazit ist lediglich, dass Tierversuche für das Suchtverhalten von Menschen nicht aussagekräftig seien.

      Rat Park ist nicht das Hauptargument. Viel interessanter sind jene Aussagen über die Vietnam Veteranen und die der medizinischen Abgabe von Diamorphin - welche sich auf den Menschen beziehen.

      Ob der Herr Alexander nun glaubwürdig ist oder nicht, die fehlenden Suchtkranken, bedingt durch medizinische Abgabe von Heroin, lassen sich nicht mit dem aktuellen Modell erklären.

      Fazit: Wir wissen wenig bis nichts über Sucht.

      PS:
      3 1 Melden
  • Lami23 17.06.2016 17:26
    Highlight Aus meiner beruflichen Erfahrung mit Alkoholsüchtigen weiss ich, dass es am Anfang Sinn macht sie beim Entzug zu Unterstützen. Schaffen sie es aber trotzdem nicht, braucht es diesen Schritt. Eine Suchtsituation, die sich nach 15! Jahren nicht geändert hat, wird es in dieser Konstellation nicht mehr tun. Gehen sie, zum Selbstschutz, aber auch für ihn. Entweder gibt es ihm endlich Motivation, wenn nicht, wird er gleich enden, wie wenn sie geblieben wären.
    61 2 Melden
  • L.G. 17.06.2016 15:43
    Highlight Wieviele jahre deines lebens möchtest du noch verschwenden?!?

    Es gibt schlimmeres als alleine sein!

    22 5 Melden
  • E-Lisa 17.06.2016 11:36
    Highlight Eine sehr treffende Antwort.
    Cornelia, was muss denn noch passieren, damit Sie es verstehen? Ich habe so einen sinnlosen Kampf zwei Jahre geführt, bis ich im Krankenhaus gelandet bin, weil er mich im Suff zusammen geprügelt hat. Zwei Jahre ohne solche Vorkommnisse und dann aus dem nichts. Danach habe ich es erst kapiert, dass man Drogenabhängigen Menschen nicht helfen kann, ausser sie haben von selbst den Willen sich davon zu lösen. Und selbst dann, der Kampf ist unendlich...
    Lassen Sie los und konzentrieren Sie sich auf sich und Ihre Gesundheit.
    Viel Erfolg 💚
    89 3 Melden
  • R&B 17.06.2016 11:26
    Highlight @Cornelia: Bis an Ihr Lebensende würde das so weitergehen. Weitere 50 Jahre nicht glücklich sein?
    41 4 Melden
  • Dubliner 17.06.2016 10:39
    Highlight Meiner Meinung nach eine sehr schwache Antwort, liebe Kafi. Der Partner ist nicht freiwillig süchtig und in einer schweren Situation. Seiner Lebensbegleitung die Trennung aufschwatzen zu wollen, finde ich definitiv falsch.
    24 155 Melden
    • 's all good, man! 17.06.2016 12:06
      Highlight Die Antwort ist nicht schwach, sondern einfach nur ehrlich. Man kann Suchtkranken Menschen nicht helfen, höchstens sie dabei unterstützen zur Erkenntnis zu gelangen, dass sie sich selber helfen müssen. Als trockener Alkoholiker weiss ich, wovon ich spreche. Die Fragestellerin soll den Mann nicht verlassen, um ihn im Stich zu lassen, sondern um ihm den Weg zur Selbsthilfe frei zu machen. Mir ist es auch so ergangen und ich bin meiner Ex-Partnerin sehr dankbar dafür, dass sie diesen Schritt damals gemacht hat. Das habe ich aber erst sehr viel später kapiert.
      143 2 Melden
    • Kunibert der fiese 17.06.2016 12:40
      Highlight so ziemlich das dümmste, was es dazu zu sagen gibt.
      25 10 Melden
    • R&B 17.06.2016 12:50
      Highlight @Harmonstown:
      "Trotz Therapie, Klinikaufenthalten oder sonstigen Interventionen erleidet er in mehr oder weniger regelmässigen Abständen Rückfälle."
      -> Ja er ist in einer schwierigen Situation. Aber, er hat jede Hilfe erhalten und hat die Chance in 15 Jahren!!!! nicht gepackt. Andere Süchtige schaffen es. Warum ist es legitim, dass der Süchtige sein Umfeld in den Abgrund mitreisst? Hat Claudia kein glückliches Leben verdient? Es ist sein Leben. Es ist ihr Leben. Claudia hat um Rat gefragt, Kafi hat eine kompetente und professionelle Antwort gegeben.
      95 4 Melden
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FRAGFRAUFREITAG

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