Charlie Hebdo
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PARIS, FRANCE - JANUARY 12:  French troops patrol around the Eifel Tower on January 12, 2015 in Paris, France. France is set to deploy 10,000 troops to boost security following last week's deadly attacks while also mobilizing thousands of police to patrol Jewish schools and synagogues.  (Photo by Jeff J Mitchell/Getty Images) *** BESTPIX ***

Soldaten sichern die Pariser Innenstadt. Bild: Getty Images Europe

Terror von Paris

Geheimdienste suchen die Hintermänner

Gab al-Kaida den Auftrag für die Anschläge in Paris? Oder der «Islamische Staat»? Die Täter beriefen sich auf je eine der beiden Terrororganisationen. Doch es gibt viele Gründe, an den Aussagen zu zweifeln. 

12.01.15, 21:43 13.01.15, 08:55

jörg diehl

Ein Artikel von

Amedy Coulibaly war schon länger als einen Tag tot, als seine letzten Worte öffentlich wurden. Am Sonntagmorgen stellte ein Nutzer namens «Umm Mariam al-Ansariya» ein mehrminütiges Video in ein dschihadistisches Forum ein. In dem Film bekannte sich der Islamist zu den Attentaten von Paris. Zudem legte Coulibaly in stockendem Arabisch einen Eid auf den Anführer der Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) ab. Wenig später sagte er: «Was wir getan haben, ist vollkommen legitim. Ihr attackiert das Kalifat, den Islamischen Staat, wir attackieren euch.»

Seither analysieren Nachrichtendienstler und Polizisten die Abschiedsbotschaft des Terroristen. Wie glaubhaft ist die Selbstbezichtigung? Wie viel Wahrheit steckt in den Worten des Fanatikers, der sechs Menschen tötete? Eine der wichtigsten Fragen, denen die Beamten nachgehen müssen, lautet: Stand hinter den Anschlägen eine Organisation oder handelten die Extremisten auf eigene Faust? Bislang gibt es nur Indizien.

Was für einen Auftrag spricht 

Für die Involvierung einer Terrorgruppe spricht neben dem IS-Bekenntnis Coulibalys der Umstand, dass die Brüder Chérif und Said Kouachi Kontakt zu al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel hatten und sich in einem Telefoninterview mit Journalisten auf die Gruppe beriefen. Said war nach Informationen deutscher Sicherheitsbehörden vor Jahren in den Oman und nach Jemen gereist. Dort wurde er wohl auch im Umgang mit Waffen ausgebildet.

Zusätzlich gilt die Ausrüstung der Täter als weiterer Hinweis darauf, dass die Männer Unterstützung hatten. «Kalaschnikows bekommen sie in Frankreich nicht an jeder Ecke», sagt ein Staatsschützer. Auch Ort und Zeit des Anschlags auf die Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» scheinen einige Vorbereitung und Ausspähung erfordert zu haben.

Hinzu kommt, dass al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel einen Propagandaerfolg dringend brauchen kann. Im Wettlauf um allgemeine Aufmerksamkeit mit der Konkurrenzorganisation IS schnitt die Gruppe zuletzt deutlich schlechter ab. Auf einem arabischen Twitterkanal erschienen am Freitagabend mehrere Nachrichten, in denen behauptet wurde, die al-Kaida-Führung habe die Attentate angeordnet und die Ziele festgelegt. Allerdings reklamierte auch der «Islamische Staat» im Netz mit einer Art Bekennerschreiben die Tat für sich. Die deutschen Behörden sind jedoch skeptisch, welche Aussagekraft die Dokumente haben. 

Was gegen einen Auftrag spricht 

Überhaupt spricht eine Vielzahl von Indizien gegen die These, dass die Anschläge von Paris «organisationsgesteuert» waren, wie ein Beamter sagt. Ob die Terroristen wirklich den Auftrag einer höheren Kommandoebene ausführten, darf aus folgenden Gründen bezweifelt werden: 

Bislang wollen sich weder Ermittler noch Nachrichtendienstler festlegen, wie gross das Netzwerk hinter den drei bekannten Tätern war. «Dafür wissen wir noch viel zu wenig», sagt ein Staatsschützer. Deutlich sei aber schon jetzt geworden, wie gross die «Strahlkraft» von al-Kaida und IS auch in Europa sei. «Das ist beängstigend», so der Beamte. 



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