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Logi-Überwachungskamera Circle.
bild: Matthias Kremp

Hausüberwachung per Smartphone: Das sind die neusten Alarmanlagen Marke Eigenbau

Alarmanlagen sind teuer und aufwändig. Geht das nicht auch einfach und günstig? Wir haben es ausprobiert – mit vernetzten Geräten und Handy.

15.03.16, 21:11

Matthias Kremp

Ein Artikel von

Smart Home, das hat jetzt doch bestimmt jeder schon mal gehört. Auf der Computermesse Cebit ist das schlaue vernetzte Zuhause jedenfalls ein grosses Thema. Aber kann man damit auch etwas Praktisches anfangen? Ich habe es ausprobiert und ein paar Produkte getestet, mit denen man sein Haus sicherer machen können soll.

Der erste Gedanke, wenn man sein Haus aus der Ferne überwachen und schützen will: Man braucht Kameras. Wenn die vernetzt sind, kann man unterwegs immer mal per Smartphone nach dem Rechten schauen. Dabei gibt es viele verschiedene Varianten.

Mein erster Versuch war die dLAN LiveCam Powerline von Devolo. Sie wird per Powerline-Technik über die im Haus verlegten Stromkabel ans Internet angeschlossen. Im Set mit dem dafür notwendigen Powerline-Adapter kostet sie 129 Franken. Im Grunde funktioniert das auch prima, die Installation ist kinderleicht. Nur die Videoqualität ist bescheiden, vor allem bei wenig Licht.

Also startete ich einen weiteren Versuch, diesmal mit der 200 Franken teuren Circle von Logi. Deren Vorteil: Sie lässt sich ins WLAN einbinden, hat eine deutlich bessere Bildqualität als die LiveCam. Weil sie einen Akku hat, kann man sie ausserdem flexibel mal hier, mal dort aufstellen. Allerdings immer nur für wenige Stunden, da der Akku nicht viel Ausdauer hat.

Eine Besonderheit: Die Circle hat nicht nur ein Mikrofon, sondern auch einen Lautsprecher, sodass man mit den Personen im überwachten Raum sprechen kann. Ob man allerdings einen Einbrecher vertreiben kann, indem man ihn per Webcam einen bösen Buben nennt, sei dahingestellt.

Für draussen besorgte ich mir zudem eine Arlo von Netgear, die ebenfalls 200 Franken kostet. Die ist wetterfest, hat bei mir schon mehrere Winterstürme durchgehalten. Über einen Bewegungsmelder registriert sie, wenn sich jemand auf der Terrasse rührt, startet die Videoaufzeichnung, speichert das Video in der Cloud und schickt mir eine Nachricht aufs Smartphone. Bisher funktioniert das sehr zuverlässig.

Basisstationen für Alarmanlage und Aussenkamera.
bild: Matthias Kremp

Nervig ist dabei nur, dass die Arlo sich nur mit dem WLAN ihres eigenen Routers verbindet, den man zusätzlich zum eigenen installieren muss, der aber zu nichts anderem taugt als zur Internetanbindung von Arlo-Kameras.

Gigaset Elements

Eine richtige Alarmanlage, die man per Smartphone und Computer steuern kann, bietet Gigaset unter der Bezeichnung elements an. Zum Angebot gehören Bewegungsmelder, Tür- und Fenstersensoren, eine Kamera, schaltbare Steckdosen, eine Sirene und ein Funktaster. Letzterer ist sehr nützlich, weil er es ermöglicht, das System auch ohne Handy zu steuern. Ein Starterset mit vier Sensoren, Basisstation, Sirene und Funktaster kostet 300 Franken, die Kamera 150 Franken und zusätzliche Sensoren gibt es für je Franken.

Die Installation geht flink von der Hand: In die Sensoren werden Batterien eingesetzt, ein Knöpfchen gedrückt, um sie in der Elements-App anzumelden. Dann noch mit Klebe-Pads oder Schrauben befestigen, fertig. Schon im Grundzustand funktioniert das System zufriedenstellend. Mit sogenannten Rezepten kann man die Funktionen ein wenig an seine Bedürfnisse anpassen, indem man beispielsweise eine Lampe einschalten lässt, wenn man nach Hause kommt.

