Charlie Hebdo
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Im türkischen Istanbul versammelten sich rund 100 Menschen zum Gedenken an die Attentäter Chérif und Said Kouachi. Bild: MURAD SEZER/REUTERS

Nach Freitagsgebeten

In der islamischen Welt entlädt sich die Wut über «Charlie Hebdo»

Weltweit demonstrierten Muslime gegen die neue «Charlie Hebdo»-Ausgabe, dabei gab es Tote und Verletzte. In Europa ging die Polizei gegen mutmassliche Dschihadisten vor. Mehr als zwei Dutzend Menschen wurden festgenommen.

17.01.15, 06:58 17.01.15, 16:52

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Die Wut über die Mohammed-Karikatur in der jüngsten «Charlie Hebdo»-Ausgabe hat sich nach den Freitagsgebeten vielfach in Gewalt entladen. In Zinder in Niger wurden nach Angaben des Innenministeriums mindestens vier Menschen getötet und 45 weitere verletzt, als Muslime ein französisches Kulturzentrum und drei Kirchen in Brand steckten.

«Das ist ein schwarzer Freitag», sagte ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Zinder, der zweitgrössten Stadt im westafrikanischen Niger. «So etwas hat es hier noch nicht gegeben.» Nach dem Freitagsgebet habe sich eine Menschenmasse aus den Moscheen ergossen, berichtete ein Journalist.

Bei den Todesopfern handle es sich um drei Zivilisten und einen Polizisten, sagte Innenminister Massaoudou Hassoumi. Neben dem Kulturzentrum gingen zwei katholische und eine evangelische Kirche, ein Parteibüro und mehrere Bars in Flammen auf.

Weltweit gingen nach den Freitagsgebeten Muslime gegen die Mohammed-Karikatur in der jüngsten «Charlie Hebdo»-Ausgabe auf die Strasse. Teilweise kam es zu Gewalt. Viele Muslime sehen die Karikaturen als Beleidigung des Islams. Ein Überblick:

Europa geht gegen Dschihadisten vor

In Frankreich gilt seit dem Pariser Anschlag die höchste Terrorwarnstufe. Soldaten sind vor Schulen und auf öffentlichen Plätzen postiert. Die belgischen Behörden riefen nach dem tödlichen Anti-Terror-Einsatz die zweithöchste Alarmstufe aus. Polizeiwachen wurden verbarrikadiert, jüdische Schulen vorerst geschlossen.

Solche Warnstufen hat Deutschland nicht. Bislang gibt es hier auch nur wenige sichtbare Sicherheitsvorkehrungen; etwa ein wenig mehr Polizei an einigen Stellen, zum Beispiel rund um bestimmte Medienhäuser. Auf eine deutliche Verstärkung der Polizeipräsenz in der Öffentlichkeit verzichten Bund und Länder bislang. Es gibt allerdings erste vorsichtige Hinweise, dass Dschihadisten auf deutsche Bahnhöfe und Pegida-Demos Anschläge vorbereiten könnten.

Hinter den Kulissen sind Polizei und Geheimdienste verstärkt im Einsatz: «Die deutschen Sicherheitsbehörden unternehmen alles, um die Bevölkerung wirksam zu schützen», betont de Maizière. Aber es sei doch auch klar, dass man nicht jede Massnahme sehe oder offen darüber spreche.

In Europa ging die Polizei am Freitag gleichzeitig mit zahlreichen Anti-Terror-Aktionen gegen mutmassliche Islamisten vor. Mehr als zwei Dutzend Menschen nahmen Sicherheitskräfte wegen Terrorverdachts fest:

Obama und Cameron stimmen Anti-Terror-Strategie ab

Auch beim Besuch des britischen Premiers David Cameron bei US-Präsident Barack Obama spielte die gemeinsame Anti-Terror-Strategie und Krieg gegen die Terrormiliz Islamischer Staat die Hauptrolle: Am Freitag kündigten die beiden Staatschefs an, im Kampf gegen den Terror künftig noch enger zusammenzuarbeiten.

