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Facebook erklärt seine Spielregeln: Pobacken und Brustwarzen nein, die Vagina von Courbet ja

Facebook wird oft für seinen Umgang mit unerwünschten Inhalten kritisiert. Jetzt erklärt das soziale Netzwerk ausführlich sein Regelwerk.

16.03.15, 21:50 17.03.15, 17:50

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Facebook informiert seine Nutzer künftig ausführlicher darüber, welche Inhalte im weltgrössten Onlinenetzwerk verboten sind und entfernt werden, falls jemand sie dennoch dort einstellt. In der Nacht zum Montag wurde dafür eine neue Version der sogenannten «Gemeinschaftsstandards» veröffentlicht. «Wir ändern unsere Regeln nicht, sondern wollen den Nutzern nur mehr Klarheit darüber verschaffen, wo und warum wir Grenzen einziehen», sagte die zuständige Facebook-Managerin Monika Bickert.

Statt eines einzelnen Textes mit elf Kapiteln gibt es nun eine Website mit Links zu verschiedenen Themen und mehr Beispielen als bisher. Neu sind Abschnitte über sexuelle Ausbeutung und Inhalte terroristischer Organisationen. 

Keine vollständig entblössten Pobacken

Es seien aber in allen Fällen dieselben Regeln, nach denen Facebook schon vorher gehandelt habe, betonte Bickert. Ihr Team mit nach ihren Angaben Hunderten Mitarbeitern sei dafür zuständig, verbotene Inhalte aus dem sozialen Netzwerk zu entfernen.

Ausführlicher wird nun zum Beispiel der Umgang mit Nacktheit erklärt: «Wir entfernen Fotos von Personen, auf denen Genitalien oder vollständig entblösste Pobacken zu sehen sind. Ausserdem beschränken wir Bilder mit weiblichen Brüsten, wenn darauf Brustwarzen zu sehen sind.» Fotos von Frauen beim Stillen oder Vernarbungen nach Brustamputationen seien jedoch in jedem Fall erlaubt.

Die Prüfer können nicht alles sehen

Facebook hat nahezu 1,4 Milliarden Nutzer. Die Regeln umzusetzen, sei nicht nur wegen der Dimension eine grosse Herausforderung, sagte Bickert, eine frühere US-Staatsanwältin. So müssten ihre Mitarbeiter mit wenig Kontext erkennen, ob ein Facebook-Eintrag zum Beispiel Mobbing oder Gewaltverherrlichung darstelle.

«Selbst ein Foto aus der Schule, unter dem einfach nur ‹Nettes Kleid› steht, kann unter Umständen als Mobbing gemeint sein», gab sie zu bedenken. «Ähnlich kann ein Bild, auf dem Gewalt zu sehen ist, geteilt werden, um sie zu verurteilen – oder um sie zu zelebrieren.» Im ersten Fall würde Facebook das Foto grundsätzlich zulassen, aber unter Umständen als nur für Erwachsene empfohlen markieren.

Wegen dieses Gemäldes von Gustave Courbet ist es bei Facebook wiederholt zu Zensurmassnahmen gekommen. Bild: Flickr / Michele M. F.

«Inhalte, die Nutzer bei Facebook melden, werden grundsätzlich von Menschen geprüft», sagte Bickert. Die Entscheidungen erforderten eine menschliche Abwägung. Die Prüfer seien über die Welt verteilt, es gebe Spezialisten für verschiedene Sprachen. Zugleich gebe es Grenzen dafür, was ihre Mitarbeiter sehen könnten. «Sie sollen genug Informationen haben, damit sie eine bewusste Entscheidung über Inhalte treffen können.»

Die Prüfer erhielten aber keinen ausufernden Zugang: «Wenn zum Beispiel ein Foto als Mobbing gemeldet wird, bekommen sie nur das Foto plus etwas Kontext dazu zu sehen.»

Software sucht automatisch nach verbotenen Inhalten

Facebook verlasse sich weitgehend darauf, dass die Nutzer problematische Inhalte selbst melden, betonte Bickert. «Nur in einigen Bereichen, vor allem, wenn es um die Sicherheit von Kindern geht, haben wir eine Software im Einsatz, die aktiv nach Inhalten sucht», sagte sie. Sie nannte nicht, für welche weiteren Bereiche das noch gilt.

Facebook war in der Vergangenheit immer wieder wegen Entscheidungen zu einzelnen Inhalten kritisiert worden, etwa wenn Bilder von Protesten oder Fotos von Kunstwerken mit Nacktheit entfernt wurden. Die Veröffentlichung der ausführlicheren Regeln solle das Verfahren dahinter verständlicher machen, sagte Bickert. «Es ist eine grosse Herausforderung, einheitliche Regeln für die ganze Welt aufzustellen.»

Sperrung eines Accounts – So informiert Facebook

(mak/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Alnothur 16.03.2015 22:08
    Highlight "Gemeinschaftsfotos" - wow, Newspeak pur...
    4 3 Melden
    • Alnothur 16.03.2015 23:24
      Highlight Ups. Also, "Gemeinschaftsstandards".
      3 2 Melden

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