Digital

Kleines Download-Einmaleins

Was du im Internet legal herunterladen darfst – und was definitiv nicht

21.01.15, 12:51 21.01.15, 13:35

Wie ist das schon wieder mit dem Herunterladen von Musik und Filmen im Internet? Die landläufige Meinung: Downloaden ist erlaubt, hochladen nicht. Doch ganz so einfach ist es nicht. Wir zeigen, was du in der Schweiz ausschliesslich für den Privatgebrauch herunterladen darfst.

Was darf ich unabhängig von der Quelle herunterladen oder streamen?

Filme

Szene aus «Pulp Fiction». Bild: Handsomecitizen

Serien

Szene aus «Breaking Bad». Bild: Wall.alphacoders

Musik

Bild: Shutterstock

E-Books

Bild: Shutterstock

Hörbücher

Bild: Shutterstock

Alle diese Medien dürfen unabhängig von der Legalität der Quelle heruntergeladen oder gestreamt werden. Dasselbe gilt für urheberrechtlich nicht (mehr) geschützte Werke – egal ob Bilder, Fotos oder Musik. Der Schutz läuft 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers ab, konkret am 1. Januar des Jahres, nachdem die 70 Jahre abgelaufen sind. Die Open Knowledge Foundation veröffentlicht  jedes Jahr die Namen von berühmten Urhebern, deren Gesamtwerk per 1. Januar frei genutzt werden darf.

Was darf ich nicht herunterladen? 

Urheberrechtlich geschützte Software. Gemeint sind Computerprogramme sowie PC- und Konsolenspiele. 

PC-, Handy- und Konsolengames

Software darf generell auch für den Eigengebrauch nicht heruntergeladen werden.

PC-Programme

Bild: Shutterstock

Darf ich urheberrechtlich geschützte Musik und Filme hochladen, also anderen zur Verfügung stellen?

Nein. Urheberrechtlich geschützte Inhalte dürfen nie in Online-Tauschbörsen oder sonstwo im Internet angeboten werden.

Was gilt als Privatgebrauch?

Der Gesetzgeber schreibt: «Als Eigengebrauch gilt jede Werkverwendung im persönlichen Bereich und im Kreis von Personen, die unter sich eng verbunden sind, wie Verwandte oder Freunde.» Laut Rechtsanwalt Martin Steiger darf man einen heruntergeladenen Film beispielsweise mit einzelnen Arbeitskollegen tauschen, nicht aber mit der ganzen Firma.

Warum ist das Herunterladen in der Schweiz erlaubt?

Bei uns wird auf Datenträger bereits beim Kauf eine pauschale Urheberrechtsabgabe erhoben. Die Abgabe erhalten Verwertungsgesellschaften wie beispielsweise die Suisa, welche die Interessen der Künstler vertritt. 

«Wer beispielsweise ein iPad-Tablet mit 128 Gigabyte Speicherkapazität kauft, bezahlt dafür unabhängig von der tatsächlichen Nutzung rund 13 Franken an pauschalen Urheberrechtsabgaben», sagt Steiger. Schweizer Konsumenten bezahlen laut seinen Berechnungen weltweit die höchsten Abgaben. 

Das Fazit: Sogenannte Gratis-Downloads sind nicht gratis. Der Kunde hat bereits beim Kauf eine im Preis versteckte Abgabe für das allfällige Herunterladen von Filmen oder Musik entrichtet. 

Die Rangliste der Filmpiraten: Diese Filme wurden 2014 am meisten heruntergeladen

Haben Filesharer in der Schweiz nichts zu befürchten?

Das kann man so nicht sagen: Wie gesagt, ist das Hochladen und Anbieten von urheberrechtlich geschützten Inhalten verboten. Im Kanton Zürich läuft ein Musterstrafverfahren der Musikindustrie gegen einen unbekannten Internetnutzer, der 1500 geschützte Werke verfügbar gemacht hatte. Das Verfahren soll klären, ob Massenabmahnungen gegen Nutzer von Musiktauschbörsen wieder durchgeführt werden können.

Wird das Downloaden legal bleiben?

«Gemäss Bundesrat soll der Download für den Privatgebrauch legal bleiben», sagt Rechtsanwalt Steiger. Die US-Unterhaltungsindustrie will aber den angeblichen Download-Sumpf Schweiz austrocknen und setzt die Schweiz deshalb unter Druck. So sieht der Bundesrat unter anderem Massenabmahnungen und Netzsperren für ein «sauberes Internet» vor. Internet-Anbieter wie Swisscom und Cablecom müssten «auf behördliche Anweisung hin in schwerwiegenden Fällen den Zugang zu Webportalen mit offensichtlich illegalen Quellen über IP- und DNS-Blocking sperren», heisst es in einem Bericht.

Was passiert nun weiter?

Das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) soll bis Ende Jahr eine Vorlage für die «Modernisierung» des schweizerischen Urheberrechts erarbeiten. Ziel der Revision des Urheberrechts ist es, schreibt der Bund, «die Situation für die Kulturschaffenden zu verbessern, ohne die Position der Konsumentinnen und Konsumenten zu verschlechtern.»

Seit 2014 sind allerdings endlich auch legale Streamingdienste von Netflix, Teleboy, Swisscom oder Cablecom bei uns verfügbar. Insofern ist es für Rechtsanwalt Steiger fraglich, ob man Filesharing überhaupt noch gesetzlich bekämpfen soll: «Man riskiert ein ‹modernes› Urheberrecht, das noch stärker rückwärtsgewandt ist.»

