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Schlechte Apple-Zahlen: Die grosse Zeit des iPhones ist vorbei

Apple verkauft weniger iPhones, der Umsatz bricht ein: Der wertvollste Konzern der Welt ist schockierend normal geworden. Diese Geschäftsfelder sollen die Rettung bringen.

27.04.16, 16:43

Alexander Demling



40 Jahre Apple – Diese Meilensteine musst du kennen (29.3.2016)

Ein Artikel von

Apple-Gründer Steve Jobs verfügte über eine Gabe, die seine Mitarbeiter - halb spöttisch, halb bewundernd - das «Realitätsverzerrungsfeld» nannten. Nachrichten, die nicht zu seinen Visionen passten, ignorierte der legendäre Gründer des Computer-Konzerns stur oder deutete sie so geschickt um, dass sie seine Pläne eben doch stützten.

Tim Cook könnte die beinahe übersinnlichen Kräfte seines 2011 verstorbenen Vorgängers im Apple-Chefsessel gut gebrauchen. Als der eher schüchterne, oft distanziert wirkende Südstaatler bei der Vorstellung der Zahlen am Dienstagabend seinem Unternehmen eine «glänzende Zukunft» bescheinigte, nahm das kaum ein Analyst ernst. Die Aktie stürzte im vorbörslichen Handel um acht Prozent ab: 47 Milliarden Dollar Börsenwert, vernichtet in wenigen Stunden.

FILE - In this April 30, 2015 file photo, Apple CEO Tim Cook responds to a question during a news conference at IBM Watson headquarters, in New York. The dispute over whether Apple must help the FBI hack into a terror suspect's iPhone is about to play out in a Southern California courtroom. The hearing Tuesday, March 22, in U.S. District Court in Riverside is the first in the battle that has seen Cook and FBI Director James Comey spar over issues of privacy and national security. (AP Photo/Richard Drew, File)

Tim Cook
Bild: Richard Drew/AP/KEYSTONE

Der Auslöser: Apples Umsatz sank im vergangenen Vierteljahr von 58 auf 50.6 Milliarden Dollar, das unterbot selbst die verhaltenen Expertenprognosen - und beendete eine seit 2003 andauernde Serie steigender Umsätze gegenüber dem Vorjahresquartal. Auch blieb weniger Gewinn bei dem iPhone-Entwickler hängen: nur noch 10.5 Milliarden Dollar (9.3 Milliarden Euro).

Apple löst so viel Kursfantasie aus wie die Allianz

10.5 Milliarden Dollar Gewinn? Jenseits des Börsianer-Planeten wundern sich viele schon lange über die Abgesänge auf die noch immer hochprofitable iCompany. 53.4 Milliarden Dollar verdiente Apple im Geschäftsjahr 2015, mehr als jedes Privatunternehmen in der Geschichte des Kapitalismus.

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Das erwartet niemand mehr. Die Börse hat sich bereits damit abgefunden, dass Apple ein geradezu normaler Konzern geworden ist. Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), einem Indikator für Aktionärs-Optimismus, löst Apple nur noch so viel Bauchkribbeln aus wie die Allianz oder die Münchner Rück. Googles KGV liegt mehr als doppelt, Facebooks viermal so hoch.

Am Aktienmarkt werden aber Zukunftsaussichten gehandelt - und da geht es bei Apple derzeit steil abwärts.

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Für das kommende Geschäftsquartal rechnet Apple mit weiter deutlich fallenden Erlösen auf dann noch 41 bis 43 Milliarden Dollar. In China, Apples wichtigstem Absatzmarkt, droht eine Wirtschaftskrise. Von «starkem makroökonomischen Gegenwind» spricht Cook in seiner Pressemitteilung.

iCloud und Music sollen Wachstum bringen

Und dann ist da die Durststrecke bis zum nächsten iPhone-Modell: Erst im September kommt das «Siebener» auf den Markt, das iPhone 6 ist aber schon seit September 2014 in den Läden. So langsam hat sich jeder, der eins der Riesen-Smartphones will, auch eines gekauft. Um 16 Prozent ging der Absatz im vergangenen Quartal nach unten.

Zwei Drittel seines Umsatzes macht der Konzern aus Cupertino mit dem Telefon. Fällt der, bekommt die Apple-Bilanz einen tiefen Knacks.

Seit einiger Zeit versucht Apple deshalb, dem iPhone weitere Umsatzbringer zur Seite zu stellen, etwa die Apple Watch. Die smarte Armbanduhr dominiert ihr Segment, wie gross dieses aber überhaupt ist, steht noch in den Sternen. Immerhin: Laut Schätzungen des Marktforschungsunternehmens Bernstein verkaufte Apple im ersten Jahr 12 bis 13 Millionen Uhren. iPhones verkaufte Apple im ersten Jahr nur halb so viele.

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Viel Hoffnung setzt das Unternehmen auch in seine Services, mit denen es im abgelaufenen Quartal sechs Milliarden Dollar verdiente - inzwischen mehr als mit dem Mac.

Die Einnahmen aus dem App Store, wo Apple 30 Prozent jedes App-Kaufs kassiert, legten um ein Drittel zu.

Auch der Streamingdienst Apple Music wächst weiter: Hatte er zu Jahresbeginn noch 10 Millionen Abonnenten, waren es nun bereits 13 Millionen. Musikindustrie-Experten rechnen gar damit, dass Apples Angebot in absehbarer Zeit Spotify als Marktführer ablösen wird.

Auch in den Speicherdienst iCloud setzt Apple Hoffnungen. Zahlen weist der Konzern hier aber nicht aus.

