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Spass mit der örtlichen Feuerwehr: So geht Neujahr in Myanmar (ja, ja du hast richtig gelesen)

16.04.16, 19:18 08.08.17, 15:18
Thomas Schlittler
Thomas Schlittler



Oh! Mein! Gott! Was für verrückte Tage! In Myanmar wird Neujahr gefeiert. Und um die Sünden des vergangenen Jahres wegzuspülen, spritzen sich die Einheimischen drei Tage lang auf jede erdenkliche Weise mit Wasser ab.

Alle paar hundert Meter stehen kleinere oder grössere Menschengrüppchen, die mit Eimern, Wasserpistolen oder Schläuchen bewaffnet darauf warten, Autos, Motorrädern und Fussgängern eine kalte Dusche zu verpassen.

In der 300'000-Einwohner Stadt Magway ist dann Party angesagt. In Myanmar wird Neujahr gefeiert – mit dem Wasserfest. bild: thomas schlittler

Mein Kumpel Tschügge und ich sind ein besonders beliebtes Ziel. Wir scheinen in der 300'000-Einwohner-Stadt Magway derzeit die einzigen Ausländer zu sein – und fallen dementsprechend auf. Bei unseren Spaziergängen durch die Stadt kommen wir jeweils nicht weit: Mal rennen Kinder auf uns zu, um uns Wasser über den Kopf zu leeren. Mal bittet uns eine Gruppe Jugendlicher um ein Selfie. Mal werden wir auf eine Runde Whiskey, Bier und Betelnuss (ekelhaft!) eingeladen.

Unser Auftritt auf der Bühne

Dann packt uns einer an den Armen, um uns auf eine Bühne zu schleppen, auf der uns je zwei Schläuche in die Hand gedrückt werden, mit denen wir für einmal die anderen abspritzen können. Einige geniessen die kalte Dusche sichtlich – kein Wunder, bei Temperaturen um die 40 Grad.

Alle wollen ein Foto mit uns. Vom Wasser anwerfen kann ich leider keine Fotos machen – sonst wäre meine Kamera im Eimer. Bild: Thomas Schlittler

Die Musik dröhnt so laut aus den Boxen, dass die ganze Bühne vibriert. Auf der Strasse tanzen die Einheimischen zu den Techno-Beats, barfuss und patschnass. Von Zeit zu Zeit fahren Lieferwagen vorbei mit weiterem Partyvolk auf den Ladeflächen.

Streetparade auf Myanmar-Art

Video: watson.ch

Street Parade auf Myanmar-Art!

Irgendwann sitzen wir bei einer unserer Bekanntschaften auf dem Motorrad. Wir haben keine Ahnung, wo es hingehen soll, erwarten aber einen weiteren Party-Hotspot. Doch es kommt anders. Unser Fahrer hält vor einer Feuerwehr-Station, seinem Arbeitsplatz. Dort geht die Feier mit ein paar seiner Kumpels – und zusätzlichem Whiskey – weiter. Richtig kommunizieren können wir nicht, doch wir unterhalten uns auch ohne Worte bestens.

Wir haben nicht nur gefeiert – wir sind auch gereist. Das waren unsere Fahrer:

Wir werden eingekleidet ...

Erst holt einer die Gitarre hervor, um ein Lied anzustimmen, das alle auswendig mitsingen können. Dann kommt einer mit Feuerwehr-Kleidern hervor, um uns einzukleiden. Ständig wird angestossen und gelacht.

Ich mache trotzdem ein paar Fotos mit dem Smartphone – das prompt eine Ladung Wasser abkriegt und kaputtgeht. Lustig wars trotzdem. Bild: Thomas Schlittler

Eine Riesengaudi – bis der Alkohol sein unschönes Gesicht zeigt: Zwei junge Männer geraten aus irgendeinem Grund aneinander und alle stürmen herbei. Einige um zu schlichten, andere um ebenfalls dreinzuschlagen. Wir versuchen die Gemüter zu beruhigen, doch das gelingt uns nur bedingt. Auch nach der Prügelei wird noch heftig diskutiert, alle sind gereizt. Die Musik ist aus, die Stimmung im Eimer. Es ist Zeit für uns zu gehen.

Weiter mit dem Partywagen

Zurück auf der Strasse hält das Stimmungstief nicht lange an. Eine Gruppe auf einem Partywagen winkt uns herbei, wir sollen zu ihnen auf die Ladefläche kommen. Sie drücken uns ein Bier in die Hand und los geht die Fahrt. Überall, wo wir auftauchen, winken uns die Leute zu.

Video: watson.ch

Fast wie zuhause: Spass mit unseren neuen Freunden von der örtlichen Feuerwehr in Myanmar. Bild: Thomas Schlittler

Tschügge und ich schauen uns immer wieder ungläubig an. Geschieht das alles gerade wirklich?! Wir fühlen uns wie Party-Päpste und kriegen kaum ein anständiges Wort raus, weil wir nicht aufhören können zu lachen – oder weil uns gerade wieder jemand eine Ladung Wasser ins Gesicht klatscht.

Wenn das mit dem Sünden wegspülen wirklich funktioniert, hätten wir im vergangenen Jahr ein paar zusätzliche Dummheiten machen können. Mehr noch: Gemessen an der Zahl kalter Duschen müssten wir jetzt Heilige sein – das neue Jahr kann kommen!

