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Je dunkler das Land eingefärbt ist, desto stärker ist die Internetzensur durch die Regierung. Für die hellgrauen Länder stehen keine Daten zur Verfügung. grafik: webindex

Der Erfinder des WWW warnt

«Internetnutzer setzen sich zunehmend dem Risiko wahlloser Überwachung durch die Regierung aus»

11.12.14, 13:20 11.12.14, 14:00

Zensur und Massenüberwachung im Internet sind laut World-Wide-Web-Foundation auf dem Vormarsch. «Webbenutzer setzen sich zunehmend dem Risiko wahlloser Überwachung durch die Regierung aus», heisst es in dem in London veröffentlichten Webindex 2014.

Der World-Wide-Web-Miterfinder und Gründer der World-Wide-Web-Foundation, Tim Berners-Lee, forderte, den Zugang zum Internet als Menschenrecht anzuerkennen. «Das bedeutet einen garantierten und preiswerten Zugriff für alle», betonte er.

Vor 25 Jahren erfand Tim Berners-Lee am CERN in Genf das World Wide Web. Bild: KEYSTONE

In inzwischen 84 Prozent aller Länder weltweit seien die Gesetze zum Schutz vor Massenüberwachung im Internet schwach ausgeprägt. Im Jahr 2013 galt das noch für 63 Prozent aller Länder. Zensur gibt es in 38 Prozent der Länder, im Vorjahr waren es noch 32 Prozent.

Der Bericht kritisierte, dass in vielen Ländern das Internet noch nicht als Teil der öffentlichen Infrastruktur wie andere Versorgungsnetze angesehen wird. Entsprechend dünn seien die gesetzlichen Regelungen.

Skandinavien top, Schweiz hinkt hinterher

Die skandinavischen Länder haben es dem Bericht zufolge am besten geschafft, in gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Hinsicht vom Internet zu profitieren. Im Ranking steht Dänemark an der Spitze vor Finnland und Norwegen. Schweden wird hinter Grossbritannien Fünfter. Die Schweiz folgt auf Platz 18.

Zensur und Überwachung im Internet (je höher der Balken, desto geringer ist die Überwachung)

In Dänemark, Finnland und Norwegen gibt es wenig Internet-Überwachung und Zensur. Die Schweiz folgt auf Platz 18. Abgeschlagen sind die Türkei, die Ukraine und Kasachstan. bild: web index 2014

Besonders grosse Fortschritte hätten in den vergangenen Jahren Länder wie Brasilien, Estland oder Südkorea gemacht. Im Internet-«Mutterland» USA, auf Rang sechs im Webindex, gebe es hingegen die Gefahr von Rückschritten durch Ungleichbehandlungen und Wettbewerbsverzerrungen.

Bei den Ländern mit mittlerem Einkommen ist Ungarn vorn, vor Argentinien und Costa Rica. Bei den armen Ländern führt Kenia den Index an vor Bangladesch und Uganda.

Der Webindex stellt weiterhin ein starkes Ungleichgewicht bei der Nutzung des Netzes und damit beim Zugang zu Information zwischen Ländern mit niedrigem Einkommen und denen mit hohem Einkommen fest. In hoch entwickelten Weltgegenden habe sich die Nutzung seit dem Jahr 2005 von 45 auf 78 Prozent der Bevölkerung hochgeschraubt. In den armen Ländern stagniere sie unter zehn Prozent. 

Drei Milliarden Menschen sind online. Doch vier Milliarden sind noch immer offline

grafik: via business insider

Weiterführende Informationen finden Sie auf der Website des Webindex 2014.

(oli/sda/dpa)

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