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Wegwerfgesellschaft der Herzen? Die Liebe in Zeiten der Freiheit

Bild: shutterstock

10.11.17, 10:36 10.11.17, 10:56

    Am letzten Sonntag diskutierte ich in der Arena/Reporter-Sendung die ewige Liebe. Basis war der aktuelle Reporter-Film, welcher zwei Paare im hohen Alter begleitete (bitte vor allem den Film unbedingt anschauen, er ist unheimlich berührend).  

    Aus Debatten im Studio und danach mit Gästen der Sendung und mit Zuschauern kam hervor: «Wir sind oberflächlicher geworden in der Liebe.»  

    Aha. Ist das so?  

    Schon einmal habe ich an dieser Stelle geschrieben, dass die grosse Liebe in meinen Augen nicht die ewige Liebe sein muss. Wenn man das Glück hat, sie zu finden: grossartig. Trennungen jedoch halte ich für nichts, das bei jeder Unsicherheit unüberlegt vollzogen oder aber um jeden Preis verhindert werden muss.  

    Ich glaube nicht an Pauschallösungen. Ich glaube nicht an den generellen Rat, sich aufgrund von Selbstverwirklichungszielen bei etwas schwierigem Klima in der Beziehung sofort zu trennen. Ich glaube jedoch auch nicht daran, dass man ewig an etwas festhalten sollte, was nicht mehr ist.  

    Die Scheidungsraten, die Scheidungsraten. Ja, die sind hoch. Manch einer leitet daraus eine Art Wegwerfgesellschaft auf emotionaler Ebene ab. Mag sein, dass sich dieser Tenor vielleicht ein wenig in unseren Beziehungsbegriff geschlichen hat.  

    Eine weitere Erklärung für die höhere Trennungsrate wäre: Because we can. Viele von uns (leider noch immer nicht alle) haben heute weder den gesellschaftlichen noch den religiösen Druck, bei einem Partner zu bleiben. Viel eher noch den finanziellen oder den emotionalen, gerade, wenn Kinder im Spiel sind. Aber grundsätzlich können wir uns heute viel leichter trennen als noch vor einigen Dekaden.   

    Stellt sich also die Frage: Sind wir tatsächlich egozentrischer geworden oder freier? Werfen wir fahrlässig weg oder trennen sich heute einfach all die Paare, die das früher auch getan hätten, wenn sie gekonnt hätten?  

    Fakt ist: Wir leben heute die Liebe in Zeiten der Freiheit.  

    Freiheit, sich lösen zu können/dürfen, aber auch Freiheit, was Alternativen angeht. In Zeiten von Tinder und Parship und Facebook und Clubbing und Speed Dating. Wir sind Kinder im Süsswarenladen des Herzens.

    Früher gabs mit knapp 20 einen Stängel Süssholz und ein «Voilà, darauf musst du jetzt für immer und ewig rumkauen, auch wenn kein Geschmack mehr drin ist und das Ding sich in einen faserig-glibbringen Strang aus Speichel und Zellulose verwandelt hat»; heute ist das Buffet riesig und à discretion.  

    Da ist es schwierig, sich auf ewig auf nur eine Leckerei festzulegen, und sei sie eine noch so grosse Delikatesse. Nach einer Weile mit Fleur de Sel-Luxemburgerli lacht einen der Foifermocke halt doch irgendwann sehr reizvoll an.  

    Das wäre an sich nicht tragisch. Das ist das grosse Konzept der Autonomie. Das Ich und seine Wünsche im Vordergrund. Hier mal bitz Cocifröschli, da mal bitz grüne Nudeln. Zuckersüsse Autonomie – alles easy.  

    Wäre da nicht das ebenso grosse Konzept der Intimität. Denn wir sind ja am Ende doch (zumindest die meisten von uns) gesellige Wesen und der Grossteil wünscht sich irgendwann einmal so etwas wie Verbindlichkeit.  

    Voilà: Balanceakt. Verbindung von Autonomie und Intimität. Schwierig. 

