Deutschland
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DRESDEN, GERMANY - DECEMBER 15:  Supporters of the Pegida movement march with German flags at another of their weekly gatherings on December 15, 2014 in Dresden, Germany. Pegida is an acronym for 'Patriotische Europaeer Gegen die Islamisierung des Abendlandes,' which translates to 'Patriotic Europeans Against the Islamification of the West,' and has quickly gained a spreading mass appeal by demanding a more restrictive policy on Germany's acceptance of foreign refugees and asylum seekers. While Pegida disavows xenophobia in its public statements, critics charge that the movement is becoming a conduit for right-wing activists. The first Pegida march took place in Dresden in October and has since attracted thousands of participants to its weekly gatherings that have also begun spreading to other cities in Germany. Germany is accepting a record number of refugees this year, especially from war-torn Syria, and the country has also witnessed the rise of Salafist movements in numerous immigrant-heavy German cities. Both phenomena have promoted Pegida's rise and appeal.  (Photo by Sean Gallup/Getty Images)

Pegida-Demonstration in Dresden Bild: Getty Images Europe

Undercover in Dresden

Die dubiosen RTL-Methoden bei Pegida-Recherchen

Stimmungsmache für ein paar gute Zitate: Auf einer Pegida-Demo äussert sich ein Mann in einem Interview rassistisch. Später stellt sich heraus, dass er undercover für RTL arbeitet. Ein herber Schlag für die Glaubwürdigkeit des Journalismus. 

20.12.14, 20:31 21.12.14, 09:25

julia merlot, david fischer, janko tietz / spiegel online

Ein Artikel von

Immer wieder gibt es Kritik an der Berichterstattung der Medien über die islamfeindliche Bewegung Pegida. Die Beiträge seien tendenziös und unterstellten den «Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes» zu Unrecht Rassismus. Das vom NDR produzierte ARD-Politikmagazin «Panorama» wollte diesen Vorwurf entkräften. In der Sendung am 18. Dezember liess es unter dem Titel «Lügenpresse' trifft Pegida» Demonstranten aus Dresden unkommentiert zu Wort kommen und stellte die Interviews anschliessend ungeschnitten in voller Länge ins Netz. 

Was dann geschah, diskreditiert die Glaubwürdigkeit des Journalismus generell: Unter den Interviewten war ein Reporter des RTL-Landesstudio Ost, das auch für die Hauptnachrichtensendung «RTL-Aktuell» Beiträge produziert. Der Mann versuchte offenbar an Aussagen der Demonstranten zu kommen, indem er sich selbst als Demonstrant ausgab und sich ihnen gegenüber rassistisch anbiederte: «Die Islamisierung macht sich schon breit in unserem Alltag», sagte er in das Mikrofon des NDR. Er spüre das «auf der Strasse, im Wohnviertel. Manchmal denk ich schon: Sind wir eigentlich noch in Deutschland?» Und weiter: «Wenn man rausgeht, ganz viele Türken. Ich komme mit vielen gut klar, aber es ist doch zunehmend so, dass man denkt: Sind wir eigentlich noch Deutsch in Deutschland.»

Glaubwürdigkeit des Journalismus beschädigt 

Erst nach Ausstrahlung von Panorama gab sich der Journalist zu erkennen. «Der Mann hat sich nun bei uns gemeldet und beteuert, dass er eigentlich anderer Ansicht sei und dass diese Aussagen nicht seiner Meinung entsprächen», schreibt die Panorama-Redaktion. Der Reporter selbst wollte sich gegenüber Spiegel Online nicht äussern: «Ich darf nichts sagen, bitte wenden Sie sich an die Pressestelle», sagte er in einem kurzen Telefonat. 

Laut RTL-Pressestelle war der Undercover-Einsatz mit der RTL-Redaktion Leipzig abgesprochen. Der Reporter sollte seine mit versteckter Kamera aufgenommenen Bilder offenbar direkt nach Köln in die Sendezentrale überspielen, wo sie von einem Mitarbeiter des «Team Wallraff» weiterverarbeitet werden sollten. Das «Team Wallraff» um den Buch-Autor Günter Wallraff ist jüngst mit Reportagen zu Burger-King oder Amazon aufgefallen. 

Der Sender rechtfertigt die Aktion mit der Zurückhaltung einiger Demonstranten gegenüber der Presse: «Da Pegida-Anhänger bisher nicht oder kaum mit Journalisten reden hat sich ein Reporter verdeckt auf die Pegida-Demo am vergangenen Montag in Dresden begeben, um Stimmungen und Aussagen für eine spätere Berichterstattung aufzugreifen», heisst es in einer offiziellen Stellungnahme. 

