Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
kurzsichtig augen smartphone

Viele Menschen verbringen fast den ganzen Tag im Nahsichtmodus.
Bild: shutterstock

Das musste ja kommen: Dank Computer, Smartphone & Co. sind immer mehr Menschen kurzsichtig

Schon Kinder starren stundenlang auf Bildschirme, ihre Augen stellen sich darauf ein. Studien zeigen, dass immer mehr Menschen in Europa kurzsichtig sind. Davor schützt vor allem eins: Abwechslung und Tageslicht.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Menschen leben heute doppelt so lange wie noch vor 130 Jahren, Senioren fühlen sich fitter und sind es auch. Eine Sinnesleistung aber hat sich in den Jahren des Fortschritts verschlechtert: das Sehen.

Viele Menschen verbringen heute fast den gesamten Tag im Nahsichtmodus. Sie checken morgens nach dem Aufwachen auf dem Smartphone die ersten Mails, bei der Fahrt mit der Tram lesen sie Nachrichten, bevor sie im Büro acht Stunden am Computer verbringen. Abends versuchen sie, sich vor dem Fernseher zu entspannen. In die Ferne aber schweift der Blick kaum noch. Das verändert auf Dauer die Form des Augapfels.

«Geboren werden wir mit leichter Weitsichtigkeit, also etwas zu kurzem Auge», erklärt Norbert Pfeiffer, Direktor der Augenklinik der Universitätsmedizin Mainz. Dann aber wachse das Auge, bis es auf die Arbeitsentfernung gut eingestellt sei. Wird der Augapfel dabei zu lang, liegt der Brennpunkt des Auges vor der Netzhaut. Entfernte Objekte erscheinen unscharf, Experten sprechen von Myopie.

Was wie ein Fehler wirkt, zeigt eigentlich nur die enorme Wandlungsfähigkeit des Hochleistungsorgans: «Das Auge passt sich an die neue Anforderung ständigen Nahsehens an, und zwar so, dass weniger energieaufwendige Muskelarbeit dafür nötig ist», sagt Pfeiffer.

Fast jeder zweite 25- bis 29-Jährige kurzsichtig

Laut kürzlich vorgestellten Daten des European Eye Epidemiology Consortium sind in Europa derzeit gut 47 Prozent der 25- bis 29-Jährigen kurzsichtig – bei den 55- bis 59-Jährigen hingegen haben mit fast 28 Prozent deutlich weniger mindestens minus 0.75 Dioptrien. Bei den 65- bis 69-Jährigen sind es sogar nur knapp 16 Prozent, berichten die Forscher im «European Journal of Epidemiology».

Für Deutschland zeigten Daten der Gutenberg-Gesundheitsstudie aus dem vergangenen Jahr einen deutlichen Zusammenhang zwischen Kurzsichtigkeit und Ausbildungsstand. Nur knapp ein Viertel der Menschen ohne Ausbildung oder höhere Schulbildung sind demnach kurzsichtig. Von den Teilnehmern mit Abitur oder Berufsabschluss waren es rund 35 Prozent, bei den Hochschulschulabsolventen sogar 53 Prozent.

«Wir waren überrascht: Es zählt wirklich jedes einzelne Bildungsjahr», sagt Pfeiffer. Die Annahme sei zuvor gewesen, dass sich die Augen bis spätestens 18 bis 20 angepasst hätten. «Unsere Ergebnisse zeigen aber, dass auch der Studienabschluss noch eine Rolle spielt.» Der Einfluss der Schul- und Berufsausbildung auf die Ausprägung von Kurzsichtigkeit sei viel grösser als sämtliche genetischen Faktoren zusammengenommen.

Aktuelle Daten zur Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen gibt es für Deutschland und Europa nicht, Mediziner rechnen aber mit einem noch einmal höheren Anteil Kurzsichtiger – Tendenz steigend. «Die Myopie-Welle kommt», ist Frank Schaeffel vom Forschungsinstitut für Augenheilkunde der Universität Tübingen überzeugt.

Draussen toben schützt

Welches Ausmass das Problem annehmen kann, zeigt ein Blick nach Asien: In Südkorea ergab die Untersuchung von 19-jährigen Rekruten, dass mehr als 96 Prozent mindestens minus 0.5 Dioptrien hatten. Jeder Fünfte war mit mindestens minus sechs Dioptrien schwer kurzsichtig. Eine Studie in China zeigte, dass etwa 90 Prozent der Studenten eine Brille tragen müssen. In Taiwan ergab eine Analyse, dass inzwischen rund 84 Prozent der Kinder kurzsichtig sind.

