Digital

Internetcafé in Peking: Wikipedia in fünf Sprachen von der Suche ausgenommen  Bild: AP

US-Dienst Bing: Microsoft zensiert in China strenger als landeseigene Suchmaschine

Microsofts Suchmaschine Bing steht in der Kritik: Laut einer Studie filtert der US-Dienst seine Ergebnisse in China noch strenger als etwa der landeseigene Anbieter Baidu. 

20.03.14, 13:24 20.03.14, 13:47

Ein Artikel von

Judith Horchert, spiegel

Die chinesische Bing-Version zeige für bestimmte Begriffe gar keine Ergebnisse an, moniert die Studie. Demnach existieren schwarze Listen für Begriffe und Adressen, ganze Websites kommen nicht vor – darunter bis vor kurzem auch die deutsche Wikipedia

Greatfire.org, eine Webseite, die sich mit Zensur in China befasst, kritisiert dieses strenge Filtern der Suchergebnisse. Für eine unabhängige Studie, die unter dem Pseudonym Xia Chu erschienen ist, waren die Suchergebnisse zu insgesamt 30'000 Begriffen untersucht worden – darunter sensible, aber auch unbedenkliche Wörter. 

1593 URLs gesperrt

Das Ergebnis der Stichprobe: Beim chinesischen Bing scheint es eine Liste «verbotener Begriffe» zu geben, 139 davon habe man ausgemacht. Wird nach diesen Begriffen gesucht, würden überhaupt keine Ergebnisse angezeigt. Außerdem habe Bing eine «schwarze Liste» von Websites, die chinesischen Nutzern in den Suchergebnissen nicht angezeigt würden. 329 Angebote seien davon betroffen. 

Eine umfassende schwarze Liste gebe es auch für URLs. Man habe 1593 solcher Adressen ausgemacht, die chinesischen Nutzern nicht angezeigt werden, heißt es in der Studie, und das sei nur «die Spitze des Eisbergs.» 

Fünf Wikipedia-Seiten nicht unter den Suchergebnissen 

Insgesamt soll Bing recht großflächig filtern: So sei etwa die gesamte Wikipedia in fünf Sprachen nicht in den Suchergebnissen vertreten gewesen: auf Japanisch, Französisch, Niederländisch, Schwedisch und Deutsch. Auch für bestimmte chinesische Webseiten wie blog.sina.com.cn, ifeng.com und douban.com habe Bing spezielle Filterregeln. Das soll es sonst nicht mal bei chinesischen Suchmaschinen wie Baidu geben. 

Insgesamt soll Bing recht großflächig filtern: So sei etwa die gesamte Wikipedia in fünf Sprachen nicht in den Suchergebnissen vertreten gewesen: auf Japanisch, Französisch, Niederländisch, Schwedisch und Deutsch. Auch für bestimmte chinesische Webseiten wie blog.sina.com.cn, ifeng.com und douban.com habe Bing spezielle Filterregeln. Das soll es sonst nicht mal bei chinesischen Suchmaschinen wie Baidu geben. 

Microsoft will so wenig wie möglich filtern

Greatfire.org wirft Bing nun vor, seinem eigenen Anspruch nicht gerecht zu werden, der darin besteht, Informationen zugänglich zu machen und nur so wenig wie möglich zu filtern. 

Gegenüber «The Register» hat Microsoft schon Stellung zu den Anschuldigungen genommen: Man sei bemüht, so wenig wie möglich zu filtern, sofern die Inhalte in Einklang mit den chinesischen Gesetzen stehen. Das Unternehmen schätze die Arbeit von Greatfire.org, Xia und anderen: «Ein solches Feedback hilft uns, unsere eigenen Arbeitsabläufe zu überprüfen.» Weiter verspricht Microsoft, die Vorwürfe schnell und umfassend zu prüfen. 

Tatsächlich scheint das Unternehmen bereits erste Konsequenzen gezogen zu haben: Die fünf Wikipedia-Seiten jedenfalls sollen laut Greatfire.org mittlerweile nicht mehr gesperrt sein. 

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Du suchst ein neues Handy oder Notebook? – Darum lohnt es sich, zu warten

Ob iPhone, Android oder Windows: Hier erfährst du, mit welcher neuer Hardware dieses Jahr zu rechnen ist und warum sich das Warten lohnen könnte.

Inhaltsverzeichnis:

Schwer zu sagen.

Was sicher hilft, sind Geduld und eine gehörige Portion Glück. Motto: Cool bleiben und dann zuschlagen ...

Sparfüchse wissen: Sobald die Hersteller neue Flaggschiffe herausbringen, sinken die Preise für die ebenfalls schon äusserst leistungsfähigen Modelle aus dem Vorjahr. Wer auf «den neusten Shit» verzichten kann, spart ein kleines Vermögen.

Warten sollte man mindestens bis zum Mobile World Congress (MWC), der vom 26. Februar bis 1. März in Barcelona …

Artikel lesen