Deutschland

Oskar Gröning heute Morgen beim Lüneburger Landgericht. Bild: POOL/REUTERS

Auschwitz-Prozess: Dieser 93-Jährige muss sich wegen Beihilfe zum Mord in 300'000 Fällen verantworten

Oskar Gröning diente als SS-Mann in Auschwitz. Mehr als 70 Jahre später steht der 93-Jährige vor Gericht – und zeigt Reue. Er habe damals sofort von der Vergasung der Juden erfahren.

21.04.15, 12:13 21.04.15, 15:46

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In diesem Saal in Lüneburg findet momentan der Prozess statt. Bild: POOL/REUTERS

In einem der letzten grossen Auschwitz-Prozesse hat der frühere SS-Mann Oskar Gröning ein umfangreiches Geständnis abgelegt. «Für mich steht ausser Frage, dass ich mich moralisch mitschuldig gemacht habe», sagte der 93-Jährige vor Gericht in Lüneburg.

Er räumte ein, 1942 gleich bei seiner Ankunft von der Vergasung der Juden im Konzentrationslager Auschwitz erfahren zu haben. «Ich bitte um Vergebung. Über die Frage der strafrechtlichen Schuld müssen Sie entscheiden.»

Gröning muss sich wegen Beihilfe zum Mord in 300'000 Fällen verantworten. Unter den rund 60 Nebenklägern sind Holocaust-Überlebende und Angehörige.

Gröning drohen drei Jahre Haft

Die Verlesung der Anklage dauerte etwa eine Viertelstunde. Die Staatsanwaltschaft wirft Gröning vor, Geld und Wertgegenstände aus dem von Häftlingen zurückgelassenen Gepäck an die SS weitergeleitet zu haben. Ausserdem soll er bei mehreren Gelegenheiten das von den Opfern auf der berüchtigten sogenannten Rampe zurückgelassene Gepäck bewacht haben. In seiner knapp einstündigen Aussage räumte der damalige Freiwillige der Waffen-SS alle Vorwürfe ein.

Durch seine Tätigkeit habe Gröning das fortlaufende Tatgeschehen unterstützt und einen «zumindest untergeordneten Beitrag» dazu geleistet, sagte Staatsanwalt Jens Lehmann bei der Verlesung der Anklage. Sollte der 93-Jährige verurteilt und für haftfähig erklärt werden, erwartet ihn eine Haftstrafe von mindestens drei Jahren. Für den Prozess sind bis Ende Juli 27 Verhandlungstage angesetzt. Das Interesse ausländischer Medien an dem Verfahren ist gross.

Nach dem Krieg kam Gröning zunächst in britische Gefangenschaft, dann lebte er mit Frau und Kindern ein bürgerliches Leben in der Lüneburger Heide. Erst Mitte der 80er-Jahre öffnete er sich. Vor zehn Jahren bezeichnete er sich in einem Gespräch mit dem «Spiegel» als «Rädchen im Getriebe».

Zugleich tat er sich schwer mit der Einsicht, möglicherweise auch juristisch Verantwortung zu tragen. «Ich fühle mich schuldig gegenüber dem Volk der Juden, in einer Truppe gewesen zu sein, die diese Verbrechen begangen hat, ohne dass ich dabei Täter war», sagte Gröning damals.

(sms/dpa/cma)

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Chlinae_Tigaer 15.07.2015 22:47
    Highlight In dieser Sache ein zu empfehlender Film;

    Die Wannseekonferenz.

    Filmbeschrieb;

    Am 20.1.1942 empfängt SS- Obergruppenführer R. Heydrich am Berliner Wannsee 14 ranghohe Vertreter verschiedener Reichsministerien um die "Endlösung der Judenfrage" zu beschließen.

    Fazit; Nichts für schwache Nerven, auch wenn man denkt man würde schon alles wissen.

    Was die Deutschen damals verübten kann und wird niemals verjährt sein.

    2 1 Melden
  • zombie1969 15.07.2015 15:25
    Highlight O. Gröning wurde verurteilt, weil er "dabei war", ohne dass ihm eine einzelne Tat vorgeworfen oder nachgewiesen wurde.
    Wie sieht das in Zukunft aus mit den Unterstützern des Daesh (IS) in Syrien und Irak, die in den Nahen Osten reisen und "dabei sind", wenn vergewaltigt, versklavt, gemordet, gekreuzigt, verbrannt und geköpft wird?
    Und danach wieder hier unter uns sind.
    Denen auch keine einzelne Tat nachzuweisen ist.
    So wie ein junger Mann neulich in einem Interview bekannte, er habe nur verletzte Daesh-Kämpfer zur medizinischen Versorgung in die Türkei transportiert.
    4 1 Melden
    • zombie woof 15.07.2015 18:18
      Highlight Wie der Richter richtig gesagt hat, brauchte es Menschen wie Gröning, damit dieser Tötungsapparat funktionierte und deshalb ist er genauso schuldig wie derjenige der direkt getötet hat.
      2 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 21.04.2015 15:44
    Highlight eigentlich wollte ich sagen:

    "Das duerfte wohl einer der letzten sein, die fuer ihre taten gerade stehen muessen. Koennte man dann vieleicht irgendwann in naeherer zukunft langsam dazu uebergehen, dass nicht alles was Deutsch mit nazi, massenmoerder, schlecht gleichgesetzt wird, sondern auch wieder mal vor der eigenen haustuere wischen."

