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Schlag gegen Usenet-Szene – Ermittler nehmen Filesharing-Portale vom Netz

Filme, Serien, E-Books und Videospiele: All das war über die Plattform «Usenetrevolution.info» zugänglich. Nun ist das deutsche Portal nach einer Gross-Razzia offline, und mit ihm andere bekannte Anbieter.

10.11.17, 12:52 10.11.17, 14:12

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Deutsche Ermittler haben ein Filesharing-Portal vom Netz genommen, das Links zu mehr als 300'000 Filme, Serien, MP3s, Videospiele und E-Books angeboten haben soll. Das teilte die hessische Generalstaatsanwaltschaft am Freitag mit.

Das Portal «Usenetrevolution.info» soll zuletzt mehr als 27'000 Mitglieder gezählt haben. Den Rechteinhabern könnte durch die Plattform ein Schaden in Höhe von 2.9 Millionen Euro entstanden sein, heisst es.

Wer hinter dem Portal steckt, könnte bald bekannt werden: Beamte haben in den vergangenen Tagen in 13 Bundesländern die Wohnungen von 42 Personen durchsucht und dabei Computer sowie Festplatten beschlagnahmt. Die Betroffenen, die im Verdacht stehen, am Betrieb des Portals beteiligt gewesen zu sein, waren laut einer Pressemitteilung zwischen 23 und 72 Jahre alt.

Diese Usenet-Seiten sind betroffen

Über Usenetrevolution.info wurden nicht die Inhalte (Filme, Software etc.) vertrieben, sondern lediglich «nzb»-Dateien angeboten. Solche Hilfsdateien enthalten eine Verknüpfung zu Usenet-Gruppen, in die die Inhalte zuvor (von Dritten) hochgeladen worden sind. Usenetrevolution.info ist also kein illegales Download-Portal, sondern lediglich eine Art Katalog für im Usenet vorhandene, zum Teil illegale Inhalte.

Offenbar richtete sich die Gross-Razzia vom Mittwoch gegen alle grossen deutschen Usenet-Foren und auch gegen Usenet-Provider. Stillgelegt wurden die Websites:
- town.ag,
- usenetrevolution.info,
- nfo-underground.xxx 
- usenet-town.com.

Betroffen sind die Usenet-Provider speeduse.net und ssl-news.info. Deren Websites sind nicht mehr erreichbar.
Mehr Informationen gibts hier von deutschen Juristen. Demnach hat die Mehrzahl der User nichts zu befürchten.
(dsc)

Als Hauptverdächtiger gilt ein 49-Jähriger aus dem Wetteraukreis in Hessen. Der Mann soll sich als Administrator um den Betrieb des Portals gekümmert haben. Seine 39-jährige Ehefrau steht ebenfalls unter Verdacht. Sie soll unter anderem urheberrechtlich geschütztes Material hochgeladen und die Website mitorganisiert haben.

An dem Portal waren aber offenbar Helfer aus ganz Deutschland beteiligt. Die Staatsanwaltschaft durchsuchte Wohnungen unter anderem in Berlin, Dresden, Hamburg und Stuttgart.

IT-Experten haben die Server lokalisiert

Der Hinweis auf das teils illegale Angebot auf der Plattform kam laut Oberstaatsanwalt Alexander Badle, einem Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt am Main, von der Film- und Spielebranche selbst. Der Verein Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) aus Berlin habe die Behörden auf das Portal hingewiesen.

Die Mitglieder von «Usenetrevolution.info» haben sich über das sogenannte Usenet die Dateien auf ihre Rechner geladen. Das dezentrale Netzwerk läuft parallel zum World Wide Web, Usenet-Seiten sind teils nur mit entsprechenden Zugangsdaten zu erreichen.

«Die Betreiber haben versucht, den Zugang nach aussen abzuschotten», sagt Badle zum aktuellen Fall. Zusammen mit IT-Experten habe man aber die Server in den Niederlanden und Frankreich lokalisieren können.

