Charlie Hebdo
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Unter den Staatsgästen beim Marche de la République befand sich auch der eine oder andere Würdenträger, in dessen Herkunftsland die Pressefreiheit vom Regime wenig hochgehalten wird.  Bild: Getty Images Europe

Journalisten einkerkern leicht gemacht

10 Heuchler an der Parade für die Meinungsfreiheit 

Ein englischer Blogger hat eine Liste der Staatsgäste am Marche de la République zusammengestellt. Vertreten sind alle Regierungsvertreter, in deren Länder Journalisten verhaftet, gefoltert oder getötet werden. 

11.01.15, 22:21 12.01.15, 12:58

Staatspräsidenten und Aussenminister aus der ganzen Welt erwiesen dem französischen Staatspräsidenten die Ehre und nahmen am Gedenkmarsch an die Toten der Anschläge von Paris teil. Nicht alle von ihnen vertreten Regierungen, die die Pressefreiheit immer so hochgehalten haben, wie heute. 

1. Eric Holder

Der US-Generalstaatsanwalt Eric Holder: Bei den Tumulten in Ferguson, Montana, verhafteten Polizeikräfte einen Journalisten der Washington Post bei der Arbeit in einer McDonald's-Filiale, nachdem er einer Aufforderung den Ort des Geschehens zu verlassen, nicht rasch genug nachgekommen war. Auch andere Polizisten hinderten Reporter daran, ihre Arbeit zu machen, was harsche Kritik hervorrief. Whistleblower oder Journalisten wie Edward Snowden, Bradley Manning oder Julian Assange, die Missstände veröffentlichen, werden verfolgt.  Bild: OLIVIER HOSLET/EPA/KEYSTONE

2. Sergei Lavrov

Der russische Aussenminister Sergei Lavrov: Russland gerät immer wieder international in Kritik, weil Journalisten misshandelt oder ermordet werden. Seit vergangenem September sitzt der sibirische Lokaljournalist Dmitry Shipilov eine elfmonatige Haftstrafe wegen «Beleidigung eines Staatsdieners» ab.  Bild: Thibault Camus/AP/KEYSTONE

3. König Abdullah 

Königin Rania und König Abdullah von Jordanien: Letzterer liess vergangenes Jahr den palästinensischen Journalisten Mudar Zahran, der auch für die «Jerusalem Post» schrieb, in Abwesenheit zu 15 Jahren Haft verurteilen. Zahran befindet sich in England im Exil. Bild: PASCAL ROSSIGNOL/REUTERS

4. Ahmet Davutoglu

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu: Die Türkei hält insbesondere kurdische Journalisten unter Vorschützen von Terrorvorwürfen in Gefängnissen fest. Gemäss «Guardian» sassen Ende 2013 40 regimekritische Journalisten in türkischen Gefängnissen.  Bild: YOAN VALAT/EPA/KEYSTONE

5. Benjamin Netanyahu

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu: Zwischen dem 20. Juli und dem 13. August kamen sieben Journalisten bei der Berichterstattung von der Operation «Protective Edge» im Gaza-Streifen um. Journalisten konnten sich während der Bodenoffensive der israelischen Streitkräfte nur in enger Begleitung von Presseoffizieren bewegen.  Bild: YVES HERMAN/REUTERS

6. Sameh Shoukry

Der ägyptische Aussenminister Sameh Shoukry: Ägypten sorgte im vergangenen Jahr für Schlagzeilen, weil es mehrere al-Jazeera-Journalisten zu Haftstrafen verurteilt hat. 46 Journalisten befanden sich Ende 2013 in Ägypten wegen dissidenter Berichterstattung im Gefängnis. Laut der Organisation «Reporter ohne Grenzen» ist Ägypten die Nation, die weltweit am zweitmeisten Journalisten in Haft hält.  Bild: EPA/REUTERS / POOL

Vollständige Liste mit Vorsicht geniessen 

Die Liste basiert auf einer Zusammenstellung des Bloggers Daniel Wickham. Die vollständige Aufstellung finden Sie hier. Es sind jedoch nicht alle Einträge aktuell. Verschiedene Regimes haben seit den letzten bekannten Fällen von Beschneidung der Meinungs- und Pressefreiheit gewechselt. Die aktuellen Staatsrepräsentanten tragen für die Verfehlungen der Vorgänger-Regimes keine Verantwortung. 

