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Offener Brief an die Thailänder: Reisen in eurem Land ist langweilig (das ist ein Kompliment!)

14.05.16, 14:06
Thomas Schlittler
Thomas Schlittler



Liebe Thailänderinnen und Thailänder

Nach insgesamt sieben Wochen in eurem Land bin ich nun endgültig nach Laos weitergezogen. Wie schon in Myanmar und Kambodscha hat mein Allerwertester den Grenzübertritt zuerst zu spüren bekommen. Eure Strassen suchen in Südostasien ihresgleichen.

Trotzdem bin ich nicht besonders traurig, dass meine Zeit in Thailand vorüber ist. Versteht mich bitte nicht falsch, euer Königreich bietet eine wunderbare Vielfalt. Das habe ich gemerkt, selbst wenn ich nur einen Bruchteil davon gesehen habe. An eurer Gastfreundschaft liegt es auch nicht, euer Lächeln wirkt trotz der rund 30 Millionen ausländischen Besucher pro Jahr noch immer aufrichtig und herzlich.

Der Grund, warum mir der Abschied leicht fällt, ist ein anderer: Da ich beim Reisen stets auf der Suche bin nach dem Exotischen, dem Unbekannten und Unberührten, gibt es für mich deutlich spannendere Destinationen als Thailand. Euer Land ist schlicht zu weit entwickelt. Reisen bei euch ist keine Herausforderung mehr. Zu einfach, zu bequem – selbst per Autostopp.

Ihr steigt aufs Rennvelo wie wir Europäer

Zwar sind mehr Autos achtlos an mir vorbeigefahren als in euren Nachbarländern, aber das liegt daran, dass sich bei euch viel mehr Leute ein Auto leisten können. Ganz normale Leute. Angehörige eines scheinbar ziemlich breiten Mittelstandes. Wenn sie nicht gerade Autostöppler mitnehmen, fahren sie übers Wochenende zum Zelten in den Nationalpark oder steigen hobbymässig aufs Rennvelo. Kein Scherz, aufs Rennvelo! Scharenweise! So etwas habe ich nicht mehr gesehen, seit ich Europa verlassen habe.

Meine Fahrer in Thailand haben mich auch nicht mitgenommen, weil sie besonders gespannt darauf waren, einen Ausländer kennenzulernen. Bei euch tummeln sich so viele Europäer, Australier und Amerikaner, dass ich im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern kaum einen Ausländer-Bonus hatte.

Stöppeln fühlte sich beinahe so an wie in Europa. Meine Fahrer wussten, dass ich nicht in der Klemme stecke. Sie hielten einfach an, um mir einen Gefallen zu tun. Nach Geld hat nie jemand gefragt – von einem Missverständnis mit einem Roller-Taxifahrer mal abgesehen.

Gleiche Frauenquote wie in Europa

Zudem haben mich in Thailand wieder vermehrt Frauen mitgenommen. In 5 von 61 Autos (8 Prozent) sassen ausschliesslich Angehörige des schönen Geschlechts. Das ist fast die gleiche Frauenquote wie in Europa (15 von 166 Fahrern, 9 Prozent). Von all den 254 Fahrern in den Ländern dazwischen waren nur 6 weiblich (2 Prozent). Klar, diese Zahlen sind nicht repräsentativ, aber sie sind auch kein Zufall. Sie sagen einiges aus über Thailand.

Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern musste ich mir in Thailand auch nie Gedanken machen über die Verpflegung unterwegs. In jedem noch so kleinen Kaff hat es mindestens einen – und meist ganz viele – 7eleven-Shops. Kurz rein, zur Stärkung ein Sandwich, Glacé oder Wasser kaufen, und weiter geht's.

Auch grosse Supermärkte und Einkaufszentren finden sich fast überall. Dort ist die Auswahl deutlich grösser als in den verstaubten Tante-Emma-Läden in den Nachbarländern – und oft sind die Artikel nicht einmal teurer.

