Digital

Todd Howard arbeitet nach «Skyrim» mit Fallout 4 am nächsten Kracher. Bild: REUTERS

«Fallout 4»-Chefentwickler erklärt, wie er sein Game 6 Jahre geheim halten konnte und warum es nicht in Europa spielt

Das Rollenspiel «Fallout 4» ist einer der Hits auf der Spielemesse E3. Hier erklärt Chefentwickler Todd Howard, was Spieler auf ihrer Reise durchs postapokalyptische Boston erwartet.

19.06.15, 10:00

Markus Böhm / spiegel online 

Ein Artikel von

Todd Howard ist einer der bekanntesten Computerspiele-Entwickler der Welt. Der Programmierer von Bethesda Softworks hat mit «Fallout 3» und den «The Elder Scrolls»-Spielen «Morrowind», «Oblivion» und «Skyrim» gleich mehrere hervorragende Spiele verantwortet, die Millionen Spielefans in ihren Bann zogen.

Todd Howard arbeitet seit 1994 bei Bethesda Softworks. Er zählt zu den bekanntesten Spieleentwicklern weltweit, seine Spiele wie «Skyrim» wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Bei einer Entwicklerkonferenz zählte Howard mal drei Regeln fürs Spielemachen auf. Eine davon lautete «Grossartige Spiele werden gespielt, nicht gemacht.»

Auf der Spielemesse E3 hat Howard seinen nächsten Hit vorgestellt: «Fallout 4», das am 10. November für den PC, die Playstation 4 und die Xbox One erscheinen soll.

Das Endzeit-Rollenspiel voller Anspielungen auf die Fünfzigerjahre und Science-Fiction-Comics ist im amerikanischen Boston angesiedelt – in einer Welt, deren Geschichtsschreibung unserer realen nur teilweise ähnelt (Eindrücke liefert unsere Bildstrecke).

Die Hauptfigur, deren Geschlecht man wählen kann, ist im Jahr 2277 unterwegs, 200 Jahre nach einem Atomkrieg. Zu entdecken gibt es eine Welt voller geheimnisvoller Orte, seltsamen Personen und fiesen Kreaturen. Wir haben mit Todd Howard über den neuesten Teil der Serie gesprochen.

Herr Howard, als Sie «Fallout 4» bei Bethesdas E3-Pressekonferenz vorgestellt haben, sagten Sie, dass seit 2009 daran gearbeitet wird. Fiel es Ihnen schwer, der Öffentlichkeit erst jetzt von dem Projekt zu erzählen?Todd Howard: Die vergangenen vier Jahre waren hart, nachdem wir «Skyrim» auf den Markt gebracht hatten. Man wollte darüber reden und hätte es tun können, doch wir hielten es für besser, die Entwicklung geheim zu halten, bis wirklich etwas da ist. Wir wollten den Moment, in dem die Leute davon erfahren, besonders machen – und wir haben das Gefühl, das ist uns ganz gut gelungen.

Der dritte «Fallout»-Teil spielte in Washington, warum haben Sie sich diesmal für Boston entschieden?
Schon in «Fallout 3» gab es Hinweise auf Boston. Die Stadt hat den richtigen Mix aus amerikanischer Geschichte und Hightech-Zeug.

Wie im Vorgänger «Fallout 3» wird der Spieler Tage oder auch Wochen damit verbringen können, die Welt zu erforschen. Dabei trifft er immer wieder auf Kreaturen wie diese. Bild: bethesda

Haben Sie mal mit dem Gedanken gespielt, ein «Fallout»-Spiel in Europa anzusiedeln?
«Fallout» ist vom Ton her viel eher ein amerikanisches Spiel, etwa was die Propaganda, den Humor und den Futurismus angeht.

Auf der E3 wurden dieses Jahr viele Spiele vorgestellt, bei denen man von einem Moment zum anderem vom Einzel- in den Mehrspielermodus wechseln kann. Warum haben Sie «Fallout 4» als reines Einzelspielerspiel konzipiert?
Die Frage ist, was man dem Spieler ermöglichen will. Zum Erkunden in «Fallout» gehört eine gewisse Einsamkeit. Und wir wollten eine bestimmte Art von Geschichte erzählen. Wäre «Fallout» ein Mehrspielerspiel, wäre es ein ganz anderes Spiel. Nicht zwangsläufig ein schlechtes, aber ein anderes.

Es gibt mittlerweile viele Spiele mit offener Welt, etwa von Rockstar Games und Ubisoft. Gerade ist das Rollenspiel «The Witcher 3» erschienen. Was macht die Welt von «Fallout 4» besonders?
Unsere Welt hat eben den «Fallout»-Stil, schon das macht das Spiel besonders. Wir bemühen uns, alles so zu gestalten, dass es in die «Fallout»-Welt-passt. Bei uns kann der Spieler ausserdem zwischen der Ich-Perspektive und einer Dritte-Person-Perspektive wählen: Wir müssen uns also um die winzigen, aber auch die grossen Details kümmern.

Am Unterarm trägt die Hauptfigur einen sogenannten Pip-Boy, einen tragbaren Computer. Dieser wird vom Spiel als Menü genutzt. bild: bethesda

Zum ersten Mal werden Spieler die Chance haben, die Spielwelt vor der Apokalypse zu Gesicht zu bekommen – dort individualisiert man unter anderem seinen Charakter. Welchen Umfang hat dieser Teil des Spiels?
Das kann man zeitlich nicht genau sagen – man kann ja eine halbe Stunde damit verbringen, das Gesicht seiner Spielfigur zu erstellen.