Damit das alles funktioniert, muss man das System natürlich immer aktivieren, wenn man das Haus verlässt, und deaktivieren, wenn man nach Hause kommt. Das geht entweder per App oder mit einem optionalen Funktaster, der 35 Franken extra kostet. Komfortabler wäre es noch, wenn die Anlage über das Smartphone automatisch feststellen könnte, ob man zu Hause ist oder nicht. Vernetzte Heizungssteuerungen beispielsweise können so etwas.

Leider hat das System noch einige Macken. So lässt sich die Liste der Sensormeldungen mit der App, trotz entsprechender Funktion, nicht vollständig löschen, scheinbar gelöschte Ereignisse tauchen immer wieder auf. Die Kamera muss sehr sorgsam positioniert werden, weil sie sich leicht durch Lampen blenden lässt und dann in dunkleren Bereichen nichts mehr aufzeichnet. Und schliesslich ist die Abfrage der Kamera über die Gigaset-Server oft sehr langsam oder endet in Fehlermeldungen.

Panasonic Smart Home

Einen ähnlichen Ansatz wie Gigaset verfolgt Panasonic mit seiner Smart Home genannten Lösung. Auch hier gibt es etliche Sensoren und Zubehörteile, aus denen man sich sein System zusammenstellen kann. Ein Einsteigersystem mit zwei Sensoren, Sirene und Basisstation kostet 220 Franken. Weitere Sensoren, darunter solche, die Wasserschäden und Glasbruch erkennen sollen, kosten je 30 bis 50 Franken. Gesteuert wird das Ganze ebenfalls über eine App.

Das Besondere ist hier, dass sich der Hersteller mit der Allianz-Versicherung zusammengetan hat. Im Kombination mit dem sogenannten Assist-Service-Paket kostet das Einsteigerset in Deutschland dann nur noch rund 20 Franken, ist aber an einen 24-monatigen Servicevertrag gebunden, der 9.90 Franken pro Monat kostet.

Als Gegenleistung bekommt man dafür Hilfe bei Wasser- und Glasbruchschäden, auch wenn man zum Beispiel im Urlaub ist. Maximal 1500 Franken pro Jahr übernimmt die Versicherung in solchen Fällen.

Leider ist die App von Panasonic nicht übersichtlich, und eine Kamera ist bisher nicht lieferbar. Dafür gibt es Sensoren und Zubehör, das die Konkurrenz nicht hat, beispielsweise einen Schlüsselanhänger zum Aktivieren und Deaktivieren der Anlage.

Fazit

Ist ein Smart Home also auch ein sicheres Zuhause? Ein bisschen sicherer kann man es mit den getesteten Sensoren, Kameras und Apps jedenfalls machen. Eine umfassende Sicherung aller relevanten Fenster, Türen und Aussenbereiche ist nicht ganz billig, aber immerhin günstiger als eine professionelle Alarmanlage.

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • wipix 16.03.2016 09:36
    Highlight Ich hab mir am letzten Samstag die konkurrenzlos günstige 7Links Domkamera für den Aussenbereich gekauft (720p HD). Die installation im Netzwerk mit allen Funktionen (Bewegungsmelder / FTP Server DNS kommt noch) ist nicht ganz ohne. Stören tut mich grundsätzlich aber bis jetzt nur eines: Für die Bedienung / Konfiguration braucht es ein activX Steuerelemt / Adon im Browser. Diesen hab ich nur bei Windows Rechner installieren / finden können. Linux und Mac bleiben noch aussenvor. Bin mir aber sicher, dass ich dies noch lösen kann.
    Ansonsten zufrieden!
    1 0 Melden
  • kdeana 15.03.2016 22:53
    Highlight nutze seit einiger Zeit die Kamera von Homeboy. Komplett drahtlos (Akku, Wifi), dafür keine permanente Überwachung, nur mittels Geofencing. Wirklich super!
    1 1 Melden
  • Qwertz 15.03.2016 22:04
    Highlight Es gibt noch eine tolle Android-App namens IP Camera, mit der man das alte Smartphone als Überwachungskamera nutzen kann.
    https://play.google.com/store/apps/details?id=com.pas.webcam
    3 2 Melden

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