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Die heiss geliebte Handtasche der Autorin – oder: das Loch ohne Boden. Bild: yonni meyer

Yonnihof

Frauetäsche – Wundertüte

28.04.15, 12:34 29.04.15, 07:22


Ich weiss ehrlich gesagt nicht mehr, woher ich dieses Sprichwort habe. Frauetäsche – Wundertüte. Vielleicht sagte es meine Mutter manchmal. Oder ich habe es sonst irgendwo aufgeschnappt. 

Fakt 1 ist: Ich sage es relativ oft. 
Fakt 2 ist: Es stimmt. Zumindest bei allen Frauen, die ich kenne. 

Gestern war ich an der Comedy in der Zukunft und suchte während der Vorstellung im Halbdunkel nach meinem Labello (darüber könnte man übrigens eine ganz eigene Kolumne schreiben: Labello – Junge Frauen in der Abhängigkeit). Zuerst hob ich die Tasche nur vom Boden auf und wühlte blind darin herum. Hand in der Tasche, Blick konzentriert zur Decke gerichtet. Der Versuch blieb erfolglos. 

Also verdrehte ich die Augen, gab ein leises «Öch» von mir und hob die Tasche auf die Bar, zog sie weit auf und versuchte angestrengt, mithilfe meines Augenlichts den Labello zu finden. Kurzzeitig wähnte ich mich erfolgreich, nur um ein paar Millisekunden später zu realisieren, dass ich einen Tampon in der Hand hielt. Bravo. 

Ich nahm also mein Handy (das ich problemlos in den unendlichen Tiefen der Tasche erspüren konnte – das geht dann wieder) und zündete damit in die Abgründe meiner gesammelten Mitbringsel. 

Erkenntnis: Egal, wie gross eine Tasche ist, ich fülle sie. Immer. Mit Zeugs. Und so durchfuhr mich der Gedanke: What the f-Word schleppe ich da alles mit mir rum?! 

Da waren die erwähnten Tampons. Einmal, vor langer Zeit, als ich noch jung war, war ich im Besitz so eines kleinen Blechschächtelis, wo genau drei Tampons reinpassten und das mein Exfreund einmal mit einem Fisherman’s Friend Aufbewahrungsböxli verwechselte. Was mit dem Schächteli passiert ist, weiss ich nicht – die Tampons sind mittlerweile schächtelilos in einer Innentasche meiner Handtasche verstaut, wo sie dann irgendwann rausrugeln und man sie dann mit einem Labello verwechselt. Lässig. 

Dann ist da noch das eine oder andere lose Ricola (also die Verpackten, nicht die kubischen aus der Büchse, die ich persönlich viel leckerer finde, obwohl sie wahrscheinlich exakt gleich schmecken wie die einzeln verpackten). Es kam schon vor, dass sich ein Choitschgi oder ein Zältli aus seiner Verpackung löste und ich die betreffende Süssigkeit dann in einer Ecke der Tasche klebend wiederfand, nachdem sie sich in einen halbflüssigen Klumpen aus Zucker, Kautschuk, Staub und Haaren verwandelt hatte. Fein. 

Dann habe ich immer ein Buch dabei. Ein Taschen-Buch. Höhö. Wortspiel. Meine Taschen-Bücher schleppe ich meist ein paar Monate mit mir rum, lese jeweils im Zug ein paar Seiten, vergesse dann wieder, was ich das letzte Mal gelesen habe und irgendwann gebe ich auf und rede mir selber ein, dass das halt einfach Schund ist. Sorry an alle Taschen-Buch-Autoren. Euer Werk ist natürli kein Schund, meine Lesegewohnheiten jedoch schon. 

Eine ebenfalls schöne Nebenwirkung einer Handtasche ist die Tatsache, dass sich Kopfhörer und Schlüssel mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit innert vier Nanosekunden in ein Gebilde verwandeln, das Ähnlichkeit mit den Frisuren von Lady Gaga hat und das aussieht, als sei eine Wulle-Chrungele in den Mixer geraten. Super Beschäftigungstherapie für Menschen, die über so viel Geduld verfügen wie ich. Nämlich keine. 

Nastüechli sind da auch. Bzw. sind sie da, wenn jemand anders danach fragt, wenn man selber eins braucht, ist da nur diese leere Scheiss-Plastik-Hülle. Wer tauft eine Nastüechli-Marke eigentlich Tempo? Es gibt ja auch keine Autos, die «Schnüüz» heissen. Obwohl das echt cool wäre, wenn ich’s mir genau überlege. 

Item. 

Dann ist da mein Portemonnaie, eine Mini-Version Cerruti 1881, durchschnittlich 2,5 Haarchlämmerli und 8,2 Haargümmeli, die, genau wie die Nastüechli, nur da sind, wenn man sie nicht braucht oder wenn sie sich dem Schlüssel-Kopfhörer-Klumpen anschliessen können. 

Irgendwo gibt’s ein Haarchlämmerli-und-Gümmeli-Paralleluniversum. Da leben sie dann mit ganz vielen einzelnen Socken, Ohrring-Hinterteili, meinem Tampon-Blechschächteli und... Labellos. 

Den habe ich dann übrigens noch gefunden. In meiner Hosentasche. Bravo. 