Die Nutzer sind offenbar mit einer aktuellen Auswahl an Downloads geködert worden. «Auf dem Server wurden zahlreiche Hollywood-Blockbuster und aktuelle Videospiele angeboten», sagt Badle. Die Inhalte waren angeblich nur mit einem kostenpflichtigen Zugang zu erreichen, so sollen die Betreiber an dem Portal verdient haben.

Derzeit wird laut Badle vor allem gegen die Administratoren ermittelt. Doch auch die Mitglieder haben aus seiner Sicht Rechtsverstösse begangen: «Was mit den angemeldeten Nutzern passiert, darüber machen wir uns in den kommenden Wochen Gedanken.»

An den Ermittlungen beteiligten sich neben der hessischen Generalstaatsanwaltschaft und dem hessischen Landeskriminalamt unter anderem das BKA, die europäische Justizbehörde Eurojust und Staatsanwaltschaften aus 12 weiteren Bundesländern.

(jbr)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gary Poor 10.11.2017 19:25
    Highlight Ach ja die Filesharer. Mein Mitleid hält sich in Grenzen. Auch geistiges Eigentum ist Eigentum und wer dieses kostenlos auf illegalen Platformen teilt oder konsumiert ist ein Dieb.
    Freue mich auf viele Blitze ;)
    3 37 Melden
    • Klaus07 11.11.2017 11:10
      Highlight Wenn ein Geistiges Eigentum öffentlich gemacht wird, Radio oder Fernsehen. Warum muss man dann noch einmal für das Geistige Eigentum bezahlen, vor allem wenn der Künstler schon lange tot ist. Der Diebstahl gelingt auf beiden Seiten.
      20 3 Melden
  • Thom Mulder 10.11.2017 19:03
    Highlight Das ist wieder mal typisch. Ich z.B. lade nur deshalb Filme vom Usenet, weil es kein akzeptables legales Angebot gibt. Ich zahl doch nicht für einen Film und dann ist der mit Restriktionen belegt (DRM) so dass ich ihn nur mit bestimmtem Playern abspielen kann. Wenn es einen Store gibt wo ich DRM frei kaufen kann dann mach ich das sofort - wie bei Audio auch, ist nämlich viel bequemer als ein NZB zu suchen das funktioniert.

    Die ganze Piraterie Kampagne ist Unsinn und selbstverschuldet durch die Industrie weil sie ihre Kunden mit DRM und Zone Restrictions nerven.
    29 2 Melden
  • Jokerf4ce 10.11.2017 18:36
    Highlight Der Hydra wurde ein Kopf abgeschnitten, was jetzt passiert könnt ihr euch ja denken
    17 0 Melden
  • Gustav.s 10.11.2017 17:12
    Highlight Aber der wirklich grosse Anbieter ist noch immer da. Verdient der inzwischen so viel das sich niemand rantraut?
    4 0 Melden
  • Silent Speaker サイレントスピーカー 10.11.2017 14:06
    Highlight Tatsächlich entsteht den Rechteinhabern kein Schaden, denn es gibt nur zwei Arten von Filesharern. Die, die Files sharen und das, was ihnen gefällt, auch kaufen (oft dann sogar teure Collector's Editions). Und dann gibt es die, die Files sharen, die die Inhalte aber sowieso nie kaufen würden, wenn sie es nicht kostenlos herunterladen können. Ein Schaden entsteht dadurch nicht, weil dadurch kein Rechteinhaber irgendetwas eingebüsst hat.
    61 7 Melden
    • Hoppla! 10.11.2017 16:18
      Highlight Darf ich dann auch schwarz mit dem Zug reisen? Wenn ich nämlich dafur bezahlen müsste, würde ich ihn nicht benutzen. Und er fährt ja sowieso, die variablen Kosten sind minimal.
      8 28 Melden
    • Thom Mulder 10.11.2017 19:08
      Highlight Absolut richtig. Wie bei der Musik auch. Im Gegenteil, Sharing ist Werbung. Musiker die Sharing nutzen verdienen dadurch mehr als die Industrie ihnen je gezahlt hat.

