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epa04109076 A stock trader is costumed as a knight with a Guy Fawkes mask for the traditional stock exchange carnival at the stock exchange in Frankfurt am Main, Germany, 04 March 2014. Trading continuous throughout the carnival celebrations.  EPA/BORIS ROESSLER

Bild: EPA/DPA

Undercover-Einsatz

Anonymous-Aktivisten: FBI-Informant soll Hackerangriffe organisiert haben

Dem FBI half er bei Ermittlungen gegen seine Hacker-Freunde, gleichzeitig organisierte er weiter internationale Angriffe. Aus Gerichtsakten soll hervorgehen, dass die Polizei davon wusste - und Interesse an den Daten hatte.

24.04.14, 13:20

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Hector Xavier Monsegur ist besser bekannt als Sabu, Anonymous-Sympathisant und Mitglied der Hackergruppe LulzSec. Im März 2012 flog er auf, seitdem wartet er auf seinen Prozess. Zuvor hatte er fast ein Jahr lang Informationen über seine Hacker-Kollegen an das FBI geliefert.

Nun zeigen Gerichtsakten, die von der «New York Times» eingesehen werden konnten, dass das FBI nicht nur Informationen über Hacker bekommen hat - sondern auch von Anonymous-Angriffen auf internationale Ziele wie Regierungsserver profitieren konnte. Daten, die dabei erbeutet wurden, landeten auf Servern, zu denen auch das FBI Zugang hatte.

Dabei soll Sabu eng mit dem als Stratfor-Hacker bekannt gewordenen Jeremy Hammond zusammengearbeitet haben. Hammond war Anfang 2012 verhaftet und im November 2013 wegen Hackerangriffen zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Tausende Ziele im Netz

Wie aus den Dokumenten hervorgehen soll, habe Sabu mit Hammond nicht nur die Attacke auf die Server des US-Informationsdiensts Stratfor durchgeführt. Hammond soll von seinem Mitstreiter auch laufend Hinweise auf Webseiten mit Schwachstellen erhalten haben, die sich für Angriffe eigneten.

Darunter von diversen Regierungen unterhaltene Netzauftritte, unter anderem von Brasilien, Iran, Pakistan und Syrien. Zu den betroffenen Behörden-Webseiten hätten auch die der polnischen Botschaft in Grossbritannien oder des irakischen Elektrizitätsministeriums gehört. Die Liste der möglichen Ziele umfasste insgesamt mehr als 2000 Internet-Domains.

Gleichzeitig gegen Hacker und mit Hackern

Aus den nun vorgelegten Gerichtsakten gehe allerdings nicht hervor, ob das FBI direkt hinter den Hack-Attacken gestanden habe. Die Unterlagen würden jedoch nahelegen, dass die Regierung genau zu der Zeit, in der sie Hacker-Gruppen wie Anonymous zu enttarnen suchte, Hacker zum Zweck der Auslandsspionage eingesetzt hat.

Aktivisten mit Guy Fawkes-Maske, dem Symbol von Anonymous Bild: AP

Eine FBI-Sprecherin habe ebenso jede Stellungnahme verweigert wie die Anwälte von Monsegur und Hammond. Nach Einschätzung der «New York Times» offenbaren die jetzt zutage getretenen Details, dass die US-Regierung Sicherheitslücken im Internet, wie den jüngst bekannt gewordenen «Heartbleed»-Fehler, gezielt für Geheimdienstaktionen ausgenutzt habe.

Zudem, so eine Expertin, würden die Dokumente Hinweise darauf enthalten, dass das FBI mit Hilfe von Hackern andere US-Geheimdienste mit Informationen beliefert habe. Derartige Aktivitäten seien nicht nur verlogen, sondern besorgniserregend.

(meu/Spiegel Online)

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • papparazzi 25.04.2014 06:38
    Highlight Liebes FBI und Polizei... bildet doch endlich eure eigenen Leute bezüglich Cyberattacken aus! Ansonsten habt ihr immer wieder solche Fälle, die sind euch km-weit voraus! ut (dp)
    1 0 Melden

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