Deutschland

Ein 28-jähriger Algerier liegt gefesselt am Boden. Wahrscheinlich haben Rechtsextreme die Übergriffe im AsylbewerberInnenheim begangen. Bild: Getty Images Europe

Misshandlungen in deutschen Asylheimen

«Ruhm und Ehre» auf dem Unterarm: Wachleute von Burbach mit «rechtsextremer Gesinnung»

Stammen einige Wachleute des Asylbewerberheims in Burbach aus der Neonazi-Szene? Nach Spiegel Online-Informationen hat einer der Männer eine einschlägige Tätowierung. Gegen einen anderen lief bereits ein entsprechendes Verfahren.

30.09.14, 20:40

Jörg Diehl, Düsseldorf / Spiegel Online

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Die Misshandlungen nordafrikanischer Flüchtlinge im Asylbewerberheim von Burbach hatten womöglich einen rechtsextremen Hintergrund. Nach Informationen von Spiegel-Online trägt der frühere Wachmann Markus H., 30, offenbar auf einem Unterarm die Tätowierung «Ruhm und Ehre». Die Parole ist bei Neonazis beliebt, auch weil sie nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs nicht unter das Verbot des Verwendens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen fällt.

Markus H. und seinem damaligen Kollegen Markus K., 26, wird vorgeworfen, vor einigen Wochen im Asylbewerberheim im nordrhein-westfälischen Burbach einen Flüchtling misshandelt und gedemütigt zu haben.

Ein Foto, das die Ermittler auf dem Telefon eines anderen Wachmannes entdeckt hatten, zeigt das Duo und einen am Boden liegenden 28-jährigen Algerier, dessen Hände auf dem Rücken gefesselt sind. H. steht mit seinem rechten Fuss auf dem Kopf des Hilflosen. Die Demütigung stellten K. und H. in ihren Vernehmungen als Notwehr dar, die Siegerpose sei Folge ihrer Erleichterung über einen erfolgreich abgewehrten Angriff gewesen.

Tristesse in Burbach: AsylbewerberInnen vor dem Heim. Bild: WOLFGANG RATTAY/REUTERS

Den Ermittlungsbehörden gegenüber bezeichnete H. die Tätowierung als Jugendsünde. Er würde sich das heute nicht mehr stechen lassen, sagte er nach Informationen von Spiegel Online. Sein früherer Kollege Markus K. ist nicht entsprechend tätowiert. K. hatte den Ermittlern freiwillig seinen Oberkörper gezeigt, Markus H. tat das nicht.

Ralf Jäger Bild: EPA/DPA

Wie der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Dienstag in Düsseldorf sagte, prüfen die Ermittler derzeit die Möglichkeit eines fremdenfeindlichen Hintergrunds für die Übergriffe in Asylbewerberheimen. Nach Spiegel Online-Informationen wurde gegen einen anderen ehemaligen Wachmann aus dem Heim in Burbach, Maik L., bereits wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen ermittelt. In dem aktuellen Verfahren zählt L. jedoch bislang nicht zu den Beschuldigten.

Im Gespräch mit Spiegel Online hatte einer der ehemaligen Sicherheitsleute aus Burbach einigen seiner Kollegen eine «eindeutig rechtsextreme Gesinnung» attestiert. Ein anderer Wachmann sagte im «Siegerland Kurier», die Betreffenden hätten einen «deutlich erkennbaren rechten Hintergrund» gehabt.

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