«Es ist ein Problem, das grossen Kummer, grosse Trauer und Zerstörung auslöst. Aber es ist eines, das wir letztlich besiegen werden», sagte Obama in Washington. (eth/dpa/Reuters/AFP/AP)

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    Alle Leser-Kommentare
  • SeKu 17.01.2015 12:47
    Highlight Wie wir ja von diversen Medien wissen, ist der Islam eine Religion des Friedens. Da ist es sonnenklar, dass die Muslime nach dem Freitagsgebet (dem wichtigsten der islamischen Gebete) besonders friedlich aus der Mosche strömen (vergleiche mit dem zweiten Absatz dieses Artikels). Das wurde wiedermal bewiesen durch die im Artikel erwähnten vier friedlichen Morde.
    8 9 Melden
    • oskar 18.01.2015 01:03
      Highlight das hat eher wenig mit dem islam zu tun. was du hier siehst ist viel eher das ergebnis von massiven gesellschaftlichen problemen als von religiösen praktiken: ein instrumentalisierter mob von wenig gebildeten armen, die sich über bilder aufregen, die in einer zeitung abgedruckt sind, die sie weder kennen noch wirklich lesen könnten. allerdings, sind muslime derzeit auch besonders anfällig für solchen mist, weil es momentan diverse sich konkurrierende strömungen im islam gibt (von denen di nmeisten friedlich aber einige leider auch radikal sind) und keine allgemein akzeptierten religiösen autoritäten existieren, die verhindern könnten, das jeder radikale schwachsinn im namen des islams verbreitet und umgesetzt wird
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  • Sanchez 17.01.2015 09:45
    Highlight Unglaublich traurig und besorgniserregend was gerade passiert.. Wir schlittern ungebremst auf einen dritten Weltkrieg zu und merken es nicht einmal.. Die Weltweiten Brandherde weiten sich zu Flächenbränden aus!
    Summa summarum sind die beiden Fronten jedoch klar. Das osmanische Reich gegen das Abendland inkl. USA..
    Das Problem hier: Die Islamisten schrecken vor Nichts und Niemandem zurück (siehe Boko Haram und nun im Niger). Dunkle Zeiten stehen uns wohl bevor!
    Wer nun (wie Thomas de Maizière) noch behauptet, das Ganze habe nichts mit dem Islam zu tun, dem ist leider nicht mehr zu helfen..
    Dass nun in Istanbul (Türkei gleich EU-Kandidat) noch hunderte Islamisten auf die Strasse gehen um deren Solidarität mit den Paris-Terroristen zu bekunden, schlägt dem Fass den Boden aus!
    Warum kann man nicht einfach in Frieden zusammen leben?
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    • thompson 17.01.2015 11:52
      Highlight Weil Frieden was für Hippies ist. Und Hippies auf dem Schulhof keine Chancen haben!:p
      Im Ernst. Der einzige der jemals wirklich viel ausrichtete, war Franz von Assisi. Er schaffte es, während des blutrünstigen Kreuzzuges, mit allen Parteien zu reden. Mit dem Islam, der sich als Vollendung, des Juden und Christentum sieht. Und in vielen Viertel von Europa danach gelebt wird, kann man keinen Frieden schliessen. Krieg ist nicht die Beste aber längerfristig einzige Lösung. 6 Juni 1944 1 Befreiung Frankreichs Die nächste wird folgen.
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    • Citation Needed 19.01.2015 21:33
      Highlight Natürlich merken wir, dass Ordnungen wanken. Und läuft man nicht immer offenen Auges in Katastrophen? Aber: Es gibt nun wirklich schon genug unschuldige Opfer, darum bloss nicht mit gleicher Keule zurückhauen. Auch wenn es abscheulich ist, was zurzeit passiert - das sind Ausbrüche, Volkszorn, Riots. Ein dritter Weltkrieg? Dazu bräuchte es die Regierungen, der IS steht allein gegen alle. Die aufgescheuchten Einzelkämpfer und Terrorzellen erfordern hartes durchgreifen, aber gezielt. Jetzt einfach alle Muslime bestrafen wäre falsch und nutzlos. Auch wenn der Volkszorn danach geifert..
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