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Wer nicht an das fertige Haus glaubt, braucht keinen einzigen Ziegelstein setzen.  Bild: Kafi Freitag

FRAGFRAUFREITAG

Liebe Kafi, ich liebe Sie und Ihre Antworten. Mit der richtigen Liebe, also dem Verliebtsein, habe ich jedoch meine Mühe. 

04.03.15, 16:03

Ich wurde soeben wieder von einem Mann enttäuscht, mit dem ich ein halbes Jahr eine intensive Beziehung geführt habe. Ich wusste von Anfang an, dass das nichts für die Ewigkeit ist. Trotzdem fand ich es schön mit ihm und genoss die Zuneigung, die er mir gab. Die Quittung für meine naive Einstellung habe ich jetzt zu einem für mich überraschenden Zeitpunkt erhalten - er hat mich aus dem Nichts verlassen. Ich trauere ihm nach, bin in meinem Ego verletzt und schäme mich gleichzeitig dafür. Ich halte mich ansonsten für ziemlich clever, weiss, was ich im Leben will und bin mit meinem Inneren und Äusseren einigermassen zufrieden. Nur in Liebes- und Beziehungsfragen verhalte ich mich häufig verzweifelt und einfach irgendwie dämlich. So gerate immer an die falschen Typen. Zur Hölle, warum? Monique, 27

Liebe Monique 

Vielen Dank für Ihre lieben Worte und Ihre Frage, auf welche ich gerne eingehen will. Selbst wenn ich das Problem nicht erkennen kann. Es läuft doch alles wie am Schnürchen, nicht?

Sie sind mit einem Mann zusammengekommen und eine intensive Beziehung eingegangen, von der Sie von Anfang an wussten, dass sie nicht ewig halten wird. Und genau so ist es nun ja auch gelaufen, es hat nicht ewig gehalten, der Mann ist weg. Ist doch prima. Was wollen Sie noch mehr? Das, was Sie schon immer über die Beziehung wussten, hat sich nun endlich bewahrheitet. Sie haben recht behalten. Die Beziehung hat tatsächlich nicht ewig gehalten. Ihr Wunsch hat sich erfüllt. Das nennt man eine selbsterfüllende Prophezeiung, ein spannendes Phänomen.

Was? Das war gar nicht Ihr Wunsch, sagen Sie? Aber warum haben Sie es dann von Anfang an gewusst, dass es so kommt? Wenn Sie Ihre Energie darauf setzen, dass es nicht halten wird, warum sollte es dann halten? Ihre Überzeugung hat sich nur erfüllt, Sie können eigentlich stolz auf sich sein. Ihr ganzes System hat vollkommen richtig auf ein Ziel hingearbeitet, das in Ihrem Bewusstsein und Ihrem Unterbewusstsein fest verankert war.

Das Hirn ist im Grunde simpel gestrickt, liebe Monique. Es arbeitet sehr kooperativ auf unsere gesetzten Ziele hin. Es unterscheidet und wertet nicht, ob ein Ziel ein gutes ist, oder eher ein schlechtes. Es sagt sich nicht, "ja aber die Monique sollte doch jetzt mal bitzli länger mit einem Mann zusammen sein, komm, wie machen mal was ganz anderes, vollkommen autonom". Das Gehirn führt nur Befehle aus. Und "es wird nicht ewig halten" ist so einer. Natürlich läuft das alles nicht gewollt ab, schon klar. Aber wenn man mal begriffen hat, dass das eigene Bewusstsein zu 5% wirklich bewusst und mit dem Verstand gesteuert ist und zu 95% unterbewusst, dann sieht man auch, wie sehr man sich selber ausgeliefert ist.

Natürlich ist es nicht garantiert, dass eine Beziehung mit Sicherheit hält, nur weil man das denkt. Aber es ist nun mal eine andere Sache, ob man mit einem Menschen zusammen ist, der sich das von Anfang an wünscht und tagtäglich auf die Erfüllung dieses Ziels hinarbeitet, oder ob man seine Zeit mit jemandem verbringt, der von Anfang an weiss, dass es eh nichts für die Ewigkeit ist. Das hat mit Energie zu tun, ist aber kein bisschen Eso. Das wird Ihnen jeder Hirnforscher bestätigen.