Bei allen Diensten kann Apple seine alte Stärke ausspielen: Wer einmal im geschlossenen OS-Universum unterwegs ist, landet fast automatisch bei Apples Diensten. Seine Apps sind vorinstalliert, Drittanbieter müssen ihre Apps in Cupertino überprüfen lassen.

Allerdings ist Apple in fast allen Service-Märkten Nachzügler. Googles Android-Betriebssystem nutzen weltweit viel mehr Menschen als iOS, Spotify hat noch mehr Abonnenten als Apple Music und neben iCloud gibt es bereits Dropbox, WeTransfer und andere. Nirgendwo ist ausgemacht, dass Apple den Markt so aufrollt wie einst den für Smartphones.

Das war es 2007 allerdings auch nicht, als das erste iPhone-Modell auf den Markt kam. Blackberry und Nokia hatten bereits für die Zeit respektable Smartphones auf dem Markt, und viele Beobachter zweifelten, ob die Welt auf Apples Telefon - ohne UMTS, ohne einen grossen App-Katalog und mit eintägiger Akku-Laufzeit - wirklich gewartet hatte.

Steve Jobs sagte bei seiner inzwischen legendären Präsentation, man werde «heute gemeinsam ein Stück Geschichte schreiben» - und tat damit etwas, was seinem Nachfolger noch gelingen muss: Er verzerrte die Realität nicht einfach.

Er schuf eine neue.

Zusammengefasst: Apple hat im abgelaufenen Quartal einen empfindlichen Umsatz- und Gewinneinbruch erlitten: Der iPhone-Absatz geht zurück, das wichtige China-Geschäft lahmt. Nur langsam gelingt es dem Konzern, seine Abhängigkeit von dem beliebten Smartphone zu lösen. Immerhin steigen die Umsätze aus Services wie Apple Music oder dem App Store.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Digital Swiss 27.04.2016 20:17
    Highlight In Cupertino überlegt man seit Jahren, wie man die riesigen Bargeldreserven sinnvoll investieren kann. Rund 200 Milliarden Dollar hat Apple laut aktuellen Geschäftszahlen auf der hohen Kante. Geld, das in der Nullzinsära besser eingesetzt werden kann. 🍾

    http://goo.gl/Bcwj56
    3 1 Melden
  • Digital Swiss 27.04.2016 20:12
    Highlight Also wenn meine Bude nur noch 10 Md. Gewinn einfährt, werfe ich gleich die Flinte ins Korn. Versprochen. 😅
    5 0 Melden
  • swissda 27.04.2016 17:03
    Highlight Die grosse Zeit des iPhones ist vorbei, weil Apple in 3 Monaten nur 50.6 Milliarden Dollar verdient hat. Wie pervers ist das denn?
    Schade, ist der Autor nicht in der Lage, besser zu differenzieren. Apple verkauft nicht weniger Geräte, weil sie niemand mehr will, sondern weil jeder, der eins haben will, eins hat. Ergo: Weniger Umsatz heisst nicht automatisch, dass es auch weniger Apple-Kunden gibt.
    Dasselbe Theater gabs übrigens schon vor einiger Zeit bei Samsung, auch deren Tod wurde aufgrund fehlendem Wachstum vorhergesagt. Oh Wunder sind aber auch die im Markt noch immer sehr gut etabliert
    28 4 Melden
  • Tornado 27.04.2016 16:55
    Highlight Apple ist doch das Sinnbild für die Wirtschaft wie es langfristig nicht mehr gehen kann.
    Es ist doch schlicht unmöglich die Zahlen jedes Quartal zu toppen und immer noch mehr zu verdienen.
    Auch wenn Apple nun ein 'schlechtes' Quartal hat verdienen sie immer noch unverschämt viel, 20% Gewinnmarge. Und viele fluchen über die achso bösen Detailhändler, welche sich aktuell mit 3 - 4% Gewinnmarge zufrieden geben müssen.
    28 4 Melden
    • Ollowain 27.04.2016 18:41
      Highlight Völlig richtig. Leider sind fast alle Menschen "wirtschaftsblind". Fast niemand merkt, dass exponentielles Wachstum nicht gut enden wird (bei Bakterien sorgt die Umwelt -zBsp. Bakteriophagen-dafür, dass exp. Wachstum aufhört, bei uns wäre das zBsp. Ressourcenknappheit und Chaos) und dass unser Geldsystem Grund oder wenigstens ausschlaggebend dafür ist (Schuldenblase).
      5 1 Melden
  • Micha Moser 27.04.2016 16:49
    Highlight Sagt man das nicht schon seit Jahren? Möchte Apple nicht in Schutz nehmen, die Zahlen sprechen für sich aber ich denke nicht das Apple in den nächsten Jahren von der Bildfläche verschwindet.
    20 1 Melden
    • super_silv 27.04.2016 23:23
      Highlight Niemand sagt das sie von der Bildfläche verschwinden. Aber der grosse Hype könnte abflachen. Ich kenne viele die von einem IPhone auf Android gewechselt haben, weil sich nicht jeder so ein teures Gerät leisten kann. Zudem hat Google Design mässig mit dem MaterialDesign ziemlich aufgeholt. Android Apps können auf jeder Beliebigen Platform entwickelt werden, IOS Apps nur mit einem Mac. Google bietet für entwickler auch Play-Dienste an, die man als kleines EntwicklerTeam gratis benutzen kann um in echtzeit Spieler gegeneinander antreten zu lassen. All dies lässt eine bessere App vielfalt zu.
      2 1 Melden

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