Keine Kakerlaken, keine Bettwanzen

Mit den Unterkünften ist es dasselbe: Fast überall hat man die Qual der Wahl zwischen guten Gasthäusern. Mit Kakerlaken unter dem Bett und Bettwanzen muss man selbst in günstigen Gasthäusern nicht rechnen.

Kurz: Ich fühlte mich in Thailand fast wie zu Hause

Das war zwar eine willkommene Abwechslung. Über längere Zeit wäre mir das aber zu langweilig. Klar, wenn man hier lebt, kommen sicherlich immer wieder kulturelle Unterschiede zu Europa zum Vorschein. Als Tourist nimmt man diese aber kaum wahr.

Auch von der Tatsache, dass das Land seit 2014 von Generälen regiert wird, welche die Pressefreiheit beschneiden und Oppositionelle verfolgen, habe ich nichts mitbekommen. Dagegen kann ich nun nachvollziehen, wieso sich so viele Europäer für ein Leben in Thailand entscheiden. Hier kann man nach europäischen Standards leben – nur deutlich günstiger und kombiniert mit südostasiatischer Gelassenheit.

Thailand hat viele Reize, aber eine exotische Feriendestination ist es definitiv mehr.

Ich hoffe, ihr fasst das so auf, wie es gemeint ist: als Kompliment!