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18
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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Delay Lama 06.10.2016 15:24
    Highlight Ciao Thomas

    Ich gedenke nächsten April Myanmar zu bereisen. Wie hast Du das Klima in jener Zeit erlebt? Ist die Hitze auszuhalten?
    L Delay Lama

    P.S. Toller Blog, der Lust auf Reisen macht!
    0 0 Melden
  • Micha Moser 17.04.2016 14:46
    Highlight Wie neidisch ich teilweise bin :D Gute Fahrt weiterhin
    8 0 Melden
    • Thomas Schlittler 24.04.2016 20:41
      Highlight Merci! Was das Wasserfest betrifft, ist ein bisschen Neid sicherlich angebracht ... ;-)
      1 0 Melden
  • Kibar Feyzo 17.04.2016 07:38
    Highlight Warum steht da kein Wort über die Rohingya? Weisst du es nicht, oder ist es dir egal?
    5 23 Melden
    • Mia_san_mia 17.04.2016 10:33
      Highlight Was ist das?
      5 2 Melden
    • alessawardo 17.04.2016 10:47
      Highlight Touristische Hotspots müssen wirklich nicht extra beleuchtet werden, über die gibt es bereits genügend Berichte und Photographien. Da ist das Saufgelage um einiges amüsanter. 😉
      12 4 Melden
    • Kibar Feyzo 17.04.2016 10:51
      Highlight Ein bestialischer Genozid an einer Minderheit, versteckt vor der Welt.
      5 11 Melden
    • Kibar Feyzo 17.04.2016 10:56
      Highlight Unglaublich dass das immer verschwiegen wird in Myanmar-Berichten..
      5 11 Melden
    • Mia_san_mia 17.04.2016 11:02
      Highlight Danke Kibar Feyzo. Aber dann soll er das auch lieber sein lassen, solch schlimme Nachrichten hört man sonst schon genug. Lieber positives wie in diesem Bericht.
      7 3 Melden
    • Kibar Feyzo 17.04.2016 11:12
      Highlight Blitze? Haha.. war schon klar dass das Hedonisten nicht passt..
      5 19 Melden
    • Mia_san_mia 17.04.2016 11:23
      Highlight Nimms easy... Wens interessiert kann jetzt dank Dir anschauen.
      9 0 Melden
    • Kibar Feyzo 17.04.2016 11:29
      Highlight @Mia_san_mia

      Ich staune nur über die durchwegs positiven Berichte über Myanmar. Man hört immer nur was für ein tolles Reiseland es sei, aber nchts über die aktuell schlimmste Apartheit.

      4 10 Melden
    • Kibar Feyzo 17.04.2016 11:32
      Highlight "Von den Vereinten Nationen werden sie als die „am stärksten verfolgte Minderheit der Welt“ eingestuft. Als Staatenlose verfügen sie über keinerlei Rechte. Sie dürfen nicht wählen, haben keinen Zugang zu höherer Bildung und eine offizielle Ausreise wird ihnen nicht gestattet. Auch innerhalb des Landes sind sie Reisebeschränkungen unterworfen. Ein Gesetz von 1982 verweigert den Rohingya die Staatsbürgerschaft und entsprechende Dokumente.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Rohingya
      11 0 Melden
    • 有好的中国老虎 friendly chinese Tiger 18.04.2016 08:41
      Highlight @ Kibar Feyzo:
      Um ehrlich zu sein wusste ich nichts von den Rohingya.
      Sehr interessant, aber auch traurig zugleich.
      Muss aber auch Mia_san_mia zustimmen.
      Es gibt so viel Negatives in den Medien, da will man einfach wieder mal eine schöne lustige Geschichte von Thomas lesen.
      5 0 Melden
    • Thomas Schlittler 24.04.2016 20:21
      Highlight Lieber Kibar Feyzo
      Vielen Dank für deine Rückmeldung. Ich schreibe aber nur über Dinge, mit denen ich auf meiner Reise direkt konfrontiert werde. Wenn ich also einem Angehörigen der Rohingya begegnet wäre, hätte ich sicherlich über sein Schicksal berichtet. Da dem aber nicht so war, überlasse ich das anderen, die sich jahrelang mit einem Land beschäftigen. Deine Kommentare haben mir aber den Anstoss gegeben zu meiner neuesten Kolumne. Dort erfährst du mehr über die Gründe meiner Themenwahl. Ich hoffe, du kannst das nachvollziehen. LG Thomas

      Ich sehe es aber so wie eddie_dee3 und Mia_san_mia:
      4 0 Melden
    • Kibar Feyzo 24.04.2016 21:08
      Highlight Danke Dir für die Aufrichtigkeit. Wollte Dir auch nicht den Spass verderben. Es macht mich einfach immer wieder wütend zu sehen wie die Medien das unisono totschweigen. Hab wohl, etwas zu emotional reagiert und es hat leider ausgerechnet Dich getroffen. Eigentlich finde ich deinen Reiseblog ja sehr schön und lese ihn auch wenn es geht.
      Wünsche Dir nichtsdestotrotz weiterhin eine schöne Reise.
      Liebe Grüsse aus der trüben Aprilsuppe..
      2 0 Melden
  • Luca Brasi 16.04.2016 21:52
    Highlight Frohes sündenfreies Neujahr, Herr Schlittler. ;)
    5 0 Melden
    • Thomas Schlittler 24.04.2016 20:21
      Highlight Vielen Dank! Ganz sündenfrei wird es sicherlich nicht werden. Aber das wäre ja auch langweilig! ;-)
      0 0 Melden

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