    Nur bin ich mir nicht ganz sicher ob mit den wenigen worten verstanden wird, was ich damit sagen will. Richtig ist es aus der geschichte zu lernen, nur scheint mir, nach der aktuellen nachrichtenlage ist da das kind laengst mit dem bad .....
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  • Joshzi 21.04.2015 12:25
    Highlight Nach Umfragen sind in Deutschland über 40% der Befragten der Meinung, die Nazi Zeit sei nun endlich aufgearbeitet. Dieser Ansicht waren die Deutschen bereits 1951 und haben ihr Land und ihre ehemaligen Verbrecher und Helfer gleich ab dem 1. Juli dieses Jahres einen Persilschein erteilt. Von Fluchthilfe bis zur Tarnung, die Geheimdienste der Bundesrepublik haben erwiesenermassen Täter unsichtbar gemacht, für die Strafverfolgungsbehörden - teilweise auch in Zusammenarbeit mit diesen. In Kommentaren gibt es zuweilen sogar zu lesen, Deutschland sei "Opfer" gewesen - Aufarbeitung geht anders.
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    • July 21.04.2015 18:14
      Highlight Gehen Sie mal durch die grossen Städte Deutschlands - da wimmelts nur so von Denkmälern und Gedenkstätten für Holocaust-Opfer. Und Deutschland zahlt auch immer noch riesige Summen für die damalige Kriegsschuld. Im Gegensatz zu Österreich oder auch der Schweiz, übrigens... diese haben ebenfalls menschenverachtende Handlungen vorgenommen und gar nichts aufgearbeitet. Dass 40% davon gekommen sind lag auch an den damaligen Unständen von Korruption und vielen Symphatisanten, was heute nicht mehr der Fall ist. Hier etwas zu schreiben, Deutschland hätte zu wenig aufgearbeitet ist meiner persönlichen Meinung nach nicht angebracht.








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    • Joshzi 23.04.2015 09:41
      Highlight July Gedenksteine sind nicht gleich Aufarbeitung. Verbrecher wurden und werden geschützt und Widerstandskämpfer, wie z.B. Georg Elser, und seine überlebenden Angehörigen lange Zeit als Verbrecher diffamiert. Genauso wurden Deserteure, welche sich dem Regime verweigerten, geächtet. Die Verfassung der Bundesrepublik wurde maßgeblich von einem Juristen erarbeitet, der die Nürberger Rassegesetze ebenso massgeblich beeinflusst erarbeitet hat und diese widerliche Kreatur wurde die rechte Hand Adenauers. Ich könnte viele weitere Beispiele nennen, solange, bis wir alle nur noch kotzen würden. Die Deutschen wollen nichts mehr wissen und taten so, als gänge und ginge sie das nichts mehr an - damals wie heute. Aufarbeitung geht anders.
      9 3 Melden
    • Gelöschter Benutzer 23.04.2015 21:40
      Highlight mal wieder eine der "huebsche veralgemeinerungen".

      Zum einen, waer wohl zu bemerken, dass "die deutschen" keine verfassung haben, wenigstens keine nach demokratischen grunsaetzen legitimierte.

      Zum anderen, es werden wohl sehr wenige in der altersgruppe der 90-120 jaehrigen heute noch wesentlichen einfluss auf die politik ihres landes ausueben.

      Du machst hier pauschal "die deutschen" auch jene die mit der geburt lange "danach" gesegnet, verantwortlich was ur- und grossvaeter angerichtet, wessen geist entspringt das denn ?

      Es gab unzehlige opfer auf allen seiten, sogar deutsche, selbst als der krieg laengst verloren wurden noch von den "guten" grossstaedte mit brand- und sprengbomben zerlegt in denen sich kaum ein krieger aber alte,frauen und kinder
      einigermassen geschuetzt fuehlten. In einem anderen land fielen "versuchsweise" auch schon mal a-bomben.

      Die geschichte schreibt der sieger......klar, und aufarbeitung ist noetig, sicher aber nicht auf kosten (fast haette ich noch gesagt " und nur zu gunsten") eines einzelnen. Nahezu ganze welt war beteiligt, jedes land mit seinen eigenen greueltaten - aber viele zeigen mit dem finger auf "den deutschen" und vergessen, dass dabei 3 finger auf sie selbst gerichtet sind..
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