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In this undated file photo provided by Ralph White, the bow of the Titanic at rest on the bottom of the North Atlantic, about 400 miles southeast of Newfoundland. A team of scientists will launch an expedition to the Titanic on Aug. 18, 2010, to assess the deteriorating condition of the world's most famous shipwreck and create a detailed three-dimensional map that will

Das berühmteste Schiffswrack der Welt liegt in den Tiefen des Nordatlantiks. Bild: AP RALPH WHITE

Der unerträgliche Untergang der Titanic: Hier erlebst du das Drama in Echtzeit

Das war wirklich anstrengend: Britische Spielentwickler haben den Untergang der Titanic als YouTube-Video rekonstruiert. Das Epos dauert 2:40 Stunden.

20.04.16, 19:48 20.04.16, 23:01

Matthias Kremp



Ein Artikel von

Die ersten zwei Minuten sind geradezu mit Action vollgestopft. 11:39, die Besatzung entdeckt einen Eisberg. Einige Sekunden später werden die Maschinen gestoppt. 11:40, die Titanic rammt mit ihrer Steuerbordseite einen Eisberg. Die Schotten werden dichtgemacht.

So beginnt ein Video, das den Zuschauer den Untergang des berühmten Kreuzfahrtschiffes in Echtzeit miterleben lässt. In Echtzeit, das bedeutet, dass man zwei Stunden und 40 Minuten lang durchhalten muss, um die Tragödie, die sich am 15. April 1912 im Nordatlantik abspielte, als 3D-Animation anzusehen.

Produziert wurde das Video von Four Funnels Entertainment, einer kleinen Gruppe von Entwicklern, die an einem Computerspiel namens «Titanic – Honor and Glory» arbeitet, das die Titanic-Katastrophe zum Thema hat. Mit dem Echtzeit-Film werben sie um Enthusiasten, die ihr auf mehrere Jahre angelegtes Projekt finanziell unterstützen sollen.

Und dann passiert nichts

Doch das Video vom Untergang anzusehen, ist eine Herausforderung. Ich habe es trotzdem getan. Zugegeben, auf dem Zweit-Notebook, während ich nebenher gearbeitet habe. Trotzdem kann ich es nicht anders sagen: der Film hat seine Längen. Aber genau das macht ihn so dramatisch.

Das zeigt sich schon nach den ersten paar Minuten, denn nachdem die Schotten verschlossen werden, passiert fünf Minuten lang gar nichts. Ich starre auf das 3D-Modell des Luxus-Liners, das langsam über den computergenerierten Atlantik dümpelt, bis mich eine Texteinblendung wachrüttelt: Die Titanic habe nun angehalten, wird mir auf dem Bildschirm signalisiert, die Schäden würden begutachtet.

Actors Leonardo DiCaprio (L) and Kate Winslet (R) in a scene from the movie

Leonardo DiCaprio und Kate Winslet in der erfolgreichsten «Titanic»-Verfilmung.
Bild: AFP

Zu sehen bekomme ich davon nichts. 19 Minuten nachdem das Video begonnen hat kommt das 3D-Schiff vor einem schlecht simulierten Sternenhimmel erneut zum Stillstand. Dieses Mal endgültig, signalisiert mir eine weitere Texteinblendung.

Aber das weiss man ja schon. Spätestens seit dem Spielfilm mit Kate Winslet und Leonardo DiCaprio kennt jeder die Geschichte von dem als unsinkbar geltenden Schiff, das auf seiner Jungfernfahrt nach einer Kollision mit einem Eisberg sank. Mehr als 1500 Menschen starben.

Die Zeit dehnt sich wie Kaugummi

Das scheinbar endlos lange Video lässt ahnen, weshalb das Unglück so viele Opfer forderte. Erst eine Dreiviertelstunde nach dem Zusammenstoss mit dem Eisberg erscheint auf dem Bildschirm der Hinweis, das erste Notsignal per Funk werde nun gesendet. Der Rumpf ist da bereits merklich tiefer gesunken.

Besonders schnell gehen die Rettungsmassnahmen trotzdem nicht voran. Erst eine Stunde nach der Kollision wird das erste Rettungsboot zu Wasser gelassen. Von 65 Sitzplätzen sind nur 28 besetzt. Der Bug der Titanic liegt jetzt deutlich tiefer im Wasser als der Rest des Schiffes.

Szene aus dem Inneren des Schiffes.
screenshot: youtube

Und so geht es immer weiter, quälend langsam senken sich die Rettungsboote der Wasseroberfläche entgegen, eins nach dem anderen. Verstörend ist dabei, dass man zwar ab und zu Stimmen hört, auf dem Schiff aber kein einziger Mensch zu sehen ist. Die Zeit dehnt sich wie warmer Kaugummi in der Sonne.

