Charlie Hebdo
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Lassana Bathily

Menschenretter im Supermarkt: Lassana Bathily. bfmtv.com

Terror in Paris

Staatschefs danken dem Helden aus dem Supermarkt 

Er soll bis zu 15 Menschen das Leben gerettet haben: Lassana Bathily, ein Muslim aus Mali, hat während der Geiselnahme in einem Pariser Supermarkt anscheinend mehrere Menschen in einer Kühlkammer versteckt. Frankreichs Präsident Hollande und Israels Premier Netanjahu bedankten sich bei ihm.  

12.01.15, 05:33 12.01.15, 08:14

Ein Artikel von

Der Dichter Goethe gehört dazu, der Ingenieur Gustave Eiffel, der Politiker Jacques Chirac und der Fussballer Zinedine Zidane. Sie alle sind Mitglieder des berühmtesten Laienordens der Welt: Der französischen Ehrenlegion. Nun soll ein Supermarktangestellter aus Paris das fünfstrahlige weisse Kreuz mit rotem Band verliehen bekommen – zumindest fordern das Tausende auf Facebook und Twitter.

Lassana Bathily, 24, soll am Freitag bei der Geiselnahme in einem jüdischen Hyper-Cacher-Supermarkt in Paris mehreren Menschen, darunter einem Baby, das Leben gerettet haben, indem er sie im Kühlraum versteckte.

Über die Heldentat des jungen Mannes gibt es verschiedene, teils widersprüchliche, Versionen. Die «New York Times» berichtet von 15 Menschen in der Kühlkammer, die Nachrichtenagentur AFP von «mindestens fünf», die «Süddeutsche Zeitung» schreibt, Bathily habe sechs Menschen gerettet. Fest steht: Der junge Mann aus Mali ist Frankreichs neuer Held.

Der französische Präsident Francois Hollande habe sich bei ihm telefonisch für seinen Einsatz bedankt, berichtet die Zeitung «Le Figaro». Israels Premier Benjamin Netanyahu dankte Bathily in einer Synagoge in Paris: Er habe sieben Juden das Leben gerettet.

Bathilys Geschichte hat das Zeug zum Hollywoodfilm: Ein junger Mann, aufgewachsen in einem Flüchtlingsheim in Frankreich, perfekt integriert in die französische Gesellschaft. Ein Muslim, der in einem jüdischen Supermarkt arbeitet und seine Kollegen als seine Familie bezeichnet. Ein Menschenfreund und Lebensretter.

Bathily selbst sagte dem französischen Fernsehsender BFMTV, er habe zum Zeitpunkt der Geiselnahme im Keller des Supermarktes gebetet. Plötzlich seien mehrere Supermarktbesucher hereingestürmt gekommen, auf der Flucht vor dem Geiselnehmer. Er habe schnell reagiert, so Bathily, und die Menschen in eine Kühlkammer geführt. Er habe die Kühlung ausgestellt, das Licht ausgeschaltet und versucht, die Leute zu beruhigen.

Der Geiselnehmer habe vermutet, dass sich Menschen im Untergeschoss versteckten und habe eine Angestellte geschickt, um sie zu holen. Vier Leute aus dem Versteck seien mit der Frau mitgegangen, um dem Attentäter zu versichern, dass niemand sonst im Keller sei. Die anderen hätten weiter im Kühlraum ausgeharrt.

Bathily sagt, er habe ihnen angeboten, sie durch den Lastenaufzug ins Freie zu führen, doch sie hätten befürchtet, dass das Geräusch des Lifts den Geiselnehmer aufschrecken würde. Schliesslich machte er sich alleine auf den Weg – laut der Nachrichtenagentur AP allerdings über eine Feuertreppe. Mindestens ein Mann aus der Kühlkammer telefonierte unterdessen anscheinend mit der Polizei – was die Frage aufwirft, warum diese Bathily zunächst für einen Terroristen hielt.

Denn fest steht: Vor dem Supermarkt wurde der 24-Jährige von der Polizei in Empfang genommen – und in Handschellen abgeführt. «Sie haben mich eineinhalb Stunden lang festgehalten», so Bathily. «Sie haben mir nicht geglaubt.» Letztlich habe er die Beamten aber überzeugen können, dass er nichts mit der Geiselnahme zu tun hatte und habe ihnen einen Grundriss des Supermarkts gezeichnet. Laut AP gab er den Polizisten auch einen Schlüssel zu einem Absperrgitter.

«Er war so mutig», zitiert die Nachrichtenagentur AP einen Freund von Bathily. Eine Facebookseite wurde in seinem Name kreiert, fast 15'000 Fans fanden sich innerhalb weniger Stunden. Auf Twitter kursiert der Hashtag #UneMedaillePourLassana. Viele fordern nicht nur die Aufnahme in die Ehrenlegion, sondern vor allem die Verleihung der französischen Staatsbürgerschaft. Er habe diese schon länger beantragt, so Bathily: «Mal sehen, ob es jetzt klappt».

(vet)



Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

Abonniere unseren Daily Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Diese Dinge werden tatsächlich tiefer besteuert als Tampons – weil sie «alltäglich» sind

Die australische Regierung hat die Tampon-Steuer abgeschafft. In der Schweiz zahlen Frauen 7,7 Prozent Mehrwertsteuer für Hygieneartikel. Katzenstreu profitiert hingegen von einem reduzierten Steuersatz – «absurd», findet SP-Nationalrat Jacques-André Maire.

Blutsteuer wird sie genannt. Die Mehrwertsteuer, die auf Damenhygieneartikel wie Tampons und Binden erhoben wird. In Australien gab die Regierung kürzlich bekannt, die Zusatzsteuer auf Frauen-Hygieneprodukte auf Anfang nächstes Jahr aus dem Gesetz zu streichen. Australien ist nicht das erste Land, das auf einen erhöhten Steuersatz für Tampons verzichtet. Neben Grossbritannien und Kanada hat auch die Europäische Union Vorschriften für die Mitgliedstaaten gelockert, damit diese den …

Artikel lesen