7. Ramtane Lamamra

Der algerische Aussenminister Ramtane Lamamra: Der Radio-Journalist Abdessami Abdelhaï befindet sich seit bald zwei Jahren in Sicherheitshaft. Er hatte seinem damaligen Chefredaktor der Zeitung «Jaridati» bei der Flucht vor den Behörden geholfen.  Bild: CHRIS WATTIE/REUTERS

8. Abdullah bin Zayed Al Nahyan

Der Aussenminister der Vereinigten Arabischen Emirate Abdullah bin Zayed Al Nahyan: Die Emirate verhafteten 2013 den ägyptischesn Journalisten Anas Fouda wegen seiner ehemaligen Mitgliedschaft bei der mittlerweile verbotenen Muslimbruderschaft. Fouda sass ohne Anklage einen Monat unter prekären Bedingungen und andauernden Verhören im Gefängnis.  Bild: AP/AFP Pool

9. Mehdi Jomaa

Der tunesische Premierminister Mehdi Jomaa: Ein tunesisches Militärgericht hat den Blogger Yassine Ayari in Abwesenheit zu drei Jahren Haft verurteilt wegen regimekritischer Berichterstattung. Ayari ist am 24. Dezember 2014 am Flughafen in Tunis festgenommen worden.  Bild: YOAN VALAT/EPA/KEYSTONE

10. Ibrahim Boubakar Keita

Der malische Präsident Ibrahim Boubakar Keita (Mitte, neben Francois Hollande): Die malische Regierung wies 2013 eine französische Journalistin aus, nachdem sie berichtet hatte, malische Soldaten hätten hinterrücks islamistische Kämpfer – oder wen sie dafür hielten – ermordet.  Bild: POOL

(thi)