    Ich bin zur Überzeugung gelangt, dass zu unterschiedliche Vorstellungen in dieser heiklen Frage unweigerlich zu Unglück und/oder Trennung führen. Ich kenne lediglich zwei Paare, die seit Jahren erfolgreich offene Beziehungen führen und glücklich damit sind. Grossartig, wenn das klappt. Ansonsten höre ich den Begriff der «freien Liebe» doch meist gegen Ende einer Beziehung, wenn man versucht, den Wunsch nach mehr Autonomie des einen mit demjenigen nach weiter bestehender Intimität des anderen zu kombinieren. Das Resultat ist oft Hass, denn hinter «Dann leb dich halt aus» steckt oft ein «Ich hoffe, dass diese Freiheit dich zurück zur frei gewählten Treue zu mir führt», was selten bis nie der Fall ist.  

    (Freie) Liebe, die anhält, ist also eine Gratwanderung zwischen Nähe und Distanz, zwischen Autonomie und Intimität. Treue, aber kein Zwang. Freiheit, aber nicht für alles. Was darf man? Gedanken okay, Taten nicht? Flirten okay, Vögeln nicht? Bitz Verknallen okay, Verlieben nicht?  

    Natürlich kann man sich sagen: Sowas passiert in der wahren Liebe nicht.  

    Ich persönlich halte das für Humbug. Man kann so tun, ja, aber das heisst nicht, dass es nicht passiert, irgendwann. Grade das oben beschriebene, 24/7 zugängliche Süsswarenbuffet an Alternativen zeigt: Man kann nicht für immer der interessanteste Mensch im Leben seines Partners sein. Nicht über Jahre. Dazu kommt: Der noch nie zuvor gekostete Schoggipudding erscheint einem ach so süss, wenn man sein Luxemburgerli seit Jahren jeden Tag morgens unfrisiert und mit Mundgeruch neben sich liegen hat. So ist der Schoggipudding zwar auch, aber das blendet man gekonnt aus.  

    Wir sind also nicht für immer und ewig das Nonplusultra an Attraktivität.  

    Fragt sich: Müssen wir das?  

    Ich sage nein. Es gibt einen qualitativen Unterschied zwischen dem, was attraktiv ist und dem, was intim ist. Zwischen dem, was die Geschlechtsteile und dem, was das Herz berührt. Es werden unweigerlich andere interessante Menschen in das eigene oder das Leben des Partners treten. Die Frage ist dann diejenige nach dem Umgang mit dieser Tatsache.

    Und das ist wahre Intimität. Das ist wahre freie Liebe. Uns bei allen Alternativen, Tikki und Bazooka und Schaumpilzli, bei aller Freiheit, die in der Natur der heutigen Zeit liegt, bei allen Signalen, die uns unsere Geschlechtsteile senden, trotzdem für unser Luxemburgerli zu entscheiden. Auch wenn’s da und dort einen Tätsch weg hat und wir uns manchmal eine andere Geschmacksrichtung wünschen würden. Dass wir uns besinnen, warum wir es uns ursprünglich (haha, ur-sprüngli-ch, no Sponsoring, nur en Wortwitz, ich schwör) ausgesucht haben. Dass wir uns, solange wir können, jeden Tag erneut für es entscheiden, auch wenn es uns bisweilen schwer fällt.  

    Ist also die Liebe oberflächlicher geworden?

    Mitnichten. Denn wenn man sich in Zeiten der Freiheit für die Intimität zu einem Menschen entscheidet, dann ist das fürwahr eine Liebeserklärung mit Substanz.

