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Der 30-jährige Ross William U. bei einem früheren Gerichtstermin. Bild: Jane Rosenberg

Mutmasslicher «Silk Road»-Betreiber vor Gericht

Dieser junge Mann soll als Online-Drogenbaron zig Millionen Dollar verdient haben

Drogenhandel, Geldwäsche, möglicherweise sogar Auftragsmorde sollen über die Handelsplattform Silk Road abgewickelt worden sein. Jetzt steht deren mutmasslicher Betreiber vor Gericht. Ihm droht eine jahrzehntelange Haftstrafe. 

13.01.15, 14:14

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In New York beginnt am Dienstag der Prozess gegen den mutmasslichen Drahtzieher der Online-Drogenbörse Silk Road. Die Vorwürfe gegen den heute 30-jährigen Texaner Ross William U. wiegen schwer. Zwischen 2011 und 2013 soll er über die Online-Plattform mehr als 100'000 Käufer mit illegalen Drogen wie Kokain und Heroin versorgt, ausserdem Geldwäsche und Auftrags-Hacking betrieben haben. 

Unklar ist, warum die Anklage nun doch nicht sechs angebliche Mordkomplotte umfasst – die dafür vorliegenden Indizien und Beweise werden jedoch Gegenstand des Prozesses sein. Einen Einspruch der Verteidigung dagegen wies die Bezirksrichterin Katherine Forrest ab

Silk Road funktionierte nach dem Prinzip einer Handelsplattform, ähnlich wie Ebay. Die Seite war aber nicht über das normale Internet erreichbar, sondern nur über anonymisierende Tor-Server. Die Betreiber hielten selbst keine Waren vor, sondern erlaubten es anderen Anbietern – es sollen Tausende gewesen sein –, auf Silk Road ihre Deals abzuwickeln, ganz professionell.

So konnten Anbieter mit Produktfotos für ihre Ware werben und Kunden ihre Lieferanten bewerten. Bezahlt wurde mit der Krypto-Währung Bitcoin, die anonyme Zahlungen ermöglicht. Silk Road kassierte bei jeder Transaktion einen Anteil von 8 bis 15 Prozent. Über eine Million Transaktionen soll Silk Road abgewickelt, damit einen Umsatz von 1,2 Milliarden Dollar erwirtschaftet haben. 

Gestohlene Kreditkarten, Waffen, Auftragskiller

Ab April 2012 schalteten sich FBI-Ermittler ein und beobachteten den Administrator der Seite, der sich «Dread Pirate Roberts» nannte. Der gab sich gern den Anschein eines Idealisten, der sich für Gewaltfreiheit aussprach. Und das sogar öffentlich: In einem Interview mit dem «Forbes Magazin» sagte «DPR» 2013 unter dem Deckmantel der Anonymität: «Wir erlauben nicht den Verkauf von etwas, das unschuldigen Menschen schadet. Verboten sind zum Beispiel gestohlene Waren, die Vermittlung von Falschgeld, Auftragskillern und Kinderpornografie.» 

Laut Anklage listete Silk Road aber unter «Services» Angebote wie «gestohlene Kreditkarten-Infos», «Waffen und Munition» und «Auftragskiller». Ob U. selber dieser Dread Pirate Roberts war, soll der Prozess klären. 

Am 1. Oktober 2013 wurde U. in einer öffentlichen Bücherei in San Francisco durch das FBI festgenommen, die Silk-Road-Website geschlossen. Die Nachahmer-Webseite «Silk Road 2.0» blieb nicht sehr lange online – sie stand praktisch von Beginn an unter FBI-Beobachtung. 

Beobachter schätzen, dass der Prozess etwa vier Wochen dauern wird. Eine weitere Anklage gegen U. liegt zudem im Bundesstaat Maryland vor. Sollte er schuldig gesprochen werden, steht ihm wahrscheinlich ein jahrzehntelanger Gefängnisaufenthalt bevor. 

(abr)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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