Kaum zu ertragen

Das Video in voller Länge anzusehen, ist kaum auszuhalten, so langsam spielt sich das Drama ab. In viel zu langen Abständen weisen Einblendungen darauf hin, welches Rettungsboot gerade zu Wasser gelassen wird, wie wenige der zur Verfügung stehenden Plätze mit Passagieren besetzt sind.

So wird der Film zum Gegenteil des Actionfilms, als den man sich eine Schiffskatastrophe vorstellt. Je dramatischer die Lage wird, desto ruhiger wird die Geräuschkulisse. Das eigentliche Drama findet im Kopf statt, als ich mir vorstelle, dass mehr als zweieinhalb Stunden Zeit gewesen wären, Passagiere und Besatzung zu retten.

Trotzdem und ganz ehrlich: Als das Schiff nach 2 Stunden, 41 Minuten und 18 Sekunden endlich vollständig versunken ist, bin ich erleichtert.

Unheimliche Bilder aus dem Innern der Costa Concordia

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

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21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • safety 21.04.2016 16:35
    Highlight Extrem interessant ist es auch, dass J.P. Morgan sich nicht auf dem Titanic aufgehalten hat (desen Bau er, und Andere, in Auftrag gegeben hat). Bizar ist es, dass er viele seine Konkurenten kostenlos auf die Reise geschickt hat, Schiff mit wenigen Retungsboten ausgerüstet hat… Den Rest kann man sich bildlich vorstellen – oder nicht: freie Wille… Traurig
    4 5 Melden
  • Baba 21.04.2016 11:11
    Highlight Was für ein beklemmendes Video...der Umstand, dass keine Menschen zu sehen sind, lässt den Gedanken und Phantasie viel mehr Raum. Die Geräuschkulisse mit dem ächzenden Schiff ging mir wirklich unter die Haut. Bei diesem Untergang ist wirklich ganz viel schief gelaufen, angefangen vom uneingeschränkten Technikglauben ("Nicht einmal Gott kann dieses Schiff versenken"), bis zu einer mehr als mangelhaften Notfallorganisation (wohl als Konsequenz aus ersterem).

    Wie wir aber aus dem Unglück der Costa Concordia wissen, kann es heute noch genauso schlecht ablaufen...
    8 0 Melden
  • Mikado87 21.04.2016 08:27
    Highlight Lustig.. Diesen Film habe ich mir gestern angesehen -nicht in voller Länge- ,obwohl wirklich nicht viel passiert, erfasste mich eine innere Beklemmung.

    Von der Kollision mit dem Eisberg bis zum Untergang dauerte es 2.38 Stunden. Das ist eine so umglaublich lange Zeit für ein Schiff zu sinken. Eine schrecklich lange Zeit um auf den Tod zu warten.

    In meiner Fantasie einer der schrecklichsten Tode, den ich mir ausmalen kann: Zu wissen, dass man dem Tode geweiht ist, aber noch etwa anderthalb Stunden darauf warten muss.
    10 1 Melden
  • Triple 20.04.2016 23:25
    Highlight Interessant zu sehen wie langsam das abging. Von wegen was hätte getan werden müssen. Ausweichen war der Fehlentscheid der Nacht. Eine Frontalkollosion hätte das Schiff wohl weggesteckt. Allerdings gäbe es dann auch keinen Mythos Titanic, oder wer kennt schon die beiden beinahe baugleichen Schwesterschiffe??
    10 11 Melden
    • Baba 21.04.2016 04:44
      Highlight Auch das jüngste der drei Schwesterschiff, die Britannic, hatte nur ein kurzes 'Leben'. Im Dezember 1915 in Dienst gestellt, also mitten im 1. WK, wurde sie gar nie als Passagierdampfer (ihre eigentliche Bestimmung) eingesetzt, sondern nur als Spitalschiff ('schwimmendes Lazarett'). Weniger als ein Jahr nach der Jungfernfahrt wurde sie durch eine Seemine (oder war's ein Torpedo?) versenkt... Nur das erste Schiff, die Olympic, die der Klasse auch den Namen gab, hatte einen halbwegs 'normalen' Dienst. Sie sank nicht, sondern wurde in den 1930er Jahren abgewrakt.

