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Taffe Krieger mit dicken Wummen. Wo hat man das schon einmal gesehen? Bild: Bungie

Kommentar

«Destiny» und das Problem von Blockbuster-Games: Warum 500 Millionen Dollar kein grossartiges Spiel garantieren

Eine halbe Milliarde Dollar ist für den Zehnjahresplan des Sci-Fi-Games «Destiny» vorgesehen. Aber aller Glanz der Welt und eine gigantische Werbekampagne können nicht über ein durchschnittliches Spiel hinwegtäuschen. Das Paradoxe: Ich kann den Hals trotzdem nicht voll kriegen.

17.09.14, 13:56 17.09.14, 16:13
Philipp Rüegg
Philipp Rüegg

Redaktor

Die Hoffnungen in «Destiny» waren gross. Von den Entwicklern der «Halo»-Serie erwarteten nicht nur hartgesottene Fans den nächsten Megahit. Den Hype geschürt hat besonders Publisher Activision mit einer Multimillionen-Dollar-Werbekampagne. Dazu wurde das Spiel im Vorfeld in den Himmel gelobt mit einem geplanten Lebenszyklus von zehn Jahren. Etwas, das die wenigsten Games schaffen. Mit 500 Millionen Dollar Budget war die Ausgangslage für «Destiny» mehr als rosig. «GTA V» hat mit 200 Millionen Dollar weniger als die Hälfte gekostet. Und der Erfolg scheint «Destiny» recht zu geben. Bereits am ersten Tag sollen die gesamten Ausgaben wieder eingespielt worden sein, gab Activision bekannt. Uns Gamern nützt das herzlich wenig.

Die Präsentation von «Destiny» ist erstklassig. Bild: Bungie

Die ersten Anzeichen, dass der Sci-Fi-Weltraum-Shooter nicht hält, was er verspricht, war die Entscheidung des Entwickler Bungies, keine Review-Exemplare im Vorfeld zu verteilen. Die Begründung lautete: Das echte Spielerlebnis sei erst zu haben, wenn genug Spieler die Welt bevölkern. Das mag auf ein echtes MMO-Spiel (Massiv Multiplayer Online) wie «World of Warcraft» zutreffen, wo Hunderte von Usern gleichzeitig einen Ort bevölkern. Auf den verschiedenen Planeten in «Destiny» befindet sich aber nur jeweils eine Handvoll anderer Gamer in der selben Instanz. Wenige Tage nach der Veröffentlichung trudelten dann auch die ersten ernüchternden Reviews ein. Sowohl Polygon, Giant Bomb oder auch The Escapist sehen zwar Potenzial, die Begeisterung eines «Halos» kann «Destiny» aber nicht erreichen.

Zufrieden mit der immer gleichen Leier

Das Problem ist das gleiche wie bei vielen anderen Blockbuster-Games – man riskiert zu wenig. Egal ob «Call of Duty», «Assassin's Creed» oder ein beliebiges EA-Sportspiel, der Entwickler geht auf Nummer sicher und beschränkt sich auf Bewährtes. Was in gewisser Weise auch verständlich ist. Wer will schon eine halbe Milliarde Dollar in den Sand setzen? Dadurch erhalten wir zwar hochwertig produzierte Produkte, das Spielerlebnis bleibt aber hartnäckig durchschnittlich. Es ist das Gleiche wie mit bekannten Hollywood-Filmen. Man kriegt kurzweilige und anspruchslose Unterhaltung serviert und das Fazit lautet: «War ganz ok». Damit sollten wir uns nicht zufrieden geben. Die Realität sieht anders aus. Wir tun es trotzdem. Immer wieder. Jahr für Jahr.

Die Action kommt nicht zu kurz, aber in welchen Blockbuster-Games tut sie das jemals? Bild: Bungie

«Wer will schon eine halbe Milliarde in den Sand setzen?»

Auch ich muss mir an die eigene Nase fassen. Denn trotz offensichtlicher Unzulänglichkeiten macht mir «Destiny» genug Spass, dass ich den Kauf keine Sekunde bereue. Niemand muss oder wird sich schämen, weil er auf seichte Unterhaltung steht. Und wem es nach dem Weltraumabenteuer wieder nach etwas Ausgefallenerem dürstet, der bedient sich einfach in der stetig wachsenden Schublade von Indie-Games. Auf eine gesunde Mischung kommt es an.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • katungo 17.09.2014 23:23
    Highlight Well, ich hab Destiny mehrere Stunden auf dem Top-Kanal von Twitch verfolgt. Fazit: sind immer die selben Missionen. Der Spieler sagt zwar immer, dass er das Spiel liebt. Aber ich denk er wird bezahlt. Alle Infos über Spiele sind bezahlt. Ist halt Werbung. Geht um viel geld.
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  • Alpoli 17.09.2014 15:09
    Highlight Im Titel schon der erste Fehler: Ich weiss auch nicht, warum alle, selbst die Spieler, mit denen ich in Destiny chatte, glauben, dass dieses Spiel 500 Millionen gekostet HAT. Es wird ausführlich in diversen Nachrichtenfeeds zu dem Spiel gesagt, dass die 500 Millionen für die nächsten 10 Jahren budgetiert sind. Grob gesagt also 50 Millionen pro Jahr, wobei sicherlich für die Startausgabe mehr verbraucht wurden als die 50 Millionen.

    Und wie bei MMOs üblich, ist das Spiel noch nicht fertig, da werden noch diverse Erweiterungen und Nachbesserungen kommen. Und ein MMO, selbst mit FPS-Elementen, ist nun mal kein Shooter. Wer mit solch einer Erwartung an Destiny herangeht, der wird enttäuscht. Für ein MMO ist Destiny aber schön und grandios mit viel Potential für Kommendes.
    Ok gut, bisschen mehr abwechslung in den Missionen hätte sein können. Das man aber im Endgame erst mal Grinden muss, gehört zu einem MMO dazu. Selbst das grandiose WOW hatte seinen Endcontent nicht von Anfang an drinnen und reicht sie, selbst heute noch bei jedem Addon, per Patches nach.
    Das die Welt ein bisschen unterbevölkert ist, mag ja stimmen, aber ganz ehrlich: Ich nerve mich jetzt schon an den wenigen Spielern, die mit mir auf einer Karte sind und meine Mops, den ich gerade bearbeitet habe für den Fusionsgewehr Doppelkill, wegkillen oder mein Drehmetal und Geistblüte wegfarmen.

    Das Spiel ist eine Woche (und ein Tag) draussen, der Raid erst einen Tag. Jetzt schon ein Fazit zu ziehen ist bisschen argh früh. Warten wir doch noch kommende Erweiterungen und die DLC "The Dark Below" ab.


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    • Philipp Rüegg 17.09.2014 16:21
      Highlight Danke für den Input. Da wäre genauere Recherche angebracht gewesen. Eine genaue Summe haben sowohl Bungie als auch Activision nicht nennen wollen. Lediglich, wie sie bereits erwähnt haben, dass 500 Millionen für die langfristige Planung reichen müssen. Vergleicht man aber die Marketingkampagne und die über 500 Angestellten, dann dürfte Destiny immer noch weit im dreistelligen Millionenbereich sein.
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