    Yonni Meyer

    Yonni Meyer (35) schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
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    Zeno Hirt, 25.6.2017
    Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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      Alle Leser-Kommentare
    • Gummibär 12.11.2017 19:35
      Highlight Ah die Freiheit ! Es ist zwar offensichtlich, dass wir (in West-Europa zumindest) den ökonomischen Zwängen, den Zwängen der Konvention und dem Zwang der beschränkten Auswahl nicht mehr im gleichen Mass unterworfen sind wie die Generationen vor uns. Was wir allerdings nur selten fertig bringen, ist uns aus der Kruste unserer Erziehung, unserer Erfahrungen, unserer kulturellen Umwelt und unserer Furcht vor dem Ungewissen zu lösen. Yonnis Beschreibung der wahren Intimität kling mir ein bisschen zu sehr nach Resignation.
      Wo bleibt l'amour fou ?
      2 2 Melden
    • Spooky 12.11.2017 05:10
      Highlight [
      ]
      0 1 Melden
    • SusiBlue 11.11.2017 16:26
      Highlight Es kommt der Tag, wo man sich in einer Beziehung grad nicht mehr ggs weiterbringen kann. Das heisst nicht autom., dass es Zeit für die Trennung ist.
      Eine intime Aussenbeziehung kann sich als sehr bereichernd für einem selbst erweisen. Man wächst daran, entwickelt sich weiter, begegnet dem eigenen Partner auf neue Art.
      Braucht natürlich enormes Vertrauen in die Hauptbeziehung und keine Eifersucht(=Angst).
      Aber wenn ich meinen Partner liebe, gönne ich ihm Entfaltung, auch wenn’s bedeutet, dass eine Drittperson intim involviert ist. Letztendlich ist nichts Schöner als ein glücklicher Partner!
      6 14 Melden
    • 's all good, man! 11.11.2017 11:30
      Highlight Yonni Meyer hat einfach immer recht. Deine Texte zeichnen sich durch enorme Ausgewogenheit und sehr gut durchdachte Argumente aus. Das fällt mir immer wieder auf. Selten kann man dir widersprechen, selten gehen in den Kommentaren die Emotionen hoch. Das kann man auch langweilig finden, aber ich finde es immer sehr erhellend, deine gescheiten Abhandlungen zu lesen. Danke mal an dieser Stelle dafür.
      32 1 Melden
    • Spooky 11.11.2017 01:48
      Highlight Zweierbeziehungen haben seit Menschengedenken noch nie funktioniert. Darum bezeichnet man die Prostitution als das älteste Gewerbe der Welt.

      (Das zweitälteste Gewerbe der Welt ist die Spionage. Aber das ist eine andere Geschichte ;-)
      7 33 Melden
    • Spooky 10.11.2017 19:45
      Highlight "Denn wenn man sich in Zeiten der Freiheit für die Intimität zu einem Menschen entscheidet, dann ist das fürwahr eine Liebeserklärung mit Substanz."

      Wo ist der Unterschied, ob man ständig mit einem einzigen Partner herumvögelt oder mit vielen? Die Substanz ist die gleiche.
      7 45 Melden
    • Captain Downtown 10.11.2017 19:29
      Highlight ein thema was mich ebenfalls oft beschäftigt.
      (gehöre auch zur kategorie "weinerlicher don juan", treffendste formulierung übrigens)
      ich war jetzt mehrmals mit äusserst gebildeten prinzessinen zusammen, welche anfangs vor liebesschwüren überquollen sind, nur um dann, als es etwas nüchterner und schwieriger wurde, jeweils von erwartungen und drang zur "selbstverwirklichung" geradezu implodiert sind.
      der imperativ permanent zu taxieren, ob man "glücklich" sei, gepaart mit fehlender psycho-emotionaler bildung ist eine echt toxische mischung. (jedenfalls für so weinerliche romeos wie mich..)
      27 1 Melden
    • stadtzuercher 10.11.2017 17:29
      Highlight die freiheit ist heute die, keine beziehung eingehen zu müssen. der preis für beziehungen ist hoch für männer. frauen und die autorin können das wohl nicht nachvollziehen. wir haben in der schweiz im familienrecht ausnahmslos gesetze zugunsten der frau. für männer sind - ökonomisch gesehen - nur beziehungen interessant, wenn frau mindestes gleich gebildet und mindestens gleich verdienend ist.
      19 31 Melden
      • Tisch 10.11.2017 21:30
        Highlight ich weiss nicht, woher du diesen unsinn hast. es ist gesetz, dass der unterhaltspflichtige-meist der mann- sein existenzminimum immer behalten darf, während die unterhaltsberechtigte-meist die frau-diese garantie nicht hat. darum haben wir auch so viele alleinerziehende mütter in der sozialhilfe.
        26 10 Melden
      • Mememema 11.11.2017 12:11
        Highlight zwei Sachen anzumerken:
        1. Beziehung ≠ Ehe
        2. der ökonomische Vorteile jemanden zu haben, der einem den Rücken freihält, vor allem wenn noch Kinder im Spiel sind, und so eine Karriere ermöglicht ist auch nicht zu unterschätzen
        6 3 Melden
      • stadtzuercher 11.11.2017 18:45
        Highlight tisch, ich find eher deine aussagen unsinn. aber so kann jeder denken was er will.

