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Rescuers help injured researcher Johann Westhauser inside the Riesending cave in Untersberg, south of Munich in this still image taken from video from a camera mounted on the helmet of a rescuer released by Bavaria's mountain rescue team "Bergwacht Bayern" on June 16, 2014. The 52-year-old speleologist has been trapped for nine days when a rock fell and hit him while inside the 1,000 metre-deep cave system in southern Germany.  REUTERS/Bergwacht Bayern/Handout via Reuters TV (GERMANY - Tags: DISASTER ENVIRONMENT) ATTENTION EDITORS - IMAGE TO BE USED FOR THIS RESCUE STORY ONLY. NO COMMERCIAL OR BOOK SALES. NO SALES. NO ARCHIVES. FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY. IT IS DISTRIBUTED, EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS

Bild: Bergwacht München

Einsatzkräfte über die Rettung aus der Riesending-Höhle

«Da kann man sich kaum durchquetschen»

Bloss nicht daran denken, dass man den schweren Weg auch wieder nach oben muss: Erstmals äusserten sich jetzt Einsatzkräfte in einer Pressekonferenz über die Rettungsaktion in der Riesending-Schachthöhle. Die Hilfe geht gut voran. 

16.06.14, 21:36 16.06.14, 23:15

Björn Hengst / Spiegel Online

Ein Artikel von

Pedro Balordi war schon in vielen Höhlen, aber so etwas hatte er in seiner Schweizer Heimat nicht gesehen. Als Balordi zuletzt in die Riesending-Schachthöhle im Berchtesgadener Land einstieg, war ihm schnell die Dimension der Rettung des verunglückten Höhlenforschers Johann Westhauser klar: die sich windenden Gänge, die engen Passagen, die Schächte und Canyons, die Komplexität der rund 19 Kilometer langen und mehr als 1100 Meter tiefen Höhle. «Sie macht ihrem Namen alle Ehre», sagte Balordi jetzt in Berchtesgaden über die grösste Höhle in Deutschland

Bild: Die Retter erreichten heute Biwak 3. 

Der Höhlenretter ist einer von mehreren unmittelbar beteiligten Helfern, die sich am Montag erstmals in einer Pressekonferenz über die beispiellose Rettungsaktion äusserten, an der 120 Experten aus Deutschland, Österreich, Italien, Kroatien und der Schweiz beteiligt sind. Die Zusammenarbeit funktioniere sehr gut, sagte Balordi. Zusammen mit einem Team hatte er die rund acht Kilogramm schwere Trage zu Westhauser transportiert. 

Tatsächlich haben die Retter derzeit allen Grund zur Zuversicht: Die Gruppe mit Westhauser kam zuletzt schneller voran als zunächst erwartet. Bereits am Montagmorgen hatte der Trupp Biwak 3 in rund 700 Metern Tiefe erreicht, eine der Zwischenetappen auf dem Weg aus der Höhle. Neun Stunden hatte der anspruchsvolle Weg über glitschige Wände gedauert, ursprünglich waren die Einsatzkräfte von bis zu zwei Tagen ausgegangen. 

Bild: Getty Images Europe

«Jetzt fängt die Zone mit vertikalen Schächten an»

Gegen 17.30 Uhr brach der Trupp in Richtung Biwak 2 in rund 550 Metern Höhe auf. Für die schwierige Wegstrecke sind 24 Stunden eingeplant. Der Bergwacht zufolge gilt der noch ausstehende Weg bis zum Ausgang aus der Höhle als der schwierigste. Zuletzt bewegte sich die Gruppe in der Horizontalen, «jetzt fängt die Zone mit vertikalen Schächten an», sagte Balordi am Montag. Der Zugang zu ihnen sei oft sehr eng, «da kann man sich kaum durchquetschen». 

Westhauser soll mithilfe von Flaschenzügen aus der Tiefe gerettet werden. Der Gesundheitszustand des 52-jährigen Höhlenforschers, der am Pfingstsonntag durch einen Steinschlag in der Höhle ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten hatte, gilt weiterhin als stabil. Per Funk hatte er zuletzt «liebe Grüsse» an seine Familie aus der Tiefe schicken lassen. 

Bild: EPA/DPA / BAVARIAN MOUNTAIN RESCUE

Der Forscher liegt in einem Schlafsack in Körperform in der Trage, ein Klettergerüst fixiert und sichert ihn darauf. Er trägt einen Kopfschutz, ausserdem Ohrenschützer, die für ihn die Lärmbelastung minimieren sollen. Draussen bringen regelmässig Hubschrauber Material und Helfer zum Höhleneingang auf rund 1800 Metern Höhe, auch unten ist es alles andere als ruhig: Die Helfer müssen sich immer wieder Kommandos in der verschachtelten Höhle zurufen. 

Die körperlichen Anstrengungen in der Tiefe sind enorm. In der Höhle herrsche eine Luftfeuchtigkeit von rund 98 Prozent, sagte Balordi, der vier Tage in der Höhle war. Die Temperatur liege bei circa vier Grad: «Das fordert einen.» Anfangs sei es für ihn bei diesen Bedingungen auch sehr schwierig gewesen, ausreichend zu schlafen. 

Kroatische und italienische Kräfte verstärken das Team 

Bild: Getty Images Europe

Stephan Bauhofer gehörte zu den ersten, die Westhauser zur Hilfe geeilt waren. Der ausgebildete Rettungssanitäter der bayerischen Bergwacht war in die Höhle gestiegen, als ein Forschungspartner Westhausers einen Notruf abgesetzt hatte. Beim Abseilen in die tiefe Höhle habe er versucht, einen Gedanken zu verdrängen: «Dass ich da wieder raus muss.» Der Aufstieg sei «extrem anstrengend», sagte Bauhofer. 

Inzwischen sind zusätzliche Rettungskräfte in Berchtesgaden eingetroffen, 20 Höhlenretter aus Italien, 25 aus Kroatien. Sie sind eine Art Stand-by-Mannschaft, für den Fall, dass es Ausfälle bei den bisherigen Teams gibt. Der Transportweg wird auch weiterhin zusätzlich mit Kletter- und Seilhilfen gesichert, der Verschleiss ist der Bergwacht zufolge derzeit wegen des Einsatzes vieler Helfer sehr gross. 

Roland Ampenberger, Sprecher der bayerischen Bergwacht, lobte am Montag die hohe Einsatzbereitschaft der Rettungskräfte. Sie würden sich mit Begeisterung an der Aktion beteiligen, dies habe «da oben eine Familie entstehen lassen», sagte Ampenberger. 

Helfer in Berchtesgaden haben die Hoffnung, dass Westhauser vielleicht schon am Donnerstag aus der Höhle geholt werden kann – auf einen Termin will sich aber niemand festlegen. 

Unklar ist derzeit auch die Höhe der Rettungskosten – und wer sie am Ende tragen wird. Der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher hatte bereits vor mehreren Jahren einen Solidaritätsfonds eingerichtet. Er soll greifen, wenn ein Höhlenforscher verunglückt und nicht versichert ist. Ausserdem soll er die Kosten decken, die das Limit der Unfallversicherung sprengen. Bergwacht-Sprecher Ampenberger zufolge kommt für derartige Einsätze «in der Regel die Versicherung auf». Wie Westhauser versichert ist, ist derzeit aber offenbar noch nicht geklärt. 

Mitarbeit: David Fischer



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