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A supporter of the activist group Anonymous wears a mask during a protest in London, Britain November 5, 2015. REUTERS/Peter Nicholls

Anonymous ist eine anarchische Gruppierung von Hackern ohne klare hierarchische Organisation – jeder, der will, kann mitmachen.
Bild: PETER NICHOLLS/REUTERS

Anonymous will IS-Terroristen mit Trojaner​ in die Falle locken

Das Hacker-Kollektiv kapert die Twitter-Konten der Islamisten und bringt die Propagandamaschinerie ins Stocken. Nun wollen die Netz-Aktivisten die Terroristen offenbar mit einem Trojaner infiltrieren. Gleichzeitig verstärkt der IS seine Cybersicherheit.

20.11.15, 08:02 20.11.15, 16:28

Raffael Schuppisser / Aargauer Zeitung



Anonymous jagt die IS-Terroristen nach den Anschlägen von Paris im Netz. Doch bereits nach dem Attentat auf die Redaktion von «Charlie Hebdo» im Januar starteten die Hacker die Aktion #OpISIS. Gemäss dem Fachmagazin «Foreign Policy» führte das Vorgehen der Hacker dazu, dass 10'000 Twitter-Konten, 150 Websites und 5900 Propaganda-Videos entfernt wurden.

Die Bedrohung durch den IS hat zu einer sonderbaren Allianz zwischen den Hackern und den Behörden geführt. Nach dem Attentat im Juni in Tunesien hat Anonymous dem FBI via eine Sicherheitsfirma Informationen zukommen lassen. Ob diese allerdings tatsächlich geholfen haben, diesen Sommer einen zweiten Anschlag in Tunesien zu verhindern, wie die Hacker behaupten, lässt sich nicht eruieren.

«Ich habe gesehen, dass bereits massgeschneiderte Trojaner im Umlauf sind, um IS-Aktivisten zu infiltrieren.»

Guido Rudolphi, Sicherheitsexperte

Der Schweizer Sicherheitsexperte Guido Rudolphi traut Anonymous auf jeden Fall einiges zu. «In Foren wird derzeit heftig über bevorstehende Attacken diskutiert», sagt der ehemalige Hacker gegenüber der «Nordwestschweiz». «Ich habe gesehen, dass bereits einige massgeschneiderte Trojaner im Umlauf sind, um IS-Aktivisten zu infiltrieren», meint Rudolphi. Und auch an anderen Werkzeugen werde gearbeitet. Die IS-Terroristen sollen dazu gebracht werden, dass sie auf eine manipulierte Website gehen oder einen präparierten Anhang einer E-Mail öffnen und so unbemerkt Software installieren, über die Hacker auf den Computer zugreifen können. Das geht nur, wenn die Mails oder Websites, mit denen man die IS-Aktivisten in die Falle locken will, auf Arabisch formuliert sind und das Interesse der Islamisten wecken.

Gemäss Medienberichten trifft der IS auf jeden Fall bereits Schutzmassnahmen und verbreitet unter den Anhängern Anweisungen, wie man sich gegen Hackerangriffe schützen kann.

Anons und IS-Terroristen: Zwei Phantome im Krieg

Anonymous ist eine anarchische Gruppierung von Hackern ohne klare hierarchische Organisation – jeder, der will, kann mitmachen. Das macht es gemäss Rudolphi schwierig, abzuschätzen, wer mit welcher Ernsthaftigkeit hinter den Aktionen steht. Doch in der Strukturlosigkeit sieht der Sicherheitsexperte auch grosse Vorteile, da sie die für Hacks so wichtige Kreativität nicht unnötig einschränke. Deshalb traut er Anonymous durchaus Erfolge zu, welche den Geheimdiensten mit ihren Massenüberwachungsprogrammen trotz Milliarden-Budget bisher verwehrt blieben.

So unterschiedliche die Werte auch sind, welche die beiden Parteien in diesem «Cyberkrieg» vertreten, das Hacker-Kollektiv Anonymous und der Islamische Staat haben auch überraschend viele Gemeinsamkeiten. Beide bestehen aus dezentral organisierten Zellen, klare Strukturen sind nur schwer auszumachen – das ist beim Hacker-Kollektiv, das nicht einmal einen Anführer hat, freilich noch stärker ausgeprägt.

Beide verbreiten im Netz propagandistische Videobotschaften mit vermummten Gestalten. Hier sind sie in Kapuzenpulli gehüllt als Rächer Guy Fawkes maskiert, dort sind die Schlächter im schwarzen Gewand. Beide agieren im Verborgenen. Zwei Phantome führen Krieg im Cyberspace.