        und männer und frauen können wählen, ob sie sich auf beziehungen einlassen wollen. je nach igener erfahrung und einschätzung. das ist gut so. das kann kein staat und keine gesinnungspolizei aufzwingen.
        2 1 Melden
      • stadtzuercher 11.11.2017 18:48
        Highlight @mememema, "Beziehung ≠ Ehe" das ist nicht korrekt. seit kurzem gelten in der schweiz auch für unverheiratete zusammenlebende nach 3 jahren (wenn ich mich recht erinnere) viele rechte und pflichten wie für verheiratete. die beziehungsökonomie, die vormals für die ehe galt, wurde längst ausgeweitet auf ausserhalb der ehe.
        2 2 Melden
      • Tisch 11.11.2017 22:56
        Highlight ich empfehle Ihnen die lektüre der relevanten bundesgerichtsentscheide, zb 5A_876/2014 oder 137 III 56. dort steht ganz genau, was gilt (www.bger.ch).
        4 1 Melden
    • rodolofo 10.11.2017 16:48
      Highlight In der Frage nach dem, was die "Ewige Liebe" ausmacht, geben meine verschiedenen Organe unterschiedliche Antworten.
      Da die verschiedenen Organe sehr spezielle Ansprüche und Vorlieben haben, können sie sich unmöglich auf die gleiche Person einigen.
      So habe ich die Lösung in verschiedene Liebesbeziehungen gefunden.
      Mit der Ehefrau ist der Sex besonders gut.
      Mit dem besten Freund ist der Ausgang am lustigsten.
      Mit der besten Arbeitskollegin macht das Arbeiten besonderen Spass.
      Usw.
      In der Gruppe können alle ihre Stärken ausleben und werden bei ihren Schwächen entlastet.
      18 3 Melden
    • Tisch 10.11.2017 16:30
      Highlight ich und mein mann sind seit der teenagerzeit, seit 33 jahren, zusammen. wir hatten auch schwere zeiten, aber schliesslich immer den willen, zusammenzubleiben. ich hatte noch nie das gefühl, etwas wichtiges verpasst zu haben und habe mich noch nie gelangweilt, denn wir menschen und unsere lebenssituation veränden sich ja ständig. was wir jetzt haben, nämlich nähe, intimität, aufregenden sex basierend auf vertrautheit und eine gewisse sicherheit im leben, das alles würde ich jedem/r wünschen. natürlich gehört auch viel glück dazu, aber auch ‚vo nüt gits nüt‘.
      75 1 Melden
    • Bruno Wüthrich 10.11.2017 15:16
      Highlight Es ist das Süsswarenangebot, das uns dazu verführen will, von den Süssigkeiten zu naschen, die uns zur Verfügung stehen, und uns nicht auf eine zu beschränken.

      Es ist der Besitzanspruch, der uns einredet, wir müssten aufpassen, dass unsere Partner/innen nicht ebenfalls Süssigkeiten naschen.

      Geben wir beidem nach, kann es nicht gut gehen.

      Ich habe folgende Beobachtung an mir selbst gemacht: Je grösser das in mich gesetzte Vertrauen, desto leichter fällt mir der Verzicht, auswärts zu naschen. Das schlechte Gewissen ist zu gross. Kontrolle erweckt bei mir die Lust, diese zu überwinden.
      21 1 Melden
    • Baccara 10.11.2017 13:06
      Highlight Oh, schwieriges Thema.

