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Hooligan-Krawalle in Deutschland

Bündnis der Gewalt

Hinter den Krawallen von Köln steckt eine Allianz aus Hooligans und Rechtsradikalen. Am Tag danach feiert sich «Die Rechte», eine Partei, der die NPD zu bürgerlich ist.

27.10.14, 21:02 27.10.14, 21:22

Christoph Ruf, Köln / Spiegel Online

Ein Artikel von

Der Hooligan-Aufmarsch am Sonntag in Köln war durchsetzt von rechten Kadern und Aktivisten. So äusserte sich die Kölner Polizei am Montag: «Es gab einen hohen Anteil entsprechender Strukturen. Das rechtsextreme und neonazistische Spektrum war vor Ort, bis hin zu Kreisen von verbotenen Nazikameradschaften aus dem Rheinland.» Laut Christoph Gilles, Sprecher der Kölner Polizei, waren zudem zahlreiche Aktivisten von NPD und der Partei «Die Rechte» vor Ort - Szene-Aktivisten, denen die NPD zu bürgerlich ist.

Auch Augenzeugen der Krawalle hatten am Sonntag entsprechende Beobachtungen gemacht. Eine Zeugin hatte die Demonstration der «Hooligans gegen Salafisten» (HoGeSa) seit dem Mittag auf der Terrasse einer Bäcker-Filiale beobachtet. Gegen 16.30 Uhr bekam es die Frau mit der Angst zu tun: «Ich bin panikartig losgerannt, als plötzlich vom Rhein her über hundert Hooligans in unsere Richtung stürmten und eine Spur der Zerstörung hinterliessen.» Kurz bevor auch die Bäckerei kurz und klein geschlagen wurde, konnte sich die Frau ins Bahnhofsinnere retten.

«Da muss man wohl nicht lange überlegen, wenn 100 Leute 'Deutschland den Deutschen, Ausländer raus' grölen.»

Augenzeugin zur Hooligan-Demo von Köln

Auf die Frage, welche politische Orientierung die Schläger gehabt haben könnten, sagt die Zeugin: «Da muss man wohl nicht lange überlegen, wenn 100 Leute 'Deutschland den Deutschen, Ausländer raus' grölen.»

Nazi-Sticker, Tattoos und Szenecodes

Es dürfte sich dabei um den Pulk an Hooligans gehandelt haben, der laut Kölner Polizei nach dem Verbot des Demozuges seine eigenen Wege ging - mit Sturmhaube und Quarzhandschuhen. Dass die Vorhut eine andere politische Einstellung als weite Teile der anderen Demo-Teilnehmer hätte, ist allerdings nicht zu vermuten.

Wer die Reihe der Demonstranten abschritt, sah Hunderte T-Shirts, die man nur in einschlägigen Szeneläden und -Versandhäusern kaufen kann. Aufdrucke wie «White nations for a white Europe» und «Aryan» (Arier) lassen wenig Raum für Interpretationen, ebensowenig wie die unzähligen Nazi-Sticker und -Tattoos. Dazu kamen die gängigen Szenecodes wie die allgegenwärtige «88» und die Pöbeleien in Richtung Polizei, die sehr eindeutig waren.

Bild: DPA

Nicht jedem Menschen sieht man seine Gesinnung an. Es mag deshalb sein, dass unter den Demonstranten auch ein paar hundert waren, die nach Köln gekommen waren, um gegen die vermeintliche Islamisierung des Landes oder den Salafismus zu demonstrieren, ohne mit der Agenda der rechten Szene zu sympathisieren. Die Dynamik prägten sie jedoch nicht.

So sieht es auch die Zeugin, die anonym bleiben möchte, die das Treiben von 12 bis 19 Uhr beobachtete: «Das war ein Aufmarsch der rechten Szene. Später, als die Lage endgültig eskalierte, ging es um ein Match Rechte Hools gegen die Staatsmacht. Und das wollten die Hools gewinnen.»

Der Dortmunder Ortsverband der Neonazi-Partei «Die Rechte» lieferte eine Art Liveticker zur Kölner Demonstration und behauptete, die Polizei habe die Ausschreitungen provoziert. Am Montag feierte sie sich auf ihrer Facebookseite: «Mit über 200 Leuten aus der Westfalenmetropole hat Dortmund Flagge gezeigt - nächstes Mal werden wir noch mehr!»

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 28.10.2014 08:59
    Highlight Es scheint, dass hier Erfahrungswerte für rechte Demos in dieser Grösse bei der Polizei/Politik gefehlt haben. Anders als bei den Linksextremen, die neben häufig wiederkehrenden Gewaltexzessen mit dem 1. Mai sogar einen jährlichen "Festtag zum Steineschmeissen" institutionalisiert haben, konnte man bei dieser Demo des noch neuen HoGeSa nur schwer einschätzen, wie viele Teilnehmer genau kommen und wie diese sich verhalten würden. Besonders die Gewaltbereitschaft war schwer einzuschätzen, da vom Veranstalter Gewaltverzicht propagiert worden war, woran sich aber viele Teilnehmer nicht hielten.
    1 0 Melden
  • franklyn 28.10.2014 00:40
    Highlight Idioten
    3 3 Melden

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