Warum gerade Asien so betroffen ist, erklärt sich Pfeiffer mit drei Faktoren: «Die Kinder gerade in China und Südkorea beginnen schon sehr jung mit dem Lernen und machen dabei sehr viel Naharbeit, vor- und nachmittags.» Zudem spielten die Kinder generell seltener draussen, nicht nur infolge der vielen Schularbeit. «Und drittens sind uns diese Länder im Gebrauch von Unterhaltungselektronik weit voraus.» Schon Kleinkinder hantierten über Stunden mit Handys und Tablets.

Studien haben in den vergangenen Jahren zudem gezeigt, dass das Tageslicht ein lange unterschätzter Faktor ist: Helles Licht hemmt das Augenwachstum – wahrscheinlich über den Botenstoff Dopamin. «Kinder in Singapur sind im Mittel etwa 2,7 Stunden draussen – pro Woche», sagt Schaeffel. Bei einer Studie in China gab es schon deutliche Effekte auf das Augenwachstum, wenn die Kinder für eine Stunde täglich zum Toben nach draussen geschickt wurden.

Vorbeugung ist die einzige Möglichkeit im Kampf gegen die Epidemie, wieder umkehren lässt sich das Augenwachstum nicht. «Höchstwahrscheinlich bleibt lebenslang, was in Kindheit und Jugend einmal angerichtet ist», sagt Pfeiffer. «Nur so lange der Augenkörper noch wächst, lässt sich Einfluss nehmen.» Letztlich helfe nur eines effektiv und nachhaltig: «So oft wie möglich raus an die frische Luft!» (Annett Stein, dpa)

Diese Virtual-Reality-Brillen läuten die nächste Generation von Videospielen ein

Das könnte dich auch interessieren:

Fotograf schiesst DAS Foto der Notre-Dame und muss sich nun gegen Fake-Vorwürfe wehren

Link zum Artikel

Das grösste Verdienst von Tesla sind nicht die eigenen Autos

Link zum Artikel

Schluss mit Lügen! So lässt sich die ganze Welt allein mit grüner Energie versorgen

Link zum Artikel

Vergiss Tinder! Hier erfährst du, welches Potenzial deine Fassade hat 😉

Link zum Artikel

17 katastrophale Tinder-Chats, die definitiv niemanden antörnen

Link zum Artikel

Vermisst und wieder aufgetaucht – 9 Fälle von Kindern, die verschwunden waren

Link zum Artikel

Mit diesen 21 Fakten kannst du beim kommenden «Game of Thrones»-Marathon angeben

Link zum Artikel

«SRF Deville» verkündet Pfadi-Putsch in Liechtenstein – diese finden's gar nicht lustig

Link zum Artikel

Brauchen wir einen Green New Deal, um eine Rezession zu vermeiden?

Link zum Artikel

Wie rechte Ideologen den Brand von Notre-Dame für ihre Zwecke instrumentalisieren

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
sentifi.com

Watson_ch Sentifi

Abonniere unseren Newsletter

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • sweettooth 10.09.2015 00:51
    Highlight Highlight ich bin kurzsichtig, und das nicht zu knapp (haha)
    ich bin im ländlichen gebiet aufgewachsen, war viel draussen mit viel Weitblick. Fernseher hatten wir nicht, Smartphones gab es noch nicht.
    Da ich einen Hochschulabschluss habe, wird das wohl der einzige Grund sein, weshalb ich kurzsichtig bin. wem kann ich nun meine Kontaktlinsen-brillen-laserkosten verrechnen? übernimmt das der Staat, der Arbeitgeber?
  • Tomlate 07.09.2015 13:16
    Highlight Highlight Der Picdump ist schuld!

Kommt jetzt die Pille für den Mann? 5 Dinge, die du darüber wissen musst

Empfängnisverhütung war schon immer Frauensache. US-amerikanische Forscher tüfteln derzeit an einem hormonellen Verhütungsmittel für den Mann – mit Erfolg. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Stolz präsentierten die Forscher des Los Angeles Biomed Research Institute vergangenes Wochenende die Testresultate einer neuen Pille für den Mann. Die Wissenschaftler haben die Pille, genannt 11-beta-MNTDC, an 40 gesunden Männern getestet. «Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Pille die Spermienproduktion verringert und gleichzeitig die Libido bewahrt», so die Reproduktionsbiologin Christina Wang gegenüber sciencealert.com.

Die Pille für den Mann soll ähnlich funktionieren wie …

Artikel lesen
Link zum Artikel