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Anleitung zu einem bekackten Leben

Bild: shutterstock



Yonnihof Yonni Meyer

Geht’s Ihnen manchmal auch einfach ein bisschen zu gut, liebe/r LeserIn? Können Sie im Internet nicht mit den Alltagssorgen Ihrer Bubble mithalten? Haben die alle viel mehr Kratzer in ihren iPhones? Haben länger bei Starbucks auf ihren 10-Franken-Kafi warten müssen?  

Seien wir ehrlich: Es kann einem doch heute nicht schlecht genug gehen. Die Weltlage ist Scheisse, die SBB sind Scheisse, die Politik ist Scheisse, alles ist Scheisse. Und dann soll’s auch noch regnen. SCHEISSE!  

Dabei macht's einem die Natur zur Zeit aber auch wirklich schwer: Überall spriessen zur Zeit die Blumen, die Vögel singen, die Sonne scheint seit fast zwei Wochen durchgehend. E-KEL-HAFT!  

Damit Sie, liebe Leserin, lieber Leser, nachhaltig der/die Ärmste sein und alle Ihre Freunde und Kollegen in Sachen Elend, Freudlosigkeit und Alleinsein ausstechen können, habe ich hier eine Anleitung zu einem bekackten Leben ohne Freunde zusammengestellt.  

Egal, was passiert: Fokussieren Sie auf das, was daran Scheisse ist

Sie haben gerade eine Glückssträhne? Bleiben Sie ruhig, das kommt in den besten Familien vor. Glauben Sie mir, auch die perfektesten Momente haben irgendeinen Aspekt, über den man sich fürchterlich aufregen kann. Wenn Sie also morgen plötzlich über Wasser gehen können, verkünden Sie stolz, dass es Ihnen das Leben nun auch noch verunmöglicht, ein Bad zu nehmen.

Fuck everybody!

Niemand versteht, wie beschissen die Welt ist. Ausser Sie, natürlich. Ergo ist es Ihre (Lebens-)Aufgabe, anderen zu erklären, dass die Erde und ihre Bewohner vor die Hunde gehen – und natürlich Sie im Speziellen, denn Sie sind ja bekanntermassen am miesesten dran. Falls die Menschen dann versuchen, Ihnen zu helfen, machen Sie ihnen klar, dass Ihre Lage so miserabel ist, dass Ihnen nicht geholfen werden kann. Beenden Sie Ihr Statement mit «Thanks for nothing, Arschloch» und verlieren Sie dadurch nicht nur einen Freund – gewinnen Sie vor allem einen weiteren Grund, sich beschissen zu fühlen. Lose/Lose! High 5!

What goes around, comes around

«Das Lächeln, das du aussendest, kehrt zu dir zurück!» Verwenden Sie dieses treudoofe Tubel-Prinzip in nützlicher Weise und senden Sie ein gesalzenes «Fickt Euch!» an die Welt, indem Sie so unsympathisch wie möglich sind. Und damit meine ich nicht Ihren Online-Auftritt. Kommentarspalten-Haten ist für Debütantinnen und Blüemlipflücker ohne Profil! Nein, implementieren Sie so wenig Zwischenmenschliches wie möglich in Ihren gesamten Alltag, indem Sie weder Grüezi noch Danke sagen, jeglichen Augenkontakt vermeiden, Ihre Zähne lediglich zum Knirschen in der Nacht, jedoch auf keinen Fall zum Lächeln brauchen. Wäh, Lächeln. Geben Sie ausserdem niemals Trinkgeld, lassen Sie Türen prinzipiell genau dann los, wenn die Person hinter Ihnen gerade durch will und telefonieren Sie in der Öffentlichkeit immer mit Lautsprecher. Sie werden sehen, wenn Sie sich stramm an diese Anweisungen halten, wird man Sie bald für einen unmöglichen Menschen halten – worüber Sie sich dann Ihrerseits wieder fürchterlich aufregen können. Es ist wunderbar!

In der Kürze liegt die Würze

Nehmen Sie sich zur Urteilsbildung möglichst wenig Zeit. Zeit ist Geld. Und Geld ist wichtig – im Gegensatz zu Menschen. Wenn Schubladen tatsächlich so schlecht wären, wie alle immer sagen, wäre Ikea jetzt bankrott, nicht? Nein, Schubladen sind grossartig!

