Digital

Der tote Hund, der Nazis zur Weissglut treibt – wie eine Fake-Facebookseite Nazis veräppelt

Nach Blondi hat die rechte Szene einen neuen Hundestar: Pitbull Odin, erschossen von der Polizei. Eine gefälschte Kondolenzseite bei Facebook macht sich nun über Neonazis lustig. Mit Erfolg.

23.02.16, 09:34 23.02.16, 10:05

Ein Artikel von

Mit einer Facebook-Seite machen sich bislang Unbekannte über die rechte Szene lustig. Auf den ersten Blick mutet die Seite «RIF Odin treue Seele / Wir vergessen nie» an wie eine Solidaritätsseite für Pitbull-Terrier Odin.

Screenshot: Profilbild der gefakten Solidaritätsseite für Kampfhund Odin.

Die Polizei in Dortmund hatte den Kampfhund vor zwei Wochen bei einer Razzia gegen Rechtsextreme erschossen, seitdem wird er für braune PR instrumentalisiert. Rechte Demonstranten gingen sogar mit einem «Heute Hunde, morgen Menschen»-Transparent auf die Strasse - ein neuer Dreh der schon klassischen rechtsextremen Opferpose.

Wer sich die Beiträge auf der Gedenkseite «RIF Odin» genauer ansieht, erkennt aber, dass es sich bei dem Facebook-Auftritt um Satire handelt. Wirksame Satire offenbar, denn den einen oder anderen Neonazi scheint die Seite zur Weissglut zu bringen.

In einem der Postings steht dort zum Beispiel, «Odin wurde nicht erschossen, er wurde von zionistischen Geheimagenten nach Argentinien entführt, um dort auf einer Kaninchenfarm gemästet zu werden, damit man ihn als Rumpsteak an diese masslosen Amis verkaufen kann!!!!!» In einem anderen werden die «Kameraden» dazu aufgefordert, eine «überlegene Hunderasse» zu züchten. Immerhin hätten es die «Antifanten» geschafft, einen Vierbeiner zum Astronauten zu machen – gemeint ist der sowjetische Weltraumhund Laika.

Fanartikel sollen ausserdem Geld für den Kampf gegen die «Schergen des Systems» beschaffen. Der Erlös aus dem Verkauf einer «Die-Rechte-Hunde-Maske» etwa soll in die Kasse der Partei Die Rechte fliessen. Die Kleinstpartei ist seit 2014 im Dortmunder Stadtrat vertreten und gilt als Auffangbecken für verbotene Kameradschaften. Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes nutzt sie «ihren Parteienstatus zur Durchführung neonazistischer Aktivitäten».

Nazis wollen auf der Fake-Seite Odin-Fanshirts bestellen.

Wie der Blog «Ruhrbarone» berichtet, ist vielen mutmasslichen Anhängern der rechten Szene aber zunächst gar nicht aufgefallen, wem sie da auf den Leim gegangen sind. Zwischenzeitlich hatte die Seite mehr als 700 Likes, die Zahl ist seitdem auf knapp 500 gesunken (Stand Montag).

Inzwischen gibt es sogar – ernst gemeinte – Gegenseiten wie «Gegen den Missbrauch von Odin durch die Antifa». Dort wird beklagt, es sei «respektlos» das Andenken an einen toten Hund für die Zwecke der Antifa zu «missbrauchen». Diese Seite gefällt aber bislang nur vier Personen. Hersteller rechter Propaganda, die schnell Kondolenzanstecker mit Odins Konterfei im Angebot hatten, distanzieren sich inzwischen ebenfalls.

Es ist nicht das erste Mal, dass Facebook-Aktionen gegen rechts für Aufsehen sorgen. Bereits am Wochenende hatte ein clever gemachtes Facebook-Posting Fremdenfeinde und Hetzer enttarnt.

Das könnte dich auch interessieren:

Hier werden zwei Olympia-Skicrosser spektakulär durch die Luft geschleudert

Letzte Umfragen: Klarer Nein-Trend zu No Billag ++ 60 Prozent lehnen Initiative ab

Rumantsch, du hast die schönsten Fluchwörter! Errätst DU, was sie bedeuten?