Wenn Sie dieses Muster verändern wollen, dann müssen Sie Ihre Denke ändern. Seien Sie aufmerksam, WIE Sie denken. Lenkung der Richtung der Aufmerksamkeit ist das Stichwort! Es reicht allerdings nicht aus, wenn Sie jetzt jeden Tag ein bisschen positiv denken, aber im Prinzip nicht wirklich daran glauben, das wäre dann doch zu einfach. Aber die eigenen beschränkenden Glaubenssätze zu durchschauen und hinterfragen, ist ein sehr guter Anfang. (Ein Glaubenssatz ist eine konstruierte Pseudo-Wahrheit, ein Paradigma.) So einer könnte vielleicht lauten "Beziehungen halten eh nicht" oder "ich werde immer verarscht". Solche Denkmuster werden einem sehr früh von der Familie und dem Feld, was einen prägt, mitgegeben. Wenn man zum Beispiel als Kind miterlebt hat, wie die Mutter, oder jemand anders im näheren Umfeld, immer wieder schlechte Erfahrungen machen musste und darüber geredet hat, dann kann daraus ein sehr tief sitzender Glaubenssatz werden, der das eigene Liebesleben stark beeinflusst.

Wir alle leben mit solchen Glaubenssätzen und es ist unsere Aufgabe, sie zu durchschauen, aufzubrechen und durch bestärkende und beflügelnde zur ersetzen. Wenn Sie daran arbeiten (besorgen Sie sich ein gutes Buch zum Thema "Glaubenssätze") und es schaffen, die nächste Beziehung mit einem überzeugten "ich glaube an die Liebe" und "ich bin wertvoll" zu starten, dann wird sich Ihr Leben und Ihr Lieben verändern. Versprochen.  

Mit herzlichem Gruss. Ihre Kafi.

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Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.ch.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.FreitagCoaching.ch) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie ist verheiratet und Mutter eines zehnjährigen Sohnes.

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Bild: Kafi Freitag



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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Bruno Wüthrich 04.03.2015 18:15
    Highlight Schwarz oder weiss? War es die Fragestellerin, die fand, dass diese Beziehung nicht für die Ewigkeit sein würde? Oder war dies seine Sicht? Ist Letzteres der Fall, könnte es sein, dass sie das Ende der Beziehung hinaus zögern wollte. Nun ist sie enttäuscht, dass dies nicht länger möglich war. Falls aber die Fragestellerin es war, welche diesen Mann als für nicht gut genug für eine längere Beziehung empfand, vermute ich gekränkten Stolz als Hintergrund der Enttäuschung. Zu erleben, dass derjenige, der nicht genügt, einem beim Schlussmachen zuvor kommt, ist schwer zu ertragen.
    7 1 Melden
    • kafi 05.03.2015 09:18
      Highlight Lieber Bruno. Ich mache es mir auch gerne leicht. Aber das ist dann doch bitzli zu einfach, glauben Sie mir. Lieben Gruss, Kafi.




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    • Kstyle 15.08.2016 18:54
      Highlight Wieso muss ein problem immer kompliziert sein? Manchmal liegt die lösung auch auf der hand und man sieht sie nicht. Also das erste was mir durch den kopf ging bei der beschreibung von Monique war das gleich:
      Ich bestimme, ich bin doch clever, ich weiss was ich will. Es ist mein spiel.
      Dann wurde das spiel umgedreht. Klar hat man da selbstzweifel vieleicht hat sie damit gerechnet, dass er sie mehr liebt als umgekehrt.
      Es kann aber auch sein, dass sie sich im Kopf die freiheit lassen wollte so ala ist ja nicht auf dauer vieleicht finde ich was besseres und die liebe war am schluss stärker.
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Kafi, braucht ein Kind Gotti und Götti?

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