Jemand hat eine seltsame Nase? Das muss ein schlechter Mensch sein! Jemand hat einen anderen Geschmack als Sie? Tubel! Jemand hat einen zu ähnlichen Geschmack wie Sie? Naamachi! Eh einfach alles Nazis, Gutmenschen, Sexisten, Feminazis und Kamelpimmel! Ausser Ihre Mama! Aber auch die ist schwierig. Ach, Sie haben's wirklich nicht einfach. Und niemand versteht Sie – weil das ja eben alles Idioten sind.

Klare Zeichen setzen

Ich weiss, das ist nun schwierig zu verstehen, aber es kann sein, liebe/r LeserIn, dass es trotz alldem noch Menschen gibt, die Sie mögen. Was für Loser! Aber verzagen Sie nicht! Wenn's hart auf hart kommt, gibt es ein paar Zeichen, die Sie setzen können, um auch die letzte Person auf Erden davon abzubringen, Ihr Leben in irgendeiner Weise bereichern zu wollen.

Schenken Sie Geschenke an die Person zurück, von denen Sie sie bekommen haben.

Schicken Sie absichtlich bösartige SMS über jemanden an die Person selbst – achten Sie dabei dringend auf die dritte Person, damit klar hervor geht, dass Sie hinter dem Rücken des/der Betroffenen geredet haben und nicht direkt mit ihr.

Gratulieren Sie Ihrem Partner/Ihrer Partnerin konsequent weder zu Geburts- noch zu Jahrestagen, auch wenn Sie am Abend zuvor noch darüber geredet haben.

Verwenden Sie beim Dirty Talk im Bett unbedingt einen falschen Namen. Wenn's geht, denjenigen Ihrer Ex oder seines besten Freundes.

Tun Sie dasselbe bei Ihrer eigenen Hochzeit, in Briefen an Ihre Eltern oder bei Ansprachen an Beerdigungen.

Na? Geht's Ihnen bereits so richtig miserabel? Sind Sie ein Stück lästige Liebe und Freude losgeworden? Mag man Sie schon ein bisschen weniger?

Ja?

Bitte, gern geschehen.

Yonni Meyer

Yonni Meyer (35) schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
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43
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
43Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Agnos ~ 19.04.2017 12:12
    Highlight Highlight Der Inhalt könnte aus einem misslungenen Singlesong kommen, dessen Datenträger es nicht wert ist.
    • Agnos ~ 20.04.2017 14:11
      Highlight Highlight Auf jedenfalls diese Songs sind eindeutig besser!
      Play Icon
  • Spooky 16.04.2017 09:01
    Highlight Highlight Ich finde das Bild mit dem schwarzbemalten Stinkefinger super! Kommt bei mir so rüber wie die rote Zunge der Rolling Stones. ♬💪👍🏻♬
  • Gummibär 16.04.2017 02:20
    Highlight Highlight Fuck this, I'm gonna be happy.
  • Spooky 15.04.2017 18:52
    Highlight Highlight «Das Lächeln, das du aussendest, kehrt zu dir zurück!»

    Leider stimmt das nicht. Ich schenke der Verkäuferin im Coop ein Lächeln, und auch der hübschen jungen Frau an der Kasse, und auch der hübschen Kellnerin, und der Bankangestellten hinter der Glasscheibe. Ich habe sogar die schöne junge Polizistin in ihrem Hochglanzpolizeiauto angelächelt - und die junge sexy Frau aus Eritrea sowieso. Aber alles, was ich zurückbekomme, sind verständnislose Blicke, auf die Art: "Was will der alte Sack von mir? Ist es für den nicht langsam Zeit fürs Abdanken?"
    • Grigor 15.04.2017 19:25
      Highlight Highlight Du bist also zu Frauen nett die jung znd sexy sind? Läuft bei dir.
    • Spooky 15.04.2017 19:48
      Highlight Highlight @Grigor
      Nein nein. Ich bin zu allen Frauen nett. Ob jung oder alt, spielt keine Rolle. Aber die Reaktionen sind trotzdem die gleichen. Die alten Frauen befürchten, ich wolle an ihr Vermögen, die jungen glauben, ich sei nicht mehr ganz dicht.
    • elmono 15.04.2017 20:05
      Highlight Highlight @Grigor zu diesen sowieso.
    Weitere Antworten anzeigen
  • äti 15.04.2017 17:56
    Highlight Highlight Fuck me!
  • Blitzableiter 15.04.2017 17:23
    Highlight Highlight Der Satz mit "Bubble" hat ALLES RUINIERT!
    • Bolly 15.04.2017 21:18
      Highlight Highlight Was heißt das? Verstehe es nicht. 🤷🏻‍♀️
    • Blitzableiter 15.04.2017 23:17
      Highlight Highlight Ich musste auch lange studieren. Bubble soll wohl das Umfeld oder die "Freunde" im Internet sein. Oder Ähnliches? Vielleicht gibt die Yonni, die wohl zuvor eben was Louis-Ferdinand Céline
    • Spooky 16.04.2017 09:28
      Highlight Highlight Ich habe sofort begriffen, was mit der Bubble gemeint ist. Und auch mit dem genialen Satz: "Haben die alle viel mehr Kratzer in ihren iPhones?"

