Brasilien

Investoren enttäuscht

Absturz: Wiederwahl Rousseffs erschüttert brasilianische Märkte

27.10.14, 18:29

Grosse Freude über den knappen Sieg Bild: EPA/DILMA 13 CAMPAIGN

Die knappe Wiederwahl der linken Präsidentin Dilma Rousseff hat die Finanzmärkte Brasiliens erschüttert. Wegen Zweifeln an ihrer Wirtschaftspolitik verkauften viele Investoren am Montag ihre Aktien.

Der Index der Börse in Sao Paulo gab fast vier Prozent ab. Die Landeswährung fiel zeitweise auf den niedrigsten Stand seit sechs Jahren.

Die Investoren hatten auf den Rivalen Aecio Neves gesetzt, weil sie von ihm eine wirtschaftsfreundlichere Politik erwarteten. Rousseff selbst und auch Vertraute haben den Pessimismus der Märkte als Übertreibungen von Spekulanten abgetan. So sagte ihr langjähriger aussenpolitischer Berater Marco Aurelio Garcia während der Siegesfeiern, Investoren sollten sich entspannen und «Beruhigungsmittel nehmen».

Investoren setzten auf ihn: Aecio Neves Bild: SERGIO MORAES/REUTERS

Mit Spannung warten die Märkte nun, wer den scheidenden Finanzminister Guido Mantega ersetzen soll. Sie hoffen auf einen wirtschaftsfreundlicheren Politiker, der das Staatsdefizit unter Kontrolle bringen soll. Mantega versuchte am Montag, die Märkte zu beruhigen: In den kommenden vier Jahren habe die Budgetdisziplin Vorrang, sagte er.

Dabei steht Rousseff jetzt vor der Herausforderung, ihre Wahlversprechen umzusetzen und die Sozialleistungen auszuweiten. Etwa 40 Prozent der 200 Millionen Brasilianer leben in Haushalten, die mit umgerechnet weniger als 660 Franken im Monat auskommen müssen.

Wirtschaftsmotor stockt

Mit dem Ausbau des Sozialstaates ist das Land in den vergangenen Jahren zum Vorbild für einige Regierungen in Lateinamerika geworden. Dabei konnte sich Rousseff auf den Rohstoffboom und steigende Steuereinnahmen verlassen.

Das Wachstum ist allerdings abgekühlt: Betrug es im Jahr vor Rousseffs Amtsantritt noch 7,5 Prozent, wird die Wirtschaft in diesem Jahr wohl um weniger als ein Prozent zulegen - für Schwellenländer wie Brasilien ein ungewöhnlich niedriger Wert. So erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF) für Indien in diesem Jahr eine Rate von 5,6 Prozent und für China 7,4 Prozent.

Experten zufolge müsste Rousseff nun Steuer- und Arbeitsmarktreformen durchsetzen, um die Wirtschaft produktiver zu machen. Grössere Veränderungen werden sich aber nur schwer durchsetzen lassen, weil ihre Koalition nach den Parlamentswahlen in beiden Kammern Sitze abgeben muss. (aeg/sda/reu)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 28.10.2014 08:51
    Highlight Im Grossen und Ganzen ist die Wiederwahl Rousseff wohl die bessere Variante als die des unberechenbaren Neves, mit dem Grosskapitals im Rücken. Trotzdem ist die politische und wirtschaftliche Entwicklung Brasiliens erschreckend. Als Massstab sollte man aber nicht die nominellen Veränderungen der Armut nehmen, sondern diese mit dem Potential des Landes vergleichen. Was Brasilien dringend braucht, sind Investitionen in Bildung und Infrastruktur. Da fehlt jedoch jegliche Strategie, es wird hier und da geflickt und man hat es bis heute nicht geschafft, nachhaltige Wertschöpfung zu generieren.
    1 0 Melden
  • Habenichts 27.10.2014 21:02
    Highlight Selbstverständlich sind die Märkte enttäuscht, besonders die USA, die Brasilien aus den BRICS-Staaten herausreissen wollten.
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