      Früher wurde vielleicht auch nicht aus Liebe geheiratet, sondern weil es sein musste, weil die Eltern ausgewählt haben, weil man vorallem als Frau nicht die Möglichkeit hatte, vor der Ehe Sex zu haben oder mit mehreren Partner auszugehen (oder diese auszuprobieren). Angebissene Ware hat sich halt nicht so gut verkauft.
      Die Frau war ebenfalls viel abhängiger vom Ehemann als heute.
      Und ja - heute ist die Selbstverwirklichung hoch im Kurs. Kompromisse in einer Partnerschaft ist so oder so ein No Go, meint Mainstream.
      22 1 Melden
    • Mitsch 10.11.2017 12:57
      Highlight Danke - wie immer tolle Gedankennahrung!
      Für mich hängt das Ganze sehr stark mit verschiedenen Themen zusammen. Religiöse Tabus fallen, alles ist beinahe immer und überall erhältlich und alles ist viel "schneller" geworden. Ich glaube nicht, dass der Mensch in der Lage ist, sich bloss selektiv in einzelnen Aspekten des Lebens daran anzupassen - man verändert sich als Person. Man gewöhnt sich dran dass man "alles" immer bekommen kann - und irgendwann ist eine Beziehung dann gleichviel Wert wie die neue Handtasche oder das neue Auto - was man auch nach ein paar Jahren einfach austauschen kann.
      14 1 Melden
    • Ratson 2.0 10.11.2017 12:16
      Highlight Ach yonni ich mag dich einfach :) Ganz schön lecker zu lesen ;) und übrigens on cam bist du auch super :) wollte ich dir noch sagen.
      20 1 Melden
    • Buddha of Suburbia 10.11.2017 11:36
      Highlight Schöner Artikel, danke! Ich glaube, wie in so vielem liegt auch hier der Schlüssel im bewussten und selbstreflektierten Handeln. Wenn ich mich für eine Beziehung entscheide, verzichte ich immer auch auf viele andere - in welchem Mass, bleibt jedem Paar (bzw. jeder Freundschaft /jeder Familie...) selber überlassen.
      Aber je bewusster ich meine Schritte gehe, desto mehr tragen mich meine Entscheidungen, wenn es mal schwierig wird. Und helfen mir, dann neue bewusste Entscheidungen zu fällen.
      33 1 Melden
      • Yonni Meyer 10.11.2017 13:28
        Highlight Danke für diese schöne Rückmeldung. Das mit dem Verpassen ist ja eh so eine Sache: Man verpasst ja immer was, wenn man sich für ein gewisses Lebensmodell entscheidet, sei es die Beziehung oder die «Rumvögelei». Wir brauchen das nur öfter, wenn wir von der Entscheidung für die Beziehung und gegen das Abenteuer reden. Dabei verpasst man, wenn man «rumvögelt», die andere, intime Seite des Zusammenseins.
        37 1 Melden
      • Buddha of Suburbia 10.11.2017 13:39
        Highlight Stimmt genau! Egal, wofür man sich entscheidet – da ist immer etwas, das man gleichzeitig nicht haben kann. Und wenn man es weiss und sich dessen wirklich bewusst ist, lebt man doch viel besser mit seiner Entscheidung für das eine bzw. gegen das andere. Zumindest ist das bei mir so.
        27 1 Melden
    • Wald Gänger 10.11.2017 11:08
      Highlight Wow. Finde ich hervorragende Überlegungen, die aber ergänzt werden können. Die Analogie des Kindes im Süsswarenladen ist sehr passend und legt auch den grossen Irrtum hinsichtlich des heute verbreiteten Freiheitsbegriffes offen. Ein Kind im Süsswarenladen ist in höchstem Masse unfrei, weil es unfreiwillig Sklave seiner momentanen Bedürfnisse und Impulse ist. Das Ich und seine Wünsche sind mitunter die gnadenlosesten Sklavenhalter, die uns dick, dumm, untreu und unverlässlich machen.
      Der Text führt dann sehr schön zu einem Freiheitsbegriff, bei dem man sich dem Impuls auch verweigern kann.
      78 8 Melden
    • Dharma Bum 10.11.2017 10:43
      Highlight Ja, wir sind egozentrischer geworden. Die Medien gauklen uns "Die Perfekte Ehe" vor, Prinz und Prinzessin.
      Weiter gaukeln die Medien: " Du hast den Traummann verdient, du musst nichts dazu beitragen, arbeite nur an deiner Selbstverwirklichung, keine Kompromisse, schliesslich bist du eine PRINZESSIN!"

