Deutschland

Bild: EPA

Jetzt kommt die PKW-Maut

Merkel will die Vignette einführen. Für Schweizer heisst das: Fertig mit Gratis-Rasen auf deutschen Autobahnen

07.07.14, 16:49 08.07.14, 09:41

«Is Dütsche use» ist ein geflügeltes Wort unter Schweizer Automobilisten, die gerne schneller fahren als die hierzulande erlaubten 120 Kilometer pro Stunde. Auf dem Autobahnnetz unseres nördlichen Nachbarn darf vielerorts legal gerast werden, sofern Wetter und Verkehrsdichte es erlauben. Gratis ist der Spass auch noch. Doch damit könnte bald Schluss sein: Die deutsche Regierung plant die Einführung einer PKW-Maut.

Laut Bild am Sonntag schwebt Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) aber keine Einheits-Vignette nach Schweizer Vorbild vor. Vielmehr sollen Lenker alter und grosser Autos stärker zur Kasse gebeten werden. Die Bandbreite reiche von 20 bis mehr als 150 Euro.

Blechen nach Hubraum

Benziner, die nach Juli 2009 zugelassen wurden, zahlen demnach zwei Euro je angefangene 100 Kubikzentimeter (ccm) Hubraum, wobei bei 5000 ccm Schluss ist. Dieselfahrzeuge bezahlen 9,50 Euro je 100 ccm. Hier ist bei 1100 ccm fertig.

Halter von Autos mit deutschem Kennzeichen sollen die Vignette automatisch zugeschickt bekommen. Ausländer können an Tankstellen und im Internet eine Zehn-Tages-Vignette für 10 Euro und eine Zwei-Monats-Vignette für 20 Euro kaufen. Ganz kostenlos wird es den grenzüberschreitenden Geschwindigkeitsrausch also nicht mehr geben.

Deutsche nicht gleich Deutsche

Minister Dobrindt hat versprochen, dass deutsche Autofahrer keine Mehrbelastung fürchten müssen. Erreichen will er das mit einer gleichzeitigen Absenkung der Verkehrsabgabe. Offen ist noch, ob die EU diese Diskriminierung akzeptiert.

Keine Freude an diesen Plänen dürften deutsche Staatsangehörige in der Schweiz haben, die mit Schweizer Nummernschild unterwegs sind und regelmässig in die Heimat fahren. Da sie in Deutschland keine Verkehrsabgabe mehr entrichten, können sie die neue Maut nicht kompensieren. Sie bezahlen entweder die volle Jahresgebühr oder kaufen wie ein x-beliebiger Ausländer eine zeitlich begrenzte Vignette.

Kritik ausgerechnet von Greenpeace

Der Minister erhofft sich von der Abgabe 2,5 Milliarden Euro Mehreinnahmen netto in einer Legislaturperiode. Diese sollen zweckgebunden in den Strassenbau fliessen. Über die Abgabe sollen auch ausländische Kfz-Halter an den Investitionen in das deutsche Strassennetz «angemessen» beteiligt werden.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte die einseitige Belastung von ausländischen Autofahrern bei der Pkw-Maut als ungerecht. «Dobrindt setzt eine richtige Idee mit den falschen Mitteln um», erklärte Greenpeace-Mobilitätsexperte Daniel Moser. Da deutsche Fahrer faktisch von der Maut befreit werden sollten, werde nicht genug Geld zusammenkommen, um die Strassen zu reparieren. Zudem sei es nicht gerecht gegenüber ausländischen Autofahrern.

Autobahnabschnitte ohne Geschwindigkeitsbegrenzung

(Karte via autobahn-speedhunter.de)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Weidmann 07.07.2014 22:13
    Highlight Dafür könnte man in der Schweiz eine Autobahn unbegrenzt machen.;-)
    2 5 Melden
  • Gelöschter Benutzer 07.07.2014 21:14
    Highlight Finde ich völlig in Ordnung. In Österreich zahlt man nicht nur das "Pickerl" (Autobahnvignette) sondern auch bei praktisch jedem längeren Tunnel und vielen Passstrassen. Und die Preise sind definitiv nicht günstig. Also dürfen die Deutschen ohne schlechtes Gewissen auch mal zulangen. Ok nur bei den Ausländern. Meinetwegen.
    4 6 Melden
  • mope 07.07.2014 21:13
    Highlight Find ich gut und erinnert mich daran, dass man hierzulande zusätzlich die Tunnelgebühr wieder intensiver diskutieren sollte...
    3 5 Melden
  • MediaEye 07.07.2014 19:25
    Highlight Dieser Artikel ist tendenziös und hetzerisch, klar gibt es noch Strecken ohne Tempolimit, diese lassen sich aber bereits an den Händen abzählen und sind auf Grund des täglichen Verkehrsaufkommens schon lange nicht mehr zum "Rasen" geeignet.
    2 4 Melden
  • Michèle Seiler 07.07.2014 19:05
    Highlight Ich schreib's nicht gerne, aber im Artikel steckt ein Fehler ... Dobrindt ist Mitglied der CSU, nicht der CDU.

    Ich hatte ganz vergessen, dass das auch für "uns" gilt ... Na ja, dann lernen die, die "Ausländer" nicht als gleichwertig ansehen, endlich einmal, wie sich das anfühlt, wenn man selbst davon betroffen ist.
    1 4 Melden
    • Kian 08.07.2014 08:36
      Highlight Sagen Sie es nur, Sie haben ja Recht:-)
      Danke für den Hinweis.
      1 0 Melden
    • Michèle Seiler 08.07.2014 15:15
      Highlight Klar, aber ich weiß nicht, wie gerne ihr darauf hingewiesen werdet. ;-) Und ich tue ungern Menschen weh.

      Aber ich find's gut, wie es jetzt ist. :-) Danke.

      0 0 Melden
  • Romeo 07.07.2014 18:46
    Highlight Diskutiert Doris immer noch wegen dieser Tunnel Maut bei uns?
    1 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 07.07.2014 18:24
    Highlight Die Vignette soll auch auf Nichtautobahnen Pflicht sein! Das wäre natürlich ganz etwas Neues.
    Nur die Ausländer müssten eine Maut kaufen - wie sich das auf den grenznahen Einkaufstourismus auswirken könnte ist abzusehen.
    4 1 Melden
  • Nic9000 07.07.2014 18:16
    Highlight Finde ich völlig in Ordnung. Die Deutschen leisten bei uns und in den anderen EU Ländern auch ihren Beitrag.
    4 4 Melden
    • Gelöschter Benutzer 08.07.2014 06:31
      Highlight Aber alle leisten den selben Beitrag, Ausländer wie Inländer. Die deutsche PKW ist leider diskriminierend. Prinzipiell wäre mir dies auch egal, aber dann muss die EU sich überlegen wieso es bei gewissen Ländern kein Problem ist und andere deswegen gerügt und zurückgepfiffen werden. Mir geht es mehr darum, als um die paar Euro die wir nun eben als Beitrag (den ich als berechtigt ansehe) abgegben sollen.
      1 0 Melden

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