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NEW YORK, NY - APRIL 07:  People attend a Bitcoin conference on at the Javits Center April 7, 2014 in New York City. Topics included market places to trade bitcoin, mining hardware to harvest bitcoins and digital wallets to store bitcoins. Bitcoin is one of the most popular of over one hundred digital currencies that have recently come into popularity.  (Photo by Andrew Burton/Getty Images)

Eine Bitcoin-Konferenz Anfang April in New York. Die Kryptowährung sei bedroht, heisst es. Bild: Getty Images

Wegen Cloud-Mining

Ernsthafte Gefahr oder Panikmache? Der virtuellen Währung Bitcoin droht ein jähes Ende

Eine einzige Organisation hatte zeitweilig die Kontrolle über die Kryptowährung Bitcoin, warnen amerikanische Informatiker. Es müsse schleunigst etwas gegen Mining-Zusammenschlüsse unternommen werden. 

16.06.14, 15:33

Ein Artikel von

Zwei Informatiker der amerikanischen Cornell University fürchten um die die Zukunft der virtuellen Währung Bitcoin. Ihren Untersuchungen zufolge steuerte ein einziger Akteur mehrmals über die Hälfte der in Bitcoin investierten Rechenkraft bei. Das sei eine grosse Gefahr. 

Bitcoin werden berechnet, Mining nennt man das, «Schürfen». Dafür braucht man ordentlich Rechenleistung. Wer die nicht hat, kann sich Hilfe holen: Ghash.io zum Beispiel ist ein anonymer Dienstleister, der die Rechenkraft sogenannter Bitcoin-Miner vermietet und ihnen so die Berechnung von Bitcoin leichter macht. Derzeit sollen sich nach eigenen Angaben 180'000 Miner an Ghash beteiligen.

Nun hatte Ghash laut den beiden Informatikern über zwölf Stunden regelmässig de fakto das Sagen über die Kryptowährung. Das, so Ittay Eyal und Emin Gün Sirer im Blog «Hacking, Distributed», sollte Grund genug sein für eine neue Version von Bitcoin und Massnahmen gegen solche Mining-Zusammenschlüsse.

Gefährliche Zusammenschlüsse

«Ghash hatte die komplette Kontrolle darüber, welche Transaktionen in der Blockchain auftauchen und welche Miner Bitcoins gutgeschrieben bekommen. Sie könnten alle Mining-Profite für sich behalten, wenn sie wollten.» Die wertvolle Bitcoin-Datenbank werde von einer einzigen Organisation kontrolliert, die dafür überdies enorm viel Energie aufbieten müsse.

Betrieben wird der Dienst von der Bitcoin-Börse CEX.io. «Niemand weiss, was Ghash letztlich vor hat», warnen Elal und Sirer. Auch wenn man annehme, dass Ghash nur Gutes im Sinne habe, sei diese Entwicklung absolut schädlich für Bitcoin als Währung, deren Dezentralität doch so wichtig sei. Dass Mining-Zusammenschlüsse eine Gefahr für solche neuartigen Zahlungsmittel seien, sei ja schon lange bekannt und Lösungen längst vorgeschlagen.

Versprechen gebrochen?

Dem Tech-Blog Ars Technica schrieb Ittay Eyal, wer 51 Prozent der Bitcoin-Rechenleistung bereitstelle, könne kontrollieren, welche Bitcoin-Transaktionen stattfinden. Er sei «ein Monopolist, der beliebig Transaktionskosten festlegen oder Transaktionen blockieren kann.» Das würde dem Grundgedanken der virtuellen Währung widersprechen, die als freies System, unabhängig von jeglicher Kontrolle konzipiert sei.

Dass ihre Ansammlung von Bitcoin-Rechenkraft problematisch ist, wissen auch die Betreiber von Ghash. In einer Stellungnahme (PDF) erklärte die Organisation: «Die zusätzliche Bitcoin-Rechenleistung im Pool ist begrüssenswert, aber mehr als 51 Prozent aller Rechenkraft zu erreichen, ist eine ernsthafte Gefahr für die Bitcoin-Community.» Man werde verhindern, jemals diese Grenze zu überschreiten, heisst es weiter. Ein Versprechen, das Eyal und Sirer nun widerlegt sehen.

Bitcoin-Verband sieht keine Gefahr

Das zentrale Bitcoin-Wiki nennt «viel Rechenleistung» als einen möglichen Angriffspunkt gegen die Währung, sieht aber keine konkrete Gefahr darin. Der deutsche Bundesverband Bitcoin erklärte auf Anfrage, dass er die Warnung der beiden Informatiker für «übertrieben dramatisch» halte. «Zwar ist es mit 51 Prozent der Hashrate durchaus möglich das Netzwerk anzugreifen und Transaktionen zu löschen. Allerdings ist es aus mehreren Gründen praktisch sehr unwahrscheinlich, dass es in der Realität umgesetzt wird.»

Eine solche Attacke wäre offen erkennbar und teuer – vor allem aber wäre sie nicht im Interesse der beteiligten Miner. Deshalb sehe der Bundesverband Bitcoin zum derzeitigen Zeitpunkt keinen Grund für Zweifel an der Integrität des Systems.

(kno)



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