Yonni Meyer

Yonni Meyer schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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19
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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 07.05.2015 09:21
    Highlight Gerade sehr unabhängig und organisiert sehen Frauen mit vollen Taschen nicht aus. Oder gerade deshalb, weil ein Weltuntergang kommen könnte und sie dann alles dabei hätten? Ich muss zugeben, dass ich schon davon profitiert habe, dass Frau alles dabei hat und verneige deshalb mein Haupt vor allen Schwerträgerinnen.
    0 0 Melden
  • Yelina 03.05.2015 10:52
    Highlight Um das Kopfhörer-Problem hab ich mich gekümmert, ich verpack sie einfach in einer kleinen Tasche, in der früher mal Pflaster für unterwegs drin waren. Den Lippenbalsam taste ich erstaunlich gekonnt, obwohl auch ich öfters einen Tampon erwische, als ich zugeben mag
    ;-)
    0 0 Melden
  • Mira77 01.05.2015 15:37
    Highlight True Story!
    2 0 Melden
  • Luesae 30.04.2015 20:17
    Highlight Ausdehnungszauber :-)
    5 0 Melden
  • no0815girl 29.04.2015 16:29
    Highlight Dann bin ich wohl über-organisiert. Ich hasse genau diese Situation, wenn ich etwas nicht finde.

    Ich mag Taschen nicht besonders, habe lieber Rucksäcke, weil bequemer. Diese müssen dann mindestens 1000 Fächer haben, damit ich jedes Utensil einzeln verpacken kann.

    Leider gibt es nie genug Fächer, deswegen: Medis+Tampos+Binden zusammen in einem kleinen Kosmetiktäschchen, Kosmetik zusammen in einer kleinen Tasche für Katzenutensilien, Kabel+Elektrokram zusammen in einem Stiftetui, Stifte zusammen in einem Lederetui und Zahnbürste+Zahnpasta(mini) in einem Mini-Etui. Rest in Hosen/Jackentaschen.
    1 0 Melden
  • Bloody Mary 29.04.2015 10:47
    Highlight Hahaha - super Text - trifft voll in s Schwarze (Loch)... Was da alles darin herumwuselt in der Frauenhandtasche :-) Am coolsten fand ich Deine Beschreibung mit den Kopfhörer-Kabeldurcheinander - haha. Was habe ich schon geflucht. Ich nenne Sie auch manchmal scherzhaft meine 4 Zimmerwohnung, weil so viel drin ist und mit muss. Das schlimmste bei mir: Kassenzettelchen, Visitenkarten, Parktickets, Notizzettelchen back to summer 2014 wimmeln darin auch noch oft herum.
    6 0 Melden
  • Mimimi 29.04.2015 01:02
    Highlight Am liebschte hätti ja scho sones herzigs Täschli wie d'Marry Poppins. Das wär super lääs... Da isch eifach für jedi möglich und unmöglich Läbenssituazion alles derbi ;)
    5 0 Melden
  • Marykate 28.04.2015 22:48
    Highlight Geil, du hast grad meinen tascheninhalt beschrieben ;-) schön damit nicht alleine zu sein :-)
    8 0 Melden
  • Menel 28.04.2015 15:28
    Highlight Kleiner Tipp so von Wundertütenträgerin zu Wundertütenträgerin
    6 2 Melden
    • gianna 29.04.2015 00:10
      Highlight habe aus versehen ihren kommentar disliked, sorry!
      2 0 Melden
    • Menel 29.04.2015 13:36
      Highlight Ich werde es knapp überleben ;)
      1 0 Melden
  • smillali 28.04.2015 15:04
    Highlight Und ich - typisch Frau - muss jetzt sofort und unbedingt wissen, was das für eine Tasche auf dem Foto ist :-) . Danke!
    4 0 Melden
    • Xenia Imbach 28.04.2015 15:49
      Highlight Das isch en Freitag Täsche us de Reference Line
      3 0 Melden
    • Yonni Meyer 28.04.2015 17:01
      Highlight Genau. Konkret ist es das Modell «Rémy».
      3 0 Melden
  • Mugiwara 28.04.2015 13:25
    Highlight Da bin ich als Mann froh.
    Wir haben nähmlich nur die 3-Hand-berürungs-prüf-Methode
    Linke Hosentasche
    Rechte Hosentasche
    Füdli Hosentasche
    Alles da.
    Super.
    49 1 Melden
  • roofer 28.04.2015 13:07
    Highlight Wundertüte? Bei uns heißt sowas BUko, hat ähnliche physikalische Eigenschaften wie die "Tardis" von Doctor Who, ein Transportbehälter mit diversen parallelen Daseinsebenen im Innern, mit adäquater Beschleunigung auch als Selbstverteidigungsinstrument zu gebrauchen, und nie ohne Damenbekleidung unterwegs. Eine Inventur ist sinnlos, aber es geht nichts verloren. Alles taucht irgendwann wieder auf.
    14 0 Melden
  • Kaiserin 28.04.2015 12:50
    Highlight Ich fühle gerade so sehr mit Yonni mit. Ich habe mir immer einen unsichtbaren, riesigen Super-Magneten vorgestellt, der die Haarchlämmerli, Socken und all die anderen, sich in Luft auflösenden, kleinen Gegenstände anzieht... Aber das mit dem Paralleluniversum passt besser, denn Socken sind nicht magnetisch!
    11 0 Melden

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