Charlie Hebdo

Schulterschluss der politischen Anführer: Über 50 machten Paris am gestrigen Trauersonntag ihre Aufwartung – nur Obama fehlte. Bild: EPA/REUTERS/POOL

Republikaner kritisieren US-Präsidenten

Warum zeigte sich Obama nicht in Paris?

Staatschefs aus vielen Ländern haben mit Millionen Franzosen um die Terrortoten getrauert. Einer fehlte jedoch: US-Präsident Obama. Dafür muss er sich in seiner Heimat Kritik gefallen lassen. 

12.01.15, 08:47

Ein Artikel von

Die Bilder aus der französischen Hauptstadt waren beeindruckend: Staats- und Regierungschefs aus aller Welt – Arm in Arm gegen den Terror. Mit dem Marsch in Paris setzten Hollande, Merkel und Co. ein Zeichen nach dem Anschlag auf die Satirezeitung Charlie Hebdo und die folgenden brutalen Geiselnahmen. Einen höchst prominenten politischen Vertreter suchte man in Paris allerdings vergeblich: Barack Obama.

Der US-Präsident war der Trauerfeier ferngeblieben – und auch seine möglichen Vertreter, Vize-Präsident Joe Biden oder der Aussenminister John Kerry etwa, hatten anderes zu tun. Eine offizielle Erklärung des Weissen Hauses gibt es noch nicht. Zuletzt hiess es, zumindest Kerry werde im Laufe der Woche nach Frankreich reisen. 

Republikanischer Marsch in Paris

Die Abwesenheit der Top-Politiker ist auch in den USA bemerkt worden, Kritik kommt allerdings vor allem aus der üblichen Ecke. So schrieb der Republikaner Newt Gingrich auf Twitter: «50 Anführer der Welt zeigen in Paris ihre Solidarität und Obama macht nicht mit. Das ist traurig.» Ähnlich äusserte sich Moderatorin Greta Van Susteren vom stramm konservativen TV-Sender Fox News: «Das ist peinlich – WO IST PRÄSIDENT OBAMA? Wieso ist er nicht hingefahren?» Am Montag jedenfalls sieht der Kalender des Präsidenten einen Empfang des NBA-Meisterteams San Antoino Spurs im Weissen Haus vor. 

«Obama, du lässt die Welt im Stich», titelt «NY DailyNews».

Kurz nach den Angriffen auf «Charlie Hebdo» am vergangenen Mittwoch hatte sich der US-Präsident noch äusserst solidarisch mit den Franzosen erklärt: «Frankreich ist der älteste Verbündete Amerikas und es steht Schulter an Schulter mit den Vereinigten Staaten im Kampf gegen Terroristen, die unsere gemeinsame Sicherheit in der Welt gefährden.» Im Februar will er zu einem internationalen Sicherheitstreffen nach Washington einladen. 

Als höchster US-Vertreter war schliesslich Justizminister Eric Holder nach Paris gereist. Er nahm allerdings nur an einem Treffen mit seinen europäischen Amtskollegen teil, nicht an dem Trauermarsch selbst. 

In Frankreich selbst wird Obamas Abwesenheit bisher nur wenig thematisiert, das Land widmet sich erst einmal der Aufarbeitung der traumatischen Woche. Ein Kommentator im französischen Fernsehen bemerkte jedoch: Vielleicht hat es gar nicht geschadet, dass Obama weggeblieben ist. Die Sicherheitsvorkehrungen für den Trauermarsch waren schon ohne Secret Service, CIA und Co. aufwendig genug. 

(jok/Reuters)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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    Alle Leser-Kommentare
  • Moe Mentmal 12.01.2015 11:15
    Highlight Wirkliche News wären: Republikaner/Fox“News“ kritisieren Obama NICHT wegen allem und jedem.
    Wäre er gegangen, hätten sie wahrscheinlich gemotzt, ob er nicht zuhause wichtigere Aufgaben zu lösen hätte etc.
    Solchen Datenmüll könnte man in europäischen Medien eigentlich gut ignorieren.
    9 0 Melden
  • zombie1969 12.01.2015 10:11
    Highlight Da demonstrieren friedliche Bürger Hand in Hand gegen den Terror und müssen dabei von ca. 5500 Soldaten/Polizisten beschützt werden. Irgendwas stimmt nicht mehr in Europa!
    4 8 Melden
    • stiberium 12.01.2015 10:21
      Highlight Wenn dann auf der Welt...
      7 0 Melden
    • Baba 12.01.2015 11:49
      Highlight Ja, und stellen Sie sich den Aufmarsch an Sicherheitskräften vor, wenn Obama tatsächlich auch aufgekreuzt wäre... Dann hätten vermutlich 1.5 Millionen Menschen zuhause bleiben müssen, damit in der Innenstadt von Paris zwei Dutzend Regierungsmenschen einen Schweigemarsch hätten durchführen können. G20-Treffen-Sicherheitsmassnahmen lassen grüssen. Aber seinen Vize hätte Obama schon schicken können. Wobei groovenet schon recht hat, Obama kann machen was er will, die Republikaner kritisieren ihn. Vermutlich könnte er den Weltfrieden herbeiführen, er erhielte noch Reklamationen von den Republicans.
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