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Steve Joby Movie

Fassbender-Dämmerung.
Bild: Universal Pictures

Die Geburt des iMenschen sieht schweinegut aus. Danny Boyles Film «Steve Jobs»

Grosser Unternehmer, böser Mensch: Regisseur Danny Boyle erklärt in seiner Film-Biografie «Steve Jobs», weshalb der Mann, der Apple zur Weltmarke machte, charakterlich nicht immer Weltspitze war.

12.11.15, 11:59 04.01.16, 16:14

Wolfgang Höbel



Ein Artikel von

Kino-Biografien sind seit ein paar Jahren ein höchst beliebtes Genre. Dabei rühren Drehbuchautoren, wenn sie wieder einen Prominenten preisen, gern die gleiche Pathossuppe an. Die Vorhersehbarkeit des Schemas – frühes Leid, Aufstieg, Verrat, Läuterung – macht Kino-Biografien über Coco Chanel, Johnny Cash und andere kreative Pioniere oft so sagenhaft langweilig.

Regisseur Danny Boyle geht in «Steve Jobs» anders ans Werk. Er erzählt von drei grossen Reden seines Helden, jeweils vor grossem Publikum, in den Jahren 1984, 1988 und 1998. Alle finden in kalifornischen Hörsälen und Musiktheatern statt, der erste ist in kratzigen 16-Millimeter-Bildern gedreht, der zweite in breitester 35-Millimeter-Pracht, der dritte in hyperreal scharfen Digitalaufnahmen.

Trailer zu «Steve Jobs»

YouTube/Universal Pictures

Jedes Mal sieht man Michael Fassbender den Helden Steve Jobs mit historisierender Maske spielen: als beinahe noch zottelhaarigen Nerd, als coolen Geschäftsmann, als noch nicht kranken, aber runtergehungerten Besessenen. Und jedes Mal ist nicht die Rede selbst das Ereignis, und auch nicht die neue Technik, von der diese Rede handelt – sondern das, was hinter der Bühne passiert: Der Film «Steve Jobs» betreibt für den Kinozuschauer Detektivarbeit und Klatschrecherche hinter den Kulissen.

Man sieht den Filmhelden zu Beginn in einem hässlichen Beziehungsstreit mit einer verhärmten jungen Frau (Katherine Waterston), mit der er mal Sex hatte. Sie hat ihre kleine Tochter Lisa (Makenzie Moss) dabei, sie redet von einem Vaterschaftstest, der mit angeblich 90-prozentiger Sicherheit beweist, dass Jobs der Vater des Mädchens ist, und sie möchte Geld für sich und das Kind.

Steve Jobs (Michael Fassbender) sieht hier wohl irgendwas Störendes mit Windows.
Bild: Universal Pictures

Der Held schaut hasserfüllt drein und ätzt, das Kind sei garantiert von einem anderen Kerl. Irgendwann aber bemerkt er, dass die kleine Lisa während der Streiterei auf seinem heissgeliebten Mac-Computer eine Wackelgrafik gezaubert hat, und natürlich werden seine Gesichtszüge weich.

Nach dieser Art Menschelei funktioniert das gesamte «Steve Jobs»-Drehbuch von Aaron Sorkin. Vor ein paar Jahren hat Sorkin für David Finchers «The Social Network» den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg einer psychotherapeutischen Fernbehandlung unterzogen – mit riesigem Erfolg bei Kritik und Publikum. Nun präsentiert er uns in Boyles Film «Steve Jobs» den Mann, der als 21-Jähriger im Jahr 1976 zusammen mit einem Kumpel die Firma Apple gründete, als gründlich verkorksten Charakter.

Die kaltäugige Kate

Offiziell basiert Sorkins Diagnose auf einem Buch, der Jobs-Biografie von Walter Isaacson. In Wahrheit nehmen sich die Filmemacher aber jede Menge kühn erschwindelte Frechheiten heraus. Jobs' einzig wahre Partnerin und Gegenspielerin ist hier seine Assistentin Joanna, die von Kate Winslet mit kalten Augen, bebenden Wangen und erstaunlicher Härte gespielt wird – und in der absehbarsten Szene des ganzen Films muss Fassbenders Held eben dieser Frau einen tranigen Liebesantrag machen.

Joanna (Kate Winslet) bereitet Steve Herzschmerz.
Bild: Universal Pictures

Vermutlich ist jeder, der einen Spielfilm über den im Oktober 2011 an Krebs gestorbenen Apple-Mogul Steve Jobs drehen will, zum Flunkern verdammt. Was gibt es über den Kerl schon Hochinteressantes zu erzählen? Er war nicht der geniale Erfinder, das war sein Kumpel Steve Wozniak. Erst tüftelten sie an anderen Personal Computern, dann brachten sie 1984 den Macintosh, kurz Mac, heraus.

