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Minder ist eine Tinder-Kopie mit klarer Zielgruppe. screenshot: minderme

Heiraten statt Flirten

Jetzt gibt es eine Dating-App für Muslime mit «Religiositätsbarometer»

Minder funktioniert wie das Vorbild Tinder, richtet sich aber explizit an Muslime und bietet einige Extras wie ein «Religiositätsbarometer».

02.03.15, 12:54

Katharina Pfannkuch



Ein Artikel von

Manchmal kann es Haroon Mokhtarzada selbst kaum glauben: Seit elf Jahren ist er glücklich verheiratet. «Ich frage mich wirklich, wie wir das hingekriegt haben», sagt der 35-Jährige. Dabei verblüfft ihn sein Eheglück weniger als die Tatsache, dass er seine Traumfrau überhaupt traf. Seine Dating-App Minder soll es ledigen Muslimen leichter machen, eine ebenso glückliche Ehe zu schliessen.

Die Partnersuche sei für Muslime wie ihn nicht immer einfach, erzählt der Sohn afghanischer Einwanderer, der mit seiner Frau und drei Kindern in Washington lebt. Unverbindliche Flirts bei Drinks an der Bar etwa würden für viele praktizierende Muslime wegfallen und viele Paare würden von Verwandten verkuppelt, behauptet er. «Aber immer mehr Muslime möchten ihre Partner selbst aussuchen.»

«Die Frauen müssen sich wohlfühlen.»

Haroon Mokhtarzada, Minder

Diverse partnerlose Bekannte brachten den Harvard-Absolventen auf die Idee, einen Webdienst zu konzipieren. Das Internet ist schliesslich Mokhtarzadas Fachgebiet: 2001 gründete er mit seinen Brüdern das Unternehmen Freewebs, 2012 verkaufte er es unter dem Namen Webs.com für stolze 117 Millionen US-Dollar an Vistaprint.

Für die App braucht man vorläufig noch eine Einladung. screenshot: minderme

Das grösste Potenzial für die Partnersuche sah Mokhtarzada bei Tinder. Die App zeigt Fotos von Nutzern in einem festgelegten Umkreis an. Überzeugt der erste Eindruck nicht, wischt man nach links, bei Interesse nach rechts. Wischt auch die andere Person nach rechts, können die «Matches» kommunizieren.

Allein in Deutschland hat Tinder rund zwei Millionen Nutzer, weltweit sind es 600 Millionen, darunter viele Muslime. Wer von ihnen mit ernsten Absichten tindert, klickt und wischt mitunter stundenlang durch Profile – stets in der Hoffnung, sein muslimisches Traum-Match zu finden.

Doch viele Nutzer suchen auf Tinder statt Hochzeitskandidaten eher schnelle Abenteuer. Also erweiterte Mokhtarzada für seinen Dienst die Profile: Neben einem persönlichen Satz können Beruf, Ethnie und religiöse Richtung angegeben werden. Sogar ein «Religiositäts-Barometer» gibt es. «Praktizierende Muslime suchen meist einen ähnlich eingestellten Partner, sogenannte Kulturmuslime gehen lockerer mit Religion um», erklärt Mokhtarzada.

Haroon Mokhtarzada: «Viele Musliminnen haben Angst um ihren Ruf.» Bild: minderme

«Online-Dating macht Spass, ist cool und alles andere als peinlich»

Das Ergebnis von Mokhtarzadas Arbeit heisst Minder und ist seit dem Valentinstag online. Bisher nutzen knapp 8400 geladene Nutzer die App, in einigen Tagen wird sie öffentlich verfügbar sein. Der wichtigste Unterschied zum Vorbild besteht darin, dass sich Minder explizit an heiratswillige Muslime richtet – zumindest bei der Vermarktung.

Gänzlich neu ist solch ein Angebot nicht. Plattformen wie Ishqr und Salaam Swipe bedienen dieselbe Zielgruppe, das Portal Muslimlife ging bereits 2008 online.

Mit diesen Angeboten tun sich jedoch vor allem weibliche Nutzer oft schwer: «Viele Musliminnen haben Angst um ihren Ruf und fürchten, verzweifelt zu wirken, weil sie online einen Partner suchen», sagt Mokhtarzada. Mit Minder möchte er Dating-Apps vom Image des letzten Auswegs für schwer zu vermittelnde Fälle befreien: «Onlinedating macht Spass, ist cool und alles andere als peinlich.»

Zunächst ist Minder in den USA und Grossbritannien verfügbar, dann soll Europa folgen, natürlich auch Deutschland. Dass in Deutschland Interesse besteht, kann sich auch der Berliner Muslim Younes Al-Amayra vorstellen: «Ehe und Heirat sind so zentrale Themen unter jungen Muslimen, dass eine solche App sicher viele Nutzer finden würde», meint er. Der 29-Jährige ist Mitbegründer des erfolgreichen Projekts i,Slam, schreibt seine Doktorarbeit und entspricht genau Mokhtarzadas Zielgruppe: jung, muslimisch, gebildet – und ledig.

«Viele muslimische Paare lernen sich heute über gemeinsame Bekannte kennen», erzählt Al-Amayra. Die Familie sei nicht mehr die erste und einzige Instanz bei der Partnersuche. Al-Amayra betont: «Eine solche App muss absolut seriös sein und gewisse religiöse Parameter erfüllen, damit sie funktioniert und auch Musliminnen sie gern nutzen».

Mokhtarzada zielt mit seinem Marketing daher besonders auf potenzielle Nutzerinnen: «Die Frauen müssen sich wohlfühlen, das ist das Wichtigste», sagt er. Und die Männer? «Die kommen schon von ganz allein.»

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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    Alle Leser-Kommentare
  • andrin_1998 02.03.2015 14:37
    Highlight ich warte nur noch auf das Dating App für Juden ;)
    12 0 Melden

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