Digital

Blogger John Gruber im Interview

Besessen von Apple 

Kaum jemand feiert Apple so ab wie der Blogger John Gruber. Sein Blog «Daring Fireball» ist eine der wichtigsten Anlaufstellen für Neuigkeiten über iPhones und iPads. Als Fan sieht er sich trotzdem nicht. 

11.10.14, 21:11 13.10.14, 06:52

Ole Reissmann / Spiegel Online

Ein Artikel von

Auf seiner Seite Daring Fireball schreibt John Gruber seit zwölf Jahren über Apple und die IT-Industrie. Oft sind es nur kurze Hinweise auf andere Artikel, manchmal ellenlange Essays – über das mobile Web, das neue iPhone oder die Pixeldichte und Grösse von Displays. 

Wer die neuesten Apple-Gerüchte sucht, findet hier nur die spöttische Kommentierung dazu. Gruber geht lieber auf Nummer sicher. Das zahlt sich aus: Wenn er doch einmal spekuliert, führt das zu Schlagzeilen. Was der 41-Jährige schreibt, hat das Potenzial, den Börsenkurs des Unternehmens zu beeinflussen. 

Kaum jemand hat einen so grossen Einfluss auf die Apple-Berichterstattung wie er. Nicht einmal die notorisch öffentlichkeitsscheue Pressestelle des Unternehmens. Der King of the Apple Geeks bekommt Tipps von Insidern, die Firma behandelt ihn mittlerweile wie sonst nur eine Handvoll ausgewählter Journalisten. 

Fünf Millionen Abrufe zählt «Daring Fireball» im Monat. Dabei sieht die Webseite immer noch so aus wie zum Start: dunkelgrauer Hintergrund, viel Text, ein paar Links und keine Fotos. «Daring Fireball» hat nicht mal eine Mobilversion. 

Für Gruber ist der Blog ein Vollzeitjob. Eine Anstellung als Softwareentwickler hat er vor Jahren aufgegeben. Er lebt seit 2006 vom Bloggen. Eine winzige Anzeige, dazu Sponsoren im Wochenrhythmus, hin und wieder T-Shirts für treue Fans, so verdient er mit «Daring Fireball» Geld. Apples Erfolg ist dabei auch der von John Gruber. Ein Interessenkonflikt? 

SPIEGEL ONLINE: Sie sind besessen von Apple, Fan wollen Sie aber nicht genannt werden. Warum?
John Gruber: Wenn man Fan einer Sportmannschaft ist, dann hält man zu ihr, in guten wie in schlechten Zeiten. In gewissem Sinne halte ich zu Apple: Ohne den Konzern würde die gesamte IT-Branche an schlechtem Design ersticken. Genau das ist in den Neunzigern passiert, als es Apple schlecht ging und Microsoft den Markt dominiert hat. Das Design litt, die Software auf Hunderten von Millionen Computern war Schrott. Aber mein Job ist es, genau hinzusehen: Wenn sich die Apple Watch als unnütz erweist, werde ich das so schreiben. 

Ihr Enthusiasmus für Apple scheint keine Grenzen zu kennen.
Was ich in den vergangenen fünf, sechs Jahren über Apple geschrieben habe, ist überwiegend positiv. Der Konzern hatte eine unglaublich erfolgreiche Zeit. Wenn jemand schreibt, Apples Produkte seien einerseits gut, andererseits schlecht, so lala, dann geht das am Punkt vorbei. Apple hatte in diesen Jahren aussergewöhnlichen Erfolg und gute Produkte.

Sie haben als Blogger angefangen, nun sind Sie auf Augenhöhe mit den tonangebenden Journalisten. War das der Plan?
Nein. Ich wollte vom Bloggen leben können, habe aber nie gedacht, dass ich damit so respektiert werden würde. Als das erste iPhone herauskam, haben nur vier Medien ein Testexemplar vorab bekommen. New York Times, Wall Street Jounal, Newsweek und USA Today. Ich habe mir nicht träumen lassen, einmal zu diesem Kreis dazuzugehören, ohne grosses Medienhaus im Hintergrund.

Hat sich Apple jemals über einen Ihrer Blogeinträge beschwert?
Nein, und es gab niemals irgendwelche Bedingungen. Ich habe zur Vorstellung des ersten iPhone eine Einladung bekommen, das war ein Höhepunkt meiner Karriere. Das erste Testgerät bekam ich aber erst acht Monate später. Seitdem bekomme ich Geräte vorab.

Ohne Bedingungen?
Es gibt nur eine Sperrfrist und ich darf die Geräte nicht vorher öffentlich zeigen. Aber schon mit dem nächsten Gerät könnte Apple sich anders entscheiden, das weiss ich einfach nicht. Ich rechne nicht fest mit einem Testgerät. Apple erklärt nicht, wie sie auswählen, wer ein Testgerät bekommt.

Sie haben Quellen bei Apple. Wo noch, in China?
Nein. Ich lese zwar die Meldungen über die Produktion in Asien, aber ich gebe da nicht zu viel drauf. Wer auch immer das neue iPhone-Display herstellt, irgendjemand wird das schreiben. Dafür wird eine andere Meldung eine falsche Angabe machen. Es gibt sehr viele dieser Gerüchte, die sich als falsch herausstellen. So ist das auch mit Patenten: Menschen drehen durch! Apple reicht 50-mal mehr Patente ein, als sich davon später in Produkten wiederfinden. So funktioniert eben das Patentsystem.

Wie gehen Sie mit Gerüchten um?
Ich streife sie, wenn es interessant wird. Wo es eine Menge Rauch gibt, da brennt es, sagen wir in den USA. Aber meistens gibt es genug über Produkte zu schreiben, die wirklich auf den Markt kommen. Die Webseiten und Autoren, die sich auf Gerüchte konzentrieren, kommen niemals hinterher. Es gibt immer ein neues Gerücht. Sie nehmen sich nicht die Zeit, zu würdigen, was tatsächlich erhältlich ist.

Ihr Einfluss ist so gross geworden, dass Spekulationen von Ihnen zu Nachrichten werden.
Ja, das ist mir im August mit Motorolas Smartwatch Moto 360 passiert. Die wurde im Juni vorgestellt, aber damals immer noch nicht ausgeliefert. Also habe ich geschrieben: Es wäre lustig, wenn sie auch dann noch nicht erhältlich ist, wenn Apple kommenden Monat sein Handgelenkgerät vorstellt. Plötzlich gab es Aufmacher auf Seiten wie The Verge, Apple stelle im Oktober seine Uhr vor. Dabei habe ich das nie so gesagt.

Angesichts des Apple-Hypes könnte ein Eintrag in Ihrem Blog den Aktienkurs beeinflussen.
Deswegen habe ich keine Apple-Aktien. Ich glaube nicht, dass das ein schlechtes Investment wäre, aber ich schreibe über die Firma und ich möchte mir keine Gedanken über einen möglichen Interessenkonflikt machen. Durch Apples Erfolg ist mein Schreiben erfolgreicher geworden. Mehr muss ich nicht profitieren.

Wie geht es weiter mit Apple?
Die Liste der Gerüchte ist fast abgearbeitet, nachdem die Uhr jetzt vorgestellt wurde. Ein Fernseher steht immer noch an, aber ich glaube nicht, dass sie sich daranwagen werden. Es gibt seit Jahren Gerüchte, Apple habe Patente auf flüssiges Metall. Bis jetzt haben wir dazu noch nichts gesehen.

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
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