Ein Roboter taut auf

1985 verlor Jobs einen firmeninternen Machtkampf, musste bei Apple gehen und machte mit einer neuen Computerfirma namens NeXT weiter, zudem mit der Animationsfirma Pixar. 1997 kam es dann zur triumphalen Rückkehr.

Jobs fing, zunächst als «Sonderberater», wieder bei Apple an. Die damals kriselnde Firma machte er bis zu seinem Tod zum global dominierenden Computerkonzern. Netter Stoff für einen Dokumentarfilm, wie den mit dem Titel «Steve Jobs – The Man in the Machine», der diese Woche auf DVD herauskommt.

Steve Jobs Movie

Danny Boyle trägt schon seit sehr vielen Jahren die gleiche Frisur. 
Bild: Universal Pictures

Boyles Kinofilm «Steve Jobs» interessiert sich null für die Innovationen, die der Titelheld bei seinen Reden vorstellt, erst den ersten Mac-Rechner, dann den Next-Cube, dann den iMac. Stattdessen zeigt er in ebenso nervösen wie eleganten Kamerafahrten einen Mann, der ständig in Bewegung ist; einen Rasenden, der seine Weggefährten zusammenstaucht; einen Redepult-Caligula.

Leicht bucklig, wie es sich für einen Nerd gehört, mit den schmalen Lippen und dem stets leicht irren Blick eines Autisten spielt Fassbender seinen Helden zu Beginn als emotionslosen Roboter – und wird dann langsam doch noch zum menschlichen Wesen. Oder soll man sagen: Zum iMenschen?

«Was du machst, ist nicht das Beste an dir»

Der echte Steve Jobs hat angeblich nach der Maxime gearbeitet, dass Design alles sei. Das hat Danny Boyle konsequent in einen Film übersetzt. Er sieht schweinegut aus, zeigt grossartige Schauspieler (Seth Rogan als Steve Wozniak darf ein paar Mal auch was sagen) und präsentiert viele messerscharf formulierte Dialoge.

Nur, worum geht es eigentlich in diesem Film? Immer wenn sich der Zuschauer das fragt – und das tut er oft –, taucht die erst verleugnete, dann finanziell halbwegs versorgte, stets aber vernachlässigte Tochter Lisa (als Erwachsene: Perla Haney-Jardine) auf.

Steve Joby Movie

Der andere Steve: Seth Rogen als Steve Wozniak.
Bild: Universal Pictures

Lisa ist für Boyle und Sorkin das personifizierte schlechte Gewissen des Mannes Steve Jobs, der als Baby von seinen leiblichen Eltern zur Adoption freigegeben wurde. Im Film darf Kate Winslet als Joanna plötzlich einen verblüffend antikapitalistischen Satz sagen: «Was du machst, ist nicht das Beste an dir. Wenn man ein Vater ist, sollte das der beste Teil von einem sein.»

Was für ein banaler Quark. Der ganz und gar virtuose Film «Steve Jobs» ist leider auch ein Fall von hemmungsloser Familientier-Küchenpsychologie. Ein Mann, der sich selbst einen «Künstler» nennt und der hier mal mit Leonardo da Vinci, mal mit Julius Cäsar verglichen wird, muss sich wegen mangelhaften Brutpflegeverhaltens ans Kreuz schlagen lassen.

Dabei wird die Weltgeschichte, wie Friedrich Nietzsche erkannt hat, praktisch ausschliesslich von schlechten Menschen bestimmt, die man erst später gutgesprochen hat. Schon deshalb bekommt auch der Held dieses Films gegen Ende doch noch einen kleinen Heiligenschein aufgesetzt.

«Steve Jobs» läuft jetzt im Kino.

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Nein, Gertrud, meine Tattoos sind «kein Schrei nach Aufmerksamkeit»

Danke der Nachfrage, aber mir geht es gut und nein, du darfst nicht «schnell mal anfassen» oder «nachsehen».

Der Sommer ist für viele Tätowierte ein schwieriges Pflaster. Jetzt, wo die Tattoos nicht mehr von Pullovern verdeckt werden (können) und für jedermann und -frau öffentlich beurteilbar sind, häufen sich die ungebetenen Kommentare. Im Freibad. Beim Bäcker. Beim Grillen mit den Freunden der Nachbarn.  

Ich weiss, wovon ich spreche. Statt mir in die Augen zu schauen, kleben die Blicke der Fremden seit drei Monaten an meinen Armen. Manchmal werden sie übergriffig:

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