Deutschland
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BURBACH, GERMANY (EDITORS NOTE: Faces pixelated at source) In this undated handout photo provided by the Hagen Police Department on September 29, 2014, two members of a private security firm hold down a handcuffed 20-year-old Algerian refugee at a refugee center in Burbach, Germany. News of the incdient broke yesterday and local authorities immediately suspended the firm, which was providing security services at the refugee center, while police have launched an investigation. Approximetaly 700 refugees, mostly from countries in the Middle East and North Africa, live at the center, which is run by a private company called European Homecare.    (Photo provided by Hagen Police Department via Getty Images)

Ein 28-jähriger Algerier liegt gefesselt am Boden. Wahrscheinlich haben Rechtsextreme die Übergriffe im AsylbewerberInnenheim begangen. Bild: Getty Images Europe

Misshandlungen in deutschen Asylheimen

«Ruhm und Ehre» auf dem Unterarm: Wachleute von Burbach mit «rechtsextremer Gesinnung»

Stammen einige Wachleute des Asylbewerberheims in Burbach aus der Neonazi-Szene? Nach Spiegel Online-Informationen hat einer der Männer eine einschlägige Tätowierung. Gegen einen anderen lief bereits ein entsprechendes Verfahren.

30.09.14, 20:40

Jörg Diehl, Düsseldorf / Spiegel Online

Ein Artikel von

Die Misshandlungen nordafrikanischer Flüchtlinge im Asylbewerberheim von Burbach hatten womöglich einen rechtsextremen Hintergrund. Nach Informationen von Spiegel-Online trägt der frühere Wachmann Markus H., 30, offenbar auf einem Unterarm die Tätowierung «Ruhm und Ehre». Die Parole ist bei Neonazis beliebt, auch weil sie nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs nicht unter das Verbot des Verwendens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen fällt.

Markus H. und seinem damaligen Kollegen Markus K., 26, wird vorgeworfen, vor einigen Wochen im Asylbewerberheim im nordrhein-westfälischen Burbach einen Flüchtling misshandelt und gedemütigt zu haben.

Ein Foto, das die Ermittler auf dem Telefon eines anderen Wachmannes entdeckt hatten, zeigt das Duo und einen am Boden liegenden 28-jährigen Algerier, dessen Hände auf dem Rücken gefesselt sind. H. steht mit seinem rechten Fuss auf dem Kopf des Hilflosen. Die Demütigung stellten K. und H. in ihren Vernehmungen als Notwehr dar, die Siegerpose sei Folge ihrer Erleichterung über einen erfolgreich abgewehrten Angriff gewesen.

Asylum seekers walk outside their temporary home in the grounds of an abandoned Siegerland Bundeswehr army barracks in Burbach near the western German town of Siegen September 29, 2014. German police officials confirmed on Monday reports by media that asylum seekers had been abused by personnel of a private security firm employed at the facility. The security staff have since been replaced. REUTERS/Wolfgang Rattay   (GERMANY - Tags: SOCIETY IMMIGRATION CRIME LAW)

Tristesse in Burbach: AsylbewerberInnen vor dem Heim. Bild: WOLFGANG RATTAY/REUTERS

Den Ermittlungsbehörden gegenüber bezeichnete H. die Tätowierung als Jugendsünde. Er würde sich das heute nicht mehr stechen lassen, sagte er nach Informationen von Spiegel Online. Sein früherer Kollege Markus K. ist nicht entsprechend tätowiert. K. hatte den Ermittlern freiwillig seinen Oberkörper gezeigt, Markus H. tat das nicht.

epa04424529 Ralf Jaeger (L) the Interior Minister of the German Federal state of North Rhine-Westphalia, and Arnsberg District president Gerd Bollermann (R) speak at a news conference on the state of investigations in the case of mistreatment of refugees, at the regional Interior ministry in Duesseldorf, Germany, 30 September 2014. Eight employees at three German emergency shelters for refugees face investigation for physically abusing people in their charge, a state prosecutor had said 29 September. All three facilities are in the western German state of North Rhine- Westphalia. Six of the guards under investigation work in a facility in the city of Burbach, where around 700 refugees are sheltered. Investigations began after police learned of mobile phone videos and photos showing the alleged abuse.  EPA/ROLAND WEIHRAUCH

Ralf Jäger Bild: EPA/DPA

Wie der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Dienstag in Düsseldorf sagte, prüfen die Ermittler derzeit die Möglichkeit eines fremdenfeindlichen Hintergrunds für die Übergriffe in Asylbewerberheimen. Nach Spiegel Online-Informationen wurde gegen einen anderen ehemaligen Wachmann aus dem Heim in Burbach, Maik L., bereits wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen ermittelt. In dem aktuellen Verfahren zählt L. jedoch bislang nicht zu den Beschuldigten.

Im Gespräch mit Spiegel Online hatte einer der ehemaligen Sicherheitsleute aus Burbach einigen seiner Kollegen eine «eindeutig rechtsextreme Gesinnung» attestiert. Ein anderer Wachmann sagte im «Siegerland Kurier», die Betreffenden hätten einen «deutlich erkennbaren rechten Hintergrund» gehabt.



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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

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