      Ja, ganz viel Dramatik drin...
      10 0 Melden
  • Aufblasbare Antonio Banderas Liebespuppe 20.04.2016 22:23
    Highlight Es ist ja auch eine Realische Sinulation und kein Actionfilm.
    Kann kann ja bei Youtube Speed einstellen.
    13 2 Melden
  • Yonni Meyer 20.04.2016 21:07
    Highlight Extrem sehenswert ist übrigens auch diese Doku über eine gigantische Titanic-Expedition, im Rahmen welcher mittels Sonar eine Karte von 15 Quadratmeilen rums ums Wrack erstellt wird und man so jedes einzelne Wrackteil zu sehen bekommt, das da unten auf dem Meeresgrund liegt. Brillante Rekonstruktionen und den Ablauf des Sinkens (sich drehendes Heck).
    26 0 Melden
  • Yonni Meyer 20.04.2016 20:47
    Highlight Spannender Zufall. Habe ein paar Minuten vor Veröffentlichung dieses Artikels diese Animation geschaut und mich anschliessend (ernsthaft) folgendes gefragt:

    Warum hat man nicht umgedreht und die Passagiere auf dem Eisberg abgesetzt?
    33 18 Melden
    • Marco Rohr 20.04.2016 20:55
      Highlight Weil man sie auch nach dem Aufprall für unsinkbar hielt.
      13 3 Melden
    • Yonni Meyer 20.04.2016 21:01
      Highlight Ja, aber sie sank ja während 2:40h und die Fachleute an Bord wussten ja relativ rasch, dass das nicht gut kommt. Und da die Maschinen gestoppt wurden, konnte man ja nicht allzu weit vom Eisberg weg sein.

      Gut, vielleicht war der Maschinenraum bereits ganz am Anfang geflutet und man konnte sie gar nicht mehr zum Laufen bringen, um umzukehren.
      25 9 Melden
    • Yonni Meyer 20.04.2016 21:54
      Highlight Mich verwirren diese Blitze ein bisschen. Falls ich da jetzt komplett daneben liege, wär's super, wenn mir das jemand erklären könnte. Ich will mich keineswegs lustig machen, sondern habe mir diese Fragen ernsthaft gestellt.
      28 14 Melden
    • The Box 20.04.2016 22:07
      Highlight Bäm und noch drei Blitze mehr!
      4 41 Melden
    • Yonni Meyer 20.04.2016 22:12
      Highlight Das macht grundsätzlich Sinn. Aber: Er lag ja stabil genug im Wasser, dass ihn die Titanic nicht wegzubewegen vermochte (die Augenzeugen sprechen von einem Auflaufen/Entlangschrammen - wenn er instabil tariert ausläge, wäre er ja (weg) gekippt, nicht?). Ich verstehe nicht ganz, wie ihn ein paar 100 Kilo zum Kippen bringen sollen, wenn ein 50'000 Tonnen-Schiff das nicht vermag. Und selbst wenn: Bevor man alle ersaufen lässt, die nicht in die Boote passten, hätt man's ja versuchen können, nicht?
      30 8 Melden
    • Zitronensaft aufbewahren 20.04.2016 22:16
      Highlight Im Video wird erklärt, dass sie Dampf ablassen mussten, damit die Kessel im Eiswasser nicht explodierten. Man hatte also wahrscheinlich keine Power mehr. Und ein Schiff hält nicht so schnell an. Die Titanic wahr wahrscheinlich schon zu weit weg und ohne Kraft.
      22 3 Melden
    • _kokolorix 20.04.2016 23:06
      Highlight Wie stellst du dir das vor? Auf einen eisberg kann man von einem 20m hohen schiffsdeck, das ist etwa so hoch wie ein kirchturm, nicht einfach rüberspringen und vom rettungsboot kann man die glatten wände nicht hochklettern. Ein schiff kann auch nicht einfach in die nähe des eisbergs manöveriert werden, für solche prazision sind schlepper von nöten.
      Es gibt also neben dem vhaotischen
      11 7 Melden
    • _kokolorix 20.04.2016 23:14
      Highlight Auch mit der neuen app schaffe ich es, die kommentare vorzeitig abzuschicken.
      Es gibt viele gründe, weshalb eine rettung auf den eisberg unrealisierbar war. Das grundproblem war das Unvermögen der Verantwortlichen dem Druck der mächtigen, finanzstarken aber leider mit wenig verstand gesegneten, Konzernbosse zu widerstehen und das Schiff vor dem Eisfeld zu stoppen
      9 3 Melden
    • Yonni Meyer 20.04.2016 23:42
      Highlight Ich denke, eine Mischung aus den letzten Kommentaren war's. War ja auch nur ein Gedanke meinerseits, den ich diskutieren wollte. Danke für die Antworten und eine gute Nacht.
      24 3 Melden

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