      54 7 Melden
      • Yonni Meyer 10.11.2017 12:29
        Highlight Spannend, danke.

        Rückfragen: Beziehen Sie den zweiten Teil absichtlich nur auf Frauen? Falls ja, warum? Und sind Sie ein Mann oder eine Frau?
        17 3 Melden
      • Dharma Bum 10.11.2017 12:41
        Highlight Das gilt für Mann genau gleich, ich finde es blos müssig zum schreiben.

        Man/frau kann(in) dem Haus(in)/Neutrum machen/auch(inn) Genderbullshiting (in)

        Mit kleinem Unterschied: Die Weiber sind zu Machprinzessinen verzogen und die Männlein sind weinerliche Don Juans.
        21 3 Melden
      • Dharma Bum 10.11.2017 12:42
        Highlight Dharma Bum ist ein weinerlicher Don Juan. Als Antwort zu Deiner Frage.
        16 1 Melden
      • Yonni Meyer 10.11.2017 14:57
        Highlight Also ich als Weib/Machtprinzessin kann dazu folgendes sagen: ich habe mich lange Zeit bewusst fürs Singlesein entschieden, trug dafür aber auch die volle Verantwortung. Will heissen: Ich hatte hohe Ansprüche, nahm dann aber auch das Alleinsein in Kauf, wenn sie nicht getroffen wurden und habe mich darüber nicht beklagt. Ich war lieber für mich als in etwas Halbbatzigem, gab dafür jedoch niemandem die Schuld ausser mir selbst. Bezeichnen Sie das als prinzessinnenhaft?
        25 1 Melden
      • Dharma Bum 10.11.2017 15:17
        Highlight Das Halbbatzigem wird mit Arbeit und naivem (positives naiv) Märchenglauben zu etwas Vollpatzigem.

        Deine Haltung war genau so: Lieber alleine bis der richtige Prinz anreitet.

        Der Prinz kommt nie, den musst du dir erarbeiten.

        Ja, deine Haltung ist Prinzessinenhaft, aber das hat auch schönes. Du hast ja wahrlich genug Charakter und Chassis dass du dir einen superben Prinz formen könntest.
        7 9 Melden
      • Yonni Meyer 10.11.2017 15:24
        Highlight Ich glaube nicht, dass aus Halbbatzigem Ganzbatziges werden kann. Vielleicht verstehen wir darunter auch Unterschiedliches.

        Ein Prinz musste es schon gar nicht sein, aber einer, der wirklich passt. Und der kam dann auch, ohne ihn dazu formen zu müssen. Die Geduld hat sich gelohnt.

        Ich glaube, mein Wissen darum, dass ich auch allein gut zurecht kommen könnte, ist die ideale Basis für meine Beziehung.
        28 3 Melden
      • Dharma Bum 10.11.2017 16:02
        Highlight "mein Wissen darum, dass ich auch allein gut zurecht kommen könnte" ist noch eine Angst.

        Erst wenn auch diese Brücke abgebrannt ist, geht es aufs Ganze.

        Gruss
        7 1 Melden
      • Yonni Meyer 10.11.2017 16:09
        Highlight «Angscht und Gäld hani kei.»

        Auch Gruss und danke für die Inputs.
        17 1 Melden
      • The Origin Gra 11.11.2017 01:33
        Highlight Alles Gute in der Partnerschaft Yonni 😊
        6 0 Melden
      • Buddha of Suburbia 11.11.2017 15:38
        Highlight Ich finde nicht, dass man eine Prinzessin /Prinz ist, wenn man wegen "hoher Ansprüche" lieber allein bleibt. Vom Gegenüber aber zu ERWARTEN, die eigenen hohen Ansprüche einfach zu erfüllen, verbinde ich mit prinzessinnenhaft (m/f).
        2 0 Melden

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