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Arbeiten bis zum Umfallen

Undercover-Reporter deckt die «gebrochenen Versprechen» von Apple auf

Apple hatte versprochen, die Arbeitsbedingungen bei den Zulieferbetrieben zu verbessern. Doch eine bei YouTube verfügbare Doku zeigt Erschreckendes. Betroffen ist eine ganze Branche.

19.12.14, 12:07 19.12.14, 17:56

Der Trailer zu den jüngsten Enthüllungen. video: youtube

Chinesische Fabrikarbeiter, die vor Erschöpfung am Fliessband einschlafen. Und Minderjährige in Indonesien, die unter Lebensgefahr mit blossen Händen im giftigen Schlamm graben.

Das sind nur zwei beunruhigende Enthüllungen einer neuen BBC-Reportage. Der Titel «Apple's Broken Promises» bezieht sich auf frühere Versprechen des US-Konzerns, sich für bessere Produktionsbedingungen bei den Zulieferbetrieben einzusetzen.

In trauriger Erinnerung ist eine Suizid-Serie beim wichtigsten Apple-Partner Foxconn in China. Nun berichtet die BBC von schlimmen Zuständen beim Apple-Partner Pegatron. Die Zusagen, die Apple 2010 öffentlich gemacht hatte, würden «routinemässig übergangen». Fabrikarbeiter müssten regelmässig 60 oder mehr Stunden pro Woche arbeiten. Ein Undercover-Reporter hat heimlich gefilmt, wie die Leute während 12-Stunden-Schichten vor Erschöpfung einnickten. Ein Kündigungsgrund...

«Faire und sichere Arbeitsbedingungen»

Apple hat die im Bericht geäusserten Vorwürfe zurückgewiesen. Kein anderes Unternehmen tue «so viel wie Apple, um faire und sichere Arbeitsbedingungen zu garantieren». Man arbeite eng mit den Zulieferbetrieben zusammen und stelle deutliche Verbesserungen fest. «Wir wissen aber auch, dass unsere Arbeit nie getan ist.» 

Dass die Fabrikarbeiter in den Pausen ein Nickerchen machten, sei üblich. Man werde aber die BBC-Hinweise überprüfen, dass Leute während der Arbeit einschliefen. Eine Auswertung der Arbeitszeit von über einer Million Pegatron-Angestellten habe ergeben, dass durchschnittlich 55 Stunden pro Woche gearbeitet werde.

Bleibt anzumerken, dass Apple nicht der einzige Konzern ist, der an den Pranger gehört. Ob Samsung, Microsoft oder HTC: Alle grossen Elektronikhersteller arbeiten mit Zulieferbetrieben rund um den Globus und profitieren von tiefen Löhnen und mangelndem Umweltschutz. Die Kunden sind ebenfalls in der Verantwortung, weil sie trotz Kenntnis der schlimmen Zustände immer wieder neue Gadgets kaufen.

Das US-Magazin Forbes weist darauf hin, dass die Probleme bei den Zulieferfirmen schon mehrfach thematisiert worden seien. Verbesserungen seien nicht über Nacht zu erreichen, sondern eher eine Frage von Jahrzehnten. Dies hänge mit den komplizierten politischen und kulturellen Gegebenheiten in den Ländern zusammen. Immerhin habe Apple etwa bei Foxconn erreicht, dass höhere Löhne bezahlt würden.

Die eindrückliche BBC-Reportage ist bei YouTube in voller Länge verfügbar:

Die Reportage dauert rund eine Stunde. video: youtube

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9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Chancentod 21.12.2014 12:18
    Highlight 60 Stunden Woche ist doch inzwischen auch in Deutschland fast schon normal, ich habe auch permanent ne 55-60 Stunden Woche und bin auch kein Manager, das ist mittlerweile der ganz normale Wahnsinn der Arbeitswelt weltweit!
    0 2 Melden
  • Schweizermacher 20.12.2014 14:07
    Highlight Und bei Samsung ist natürlich alles anders...

    (Mega Triple Atom Facepalm)
    5 5 Melden
    • Alnothur 20.12.2014 19:15
      Highlight Nur den Titel gelesen, was?
      5 1 Melden
  • Benja 20.12.2014 13:37
    Highlight Solche Reportagen haben wenig Einfluss auf das Image von Apple. Denn die Marke baut nicht auf Fairness – vielmehr auf Sorglosigkeit. Wenn also etwas unfair läuft im Hintergrund, will der eingeschworene Kunde nur eines – sorglos bleiben.
    6 2 Melden
  • Gelöschter Benutzer 19.12.2014 17:41
    Highlight Apple ist ein Unternehmen, das kein Interesse am Wohlergehen der Menschen hat, sondern nur marktwirtschafliche gewinnmaximierende Ziele verfolgt.
    16 6 Melden
    • Oberon 19.12.2014 21:12
      Highlight Völlig richtig und das beherrschen sie definitiv perfekt.

      Aber auch Apple wird irgendwann an dem Punkt stehen wo ihr Kartenhaus in sich zusammenfällt.
      6 7 Melden
    • one0one 20.12.2014 12:41
      Highlight Der Punkt ist schon lange erreicht. Seit Steve Jobs nicht mehr die Fäden zieht ist es ein Unternehmen wie jedes andere.
      Das Apple immer noch so viele überteuerten Geräte verkaufen kann, liegt einzig daran, dass der Steve-Jobs-Effekt noch eine Weile nach seinem Tod anhält.
      5 3 Melden
  • Pieter 19.12.2014 12:56
    Highlight Ist mit Vorsicht zu lesen! Im der heutigen Zeit wo man alles schneiden und wieder zusammen setzen kann.
    5 18 Melden
    • Gelöschter Benutzer 19.12.2014 17:39
      Highlight Die BBC geniesst einen guten und seriösen Ruf.
      16 3 Melden

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