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Brikne, 20.7.2017
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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Daniel Caduff 22.01.2015 15:56
    Highlight Ich finde es immer wieder lustig, wie Leute, die keine Ahnung vom Internet haben, versuchen dieses zu regulieren. Kann sich jemand noch an eMule, Kazaa etc erinnern?Nach den P2P Plattformen kamen die One-click-Hoster (Rapidshare & Co.) und noch später Bittorrent und die Streamingplattformen à la Kinox.to und tausend weitere. Ich schwöre seit Jahren auf den JDownloader und lade mir die Dateien von Streamingportalen herunter, ohne die lästigen Popups, etc. Lustig auch, dass man jetzt Seiten sperren will. Der nächste hoffnungslose Versuch. Stichworte: Darknet, IRC, VPN, IP-Masking, TOR.......?
    26 2 Melden
    • Rüäblimaa 26.01.2015 07:05
      Highlight Bin da gleicher Meinung und ohne JDownloader geht sowieso nichts.
      12 0 Melden
  • wir-2 21.01.2015 19:41
    Highlight Antwort "Das mache ich alles nicht" fehlt als Antwort.
    4 14 Melden
  • WC-Entchen 21.01.2015 12:59
    Highlight Was ist mit Torrents??? Ist das wegen dem gleichzeitigen Upload illegal?
    12 2 Melden
    • Oliver Wietlisbach 21.01.2015 14:00
      Highlight Genau. Wenn der Upload aktiviert ist, ist es illegal.
      23 2 Melden
    • Martin Steiger 21.01.2015 15:06
      Highlight @WC-Entchen:

      BitTorrent ist erst einmal nur ein Protokoll und damit grundsätzlich legal.

      Sie beziehen sich aber vermutlich auf Filesharing mittels BitTorrent-Protokoll und zwar auf Filesharing von urheberrechtlich geschützten Werken wie beispielsweise Hollywood-Filmen.

      Solche Werke dürfen Sie in der Schweiz zum Privatgebrauch auch mittels BitTorrent-Protokoll downloaden. Auf den Upload, wie er bei vielen BitTorrent-Apps standardmässig aktiviert ist, müssen Sie hingegen verzichten oder Sie riskieren rechtliche Schritte der betroffenen Rechteinhaber.
      25 1 Melden
    • kEINKOmmEnTAR 21.01.2015 15:22
      Highlight Ich würde dir generell den Einsatz des torrent-Protokolles für illegale Downloads nicht empfehlen.

      Erstens kann der Download verhindert werden, wenn man nichts hochlädt, zweitens ist es asozial wenn man nur profitiert und nichts zur Gemeinschaft beiträgt und drittens können auch so noch winzie Daten hochgeladen werden die dann dir zu Lasten fallen können.
      14 3 Melden
    • Pokus 31.08.2016 21:02
      Highlight Üblicherweise überträgt man nicht das urheberrechlich geschützte Material, sondern abgewandelte Teile dessen, die als solches einen anderen Urheber haben und deshalb auch nicht von der Contentindustrie als Vervielfältigung angesehen werden sollten.
      Bei Torrents sendet und empfängt man nur Segmente, die einem die Applikation dann zusammenfügt oder wieder verschickt. Nie die ganze Datei.
      2 2 Melden
    • Masche 24.01.2017 09:11
      Highlight @Pokus: Es spielt doch gar keine Rolle, ob Du das ganze Material am Stück oder bruchstückweise herunterlädst. Du kannst doch auch nicht in einen Laden gehen, ein Stück Brot abschneiden und an der Kasse sagen, es sei gratis, weil kein Preis dafür angeschrieben sei. Zudem, auch bei bearbeiteten Werken bleibt die ursprüngliche Urheberschaft erhalten und geht nicht an den Bearbeiter. Wenn ich ein Bild in einem Museum abfotografiere, dann darf ich das Foto auch nicht ohne Zustimmung des Museums für kommerzielle Zwecke verwenden.
      1 0 Melden
    • Pokus 24.01.2017 09:50
      Highlight Das sehe ich anders.

      Beispiel: Aus welchem Urheberrechtlich geschützten Werk stammt diese Anreihung von Ziffern?
      010101110101100001

      Das ist nicht der Film und nicht das Bild. Es ist einfach was anderes.

      Aber eigentlich geht es doch beim Urheberrecht um das Sichern einer Verdienstquelle. Würde man die Art des Vertriebs kundengerecht anpassen (wie das Netflix und co macht), wäre der Mensch auch nicht so kreativ darin, die traditionellen Beschaffung zu umgehen (wenn es denn überhaupt eine gibt, viel Material landet ja im Keller statt für alle im Netz).
      4 3 Melden

Schlag gegen Usenet-Szene – Ermittler nehmen Filesharing-Portale vom Netz

Filme, Serien, E-Books und Videospiele: All das war über die Plattform «Usenetrevolution.info» zugänglich. Nun ist das deutsche Portal nach einer Gross-Razzia offline, und mit ihm andere bekannte Anbieter.

Deutsche Ermittler haben ein Filesharing-Portal vom Netz genommen, das Links zu mehr als 300'000 Filme, Serien, MP3s, Videospiele und E-Books angeboten haben soll. Das teilte die hessische Generalstaatsanwaltschaft am Freitag mit.

Das Portal «Usenetrevolution.info» soll zuletzt mehr als 27'000 Mitglieder gezählt haben. Den Rechteinhabern könnte durch die Plattform ein Schaden in Höhe von 2.9 Millionen Euro entstanden sein, heisst es.

Wer hinter dem Portal steckt, könnte bald bekannt werden: …

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