Die Handlung vor der Apokalypse spielt also vor allem in der gezeigten Wohnsiedlung, man kann nicht die ganze Umgebung bereisen?
So ist es.

Welche Rolle spielen der Hund und der Haushaltsroboter, die bei der Spielpräsentation zu sehen waren?
Im Spiel gibt es eine Reihe von Begleitern, der Hund und der Roboter sind zwei davon. Sie können dem Spieler helfen und mit ihm kämpfen, jedoch nie mehr als einer auf einmal. Man kann aber zwischen den Begleitern wechseln.

Der Hauptteil des Spiels spielt 200 Jahre nach dem Atomkrieg von 2077, also 2277. Die Hauptfigur kommt zu diesem Zeitpunkt wieder aus einem Bunker. bild: bethesda

Neu ist die Möglichkeit, in der Spielwelt kleine Festungen, aus Dingen, die man gefunden hat, zu errichten. Hat diese Funktion Grenzen?
Das Bauen wird nur in bestimmten Arealen auf der Karte möglich sein. Innerhalb dieser Areale gibt es keine Beschränkungen.

Bei der Microsoft-Pressekonferenz wurde bekannt gegeben, dass per PC erstellte Fan-Erweiterungen auch auf der Xbox One laufen sollen. Wird man für manche Mods bezahlen müssen? Bei «Skyrim» hat Bethesda mit einer Mod-Bezahlmöglichkeit experimentiert, die nach Fan-Protesten zurückgezogen wurde.
Wie lang war das Bezahlsystem online? 24 Stunden? Ich kann nur für den jetzigen Zeitpunkt sprechen, aber aktuell gibt es keine Pläne für ein Bezahlsystem.

Wie «Fallout 4» wurden auch schon andere Spiele sehnlich von den Fans erwartet, doch nicht immer lösten sie ein, was sie versprachen. Bei «Assassin's Creed: Unity» etwa ärgerten sich viele Spieler über Zusatzkäufe, die darin angeboten wurden. Gibt es etwas Derartiges in «Fallout 4»?
Nein.

Das könnte dich auch interessieren

Das sind die Highlights der E3, dem wichtigsten Game-Event des Jahres

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
6
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Moe Mentmal 22.06.2015 09:09
    Highlight Zum Glück ist Bethesda mit Fallout 4 nicht auf den Co-op Online / Multiplayer Zug aufgesprungen. Nachdem schon The Elder Scrolls zum billig-MMO verkommen ist, hatte ich schon dahingehende Befürchtungen. Witcher 3 + Fallout 4: Das Singleplayer RPG Genre lebt!!!
    1 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 20.06.2015 11:10
    Highlight aber mannehh ich wünsch mir sowas auch für Machinarium :) dort gehts irgendwie nie weiter.....
    0 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 20.06.2015 11:08
    Highlight ohhh ich freu mich ich freu mich ich freu mich :)
    1 1 Melden
  • eddie_dee3 19.06.2015 11:08
    Highlight Seit Morrowind bin ich ein grosser Fan von Bethesda.
    Wie im Interview schon angesprochen, die achten noch auf Details und auf eine gute Story. Sie produzieren Spiele mit Herz.
    13 0 Melden
    • goschi 19.06.2015 17:23
      Highlight Gute Story?
      Bethesda?
      Wann?

      Der Lore, also die Hintergrundwelt und -Geschichte, die ist in den Bethesda-Spielen idR wirklich gut ausgearbeitet und weitläufig, aber die Story an sich war noch jedes mal eher Murks und an Nebensächlichkeit kaum zu überbieten.
      Das hat wohlgemerkt auch sein Gutes, so kann man sich ungeniert auf das Erkunden konzentrieren.
      3 4 Melden
  • Asmodeus 19.06.2015 10:36
    Highlight Fallout 4 hat dieses Jahr etwas geschafft, was mir seit Jahren bei Spielen nicht mehr passiert ist.
    Es hat mich ernsthaft gehyped.

    Ich bin normalerweise immer kritisch bei neuen Spielen und betrachte Vorbestellen als ein Trick der Spielehersteller Geld bereits zu verdienen ohne sich die Mühe machen zu müssen ein gutes Spiel zu entwickeln. (HALLOOOO EA)

    Aber die Pip-Boy-Edition musste ich einfach vorbestellen. Bethesda ist einige der wenigen Spieleschmiden, denen ich in Sachen Add-Ons noch vertraue
    11 0 Melden

«Star Wars Battlefront 2» im Test: Die Macht ist nicht mit diesem Spiel

Nicht nur die umstrittenen Mikrotransaktionen lassen das Gamer-Blut kochen. Auch die schwache Kampagne für alle Singleplayer sorgt bei Star-Wars-Fans für Kopfschütteln.

Ich gestehe: Ich bin ein riesiger Star-Wars-Fan. Seit ich denken oder gehen kann, sauge ich fast alles auf, wenn es um den «Krieg der Sterne» geht. Die Vorfreude auf die bald in den Lichtspielhäusern erstrahlende Episode 8 ist bei mir gigantisch. Auch auf eine zünftige Kampagne habe ich mich bei «Star Wars Battlefront 2» immens gefreut. Vergessen war der narrative Ausrutscher des Vorgängers, der storytechnisch nichts geliefert hat. Nun sollte alles besser werden. Doch es kam irgendwie …

Artikel lesen