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gottfried von Beutelratte 13.01.2015 11:33
    Highlight In Israel wird kein Journalist berufsbedingt ins Gefängniß gesperrt. Krieg hat damit nichts zu tun. Liebe Redaktion: Bitte nachrecherchieren und den Artikel richtigstellen!
    0 3 Melden
  • sewi 13.01.2015 08:18
    Highlight Aus anderer Perspektive.....
    2 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 12.01.2015 12:28
    Highlight Ich möchte diese Politiker in keiner Weise in Schutz nehmen. Nach meinem Verständnis war dies aber ein Gedenkmarsch für ALLE Opfer. Es war ein Gedenkmarsch und ein Zeichen gegen den Terror. Es war nicht primär ein Marsch für die Pressefreiheit. Und auch wenn die Pressefreiheit im eigenen Land eingeschränkt ist, so kann man trotzdem so einen Anschlag verabscheuen. Es ist ein Unterschied, ob man Journalisten verurteilt, die gegen das (untragbare) Gesetz verstossen oder ob Privatpersonen nach ihrem eigenen Gutdünken Journalisten ermorden. Nochmals-ich bin für eine absolute Pressefreiheit!
    12 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 12.01.2015 12:13
    Highlight Nicht nur diese Staatsoberhäupter sind Heuchler. Ich finde alle die auf Twitter ihren Unmut zur Schau tragen, sind das auch. Diese Blatt aus Frankreich ist wohl den Meisten völlig unbekannt gewesen bis zu dem Vorfall. Zudem weiss jeder das solche Zeichnungen im nahen Osten Unmut auslösen! Trotzdem zeichnet man weiterhin solchen Mist Das hat für mich mit Freiheit nichts zu tun. Sondern ist reine Provokation der islamischen Welt.
    5 9 Melden
    • Baba 12.01.2015 14:38
      Highlight @Neutron: Es geht nicht um "dieses Blatt" (Charlie Hebdo), es geht darum, für die Presse- und Meinungsfreiheit einzustehen. Wenn Ihrer Meinung nach die demonstrierenden Menschen und diejenigen, die via Social Medias ihrem Unmut Ausdruck geben Heuchler sind, ist das Ihr gutes Recht, dies offen zu sagen. Da ich damit aber von Ihnen als Heuchlerin bezeichnet werde, löst das bei mir Unmut aus! Habe ich wegen dieser persönlichen Beleidigung den Wunsch, Sie zu töten? Nein, denn ich glaube an und verfechte die freie Meinungsäusserung! Daher aus tiefster Überzeugung: #JeSuisCharlie
      6 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 12.01.2015 20:20
      Highlight @Baba
      Wenn ich ein Feuer löschen möchte, werfe ich keine Kohle hinein.
      1 2 Melden
    • jamaika 12.01.2015 21:23
      Highlight Du hast aber ein Problem.
      2 0 Melden
    • oskar 13.01.2015 11:30
      Highlight ach, weil statirische zeichnungen (die typischerweise einen wahren kern haben) aus dem aufgeklärten frankreich im nahen osten auf missfallen stossen könnten, sollen sie nicht mehr publiziert werden? hast du nicht alle tassen im schrank? dann müsste ja jeglicher kritischer journalismus, gezeichnet oder geschrieben, eingestellt werden - irgendwo auf der welt gibt es nämlich immer eine gruppe, die damit nicht einverstanden ist. es ist vielmehr eine verdammte frechheit die meinungsfreiheit, deren wichtigkeit für die demokratie gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, aus fundamental religiösen gründen heraus einschränken zu wollen
      3 1 Melden
  • papparazzi 12.01.2015 11:36
    Highlight Da treffen sich ein solches Drama und eine solche Tragödie ja gut, wenn es um die Presse- und Meinungsfreiheit geht, muss man nur noch mitlaufen und man ist aus dem Umfragetief raus! Brot und Spiele... oder vielmehr Mord und Empörung! ut (dp)
    5 2 Melden
  • kurt3 12.01.2015 10:36
    Highlight Ungarns Viktor Orban fehlt auf dieser Liste !
    5 1 Melden
  • Benja 12.01.2015 02:05
    Highlight Dabei sein ist alles. Nur ein Termin auf dem Weg zur Selbstgefälligkeit.
    14 1 Melden
  • Ceci 12.01.2015 01:16
    Highlight Es wäre wünschenswert, dass Israel und Palästina sich auch im eigenen Land die Hand reichen könnten. Ansonsten à quoi bon?
    7 0 Melden
  • Roni Mahoni 11.01.2015 23:54
    Highlight Der Rest sind doch im Grunde genommen auch alles Heuchler.
    14 2 Melden
  • mäde78 11.01.2015 23:23
    Highlight Da stellt sich jetzt die Frage, ob das Story-Foto einfach unglücklich gewählt wurde, oder ob da Hollande und Merkel insgeheim auch zu den Heuchlern gezählt werden... M.E. etwas deplatziert in diesem Kontext.
    7 3 Melden
    • droelfmalbumst 12.01.2015 10:15
      Highlight ich denke, man kann mit ruhigem Gewissen sagen, dass alle Heuchler sind. Ohne Ausnahme...
      21 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 12.01.2015 10:56
      Highlight Ich finde dieses undifferenzierte Politikerbashing nur noch zum Gähnen. Alles Heuchler, während "das Volk" "den Politikern" (die es selbst gewählt hat) natürlich moralisch haushoch überlegen ist. Nein, wir sind niemals Heuchler, wir alle sind alle völlig integre Persönlichkeiten, die "einfach genug von denen da oben haben". Besonders lächerlich mutet diese Haltung in der CH an, wo im gleichen Atemzug immer die direkte Demokratie als goldenes Kalb verehrt wird, weil das Volk das letzte Wort hat. Ja, was denn nun?
      6 3 Melden
    • Gelöschter Benutzer 12.01.2015 11:00
      Highlight Nun, es gibt vermutlich unter diesen Heuchlern welche, unter denen es sich etwas gemütlicher leben lässt als unter anderen. Ich persönlich ziehe es vor von einem Heuchler à la Hollande oder Merkel regiert zu werden anstatt von einem Heuchler wie Orban oder Putin. Aber differenzieren ist ja heute so etwas von aus der Mode. Und an der eigenen Unzufriedenheit sind natürlich immer die anderen schuld. Total praktisch, dann ist man gar nicht mehr selbst dafür verantwortlich, wenn man rechten Rattenfängern nachläuft. Und solche Menschen setzen sich angeblich für die Werte der Aufklärung ein.
      5 1 Melden

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