Apple veröffentlicht Notfall-Update für iPhone, Mac und Watch (und TV)

Die Geburtsstunde einer Legende: Jamaika hat 'ne Bobmannschaft!

55-jähriger Mann in Burgdorfer Wohnung getötet 

So düster war der Winter seit 30 Jahren nicht mehr

Die Reaktionen dieser Basler Fussball-Reporter nach ihrer falschen Prognose? Unbezahlbar

«Vorwärts Marsch!» – hier findest du die schönsten Laternen des Morgestraichs

Die irische Rebellin, die lieber stirbt, als auf die britische Krone zu schwören

Alle Artikel anzeigen

Sieg Fail: So doof sind Nazis

ppl

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
9
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • BETA 24.02.2016 11:37
    Highlight Mir tut nur der Hund leid.
    0 0 Melden
  • Sheez Gagoo 23.02.2016 12:53
    Highlight Ich mag Nazis auch nicht, trotzdem frage ich mich, was damit bezweckt werden soll. Nazis als dumm bloßstellen? Was für ein Erkenntnisgewinn. Sie ein bisschen Nerven? Ziel erreicht. Gibt es deswegen einen Nazi weniger? Kaum. Ausser einer lächerlichen Stichelei zur Erheiterung einiger auf Kosten der Dummen und Ewiggestrigen kann ich da nichts feststellen.
    8 14 Melden
  • Human 23.02.2016 12:41
    Highlight achso die bemängeln das es respektlos ist wenn links das macht aber wenn rechte T-Shirts (wollte grad schon tiershirts schreiben 😂) bestellen um gegen den bösen Rechtstaat ein Zeichen zu setzen damit ist okay ... mach total Sinn, vorallem wenn der Besitzer der rechten Szene angehört hat, ist das schliesslich nun deren Opfer!
    *Achtung Sarkasmus*
    mein gott sind die doof 😂
    13 1 Melden
    • Sheez Gagoo 23.02.2016 17:32
      Highlight Nein, ich bemängle beides zusammen als Kindergarten.
      2 2 Melden
    • Sheez Gagoo 23.02.2016 18:13
      Highlight Entschuldigen Sie, ich dachte Sie hätten mich gemeint.
      1 1 Melden
  • pamayer 23.02.2016 11:18
    Highlight wenn die nazis nicht so gefährlich wären, wären sie schon fast niedlich in ihrer naivität...
    37 5 Melden
  • manhunt 23.02.2016 10:14
    Highlight "Rechte Demonstranten gingen sogar mit einem «Heute Hunde, morgen Menschen»-Transparent auf die Strasse - ein neuer Dreh der schon klassischen rechtsextremen Opferpose." und wie war das nochmals mit der forderung auf flüchtlinge zu schiessen???
    30 4 Melden
    • Matrixx 23.02.2016 12:13
      Highlight Genau, sie sollten das Transparent umbennen in "Heute Flüchtlinge - morgen Deutsche" bzw. in der Schweiz "Heute Flüchtlinge - morgen Eidgenossen".
      6 1 Melden
  • Xi Jinping 23.02.2016 10:10
    Highlight Ich feier das...
    23 4 Melden

Was Männer anstelle von «Dick Pics» verschicken können

Wir sollen Sex-Selfies auf Facebook laden, damit diese nicht weiterverbreitet werden. Das ist so absurd, wie es klingt. Doch es gibt auch noch andere Lösungen...

Es gibt viele Gründe, wieso man keine Nacktfotos von sich verschicken sollte. Trotzdem ist Sexting ein Dauerthema – nicht nur bei Jugendlichen, die von Ex-Partnern mit Rache-Pornos erpresst werden, sondern auch bei Prominenten, deren private Foto- und Videoaufnahmen von Hackern ins Netz gestellt werden.

Seit November laufen bei Facebook nun erste Pilotversuche, welche das Problem eindämmen sollen: Wer ein Nackt-Selfie von sich versendet hat, sei es im Liebeswahn oder im Alkoholrausch, kann …

Artikel lesen