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Neue Amazon-Hardware: Die neuen Tablets mit Sechs- und Sieben-Zoll-Bildschirmen sowie der neue Kindle bedienen das untere Preissegment. Bild: SPIEGEL ONLINE

Fire Tablet und Kindle Paperwhite

Amazons Tablets und Kindle im Test: Gute Unterhaltung, klobig verpackt

Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft bringt Amazon neue Versionen seiner Fire-Tablets und Kindle-E-Reader auf den Markt. Wir haben drei besonders günstige Modelle ausprobiert.

09.10.14, 10:31 09.10.14, 14:29

Matthias Kremp / spiegel online

Ein Artikel von

Mit zwei neuen Mini-Tablets und einem technisch verbesserten Kindle-E-Reader rüstet sich Amazon für die Geschenkesaison. Mit Preisen ab 120 Franken sollen die Geräte Billigmodellen anderer Hersteller Konkurrenz machen. Der neue Einstiegs-Kindle bietet für 70 Franken jetzt auch einen Touchscreen. Zugleich ändert Amazon die Namensgebung der Geräte: Farb-Tablets heissen künftig nur noch Fire, die Bezeichnung Kindle bleibt den E-Readern vorbehalten. Alle drei neuen Geräte eignen sich, um Bücher zu lesen, die aus der neuen E-Book-Flatrate Kindle Unlimited stammen.

Auf den ersten Blick fällt auf, dass die neuen Fire-HD-Tablets aus dem Rahmen fallen. Während viele Konkurrenten sich bemühen, neue Tablets immer schlanker und schöner zu machen, sind Amazons neue Flachrechner klobigen Plastikboxen. Schön ist daran nichts. Bestenfalls könnte man es praktisch nennen, dass sie aufgrund der groben Kunststoffschale sehr robust sind.

Knapp elf Millimeter sind sie dick, so wie der neue Blackberry Passport. Doch während Blackberrys Smartphone seine Klobigkeit unter geschwungenen Linien und edlen Materialien geschickt verbirgt, wirken die Fire-Tablets nur zweckmässig. Beim Fire HD 6 ist das durchaus gewollt, denn dieses Modell sieht Amazon als Flachrechner für Kinder an, mit dem man auch mal etwas rauer umgehen können soll.

Ein wenig kaschieren lässt sich das klotzige Design, wenn man sich beim Kauf nicht für das Schwarz unserer Testgeräte entscheidet und stattdessen ein Gehäuse in Weiss, Blau, Magenta oder Gelb bestellt. Wer das Gerät zusätzlich schützen möchte, kann bei Amazon für 35 Franken eine stabile Schutzhülle in einer von sechs Farben dazubestellen. Die kann man auch als Standfuss benutzen, sie macht das Tablet aber noch dicker.

Direkt betrachtet sehr knackig

Technisch sind beide Tablets bis auf die Bildschirme identisch aufgebaut: Im Fire HD 6 steckt ein 6-Zoll-Display, im Fire HD 7 eines mit 7 Zoll. Beide zeigen jedoch dieselbe Auflösung von 1280 mal 800 Bildpunkten an. Höhere Auflösungen sind bei Amazon den teureren Fire-HDX-Modellen vorbehalten.

Trotzdem liefern beide Bildschirme ein sehr gutes Bild, solange man möglichst senkrecht daraufschaut. Aus schrägen Blickpositionen stören Reflexionen im dicken Deckglas und die Farben wirken blass. Die Helligkeit reicht allerdings aus, um auch in gut beleuchteten Umgebungen noch etwas erkennen zu können. Zum Lesen sollte man die Bildschirmbeleuchtung etwas herunterregeln.

Amazon Fire HD 6, Fire HD 7 und Kindle

Reichlich Rechenleistung, knapper Speicher

Die Rechenleistung des 1,5 GHz schnellen Quadcore-Prozessors reichte im Test mühelos aus, um Filme, Apps und Spiele ruckelfrei darzustellen. Unbefriedigend waren dagegen die Resultate der eingebauten Zwei-Megapixel-Kameras: Schnappschüsse damit wirkten oft blass und unscharf.

Von den acht Gigabyte Speicherplatz wiesen unsere Testgeräte nach dem ersten Start nur knapp fünf Gigabyte als verfügbar aus – mit ein paar Apps und einem heruntergeladenen Film waren sie schnell gefüllt. Eine Erweiterungsmöglichkeit ist nicht vorgesehen. Dafür bekommt man mit dem Kauf unbegrenzten Cloud-Speicherplatz für Amazon-Inhalte und für die Fotos, die man mit den Geräten macht.

Optimierter Zugang zum Konsum

Praktisch ergibt es also am ehesten Sinn, die Fire-Tablets als Streaming-Maschinen zu nutzen, die nur online ihr volles Potenzial ausschöpfen. Um ins Netz zu kommen, ist allerdings ein W-Lan-Netzwerk notwendig, denn UMTS- oder LTE-Varianten gibt es nicht.

Als Betriebssystem ist Amazons Fire OS 4 installiert, eine massgeschneiderte Variante von Android 4.4, mit einer eigenen, sehr intuitiv nutzbaren Oberfläche. Apps lassen sich nur aus Amazon App Store, nicht aus dem Google Play Store, beziehen. Das System ist in jeder Hinsicht auf den Kauf und Konsum von Amazon-Inhalten hin optimiert.

Bild: SPIEGEL ONLINE

Ein Kindle zum Betatschen

Dasselbe gilt, in verschärfter Form, für den neuen Kindle der siebten Generation. Sein einziger Zweck ist es, E-Books aus Amazons Kindle-Angebot lesbar zu machen. Die 20 Prozent zusätzliche Leistung, die der Prozessor des neuen Modells bietet, sind dafür weder wichtig noch spürbar. Ähnliches gilt für den auf vier Gigabyte vergrösserten Speicher.

Der Touchscreen hingegen ist eine deutlich spürbare Erleichterung. Wer ohnehin an die Nutzung von Tablets und Smartphones gewöhnt ist, wird damit viel besser klarkommen als mit den Blätter-Taster der Vorgänger. Auch Textanmerkungen und Markierungen lassen sich damit wesentlich schneller und intuitiver anbringen. Das E-Ink-Display erfüllt seinen Zweck perfekt: Es bildet Text gestochen scharf ab und funktioniert am besten bei hellem Licht.

Schade ist allerdings, dass auch der neue Kindle in einem ähnlichen klobigen Gehäuse steckt wie die Fire-HD-Tablets. Gegenüber dem Vorgängermodell hat er ein wenig zugelegt, wirkt weniger handlich, weniger elegant. Der Unterschied zum Kindle Paperwhite und dem kommenden Kindle Voyage ist überdeutlich.

Fazit

Die neuen Fire-HD-Tablets und der neue Touchscreen-Kindle sind sinnvolle Updates für Amazons Hardware-Angebot. Sie bieten Leistung im Überfluss, gute Bildschirme, ein ausgereiftes Betriebssystem und einen mühelosen Zugang zu Amazons riesigem Film- Musik- und Bücherangebot. Leider wirkt das Äussere der Geräte eher billig.

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