Brasilien
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Zitter-Sieg

Brasiliens Präsidentin Rousseff schafft Wiederwahl ganz knapp

27.10.14, 00:18 27.10.14, 03:21
Brazil's President Dilma Rousseff, presidential candidate for re-election of the Workers Party (PT),  during a press conference in a hotel in Brasilia, Brazil, Sunday, Oct. 26, 2014. Official results showed Sunday that President Rousseff defeated candidate Neves and was re-elected as Brazil's president. (AP Photo/Felipe Dana)

Ein halbherziges Lächeln zum Sieg – das war knapp. Bild: Felipe Dana/AP/KEYSTONE

In Brasilien bleibt die Links-Regierung an der Macht. Präsidentin Dilma Rousseff sicherte sich den Sieg knapp gegen den Mitte-Rechts-Kandidaten Aécio Neves. In der Stichwahl am Sonntag erhielt sie nach vorläufigen Resultaten 51,45 Prozent der Stimmen. 

Die linke Politikern lag damit nach Auszählung von mehr als 98 Prozent der Stimmen nach Angaben der Wahlbehörde uneinholbar vor ihrem Gegenkandidaten, der auf 48,55 Prozent kam. Mit dem Wahlsieg wird die linke Arbeiterpartei PT im fünftgrössten Land der Erde am Ende des neuen Mandats 2018 insgesamt 16 Jahre an der Macht sein

Rousseff hat nach ihrem Sieg zu Dialog und Einheit aufgerufen. Der Dialog werde ein zentrales Anliegen ihres zweiten Mandates sein, sagte die 66-Jährige am Sonntag vor ihren Anhängern in Brasília. 

«Ich will eine viel bessere Präsidentin als bisher sein»

Sie glaube nicht, dass Brasilien durch den zurückliegenden Wahlkampf gespalten sei. Den Brasilianern versprach sie, eine Volksabstimmung über eine Politikreform anzugehen. «Ich will eine viel bessere Präsidentin als bisher sein», rief sie ihren Anhängern zu. 

Aecio Neves, presidential candidate of the Brazilian Social Democracy Party, gives his concession speech in Belo Horizonte, Brazil, Sunday Oct. 26, 2014. Official results showed Sunday that President Dilma Rousseff defeated candidate Neves and was re-elected Brazil's president. (AP Photo/Andre Penner)

Gegenkandidat Aécio Neves gesteht seine Niederlage ein. Bild: Andre Penner/AP/KEYSTONE

Brasiliens Oppositionskandidat Aécio Neves hat seine Niederlage bei der Stichwahl ums Präsidentamt anerkannt. Er habe Präsidentin Dilma Rousseff telefonisch beglückwünscht und viel Erfolg für die nächsten Jahre gewünscht, sagte der 54-Jährige. 

«Ich habe einen guten Kampf gekämpft, meine Mission erfüllt und werde meinen Glauben behalten», sagte Neves vor seinen Anhängern in Belo Horizonte. 

Soziale Errungenschaften in Gefahr

Die knappe Mehrheit der Brasilianer setzte mit der Entscheidung auf Kontinuität. Vor allem die Wähler in den ärmeren Landesteilen im Nordosten folgten offenbar der Argumentation Rousseffs, dass mit einem Machtwechsel auch die in den vergangenen zwölf Jahren erreichten sozialen Errungenschaften in Gefahr seien. 

Die von der PT massiv ausgeweitete Familiensozialhilfe (Bolsa Família) erreicht in Brasilien inzwischen bis zu 50 Millionen Menschen. Die Regierung schuf zudem Milliarden-Programme für den sozialen Wohnungsbau. 

epa04465565 Followers of the Brazilian Workers' Party celebrate the re-election of Brazilian president Dilma Rousseff in Sao Paulo, Brazil, 26 October 2014. Rousseff won a narrow re-election victory on 26 October over challenger Aecio Neves, official results show. Rousseff, 66, of the centre-left Workers' Party (PT), received 51.45 percent to Neves' 48.55 percent. With 98 percent of the votes counted, Rousseff's lead was unsurmountable. Rousseff will begin another four-year term on 01 January 2015. By the end of her second term the PT will have served 16 consecutive years.  EPA/SEBASTIAO MOREIRA

Anhänger feiern Rousseffs wiederwahl. Bild: EPA/EFE

Schwaches Wirtschaftswachstum 

Allerdings dümpelt das Wachstum der siebtgrössten Volkswirtschaft der Welt vor sich hin. Während Rousseff dafür vor allem die internationale Krise verantwortlich machte, sah ihr Herausforderer vorrangig interne Gründe wie eine mangelnde Infrastruktur und eine zu dirigistische Rolle des Staates in der Wirtschaft als Ursache. 

Der mit Härte und gegenseitigen Vorwürfen geführte Wahlkampf hatte in Brasilien zu einer starken Polarisierung geführt. Eine der Hauptaufgaben der neuen Staatschefin wird es sein, die politische Spaltung des Landes zu vermindern.

Brazil's President Dilma Rousseff embraces with Brazil’s Former President Luiz Inacio Lula da Silva, as they celebrate the results of the elections in a hotel in Brasilia, Brazil, Sunday, Oct. 26, 2014. Official results showed Sunday that President Rousseff defeated opposition candidate Aecio Neves of the Brazilian Social Democracy Party, and was re-elected Brazil's president. (AP Photo/Eraldo Peres)

Zu den ersten Gratulanden gehörte Luiz Inácio «Lula» da Silva, der Brasilien von 2003 bis Ende 2010 regierte. Bild: Eraldo Peres/AP/KEYSTONE

Zudem steht die Regierung in den kommenden Jahren vor der Herausforderung, die Wirtschaft wieder anzukurbeln und die Inflation zu bekämpfen. In diesem Jahr dürfte das Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) in dem Schwellenland nur bei etwa einem Prozent liegen. 

Skandal kurz vor der Wahl 

Ein wichtiges Wahlkampfthema war auch die Korruption. Rousseff musste sich auf den letzten Metern der Kampagne mit Vorwürfen auseinandersetzen, sie habe von einem massiven Korruptionsskandal beim staatlich kontrollierten Öl-Konzern Petrobras gewusst. 

Sie wies entsprechende Berichte als «Wahl-Terrorismus» zurück. 2013 waren Hunderttausende Menschen Brasilien aus Protest gegen Korruption, Misswirtschaft und Mängel in Bildungs-, Gesundheits- und Transportwesen auf die Strasse gegangen. (sda/dpa/afp) 



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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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