      Es gibt kein Piraterie Problem, das ist eine Erfindung der Industrie. Aber es gibt ein ContentBlock Problem, bei dem die Industrie den Kunden Zugang zu den Inhalten erschwert mit DRM und ZoneRestrictions, suchen diese eben andere Wege um ans Material zu kommen ohne dabei von bestimmten Anbietern abhängig zu werden.
      19 2 Melden
    • Silent Speaker サイレントスピーカー 10.11.2017 20:11
      Highlight @Hoppla, gaaaanz schlechter Vergleich: Der Zug benötigt Strom, einen Lokomotivführer und sonstiges Personal, das für Sicherheit und Funktionalität sorgt, dazu kommt an Geleisen wie Fahrzeugen Abnutzung. Wo ist das bei einer digitalen Datei gegeben?
      15 5 Melden
    • Hoppla! 11.11.2017 09:49
      Highlight Silent Speaker, lies meinen Post noch einmal.

      Die Grenzkosten des Betreibers sind für mich als Einzelpassagier gleich null. Und am Bahnhof kaufe ich auch noch eine Bretzel. Alles bestens also.
      2 8 Melden
    • Rumo 11.11.2017 14:43
      Highlight Und wie wird eine Digitale Datei hergestellt? Dazu braucht es auch Strom, Schauspieler, Musiker und wer bezahlt die abgenutzten Saiten und Felle?
      1 4 Melden
    • Silent Speaker サイレントスピーカー 11.11.2017 21:20
      Highlight @Rumo: Von Musik kann heute kaum noch einer leben. Fakt ist, dass die meisten für's Musikmachen mehr ausgeben, als sie je einnehmen werden. In der Regel verdienen dann irgendwelche Schauspieler, die sich als Musiker/DJ verkaufen, Geld. Ich weiss, wovon ich spreche.

      Du bist bei der Herstellung. Der Zug muss auch hergestellt werden, die Schienen gebaut und das Personal instruiert werden. Das bedeutet aber noch nicht, dass der Zug dann auch benutzt wird. Du vergleichst also Produktion mit Nutzung. Bei der digitalen Datei entstehn keine Abnutzung. Beim Zug fahren schon.
      4 2 Melden
    • Silent Speaker サイレントスピーカー 11.11.2017 21:23
      Highlight @Rumo: Für den Strom, das Internet und den Computer wird ja bezahlt. Insofern vergleichst du Äpfel mit Birnen.

      Wenn deine Freundin mit dem Zug zu dir kommt, dann bezahlst du auch nichts für den Vorteil, dass sie nachher bei dir ist. Der SBB könnte ja in den Sinn kommen, dafür auch noch Geld zu verlangen. Hollywood ist bis heute nicht verarmt. Was sie machen, ist einen fiktiven Gewinn vorauszusagen. Wenn dieser nicht Eintrifft, heisst es, so und so viel sei durch Piraterie entgangen. Dass jemand den Film ohne Piraterie womöglich gar nie geschaut hätte, wird ignoriert.
      3 0 Melden
    • Silent Speaker サイレントスピーカー 11.11.2017 21:31
      Highlight @Rumo: Nutzt du Spotify? Die verdienen sich eine goldene Nase, während der Musiker dort pro komplett gehörtem Song einen Betrag im niederen einstelligen Cent-Bereich erhält.