Anonymous erklärt dem IS den Krieg

Das Video wird mit dramatischer Musik eingeleitet, die immer mehr an Fahrt aufnimmt und nichts Nettes erahnen lässt. Dann ist ein Nachrichtensprecher, vermummt mit Kapuzenpulli und Guy-Fawkes-Maske, zu sehen. Er spricht mit monotoner Computerstimme: «Wir werden die grösste jemals geführte Operation gegen euch durchführen.» Und weiter: «Der Krieg ist eröffnet.» Mit dieser Videobotschaft erklärte das Hacker-Kollektiv Anonymous dem Islamischen Staat (IS) am Samstag den Krieg.

Seither hat die Gruppierung mehrere tausend Twitter-Konten lahmgelegt, über die IS-Botschaften verbreitet wurden. Zudem haben die Hacker Listen veröffentlicht, auf denen mutmassliche IS-Aktivisten aufgeführt sind – samt deren Facebook- und Twitter-Accounts und teils auch der Wohnadressen. Gemäss der britischen Tageszeitung «The Independent» wurde so mindestens eine Person enttarnt, die angeblich für den IS Mitglieder rekrutiert. Wenn die bisher noch nicht verifizierten Informationen von Anonymous stimmen sollten, wäre es ein grosser Erfolg für das Hacker-Kollektiv. Denn bisher ist schwierig einzuschätzen, was die Gruppierung tatsächlich gegen den IS ausrichten kann.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • StealthPanda 20.11.2015 11:01
    Highlight Sehr Intelligente Medien. Ja warnt die Daesh ruhig damit sie ja keine Mails mehr öffnen und dadurch eine Attacke voller Erfolg wird...
    22 4 Melden
    • tschoo 20.11.2015 14:19
      Highlight Ist ja nicht so, dass erst seit heute bekannt ist, dass man nicht alle Anhänge blind öffnen sollte.
      4 2 Melden
    • StealthPanda 20.11.2015 16:21
      Highlight Ja klar das gehört zum 1x1 des Internets. Doch hier werden gezielte Angriffe vorbereitet und den gegner über die Strategie aufklären ist dabei sehr unvorteilhaft. Oder zeigst du bei Pokern deine Karten und hoffst dann das deine gegner keine Strategie darauf aufbauen?
      5 2 Melden
    • tschoo 20.11.2015 18:32
      Highlight Jemandem zu sagen, dass man auf Trojaner aufpassen soll, ist wie beim Pokern zu sagen, dass man Karten in der Hand hält - obvious. Aber ich weiss schon, was du meinst. Jedoch werden im Artikel ja keine Details genannt, die nicht sowieso schon klar sein dürften. Und zudem werden die Terroristen kaum täglich Watson lesen ;)
      4 1 Melden
  • Zeit_Genosse 20.11.2015 10:15
    Highlight Anons gegen Daesh. Ein anarchisches Hakerkollektiv gegen eine Terrorgruppierung. Ich mag bei beiden nicht von Organisation im klassischen Sinn sprechen, da die Gruppierungen sehr autonom ohne Kopf (aber mit einer gemeinsamen Ideologie) operieren. Das macht sie beide schwer oder unfassbar. Eine Organisation zeichnet sich durch erkennbare Strukturen aus, wenn man sie denn aufdeckt (z.B. organisierte Kriminalität).
    4 2 Melden
    • Matrixx 20.11.2015 11:09
      Highlight Ob du's glaubst oder nicht. Die Ideologie hinter Anon mag anarchistisch wirken. Aber hast du schon mal erlebt, dass eine unstrukturierte Gruppe ohne Anführer und Hierarchie eine Operation völlig selbständig gemeinsam durchführt?

      Ist in dem Sinne auch eine Organisation, einfach ohne entsprechend hierarchische Ordnung.
      9 0 Melden
  • strudel 20.11.2015 08:43
    Highlight gay-fawkes-maske? wohl eher guy
    37 1 Melden
  • Matrixx 20.11.2015 08:26
    Highlight Das läuft dann in etwa so ab, wie im Film "Who Am I" - drückt dir jemand eine Pferdestatue in die Hand, lass sie fallen...

    Wäre durchaus als Lehrfilm für Daesh geeignet...
    11 1 Melden
    • droelfmalbumst 20.11.2015 09:28
      Highlight geiler film!!!
      4 2 Melden
    • Matrixx 20.11.2015 11:05
      Highlight @droelfmal

      Das bezweifle ich nicht. Aber man sollte ihn nicht sehr ernst nehmen.
      0 2 Melden
    • droelfmalbumst 20.11.2015 12:05
      Highlight naja.. mit geiler film meine ich mehr die art und weise... man wird als Zuschauer relativ gut verarscht wie ich finde mit der ganzen schizo seite... am ende dann doch kein schizo.. dann doch wieder... dann wieder nicht... brain burning :D
      2 2 Melden
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