Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Jimmy Wales, the co-founder of Wikipedia, attends a press conference in central London on August 6, 2014 ahead of the Wikimania conference. AFP PHOTO / CARL COURT

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales kritisiert das europäische Urteil. Bild: AFP

Recht auf Vergessen

Wikipedia attackiert europäisches «Recht auf Vergessenwerden»

07.08.14, 10:12 07.08.14, 10:24

Die hinter der Online-Enzyklopädie Wikipedia stehende Wikimedia-Stiftung hat sich in harschen Worten über das vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) bestätigte «Recht auf Vergessenwerden» im Internet beklagt. Die Löschung bestimmter Links aus den Suchergebnissen von Anbietern wie Google schaffe «Gedächtnislücken» im Internet, erklärte Stiftungsdirektorin Lila Tretikov am Mittwoch.

Das EuGH-Urteil behindere die weltweiten Möglichkeiten, «korrekte und überprüfbare Informationen über Menschen und Ereignisse zu erhalten».

«Recht auf Vergessenwerden»

Der EuGH hatte im Mai geurteilt, dass Privatleute ein «Recht auf Vergessenwerden» im Internet haben. Daher müssen Suchmaschinenbetreiber nun auf Antrag Links aus ihren Suchergebnissen streichen, wenn Angaben auf den verlinkten Seiten die Persönlichkeitsrechte von Betroffenen verletzen.

Die Auswirkungen des Urteils auf Wikipedia seien «direkt und problematisch», erklärte Tretikov. Mindestens 50 Links auf Inhalte der Enzyklopädie seien betroffen. Tretikov sprach von «Link-Zensur». Sie kündigte an, jede Entfernung eines Wikipedia-Links aus Suchmaschinenergebnissen öffentlich zu machen.

Universelle Rechte eingeschränkt

Tretikov beklagte, der EuGH habe seine Verantwortung dafür vernachlässigt, «eins der wichtigsten und universellsten Rechte zu schützen: das Recht, Informationen zu suchen, zu erhalten und zu übermitteln». In Europa würden Suchresultate verschwinden «ohne öffentliche Erklärung, ohne echte Beweise, ohne juristische Überprüfung und ohne Berufungsmöglichkeit».

Bis Mitte Juli, also in den ersten zwei Monaten nach dem EuGH-Urteil, hatten nach Google-Angaben mehr als 91'000 europäische Internetnutzer einen Antrag auf Löschung von unliebsamen Suchergebnissen eingereicht. Insgesamt sei die Löschung von 328'000 Links beantragt worden, teilte der US-Internetriese in einem Brief an die EU-Datenschutzkommission mit. 

Die meisten Anträge seien aus Frankreich (17'500) und Deutschland (16'500) gekommen. 53 Prozent der betroffenen Links seien aus den Google-Suchergebnissen entfernt worden. In der Schweiz gab es 1645 Gesuche zu 7085 Adressen.

Die fraglichen Links werden allerdings nur in Europa unsichtbar gemacht. Auf der Internetseite erscheint zudem ein Hinweis, dass das Suchergebnis verändert wurde. Wer Google ausserhalb von Europa benutzt, bekommt weiter alle Links angezeigt. Der EuGH-Spruch gilt auch für Konkurrenten von Google. (pma/sda/afp)



Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Warum Teenies ausserhalb der Schweiz gerade eine Existenzkrise haben

In einem deutschen Kinderzimmer spielte sich vor wenigen Tagen Dramatisches ab: Ein schluchzender Teenie liegt zusammengerollt auf dem Bett, die Mama steht ratlos daneben. Die Mutter heisst in diesem Fall Nele Heine und beschreibt auf ihrem Blog eine Situation, die sich aktuell in vielen Haushalten der EU abspielen dürfte. Denn etwas Furchtbares ist geschehen: Der unter 16-jährigen Instagram-Generation wurde ihre namensgebende Plattform weggenommen.

Der Bösewicht? Die neue …

Artikel lesen