Und hier: Meine 50. Woche unterwegs per Autostopp

Meine Route

Von exotischen Tieren und schönen Landschaften

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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • #wiilichschan 16.05.2016 10:52
    Highlight Findest du nur Länder spannender zu reisen, die einen tieferen HDi haben, weil sie "exotischer" sind?
    Also:
    Thailand (zu weit entwickelt)=
    langweilig
    2 4 Melden
  • scheppersepp 15.05.2016 23:49
    Highlight Ja die 7 eleven hätte ich auch gerne in der Schweiz. ...oder zumindest paar family mart.
    6 0 Melden
  • Gsnosn. 15.05.2016 15:24
    Highlight Europäischer Stand sind vielleicht die Mall's, 7/11 aber hinter dem alles ist kaum etwas Europäisch.
    Ich besuchte schon paar Mal freunde von meiner Frau im Spital und das ist schon sehr bittere Pille, was ma dort sieht! Eine normale Schule ist auch weit vom Europäischen Standart entfernt. Ich kann deine Einschätzung nicht nachvollziehen. In Bangkok und den grösseren Ortschaften könnte man meine Europäischen Standart wahrnehmen aber das ist alle nur Schein. Deswegen liebe ich Thailand weil es eben nicht wie in Europa ist.
    7 1 Melden
    • Thomas Schlittler 17.05.2016 13:52
      Highlight Lieber Gsnosn
      Ich war in einem Spital in Bangkok (Impfen) und dort war der Standard hervorragend. Zudem ist Thailand ja auch bekannt für seinen Spital-Tourismus. Habe selbst einen Amerikaner getroffen, der im Südwesten Chinas lebt und mit seiner kleinen Tochter extra nach Thailand ins Spital fuhr. So schlecht kann die Gesundheitsversorgung also nicht sein. Auch wenn es sicherlich grosse (regionale) Unterschiede gibt und sich nicht alle den hohen Standard leisten können. Das ist tragisch.
      4 0 Melden
    • Thomas Schlittler 17.05.2016 13:53
      Highlight Betreffend Europa-Vergleich: Da hätte ich wohl präzisieren müssen. Mein Fehler, sorry! Ich meinte nicht unbedingt die Schweiz, sondern eher Osteuropa. Wenn ich da an Länder wie zum Beispiel Rumänien denke (immerhin EU-Mitglied!), muss sich Thailand überhaupt nicht verstecken. Und ich spreche in meinem Artikel ja auch vom REISEN in Thailand. Ein entscheidender Punkt ist also auch, dass die Tourismusindustrie in dem Land so weit fortgeschritten ist, dass das REISEN so bequem und dadurch wenig abenteuerlich ist.
      2 0 Melden
    • Gsnosn. 17.05.2016 18:32
      Highlight Du schreibst von den guten Spitäler in Thailand und die gibt es viele aber für die vielen Millionen Thais sind die nicht finanzierbar. Ein Grundversicherungspital ist definitiv kein Euro/Ost norm.
      1 0 Melden
  • Bloody Mary 15.05.2016 15:00
    Highlight Lieber Thomas, wieder ein super Artikel! Ich freue mich jeden Samstag über einen neuen Artikel von Dir.
    Durch welche Länder wirst Du in den nächsten Wochen reisen, verrätst Du das schon? :) Und wird dich wiedermal jemand besuchen? Ich wünsche Dir Glück & viel Spass.
    3 4 Melden
    • Thomas Schlittler 17.05.2016 13:40
      Highlight Vielen Dank für das Kompliment! Meine weiteren Reisepläne sind kein Geheimnis: Jetzt noch rund eine Woche in (Nord-)Vietnam, dann nach China (3-4 Wochen), dann mit der Fähre nach Südkorea (2-3 Wochen), mit der Fähre nach Japan (2-3 Wochen) und dann anfangs August mit einem Frachtschiff nach Kanada. Dann geht die ganze Geschichte in Nord- und Südamerika weiter. Besuch bekomme ich immer wieder mal. In Südkorea kommt meine Freundin vorbei und in Alaska meine Eltern sowie die jüngste Schwester. Ab November begleitet mich meine Freundin dann definitiv - bis am Schluss der Reise. Wird toll! ;-)
      5 0 Melden
  • elDoctor 15.05.2016 13:01
    Highlight @thomas schlittler
    in thailand gibts es noch viele exotische und unberührte plätze und orte, aber ich sage dir nocht wo, sonst sind sie das nicht mehr lange
    gruss von einem thai
    7 3 Melden
    • Thomas Schlittler 17.05.2016 13:33
      Highlight Diese Überlegung kann ich durchaus nachvollziehen. Würde ich auch für mich behalten ...
      4 0 Melden
  • corsin.manser 15.05.2016 02:30
    Highlight Wieder einmal grossartige Bilder vom Stöppeln. Guter Mann, Thomas, guter Mann!
    12 1 Melden
    • Thomas Schlittler 17.05.2016 13:32
      Highlight :-D Wo bist du mittlerweile? Alles im Lot?
      1 0 Melden
  • falang 14.05.2016 18:46
    Highlight du warst in thailand und hast nichts gesehen, geschweige denn verstanden! tztztz...
    17 31 Melden
    • Pisti 14.05.2016 19:34
      Highlight Was hat er denn nicht gesehen und verstanden?
      17 8 Melden
    • wololowarlord 14.05.2016 19:42
      Highlight Ein land insieben wochen zuverstehen ohne die sprache zu sprechen, ist auch zu erwarten. Normalerweise brauche ich so vier fünf wochen
      Tztztz
      17 3 Melden
    • Thomas Schlittler 14.05.2016 20:54
      Highlight Lieber falang, die Antwort auf Pistis Frage würde mich auch interessieren. Ich habe keine Probleme mit Kritik, aber sie ist doch um einiges hilfreicher, wenn sie etwas konkreter formuliert ist bzw. auf den Artikel eingeht ...
      27 1 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Grundi72 14.05.2016 18:14
    Highlight Die Thailänder sollen doch bitte wieder Not und Hunger leiden, damit ein paar möchtegern Aussteiger ihren Spass haben... wtf...!
    24 54 Melden
    • Mentorius 14.05.2016 18:55
      Highlight Du hast es also nicht verstanden.
      42 10 Melden
    • Thomas Schlittler 14.05.2016 21:05
      Highlight Lieber Grundi72, ist das für dich wirklich die Quintessenz meines Artikels? wtf...!

      Hättest du den Artikel ebenso (falsch) interpretiert, wenn ich genau das Gleiche über Griechenland oder Italien geschrieben hätte?

      Beste Grüsse
      Thomas
      26 3 Melden
    • Lami23 15.05.2016 21:39
      Highlight Wenn du das aus dem Artikel interpretierst...oh je...
      5 0 Melden

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