      Wenn du also das Album eines Künstlers mit 10 Titeln komplett durch hörst, bekommt er dafür nicht einmal 50 Rappen. Damit ein Künstler also von der Musik leben kann, muss dessen Album jeden Monat so 10'000 mal komplett durchgehört werden. Wer Spotify Premium nutzt und das Album zum offline hören runtergeladen hat, kann es unlimitierte Male für weniger als 50 Rappen hören. Komm mir also nicht mit Moral.
      2 0 Melden
    • Silent Speaker サイレントスピーカー 11.11.2017 21:42
      Highlight @Rumo: Heute spricht man von Inhalten. Früher wurden eben Datenträger verkauft. Du hast für jeden Datenträger mit gleichem Inhalt separat bezahlt. Wenn du eine Platte hattest und noch eine CD wolltest, musstest du die CD auch noch zum Vollpreis kaufen, obschon der Content der gleiche war. Von DVD zu Bluray dasselbe. Dabei erwirbt man mit dem Datenträger bereits das Recht, den Inhalt konsumieren zu dürfen. Die Industrie hat also die Kundschaft dermassen veräppelt, dass die Piraterie eigentlich eine verdiente Retourkutsche ist.
      5 0 Melden
    • Silent Speaker サイレントスピーカー 11.11.2017 21:48
      Highlight @Hoppla: Der Vergleich bleibt schlecht. Du gehst mit deiner Sippe auf den Zug, sagen wir 5 Leute. Da muss jeder ein Ticket kaufen. Gehst du ins Kino, dasselbe.

      Wenn du einen Film auf Bluray kaufst, dann schauen 4 von 5 den Film kostenlos. Wenn also ein Filesharer den Film kauft, dann dürfen 4 weitere den Film doch auch kostenlos schauen? Oder wie rechtfertigst du, dass deine Sippe den Film kostenlos schauen kann, obschon das Medium nur einmal gekauft wurde?

      Du betreibst gar Filesharing, wenn du den Film gekauft runterlädst und dann jeder deiner Sippe ihn für sich ansieht.
      3 0 Melden
    • Rumo 12.11.2017 04:50
      Highlight Die SBB bietet eine Dienstleistung an wofür bezahlt wird. Gleiches bieten Studios an in denen Musik und Filme produziert werden. Die Künstler verdienen am Verkauf des Endproduktes. Das ist bei der SBB die Dienstleistung bei Multimediainhalten die Datei. Ist wirklich nicht zu vergleichen. Da geb ich ihnen Recht. Professionelles Filesharing (da verdienen die Sharing Plattformen) ist aber nicht legitim. Wenn dabei nichts verdient wird siehts anderst aus.
      2 1 Melden
  • Madison Pierce 10.11.2017 14:01
    Highlight Nehmen wir uns Zeit für eine Schweigeminute für das Usenet. Heute gibt es fast nur noch Warez, aber noch vor zehn Jahren war das Usenet ein wichtiger Teil des Internets. Man hat über alle möglichen Themen diskutiert, Hilfe bekommen und zusammen gelacht. Man hat sein Sigfile gepflegt, Newbies zurechtgewiesen, wenn sie TOFU gepostet haben und lernresistente Exemplare geplonkt oder ihnen Merkbefreiungen ausgestellt. Das Usenet war eine eigene Kultur, der man gern angehört hat.

    Könnte eigentlich mal einen Artikel "die guten alten EDV-Zeiten" vertragen. :)
    61 0 Melden
  • sintho 10.11.2017 13:37
    Highlight Was sie mit den angemeldeten Benutzern machen wollen, überlegen sie sich noch in den nächsten Wochen? Das Board bietet nur Linkdateien an, es ist weder eine Straftat, dort registriert zu sein, noch solche Linkdateien herunterzuladen. Die Anklage ist extrem undurchsichtig, da kann man ja Google auch gleich down nehmen. Ich denke die Sache ist rechtlich noch lange nicht durch.
    92 0 Melden
    • oXiVanisher 10.11.2017 13:56
      Highlight Google hat leider deswegen schon rechtliche "Probleme" gehabt, das man sie zwingen wollte, torrent Links zu entfernen. Ich weiss aber nicht mehr genau was passiert ist damals. (Wollte damit nur sagen, dass es auch das schon gegeben hat.)
      9 0 Melden
    • sintho 10.11.2017 14:04
      Highlight Hm ja, das Usenet hat auch eine Takedown Funktionalität, die den Inhalt dann sogleich entfernt.
      5 0 Melden

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