Volker Steinhoff, Redaktionsleiter von Panorama-Beitrag, findet dazu klare Worte: «Nichts gegen Undercover-Recherchen, wo sie nötig sind», schreibt er in einem Begleitartikel. «Aber die Pegida-Demonstranten in Dresden konnte man ganz offen zu ihrer Meinung befragen, wie man in unserem Beitrag sieht.» Und weiter: «Dass ein RTL-Reporter sich als normaler Demonstrant ausgibt und in eine Kamera latent ausländerfeindliche Sprüche klopft, geht gar nicht.» Die Glaubwürdigkeit von Journalisten würde nun «durch einen RTL-Reporter in Frage gestellt, auch wenn es nur um ein Statement von vielen geht. Wie dämlich.»

Welche Konsequenzen der Vorfall haben wird, hat RTL noch nicht entschieden. Als er angesprochen wurde habe der Reporter drei Möglichkeiten gehabt, heisst es: Nichts sagen, sich als Kollege outen – oder in der gespielten Rolle eines Pegida-Anhängers verbleiben. «Er entschied sich für Möglichkeit drei – und traf damit die eindeutig falsche Entscheidung.» 

Die Methoden, unter denen der Beitrag entstehen sollte, «kann man hinterfragen», sagte der RTL-Kommunikationschef Christian Körner gegenüber Spiegel Online. «Und im Zweifel werden wir das auch hinterfragen.»

Körner stellt klar, dass der Reporter «kein RTL-Mitarbeiter» sei, sondern beim Landesstudio-Ost angestellt ist, einer eigenständigen GmbH, die für RTL produziert. Auf der Website schmückt sich der Sender allerdings mit dem Journalisten und bezeichnet ihn bei einem Bericht über Hochwasserfolgen als «RTL-Reporter». 

Der aktuelle Beitrag mit den Undercover-Aufnahmen über Pegida sollte laut Körner bereits gesendet sein. Nach derzeitigem Stand wird er nun am Sonntag bei RTL-Aktuell ausgestrahlt. 