      Ich finde sowieso, Watson sollte mehr Frauen als Artikelschreiber einstellen. Die Journalistinnen bei Watson haben alle so eine ganz andere, originellere, lebendigere Einstellung zum Leben als die Männer. Und sie sind ausnahmslos intelligent - die Frauen, nicht die Männer.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Luca Brasi 15.04.2017 16:37
    Highlight Highlight Grüezi Frau Meyer! Vielen lieben Dank für diesen Text. Die Welt ist nun schöner und mir geht es blendend, dank Ihnen und den ganzen watson-Usern, deren unterschiedliche Meinungen bereichernd sind und die immer wieder tolle Kommentare schreiben, die ich am liebsten mehrmals herzen würde. :)
    Ein Herzchen für Sie <3. :)

    ;)

    Frohe Ostern an alle.
    • pamayer 15.04.2017 17:17
      Highlight Highlight Ebenso.🐰🐰🐰
  • cero 15.04.2017 16:10
    Highlight Highlight Yonni Meyer, Sie vergeuden bei Watson Ihr Talent. Dieser Text wäre eine Grundlage für einen Bestseller-Ratgeber, der noch fehlt. Vielleicht den Titel wechseln, zum Beispiel: Jetzt bin ich wirklich wichtig! Endlich jemand sein! oder: Die übetrumpf ich mit links... Ich werd's nicht kaufen, aber jämmerlich darüber jammern, dass mir da jemand eine Idee geklaut hat und ich jetzt zum Psychiater und Psychologen muss und zum Arzt, und zur Dentalhygiene und bei Starbucks 25 Minuten anstehen muss (15.- Kaffee)
  • pamayer 15.04.2017 15:29
    Highlight Highlight Wow.


    Jetzt fühle ich mich wieder so richtig lebendig, vital, wach.

    Danke für das wortgewaltige aufrütteln aus unserer #fuckyouall Haltung.

    Und schöne Ostern 🐇🐇🐇.
  • reamiado 15.04.2017 14:51
    Highlight Highlight Gibt's in einer Lose/Lose Situation ein Low 5? (;

    P.S. Danke für den Text, faszinierend wie viel Lustiges und zugleich Kritisches in einen Text verpackt werden kann!
  • Bulwark 15.04.2017 14:46
    Highlight Highlight Fuck you! ;-)
    • Yonni Meyer 15.04.2017 16:25
      Highlight Highlight <3 That's the spirit!
    • AnnaFänger 15.04.2017 17:29
      Highlight Highlight Fuck you too Bulwark. Ich wollte so einen Kommentar als Erste schreiben😑
    • Bulwark 15.04.2017 18:21
      Highlight Highlight Fuck you more AnnaFänger, wie sagt man so schön: Wär mech wot schlo, mues früe ufstoh! ;-)
    Weitere Antworten anzeigen
  • Philipp Burri 15.04.2017 14:25
    Highlight Highlight Ich find mich so wieder in dem Text. 😂😂😂 zumindest wenn ich grad "meine 5 Minuten" habe

Ich, ich, ich: Soziale Gesundheit, anyone?

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Jetzt mal ganz im Ernst, Leute, was zum Teufel ist das mit dieser Lautsprechertelefonie? Hä? Als ob's nicht schon schlimm genug wäre, dass wir immer und überall am Handy hängen – müssen wir jetzt wirklich auch noch unsere Telefonate öffentlich führen? Wenn's wenigstens zuverlässig funktionieren würde. Aber nein. Es resultiert oft etwas, das ich liebevoll Handyaerobics nenne: Das Telefon, obwohl – bzw. gerade weil – auf Stadionsprecher-Lautstärke eingestellt, klirrt und …

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