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Bild: Kafi Freitag: Dörf's es bitzeli meh sii?

FRAGFRAUFREITAG

Liebe Kafi. Ihren Blog lese ich sehr gerne! Und da mich Ihre durchdachten & originellen Antworten begeistern, wende ich mich an Sie. Ich habe kleine Brüste, welche nach mehreren Schwangerschaften etwas gelitten haben. 

Und nun spiele ich ein bisschen mit dem Gedanken, diese operieren zu lassen. Meinem Mann haben meine Schwangerschafts-Brüste sehr gefallen. Das hat mich auch etwas gestresst, da ich ja wusste, dass das ein vorübergehender Zustand ist. Nur irgendwie geht mir ein solcher Schritt auch gegen den Strich. Ich bestehe ja nicht nur aus Brust und möchte mich auch nicht unter Druck setzen lassen, wie frau auszusehen hat . Und meinen Kindern wünsche ich, dass sie sich annehmen können, wie sie sind. Und das möchte ich ihnen auch vorleben. Zudem ist es irgendwie einfach ein Bschiss. Herzliche Grüsse. Paula, 33

11.03.14, 18:48 12.03.14, 14:07


Liebe Paula

Vielen Dank für Ihre lieben Worte. Das freut mich sehr!

Als ich Ihre Frage gelesen habe, war ich einigermassen erstaunt. Weil es keine ist. Sie haben eher laut gedacht respektive niedergeschrieben, was Ihnen diesbezüglich durch den Kopf geht. Darum frage ich mich, was Sie jetzt von mir hören möchten. Ich werde Ihnen diese Entscheidung sicherlich nicht abnehmen und zu- oder abraten. Ein solcher Eingriff ist eine weitreichende Entscheidung. Ob es ein Bschiss ist, interessiert mich dabei viel weniger, weil heute ist alles mehr oder minder Bschiss. Sonst dürfte man sich auch nicht die Haare färben, oder einen Push-up tragen. Viel mehr interessiert mich die Frage, was es genau bedeutet, wenn man den gesunden Körper einem Eingriff aussetzt, der eigentlich nicht notwendig ist. Auf der anderen Seite ist das Leben auch zu kurz, um unter etwas zu leiden, was man optimieren könnte. Aber Sie leiden ja nicht wirklich darunter. Es ist mehr das Wissen über das Angebot, dass Sie verunsichert. Aber ich habe bereits an anderer Stelle geschrieben, dass man nicht alles tun muss, was man tun kann.

Aber das hat vielleicht auch damit zu tun, dass ich leider immer zu den 0.0005465 Promille gehöre, die nach der kleinsten Routinebehandlung Komplikationen macht. Das war schon immer so. Und darum überlege ich heute doppelt so lange, bevor ich mich für irgendwas entscheide, dass ich dann den Rest meines Lebens ausbaden muss. Jede noch so kleine Optimierung hat ihren Preis. Davon kann ich ein Lied mit ganz vielen Strophen singen, liebe Paula. Haarextensions? Uhuere geil! Für zwei Wochen. Danach einen Filzhaufen auf dem Kopf und ein Verlust von etwa einem Drittel eigenem Haar. Wimpern-Extensions? Uhuere geil! Für fünf Wochen. Danach büschelweise Wimpern auf dem Kopfkissen und dafür deutlich weniger um die Augen. Wenn der Preis für solche Mikrointerventionen so hoch ist, wie muss er dann für grössere sein?

Setzen Sie einen Termin in ein, oder besser zwei Jahren fest und erlauben Sie sich erst dann die Entscheidung. Vielleicht hat sich das Thema bis dann gelegt. Und wenn nicht, dann sind Sie sich wenigstens sicher, dass es kein oberflächlicher Spleen war.

Für einen/Ihren Mann sollten Sie den Schritt aber auf keinen Fall wagen. Männer sind diesbezüglich viel einfacher gestrickt, als uns bewusst ist. Männer «leiden» eher an einem Zuwenig an Sex, als an einem Zuwenig an Busen. Selbst wenn Ihr Mann an Ihrem Schwangerschaftsdekolleté seine Freude hatte, heisst das noch lange nicht, dass er Sie mit weniger prallem Busen weniger attraktiv findet. Ich verstehe ja, dass Sie Ihrem Mann gefallen wollen (das wollen wir Frauen alle, Emanzipation hin, Emanzipation her). Aber die meisten Männer stehen schlicht und ergreifend auf Frauen, die sich in ihrem Körper wohlfühlen und Freude an der eigenen Sexualität haben. Ob Sie dieses Selbstwertgefühl mit neuen Brüsten mitgeliefert bekommen, sei allerdings dahingestellt. 

Alles Liebe und Gute. Ihre Kafi. 

Kafi Freitag 

Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltags-Fragen ihrer Leserschaft. Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.freitagcoaching.ch) und verkauft mit viel Herzblut Hochzeitskleider. Sie ist verheiratet und Mutter eines neunjährigen Sohnes, wohnt mitten im Zürcher Kreis 4 und versucht, ihren Alltag so vernünftig wie nötig und amüsant wie möglich zu leben.

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Bild:Kafi Freitag



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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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