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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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    Alle Leser-Kommentare
  • Angelo C. 21.12.2014 11:27
    Highlight Wenn ich mir so die bisherigen statements betrachte, fällt mir die evidente Diskrepanz der Aussagen Sewis und Petersilies auf. Vom effektiven Realitätsgehalt neige ich dazu, Sewi in diesen hier geäusserten statements mehrheitlich recht zu geben. Petersilie glaubt "ans Gute dieser Übernahmekandidaten", versucht nicht im Hinblick auf allmählich entstehenden Bevölkerungszuwächse die Mathematik der Fortpflanzung zu bemühen, auch nicht den Weltanspruch einer nie der Aufklärung ausgesetzten Steinzeitreligion mit all ihren Gewaltauswüchsen in ihrer Aussagekraft zu hinterfragen. All diesen netten Gutmenschen wird die Rechnung im Kontext mit der Allgemeinheit
    präsentiert werden, nämlich spätestens dann, wenn es für effiziente und noch machbare (mehrheitlich friedliche) Gegenmassnahmen zu spät sein wird.
    6 3 Melden
  • Jol Bear 20.12.2014 23:03
    Highlight Angesichts der unzähligen Informationen, die heutzutage zur Verfügung stehen, gilt es um so mehr, stets kritische Distanz zu wahren, Inhalte, Quellen und Absichten zu hinterfragen. Es ist sogar zu hinterfragen, ob die echten, in dieser Sendung interviewten Pegida-Vertreter für diese Bewegung repräsentativ sind. Was die Folgen betrifft, haben wir in der CH gegenüber Deutschland einen gewichtigen Vorteil: Mit der direkten Demokratie hat die Bevölkerung immer wieder Gelegenheit, in Sachfragen mitzuentscheiden. Eine Bewegung kann, sofern sie Mehrheiten findet, politische Inhalte durchsetzen. Verliert sie, ist der Mehrheitsentscheid zu akzeptieren und die Sache bis auf weiteres gegessen. Darum wird es in der CH keine bedeutende Pegida geben. Wahrscheinlich auch in Deutschland nicht, wenn dort die Möglichkeit bestünde, dass die Leute in der Politik aktiv Inhalte gestalten, Abstimmungen lancieren könnten und nicht nur Personen wählen dürften. So besteht aber stets eine Unsicherheit: was wollen die? wieviele Menschen denken in Wahrheit so, wie die? usw.
    12 0 Melden
    • sewi 21.12.2014 06:56
      Highlight Vermutlich etwa30% der Gesamtbevölkerung. In D ist es üblich sich zuerst als Internationalist und Islamfreund auszugeben. Erst wenn das Gegenüber nationales Gedankengut äussert wird eingeschwenkt. Ob daher die Bezeichnung "Gummihals" stammt weiss ich nicht. Das Wallraff-Projekt von RTL wird für viele erschreckende Aussagen aufzeigen. Wir Schweizer Rechten haben eine gewaltlosere und öffentlichere Kultur. Zudem können wir bei echter Gefahr auch auf vernünftige Linke hoffen, wie das Minarettverbot zeigt. In D rächt sich dass es keine echte Meinungsfreiheit gibt. Denn was mir Deutsche im Vertrauen sagen, was sie mit wem anstellen wollen.....ich hoffe wir können uns raushalten....
      5 18 Melden
  • Frau Dings 20.12.2014 22:48
    Highlight Okay. Man sollte die Recherchenmethoden in einem Beitrag offen legen. Der wirkliche Skandal aber ist, was diese Demonstranten zu sagen haben: übelstes, menschenverachtendes, rassistisches Geschwätz, genährt von primitivsten Ressentiments. Das Ziel dieser Leute ist es, in den Medien genau das Bild abzugeben, welches sie sich selber von sich zurechtgelegt haben. Darum reden sie nicht. Wie bei durchschaubarer Corporate Communication. Ich halte Regelbrüche im Journalismus in diesem Fall für notwendig, aufklärend und für erhellend.
    7 25 Melden
    • Bowell 21.12.2014 03:47
      Highlight Vielleicht warens ja auch alle Journalisten? Es ist bedenklich was heutzutage von westlichen (!) Medien für ein paar Schlagzeilen getan wird.
      6 2 Melden
    • sewi 21.12.2014 10:27
      Highlight @petersilie: Muslime haben sich in der Schweiz innert 40 Jahren von 20'000 auf 400'000 Personen verzwanzigfacht. 5% heisst in ein paar Jahren 15,20 oder 25%. Vergessen Sie nicht dass auf diese Art innerhalb von 80 Jahren zbsp im Kosovo aus 10% sage und schreibe 90% wurden. Ihr Engagement für Humanität in Ehren, aber in Punkto Islam müssen wir umdenken und dürfen uns nicht von unseren Wünschen nach Harmonie leiten lassen! Sonst gibt es uns einfach nicht mehr
      7 5 Melden
    • sewi 21.12.2014 10:35
      Highlight @petersilie: sich gegen eine faschistische Ideologie zu wehren ist kein Rassismus. Hingegen stehen im Koran Sachen die gegen das Schweizer Antirassismusgesetz verstossen. Was einst als Sonderrecht zu Gunsten der Juden gedacht war, könnte sich plötzlich gegen den Islam wenden
      2 5 Melden
  • zombie1969 20.12.2014 21:03
    Highlight "Islamhasser"
    Es sind Islamkritiker und keine Islamhasser. Richtigen widerlichen Hass konnte man kürzlich in Australien und Pakistan kennenlernen.
    34 8 Melden
    • philipp meier 20.12.2014 21:47
      Highlight wieso macht es sinn, menschen mit derselben religionsangehörigkeit in einen topf zu schmeissen? die dschihadisten haben mit einem türkischen einwanderer nichts gemein.
      oder umgekehrt: auch die amerikanischen präsidenten schwören auf die bibel. wieso müssen sich die christen nicht ständig von ihnen distanzieren, wenn sie mit vorgeschobenen gründen ein fremdes land überfallen? wieso müssen sich die christen nicht von katholischen priestern distanzieren, wenn sie kinder missbrauchen?
      btw: «islamkritik» wäre eine kritik an der religion. aber die reden immer von menschen...
      28 10 Melden
    • Frohes Locken 20.12.2014 22:07
      Highlight @philip meier

      Ganz einfach, weil sie es nicht im Namen Ihrer Religion tun.
      Oder haben sie schonmal einen katholischen Priester sagen hören, dass er es mit dem Jungen getrieben hat weil es in der Bibel stand?
      Grundsätzlich bin ich auch eher Ihrer Meinung, aber Ihre Argumentation hat einige Fehler, da dschihadisten alles Aufgrund ihrer Religion machen.


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    • philipp meier 21.12.2014 00:06
      Highlight @frohes locken: meines wissens gab es immer wieder priester, die ihre übergriffe mit christlicher nächstenliebe, fürsorge und dergleichen begründeten. das wurde jeweils halt nicht an die ganz grosse glocke gehängt (wohl auch deshalb, weil die katholische kirche viel straffer organisiert ist; auch kommunikationstechnisch)
      1 6 Melden
    • sewi 21.12.2014 10:46
      Highlight Genau.... und nachlesen.... im Koran. Bsp, Sure 9, Vers 111
      3 2 Melden
  • jamal_ch 20.12.2014 20:52
    Highlight weRTLos
    29 0 Melden

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